Huang-po: jener „spurenlose“ Bodhisattva


dEs heißt, dass auch nur die geringste Absicht, begrifflich zu denken, euch den Krallen der Dämonen ausliefert. Gleicherweise aber wird die bewusste Enthaltung von einer solchen Absicht, oder auch nur das Bewusstsein, keine solche Absicht zu haben, genügen, um euch der Gewalt der Dämonen auszuliefern. Dies aber werden nicht Dämonen von außen sein, sondern Selbstschöpfungen eurer eigenen Gedanken.

Die einzige Wirklichkeit ist jener „spurenlose“ Bodhisattva, dessen Existenz selbst im geistigen Sinn vollkommen unmanifestiert ist.

Erlaubt ihr euch, jemals den Erscheinungen mehr als eine rein vergängliche Existenz zuzuschreiben, so verfallt ihr in einen schweren Fehler, nämlich in den irrigen Glauben an ein ewiges Leben. Versteht ihr dagegen die wesenhafte Leere der Erscheinungen als bloßes Nichts, dann verfallt ihr einem anderen Missverständnis, nämlich dem irrigen Glauben an die völlige Auslöschung.

aus: Hunag-po: „Der Geist des Chan“

gDas Kernstück ist: „Die einzige Wirklichkeit ist jener ’spurenlose‘ Bodhisattva, dessen Existenz selbst im geistigen Sinn vollkommen unmanifestiert ist.“ Darauf läuft alles hinaus, das zuvor Gesagte und das Nachfolgende. Was überlagert die einzige Wirklichkeit? Zum einen geht es um das begriffliche Denken. Die Absicht, begrifflich zu denken, und das Bewusstsein, diese Absicht nicht zu haben. Beides geschieht ja bereits als begriffliches Denken. Zum anderen geht es um den Glauben an Vorstellungen. Sowohl der Glaube daran, dass Erscheinungen nicht flüchtig sind, sondern Dauer besitzen, wie der Glaube, dass, Erscheinungen null und nichtig sind, bewirken wie das begriffliche Denken, dass ihr euch der Gewalt eurer inneren Dämonen ausgeliefert habt.

Unausgesprochen ist dies eine wundervolle Darstellung des Tetralemmas. Jener ’spurenlose‘ Bodhisattva ist nicht zu begreifen und nicht zu fassen. Immer wenn du glaubst „Jetzt hab ich ihn!“, hast du ihn nicht.

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17 Antworten zu Huang-po: jener „spurenlose“ Bodhisattva

  1. Kerstin Pauly schreibt:

    guten Samstag lieber Nitya,
    mit Spannung verfolge ich ganz besonders die Beiträge der letzten Tage. Inclusive der ausführlichen Beschreibungen aller Beteiligten sind wir nun heute am „höchsten“ aller Gipfel angekommen. Etwas beklommen frage ich mich nun, ob das, was nicht existiert aber die einzige Wirklichkeit ist, ohne natürlich zu planen, was geschieht, also einfach so😉 das Ende dieses Blogs vorbereitet?
    Wir sind mit dem heutigen Eintrag ja nun schlussendlich durch das plötzlich auftauchende Nichts/die Leere, die ES nicht IST, darüber hinaus gegangen, durch das Nadelöhr, angstfrei und ohne zu tun, nicht etwa gefallen, sondern zuerst absorbiert, dann schwebend getragene, nichtexistente Keinboddhisattva, die eine, wie ich finde durchaus berechtigte Frage stellen könnten:

    Wie willst du uns von diesem Berg wieder hinunter führen?

    …..man darf gespannt sein :-D…….

