Nisargadatta: den Traum als Traum erkennen


nFrage: Wenn sowohl der Traum als auch das Entkommen aus dem Traum Einbildungen sind, was ist dann der Ausweg?

Nisargadatta: Ein Ausweg ist nicht nötig! Sehen Sie nicht, dass ein Ausweg auch nur ein Teil des Traumes ist? Alles, was Sie tun müssen, ist den Traum als Traum zu erkennen.

F: Wohin wird es mich führen, wenn ich anfange, alles als Traum zu verwerfen?

N: Wo es Sie auch hinführt, es wird ein Traum sein. Die Vorstellung, über den Traum  hinauszugehen, ist illusorisch. Warum irgendwohin gehen? Verwirklichen Sie einfach, dass Sie einen Traum träumen, den Sie Welt nennen und hören Sie auf, nach Auswegen zu suchen. Der Traum ist nicht Ihr Problem. Ihr Problem besteht darin, dass Sie einen Teil des Traumes mögen und den anderen nicht. Wenn Sie den Traum als Traum erkannt haben, dann haben Sie alles getan, was nötig ist.

aus Nisargadatta Maharaj, „Ich Bin“

vMan könnte es natürlich auch anders ausdrücken: Lebe dein Leben, als sei es kein Traum! Nisargadatta sagt: „Ihr Problem besteht darin, dass Sie einen Teil des Traumes mögen und den anderen nicht. Wenn Sie den Traum als Traum erkannt haben, dann haben Sie alles getan, was nötig ist.“ Nächste Woche muss ich mal wieder zum Zahnarzt. Das ist ein Teil des Traumes, den ich nicht sonderlich mag. Wenn ich den Traum als Traum erkannt habe, dann mag ich diesen Teil des Traumes immer noch nicht. Und natürlich widerspreche ich dem Nisargadatta, wenn ich das wörtlich nehme, was er sagt: „Wenn Sie den Traum als Traum erkannt haben, dann haben Sie alles getan, was nötig ist.“ Ich habe Zahnschmerzen. Das ist nur ein Teil des Traumes, der sich aber, hast du nicht gesehen, zum Albtraum entwickeln kann. Also gehe ich zum Zahnarzt und lass mir nicht von Nisargadatta einreden, dass ich schon alles getan hätte, wenn ich den Zahnschmerztraum als Zahnschmerztraum erkannt habe. Auch im nächtlichen Traum tue ich alles, um irgendeinem Übel zu entkommen. Insofern kann ich es wirklich so ausdrücken: Lebe dein Leben, als sei es kein Traum! Und damit bin ich wieder bei dem schon des Öfteren zitierten Satz von Hans Vaihinger gelandet:

Handle, als ob du der Handelnde wärest,
mit dem Wissen, dass du nicht der Handelnde bist.

Vaihinger, der Philosoph des ALS OB, versuchte damit etwas zu beschreiben, was nicht zu beschreiben ist. Buddha hat es halt mit dem Satz ausgedrückt: „Handlungen geschehen, doch gibt es keinen Handelnden.“ Vaihinger scheint Wert auf den Aspekt des Handelns zu legen: Tu und lasse, wonach immer dir ist (wobei, was immer du glaubst, dein Handeln nur scheinbar dein Handeln ist)! Und Osho, der bisweilen auch als Epikureer bezeichnet wurde, sagte: „Feiere alles!“ Das kann natürlich nur in dem Wissen gelingen, dass das, was „Welt“ genannt wird, ein Traum ist. Und wer versucht, diese schrecklich-schöne Welt zu verlassen, träumt nur, diese schrecklich-schöne Welt verlassen zu können. Jedes Bemühen ist Teil des Traums. Vaihinger würde hinzufügen: Und nun, tu dein Bestes!
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Eine Antwort zu Nisargadatta: den Traum als Traum erkennen

  1. Brigitte schreibt:

    Warum ist dieser falsche Traum
    warum dieses Verrücktsein
    nur so schön
    (Ikkyû Sôjun)

    warum, warum… bleibt unbeantwortet.

    „Stellt Euch selbst in Frage, stellt die Welt in Frage!“ (Ikkyû Sôjun)

    Kein Ankommen. Nirgendwo.

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