Huang-po: Keine Erscheinungen, kein ursprünglicher Geist


tetralemmaNoch einmal: Im Grund sind alle Erscheinungen ohne Existenz, wenn du auch nicht behaupten kannst, sie seien nicht existent. Karma, das entsteht, ist dadurch noch nicht existent. Karma, das vernichtet wird, hört dadurch nicht auf zu existieren. Selbst seine Wurzel ist keine Wurzel. Überdies: Geist ist nicht Geist, denn was auch immer dieser Begriff beinhaltet, ist weit entfernt von der Wirklichkeit, für die er steht. Auch Form ist nicht wirklich Form.

Wenn ich nun behaupte, dass es keine Erscheinungen und keinen „ursprünglichen“ Geist gibt, dann werdet ihr anfangen, etwas vom intuitiven Dharma zu verstehen, der schweigend von Geist zu Geist übertragen wird. Da Erscheinungen und Nichterscheinungen eins sind, gibt es weder Erscheinungen noch Nichterscheinungen, und die einzige Übermittlung geschieht von Geist zu Geist.

aus: Huang-po, „Der Geist des Ch’an“

Huang-po sagt: „Geist ist nicht Geist, denn was auch immer dieser Begriff beinhaltet, ist weit entfernt von der Wirklichkeit, für die er steht.“ Jiddu Krishnamurti: „Das Wort ist nicht das Ding.“ Ist es das, worauf Huang-po hinaus will?

Es scheint ihm um das zu gehen, was etwa „zwischen Buddha und Mahakashyapa geschehen ist“. Er sagt: „Wenn ich nun behaupte, dass es keine Erscheinungen und keinen ‚ursprünglichen‘ Geist gibt, dann werdet ihr anfangen, etwas vom intuitiven Dharma zu verstehen, der schweigend von Geist zu Geist übertragen wird.“ Buddha schwieg, seine Schüler erwarteten Worte und wurden enttäuscht. Und dann eine einzige Geste: Buddha hielt seine Lotusblume hoch. Man sagt, dass das die Geburt von Ch’an war. Einer grinste.
bWas ist das: Eine Hand, die eine Lotusblume hält. Wer würde das nicht sehen? Aber es geht gar nicht um die Hand, die eine Lotusblume hält. Wenn es damals schon Teddybären gegeben hätte, hätte es auch ein Teddybär sein können. So wurde alles Mögliche in die Lotusblume hineingeheimnisst. „Der Lotus wächst aus dem Schlamm.“ oder ähnlich tiefsinnige Interpretationen. Die Geste Buddhas deutete lediglich auf das hin, das sieht. Wurscht, was da gerade gesehen wird. „Sieh den, der sieht.“ Das ist es dann auch schon. Alles, was dir vor die Augen kommt, ruft im Grunde: „Starr mich nicht an – sieh den, der sieht.“ Und das ist es dann auch schon. Und Mahakashyapa grinste, weil er die vielen Gesichter um sich herum sah, die alle nur Bahnhof verstanden.

„Im Grund sind alle Erscheinungen ohne Existenz, wenn du auch nicht behaupten kannst, sie seien nicht existent.“
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Eine Antwort zu Huang-po: Keine Erscheinungen, kein ursprünglicher Geist

  1. Eno Silla schreibt:

    Mal etwas Anderes, oder doch nicht so Anderes?
    Heute ist in mir mal wieder ein Beitrag von Ken Jebsen aufgetaucht, an dem ich dann ganz interessiert hängen blieb. Ken Jebsen führt ein Gespräch mit Franz Hörmann, der folgenden Satz von sich gibt:
    „Wir sind eins darin, unsere Unterschiedlichkeit zu respektieren, oder mehr sogar, wertzuschätzen, zu lieben.“
    Ein bemerkenswertes Gespräch, hier zu hören:

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