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    • fredoo schreibt:

      da wo sprachlosigkeit erwähnt wird … vor allem die , die innerlich benutzt wird … gibt es keine steigerung dessen … aber auch keinen echten verstoß dessen … keine steigerung , da das sprachlose nur der würdevolle bezug zum attributlose unwörterbaren simplen unmittelbaren spontanen was weiss ich noch alles ist … kein echter verstoß , da auch das verstoßende eine der unendlichen möglichkeiten ist , wie sich der ozean kräuseln kann …

      also kein berg zum runterführen … kein tal das überwunden sein muss … egal wo auch immer der staunende staunt , da ist nur staunen …
      es ist immer nur annäherung … und die benennung ist mehr staunende bewunderung als ein echte versuch der fixierung … und ist da fixierung wird ihre müßigkeit zum weiteren objekt des staunens …

      nix gewonnen , nix verloren … nur gewürdigt , manchmal auch mit sprache ,
      der reinen freude am unfassbaren leben willen …

      so oder ähnlich … oder auch … dazu geschwiegen …

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  2. Nitya schreibt:

    Liebe Kerstin.

    ich quassele einfach so vor mich hin und habe und hatte nie die Absicht, irgendjemanden irgendwohin zu führen. Ich besitze nicht die geringsten Führerqualitäten und bin auch in keiner Weise scharf darauf, sie zu besitzen.

    Heute stellte Werner Krebber dieses Gedicht von Atisha in seinen Blog:

    Ich will
    die Pforten meiner Sinne
    zu jeder Zeit
    mit Vergegenwärtigung, Wachsamkeit und Sorgsamkeit hüten.

    Daher werde ich wiederholt
    den Zustand meines Geistes prüfen,
    Und zwar dreimal jeden Tag
    und dreimal pro Nacht.

    Wenn selbst der große Atisha, sechsmal am Tag den Zustand seines Geistes prüfen musste, brauchen wir uns um unseren möglichen Absturz vom Berg keine Gedanken zu machen. Er wird passieren oder auch nicht. Und nachdem es heutzutage sowieso ständig radioaktiv auf uns herunterregnet und die Regierungen alles tun, um uns darüber hinaus mit jeder Menge giftigem Zeug unsere Gehirne und überhaupt unsere Gesundheit zu ruinieren, ist die Gefahr des jähen Absturzes ja fast schon vorprogrammiert. Aber vielleicht befinde ich mich ja bereits im freien Fall?

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    • Eno Silla schreibt:

      Diese Quasselstrippe

      Heute Morgen war alles so klar.

      Mein Verstand und mein Herz
      Waren überzeugter denn je,

      Dass nur Gott existiert,
      Ein großer, wilder
      Gott.

      Doch irgendwie wurde ich aus
      Jener vernichtenden Erkenntnis herausgerissen

      Und bin nun wieder
      Diese weinbefleckte

      Quasselstrippe.

      aus: Daniel Landinsky „Hafiz Mein Herz im Spiegel Deiner Augen“

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      • fredoo schreibt:

        ich mag quasselstrippen sehr …

        erfreulicherweise entdecken ich morgens im spiegel zumindest ein exemplar davon …

        wie langweilig wäre es ansonsten …

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      • Eno Silla schreibt:

        lieber fredoo,
        ich mag die quasselstrippen auch – meistens jedenfalls, wenn der appetit auf worte wieder neu und frisch aus der manchmal bestehenden sättigung hervorgeht.
        was wäre dieser traum, dieses lebensspiel ohne quasselstrippen? ohne dieses unendliche beleuchten, dessen was ist, durch worte? nur ausschnittweise, ja, aber was für eine freude diese kleinen beleuchteten bruchstücke des seins bereiten können, diesen scheinbaren wesen, so zart, zerbrechlich und wunderschön, als die wir hier erscheinen, die hinweggefegt werden von diesem unfassbaren nichts, aus dem diese flüchtige wunderbarverrückte welt hervorgeht und wieder versinkt….
        so dahin gequasselt…

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  3. Elwood schreibt:

    „Wenn Du meinst das Ende der Fahnenstange erreicht zu haben, kletterte weiter.“

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  4. Kerstin Pauly schreibt:

