Ram Dass: Das ist alles, was ist.


rHier sind wir, hier und jetzt.
Das ist alles, was ist.
Und wenn das nicht schön ist,
Mann, dann ist nichts schön.

Also sagst du:
Nun, ich kann es zwar jetzt nicht schön haben,
aber später, wenn alles erledigt ist,
wird es schön sein.

Ein Später existiert nie.
Was geschieht mit
der Lebensversicherung, Miete,
dem Planen, Sparen, den Verpflichtungen?

Nichts geschieht damit!

aus: Ram Dass, „Sei jetzt hier“, Sadhana Verlag, Berlin-West 1979

unbenannt-1Stellt euch mal vor, dass das wirklich alles ist, was hier und jetzt ist. Gelesen habt ihr das bestimmt schon oft, aber stimmt es auch so wirklich für euch? Das ewige Hier und Jetzt ist gleichbedeutend mit kein Dort und kein Vorher oder Nachher im Erleben. Die gif-Datei hatte ich ja schon mal kürzlich drin. Sie krankt natürlich wie alle Beschreibungen und Abbildungen zum einen daran, dass „das Wort nicht das Ding ist“, und zum anderen daran, dass dabei immer alles vom Dualismus durchdrungen zu sein scheint: Buddha nimmt den Fluss der Dinge wahr. In Wirklichkeit gibt es da keine Trennung. Der Kreis außen herum soll das symbolisieren. Wahrnehmen ist Sein. „Hier sind wir, hier und jetzt. Das ist alles, was ist.“

Der schäbige Rest der Zeilen von Ram Das wendet sich an einen Jemand mit oder ohne Tüttelchen:
money„Also sagst du: ‚Nun, ich kann es zwar jetzt nicht schön haben, aber später, wenn alles erledigt ist, wird es schön sein.‘ Ein Später existiert nie. ‚Was geschieht mit der Lebensversicherung, Miete, dem Planen, Sparen, den Verpflichtungen?‘ Nichts geschieht damit!“ Nichts geschieht damit, weil ein Später nur als Vorstellung existiert. Kürzlich schrieb mir jemand: „Ich denke darüber nach, intellektuell und intuitiv.“ Intuitiv nachdenken ist nicht möglich. Nachdenken ist immer eine intellektuelle Angelegenheit, gleichgültig, wie ich das Nachdenken nennen will. Auch das Nachdenken geschieht natürlich immer hier und jetzt, wenn auch die Inhalte des Nachdenkens weit über das Hier und Jetzt hinauszugehen scheinen. Darf man denn Lebensversicherung, Miete, das Planen, Sparen, die Verpflichtungen einfach ignorieren? Schließlich sind wir doch auch verantwortlich für unser Tun und Lassen. Die Antwort auf all diese Fragen und Probleme von Ram Dass ist halt: „Hier sind wir, hier und jetzt. Das ist alles, was ist.“

So ich hoffe, dass ich damit Kerstin zufrieden gestellt habe, indem ich den Abstieg vom Gipfel angetreten und den „spurenlosen“ Bodhisattva einsam auf dem Gipfel des Berges zurück gelassen habe.

b

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11 Antworten zu Ram Dass: Das ist alles, was ist.

  1. fredoo schreibt:

    diese verantwortung kann man getrost dem körper und seinen funktionen überlassen .
    der kann das nämlich ausgezeichnet …
    er wird sich von ganz allein darum kümmern , was zu be-kümmern notwendig ist …
    kein körper geht 10 cm am abgrund entlang ohne „verantwortend“ ein mulmiges gefühl zu produzieren …
    wird es genauer betrachtet , gibt es diese verantwortungs-kompetenz des körpers in erstaunlichem masse …
    lediglich diese erwägende erinnerung „ist es genug ?“ macht es dann unnötig beschwerlich …

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    • Nitya schreibt:

      Da gab es mal einen Bogen-Meister und seinen Schüler. Der Schüler demonstrierte dem Meister seine Kunst. Er legte sich einen Apfel auf den einen Ellenbogen und schoss Pfeil um Pfeil ab, ohne dass der Apfel herunterfiel. Daraufhin brachte der Meister den Schüler auf den Rand eines Abgrundes auf einem hohen Berg. Er ging rückwärts bis zur Kante, bis er nur noch mit den Zehenballen auf der Kante stand. Und von da aus schoss er Pfeil um Pfeil ab. Der Schüler sah ihm fassungslos zu und musste sich vor Angst übergeben.

      Und die Moral von der Geschicht: Der Meister hat immer noch den Längsten.

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  2. ananda75 schreibt:

    dieses Buch – der Titel – dieser Stuhl – eine meiner ersten „Erleuchtungen“ – der Stuhl sagte ALLES … löste was aus in mir… veränderte etwas in mir… lang ist’s her… ich saß dann immer auf Stühlen – stolz wie Oskar – ganz Jetzt Hier😆

    Liebe Grüße in diesen wunder-schönen Sonntag❤

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  3. Brigitte schreibt:

    Das Witzige ist ja, dass der Gipfel und das Tal überhaupt nicht voneinander getrennt sind. Wo der Gipfel ist, ist auch das Tal, und umgekehrt. Das, was es scheinbar eng macht, ist an Zu- und Umständen festhalten zu wollen. Auf dem Gipfel sitzen zu bleiben, weils so schön und unbeschwert ist und das Tal zu schmähen, weils so gewöhnlich und beschwerlich scheint. An gar nichts kann festgehalten werden. Wie gewonnen, so zerronnen. Da gibt es kein Entkommen. Nirvana und Samsara sind ihrer Natur nach ungeteilt und leer in sich, nur ihre Erscheinungsformen sind in ihrer Gestalt verschieden und haben unterschiedliche Geschmäcker. GOTT ist überall und nirgends zugleich. Es gibt kein anderes. Keiner hat es in der Hand, ob er grad glückselig auf dem Gipfel hockt oder entkräftet durch die Wüste wandert oder in einer Höhle in totaler Abwesenheit verweilt. Der Lebensfluss bewegt sich scheinbar weiter, ob erwacht oder nicht, und lässt sich weder lenken noch kontrollieren und verändert sich ständig. Da führt kein Weg dran vorbei. „Sei jetzt hier“ ist nicht misszuverstehen als Anweisung, der du folgen kannst oder sollst. Du BIST bereits hier-und-jetzt. Du kannst nirgendwo anders sein. Das ist Hingabe an den Moment so, wie er ist.

    Hör auf zu grübeln.
    Verlier dich nicht in deinen Gedanken.
    Sie ziehen nur einen Schleier
    über das Antlitz des Mondes.

    Doch dieser Mond ist dein Herz,
    und jene Gedanken decken es zu.
    Lass sie ziehen,
    lass sie einfach ins Wasser fallen.
    (Rumi)

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