Huang-po: Sobald man den Mund aufmacht …

yinyangDauerndes Hängen an dualistischen Begriffen führt Leben auf Leben, Äon auf Äon, immer und immerfort zur Wiedergeburt auf den sechs Daseinsebenen. Und warum ist das so? Weil die Lehre verfälscht wird, dass die ursprüngliche Quelle der Buddhas jenes aus sich selbst bestehende Wesen ist. Ich möchte euch noch einmal versichern, dass der Buddha nicht im Lichte wohnt noch die Lebewesen in der Finsternis, denn die Wahrheit lässt solche Unterscheidungen nicht zu. Der Buddha ist nicht mächtig, die Lebewesen sind nicht schwach,  denn die Wahrheit erlaubt solche Unterscheidungen nicht. Der Buddha ist nicht erleuchtet, noch sind die Lebewesen unwissend, denn die Wahrheit erlaubt solche Unterscheidungen nicht. Das kommt alles nur daher, weil ihr euch darauf einlasst, Ch’an erklären zu wollen.

Sobald man den Mund aufsperrt, kommt Verderbliches hervor. Entweder vernachlässigen die Menschen die Wurzel und sprechen von den Zweigen, oder sie vernachlässigen die Wirklichkeit der „illusionären Welt“ und sprechen nur von Erleuchtung. Oder sie schwätzen von kosmischen Tätigkeiten, die zu Verwandlungen führen, vernachlässigen aber die Substanz, der sie entspringen. Wahrlich aus Diskussionen entspringt niemals ein Nutzen!

aus Huang-po: „Der Geist des Ch’an“
q„Die ursprüngliche Quelle der Buddhas ist jenes aus sich selbst bestehende Wesen“, sagt Huang-po. Was gibt’s dazu noch zu sagen? Die angemessenste Antwort darauf ist wohl einfach nur zu schweigen. Alles was dazu gesagt werden könnte, wären wieder und wieder nur dualistische Begriffe, die alle möglichen Vorstellungen nähren und zu immer neuen abenteuerlichen Lehren führen würden. Die Welt ist voll davon, obwohl es eigentlich nichts zu sagen gibt. „Ich möchte euch noch einmal versichern, dass der Buddha nicht im Lichte wohnt noch die Lebewesen in der Finsternis, denn die Wahrheit lässt solche Unterscheidungen nicht zu.“ Das glaubt dem Huang-po leider niemand. Man kann es ja verstehen: Da ist irgendso’n Typ, dem scheint es ganz wunderbar zu gehen, und dann ist da so ein armes Würstchen, das die ganze Zeit in seinen Neurosen ertrinkt. Und dann macht das Würstchen den Wunderbargeher zum Heiligen und will von ihm wissen, wie man auch ein Wunderbargeher werden kann. Und wenn der dem Würstchen leicht genervt ein paar Tipps gibt, zack, ist die Erde mit Dickicht überwuchert und eine neue Religion geboren worden; die einzig wahre, die leider nur Verderbliches verzapft.

pHuang-po sagt: „Sobald man den Mund aufsperrt, kommt Verderbliches hervor.“ Er weiß es also, und quasselt trotzdem weiter wie viele andere. Warum ist das so? Darum halt. Die Wunderbargeher sehen, was für komische Ideen die Schlechtgeher haben und bringen es nicht übers Herz, sie nicht darauf aufmerksam zu machen. Da über das Unsagbare jedoch nichts gesagt werden kann, bleibt halt nur dies und das übrig. Daraus lässt sich dann leicht irgendeine Lehre zimmern und so bleibt alles beim Alten. „Alle Buddhas und alle Lebewesen sind nichts als der Eine Geist.“ Wer’s „glaubt“ wird selig. Glauben ist natürlich verkehrt und hat nichts als Verderbliches hervorgebracht. Leben ist Sein. Und das ist auch schon vollkommen genug.

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4 Antworten zu Huang-po: Sobald man den Mund aufmacht …

  1. Ingeborg schreibt:

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    • Eno Silla schreibt:

      Liebe Ingeborg,
      vielen Dank für dieses anrührende Geräusch (Video😉 )!
      Da bin ich doch glatt hängen geblieben in all den Videos von diesen jungen Herzchen auf Youtube. Sobald die den Mund aufmachen, kommt ein Liedchen heraus. Dieses hier ist doch auch herzallerliebst:

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  2. Brigitte schreibt:

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  3. Eno Silla schreibt:

    Sobald ich den Mund aufmache
    Strömt der Atem ein und aus
    Sobald ich den Mund aufmache
    Sind da allerhand Luftgeräusche
    Sobald ich den Mund aufmache
    Und du und du und du
    Sobald wir den Mund aufmachen
    Beginnen wir zu streiten
    Über den Sinn
    Die Qualität
    Die Wahrheit
    Den Wahnsinn
    Dieser Luftgeräusche
    Wir schlagen uns die Köpfe ein
    Wir liegen uns weinend in den Armen
    Wir brüllen uns an
    Oder streicheln uns zärtlich über den Kopf
    Wir sind schon
    Seltsam windige
    Geräuschakrobaten

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