    „……..egal wo auch immer der staunende staunt , da ist nur staunen……..“

    Lieber Fredo,
    danke für deine Ausführungen. Viele Jahre war ich dir gegenüber in einer Haltung des Entsetzens, wenn du mal wieder alles, was du zuvor behauptetest über den Jordan warfst und ich mir wie eine Idiotin vorkam, dass ich einfach nicht blicke, was du schon längst und immer wieder aufs Neue durchblicktest.
    Damals dachte ich, du würdest dir immer alles so hindrehen, wie du es gerade brauchst und wie es dich am besten und schlauesten vor allen, besonders vor dir und deinem gewieften Geist, dastehen lässt.
    Hier auf diesem Blog habe ich gelernt, dass das eine spirituelle Größenordnung ist, sowas ist also kein Frevel, kein heute hüh, morgen hott, sowas nennt man Tetralemma.
    Seitdem geht es mir, wie von dir oben beschrieben und von mir zitiert. DA ist einfach nur Staunen ;-D

    Lieber Nitya,
    du schriebst:

    „……ich quassele einfach so vor mich hin und habe und hatte nie die Absicht, irgendjemanden irgendwohin zu führen. Ich besitze nicht die geringsten Führerqualitäten…….“
    Wie du weißt bin ich eine Geschichtenerzählerin. Viele meiner Leser haben mir mitgeteilt, dass es Freude macht meine Geschichten zu lesen, weil ich sie beim Lesen „mitnähme“, hinein in die Geschichten zöge. Das mache ich nicht absichtlich, auch ich schreibe einfach so für mich hin, weil es mir Freude bereitet. Leider habe ich viel zu wenig Zeit zum Schreiben und hoffe, dass sich das im kommenden Herbst und Winter etwas verändert.
    Ich weiß also, dass es geschehen kann, dass ein Leser sich verwickelt fühlt….und, wenn ich nicht weiterschreibe, entweder das Interesse verliert oder sich gefangen fühlt in den Verwicklungen, die ich nicht aufgelöst habe. Z.B. fehlt schon lange der nächste Teil von meiner Sachbearbeiterin Geschichte.

    Was ich nun heute mitteilen wollte ist der Eindruck, dass du uns, die Leser, einer Höhe genähert hast, die schwindelerregend nirgendwohin (mehr) führen kann. Sozusagen unauflösbar bleibt.
    „jener spurenlose Boddhisattva“ hat er oder hat er nicht verwirklicht, was hier gesagt wird?:
    „Erlaubt ihr euch, jemals den Erscheinungen mehr als eine rein vergängliche Existenz zuzuschreiben, so verfallt ihr in einen schweren Fehler, nämlich in den irrigen Glauben an ein ewiges Leben. Versteht ihr dagegen die wesenhafte Leere der Erscheinungen als bloßes Nichts, dann verfallt ihr einem anderen Missverständnis, nämlich dem irrigen Glauben an die völlige Auslöschung.“

    Eno Silla schreibt:

    „……..Doch irgendwie wurde ich aus, Jener vernichtenden Erkenntnis herausgerissen, Und bin nun wieder, Diese weinbefleckte Quasselstrippe.“

    Es sieht so aus als würden wir nur durch Betäubung befleckt wieder in das zurückfallen, was wir bereits „überschritten“ glaubten, hofften.
    Sich sechsmal am Tag seines Geisteszustandes zu vergewissern wäre für mich Urlaub.
    Hier geschieht das mindestens stündlich, manchmal minütlich, dieses sich vergewissern, dieses „ist das wahr?“ …und so glaube ich mittlerweile, dass das Denken-Über“ zu einer schwindelerregenden Höhe führen kann, von der ein Absturz der reinste Segen wäre.
    In all deinen Blogeinträgen hast du es aber immer wieder geschafft nicht abzustürzen, sondern gleitend den Boden unter den Füßen zu finden.
    Du schreibst:
    „Aber vielleicht befinde ich mich ja bereits im freien Fall?“……möge Gott dich/uns fangen❤

    Lieben Gruß ins WE, ich stürze mich nun in die Lebendigkeit meines Enkels, dessen Anwesenheit mich auf so wundervolle Weise von den spirituellen Grübelein befreit😀

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    • Eno Silla schreibt:

