Huang-Po: Weder sorgt noch bemüht euch um das wahre Wesen

 

bWenn ein Gedanke plötzlich in eurem Bewusstsein aufblitzt und ihr ihn als Traum oder eine Täuschung erkennt, dann könnt ihr in den Zustand eingehen, den die Buddhas der Vergangenheit erreichten. Doch denkt nicht, dass die Buddhas der Vergangenheit wirklich existierten oder dass die Buddhas der Zukunft noch nicht ins Dasein getreten sind. Vor allem sehnt euch nicht danach, ein zukünftiger Buddha zu werden. Euer einziges Bestreben sei, während ein Gedanke einem anderen folgt, an keinem Gedanken zu hängen. Ihr sollt auch nicht den geringsten Ehrgeiz besitzen, hier und jetzt ein Buddha zu sein. Selbst wenn ein Buddha erschiene, stellt ihn euch nicht „erleuchtet“ oder „verblendet“, „gut“ oder „schlecht“ vor. Beeilt euch, jede Sehnsucht nach Bindung an ihn aufzuggeben. Schneidet augenblicklich jeden Gedanken an ihn ab. Auf keinen Fall dürft ihr ihn festhalten wollen, denn tausend Schlösser würden ihn nicht halten, hunderttausend Fuß Seil würden ihn nicht binden. Da dies so ist, strebt mit aller Kraft danach, ihn zu verbannen und auszulöschen.

Ich will euch jetzt ganz klarmachen, wie ihr euch dieses Buddhas entledigen könnt. Betrachtet das Sonnenlicht. Ihr mögt meinen, dass es ganz nahe ist. Doch würdet ihr ihm auch von Welt zu Welt folgen, ihr würdet es nicht zu fassen bekommen. Meint ihr aber, es sei fort – seht doch, es ist hier vor euren Augen. Folgt ihm, und es entweicht euch. Dieses Beispiel lässt erkennen, wie es sich mit dem wahren Wesen der Dinge verhält. Deshalb braucht man sich um das wahre Wesen weder zu sorgen noch zu bemühen.

aus: Huang-po, „Der Geist des Ch’an“
sDenkt nicht, dass die Buddhas der Vergangenheit wirklich existierten oder dass die Buddhas der Zukunft noch nicht ins Dasein getreten sind“, sagt Huang-po. „Buddha bezeichnet im Buddhismus einen Menschen, der Bodhi (wörtlich ‚Erwachen‘) erfahren hat, und ist der Ehrenname des indischen Religionsstifters Siddhārtha Gautama, auch ‚Buddha‘ genannt, dessen Lehre die Weltreligion des Buddhismus begründet.“ So steht es bei Wikipedia und die müssen es schließlich wissen. Huang-po meint jedoch ganz offensichtlich nicht eine Person, z.B. Siddhārtha Gautama, denn der soll ja tatsächlich in Erscheinung getreten sein. Also was meint er dann? Ich würde sagen, er meint genau das, was eben nicht in Erscheinung tritt, nie in Erscheinung getreten ist und nie in Erscheinung treten wird. Er meint nicht die erwachte Person, sondern Wachheit. Und die manifestiert sich pausenlos als alles, was ist. Wenn mich mal wieder jemand in Narkose versetzt hat, geschah dies genauso, wie es geschieht, wenn ich morgens aufgewacht bin. Die Zellen meines Körpers wissen rund um die Uhr, was sie zu tun haben. Dies wäre ohne Wachheit gar nicht möglich. Die „Buddhas der Vergangenheit und der Zukunft“ haben nie existiert bzw. werden nie existieren. Nur Buddha als Wachheit, Buddha als reine Wahrnehmung ist. „Auf keinen Fall dürft ihr ihn [Buddha] festhalten wollen, denn tausend Schlösser würden ihn nicht halten, hunderttausend Fuß Seil würden ihn nicht binden.“ Siddhārtha Gautama hätte man jederzeit festhalten oder binden können, mit Buddha lässt sich das nicht machen. Bodhi würde ich auch nicht als Er-wachen bezeichnen, sondern ebenfalls als Wachheit. Wachheit erwacht nicht, Wachheit ist.