      Liebe Kerstin,
      dein heutiger Beitrag lies die Erinnerung an den wunderbaren Rick Linchitz in mir aufsteigen und an die Geschichte, die er immer wieder gerne erzählt hat von Joe, der in einen bodenlosen Abgrund fällt…
      Ich liebe diese kleine Geschichte und musste etwas suchen, um sie von Rick L. erzählt zu finden.
      Hier ist sie, nur ganz kurz, aber auch schön weiter anzuhören:

      falling

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      • fredoo schreibt:

        dazu fällt mir ein witz ein , den ramesh gern erzählte :
        „ein man geht in den bergen spazieren , und fällt aus unachtsamkeit über einen abhang. im letzten augenblick kann er sich an einer wurzel festhalten , kann sich aber nicht weiter retten. da ruft er so laut er kann nach hilfe . keine antwort . dann mit tiefer inbrunst nach gottes hilfe : „helf mir , helf mir , ich werde alles tun , was du künftig von mir verlangst“ . beeindruckt von seiner inbrunst erscheint gott auf der klippe und ruft zu dem verzweifelten hinunter “ hier ist gott , ich werde dir helfen , da du so inbrünstig danach verlangst , also , lass los , ich werde dich auffangen !“
        einige sekunden stille , dann ruft der hängende mann nach oben : “ ist noch irgendjemand anderes da oben ?“

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      • Eno Silla schreibt:

        ich falle
        falle
        aus

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      • Kerstin Pauly schreibt:

        Dankeschön, Eno Silla, fürs Raussuchen und Einstellen❤

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    • Brigitte schreibt:

      Hallo Kerstin,
      ab und an lese ich deine Geschichten, wenn mir grad danach ist, und ich lass mich gerne darin verwickeln…;-) Viel Spaß mit deinem Enkel und genieße die pure Lebendigkeit.

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      • Kerstin Pauly schreibt:

        Schön Brigitte, freut mich. Dank auch für deine Beiträge in den letzten Tagen, sie waren auch für mich in Synchronizität mit dem, wie es hier gerade ist.
        Zu dem Rumi Gedicht an anderer Stelle möchte ich mein Lieblings-Lebensgedicht hinzufügen:

        Nur zwei Dinge

        Durch so viel Form geschritten,
        durch Ich und Wir und Du,
        doch alles blieb erlitten
        durch die ewige Frage: wozu?

        Das ist eine Kinderfrage.
        Dir wurde erst spät bewußt,
        es gibt nur eines: ertrage
        – ob Sinn, ob Sucht, ob Sage –
        dein fernbestimmtes: Du mußt.

        Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
        was alles erblühte, verblich,
        es gibt nur zwei Dinge: die Leere
        und das gezeichnete Ich.

        (Gottfried Benn)

        und wenn dir mal wieder danach ist, hier eine Geschichte aus meiner „Feder“😉

        https://wechselbalgs.wordpress.com/2016/09/26/die-feder/

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  5. Eno Silla schreibt:

    Lachen Über Das Wort Zwei

    Nur

    Jener erleuchtete
    Eine,

    Der stets aufs Neue
    Das Formlose in die Form lockt,

    Besaß den Zauber,
    Mein Herz zu erobern.

    Nur jener vollkommene
    Eine,

    Der immer
    Über das Wort
    Zwei
    Lacht,

    Kann dir
    Die Liebe
    Zeigen.

    aus: Daniel Landinsky „Hafiz Mein Herz im Spiegel Deiner Augen“

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  6. Brigitte schreibt:

    Eno, wie schön. Grad heute kam mir der Rick in den Sinn. Wenn ich ihn sehe, geht mir das Herz auf. Es ist unglaublich, diese Synchronizitäten in den letzten Tagen; ich staune immer wieder aufs neue darüber. DANKE für diesen Videoclip und die schöne Erinnerung.

    Wenn du allen Halt verlierst,
    und ins Bodenlose fällst,
    ist das ein Augenblick der Gnade.
    wo du nicht mehr bist.

    Aufgefangen von einer
    allumfassenden Kraft,
    die dich emporhebt.

    Getragen von einem Strom
    grenzenloser Liebe,
    die dich wie unsichtbar hält.

    Umarmt dich das Leben
    bedingungslos,
    und du schaust
    die Vollkommenheit,
    in allem, was ist.

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