Huang-po schleudert ja mal wieder wild mit Anweisungen und Empfehlungen herum. Schließlich erklärt er auch noch, wie man da hinkommen kann, die Sache mit Buddha richtig zu verstehen. Seine Schüler müssen ihn wohl sehr mir ihren Fragen gequält haben. So sagt er nach der Sache mit der Unmöglichkeit, Buddha festzuhalten oder sonst auf irgendeine Art zu binden: „Da dies so ist, strebt mit aller Kraft danach, ihn zu verbannen und auszulöschen.“ Na ja, wie ihr wisst, halte ich so gar nichts von Strebern. Huang-po muss wirklich sehr genervt gewesen sein.

w

Huang-po war’s, nicht die Taliban

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Huang-Po: Weder sorgt noch bemüht euch um das wahre Wesen

  1. fredoo schreibt:

    „““Bodhi würde ich auch nicht als Er-wachen bezeichnen, sondern ebenfalls als Wachheit. Wachheit erwacht nicht, Wachheit ist. „““
    dito …
    Diese Wachheit ( als „Lebensfaden“ ) kann lediglich von Augenblick zu Augenblick „bemerkt“ werden.
    Dann geschieht das , was ich ( für mich ) die aktivierte Nebelschnur zum „Eigentlichen“ nenne.
    Dies ist letztlich jederzeit für Jedermann/frau möglich ( und durchaus auch sehr wohltuend ) …

    Dieses „Bemerken“ muss halt nur erstmal „bemerkt“ werden können . ( grins )
    Denn dies „Bemerken“ ist keinesfalls eine neue Erfahrung (oder gar Tätigkeit) , sondern zeigt sich bereits im ersten „Bemerken“ als , eigentlich , dauernd zum Leben bereits dazugehörend .
    Soll heißen , Bemerken findet , eigentlich , dauernd statt , von Atemzug zu Atemzug .
    Wird jedoch im gewohnten Leben ( mit aktiv andauernder „Ich“-Hypnose ) einfach nicht bemerkt .

    Es geht also um ein Bemerken des „Bemerkens“ .

    Hmmm … das hört sich jetzt bestimmt für den ein oder anderen seltsam bescheuert an …
    ist es auch
    Da aus der Sicht des (angeblichen) Ichs heraus , jedes Bemühen um „Bemerken“ obsolet ist , weil nur das Ich stärkend , ( was aber nun mal genau damit dem „Bemerken“ entgegensteht ) könnte man es eine höchsrt fatale Situation nennen . Wie es ja vom Sucher zumeist auch so empfunden wird . Diese wäre auch endgültig ( solange da dies „Ich“ aktiv ist , also bis zum Ende des organischen Lebens ) wenn diese „Ich“ ( als Dauerprojektion ) nicht ab und an eine Art Aussetzer in dieser Projektion hätte … In diesen kurzfristigen „BlackOuts“ verbleibt nur „Bemerken“ ( als eigentliche Grundlage des Lebens ) … nur … und jetzt wird es „tricky“ … muss halt auch dies „bemerkt“ werden .😉
    Es zeigt sich sogar , wenn dies Bemerken erstmals „bemerkt“ wird , dass diese kurzfristigen BlackOuts (der Ich-Projektion) gar kein Sonderfall sind , oder gar eine Art seltener Unfall , sondern dass sich dieses BlackOuts bereits seit Anfang an gleichermassen wie eine Art Faden durch die Kette der Lebensereignisse ziehen . Ja , dass sie diese Lebensgescghichte quasi konfigurieren .

    Warum dies „Bemerken“ oft Erwachen genannt wird , ist mir auch schleierhaft , denn wer oder was wäre da zuvor denn am Schlafen ? … und … vor allem … wer oder was könnte da je erwachen ?
    Zeigt sich doch im „Bemerken“ … da ist niemand der „bemerkt“ , bemerken könnte … da ist nur Bemerken (ohne einen Bemerker ! … wird doch gerade sein Fehlen im Bemerken „bemerkt“😀 ) …

    So … genug geschwallt … der Kaffee wartet …

    Gefällt mir

  2. Brigitte schreibt:

    So, lieber Nitya, ich probier’s noch mal, vielleicht klappt’s diesmal…;)

    Die beiden sind so cool🙂

    Gefällt mir

  3. Eno Silla schreibt:

    ich bemerke
    alles und nichts
    ich bemerke und bemerke nicht
    weder bemerke ich noch bemerke ich nicht
    bemerke ich

    „Deshalb braucht man sich um das wahre Wesen weder zu sorgen noch zu bemühen.“

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Na ja, lieber Eno, für den Anfang nicht schlecht. Da muss er durch. Hoffentlich bleibt er nicht darin hängen, sonst wird das zur neuen Benimmregel böse zu sein. Und dann kommt jemand muss ein Liedchen über das Gutsein singen. Wenn er wider zum Kind werden will, muss er zuerst böse … ähh ein Löwe sein und laut brüllen – sagt er, der Nietzsche.

      Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s