Karl Renz: Frieden ist, was du bereits bist


kDas Alter des Lehrers sollte keine Rolle spielen
und auch nicht, ob er sinnliche Freuden genießt,
oder welche gesellschaftliche Stellung er hat.
Nichts davon sollte in Betracht gezogen werden.
Wer würde einen Edelstein von sich weisen,
nur weil er in den Schmutz gefallen ist?

aus: Dattatreya, „Avadhuta Gita“ – 2.1

whNisargadatta sagt: Auf der einen Seite ist Liebe. Sie sagt mir, dass ich alles bin. Auf der anderen Seite ist Weisheit. Sie sagt mir, dass ich Nichts bin. Beides sind leere Versprechungen. Zwischen diesen beiden fließt „Was Ich Bin“. Beide sind leer, beide versprechen dir etwas, beide erzählen dir etwas und beide belügen dich. Das Herz sagt dir etwas und der Intellekt erzählt dir auch etwas, aber beide sind Lügner. Keiner von beiden kann liefern, was er verspricht. Das eine verspricht dir Frieden, indem es alles ist, das andere verspricht dir Frieden, indem es nichts ist, und beides sind Lügen. Frieden ist, was du bereits bist. Er kann weder von der Weisheit noch vom Herzen geliefert werden. Beides sind leere Gefäße.

Es heißt, du sollst ein offenes Herz haben und einen offenen Geist, beides, und dann bist du vollständig. Wer muss vollkommen sein? Das ist die Frage, wer verflucht noch mal muss vollkommen sein, um zu sein, was er ist? Wieder – ich will vollkommen sein und einen vollkommenen Geist haben. Und auf der anderen Seite ein offenes Herz. Dann läufst du auf diesen Krücken und bist der oder das Vollkommene. Na dann Halleluja.

aus: Karl Renz, „Am I – I Am“

fKarl sagt: „Das eine verspricht dir Frieden, indem es alles ist, das andere verspricht dir Frieden, indem es nichts ist, und beides sind Lügen. Frieden ist, was du bereits bist.“ Ich verändere mal den letzten Satz: Und Karl verspricht dir Frieden, wenn du bist, was du bereits bist. Und mit Byron Katie stelle ich die Frage: Ist das wahr? Kannst du sicher sein, dass das wahr ist? Es nützt ja nichts, den Karl anzujaulen und als den großen Superman zu feiern, wir müssen alles anzweifeln, alles in Frage stellen, so wie er das auch tut – Gott sei Dank! Die Frage ist ja nicht nur, ob wir in Frieden sind, wenn … die Frage könnte ja auch sein, ob es das ist, was wir wollen: Frieden? Wir sprechen von Friedhofsruhe und dass wir im Grab endlich unseren Frieden hätten. „Er ruhe in Frieden!“, sagen wir. Ist es das, was wir wollen. Ich setze Heraklit dagegen mit seiner Aussage: „Gott ist Tag und Nacht, Winter und Sommer, Krieg und Frieden, Überfluss und Mangel.“ Leben ist Spannung, die ewige Ruhe ist Tod und Tod nur eine Fiktion.

i„Frieden ist, was du bereits bist“, sagt also der Karl. Aber was bist du denn? Kaum glaube ich zu wissen, was ich bin, schon bin ich wieder etwas anderes. Ich bin ewiger Wandel, das halt, was kommt, wie es Steven Harrison ausdrückt. Ja, aber – bin ich nicht der Spiegel, in dem alles erscheint? Und bleibt der Spiegel nicht immer und bis in alle Ewigkeit der Spiegel? Also doch etwas Bleibendes, ewige Istheit? Oder stimmt es am Ende doch, dass Spiegel und Spiegelbild von Augenblick zu Augenblick ein einziges Fließen von Veränderung zu Veränderung waren und nie getrennt? Ja aber, dahinter – die reine Transzendenz, weder Spiegel noch Spiegelbild … ist es nicht das, was ich schon immer war, bin und sein werde?

Tja, wenn du meinst.
r

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10 Antworten zu Karl Renz: Frieden ist, was du bereits bist

  1. Brigitte schreibt:

    Lieber Nitya, danke für diesen schönen Blogeintrag🙂

    „wir müssen alles anzweifeln, alles in Frage stellen“

    Stimmt das so für mich?

    Wenn ich so zurückblicke und hineinspüre, kann ich sagen, dass ich nichts angezweifelt und auch nichts in Frage gestellt habe. Eher war ich die Verzweiflung und das Fragezeichen selbst. So bin ich durch die Welt gegangen. Und sie war für mich nicht nur sehr fragil, sondern zutiefst instabil und unsicher, ein wackeliges Gerüst, das jederzeit einstürzen konnte. Sie war von Anfang an im höchsten Maße unglaubwürdig, ein „Ort“, wo ich nicht sein konnte und dem ich nicht vetrauen konnte. Alles, was passierte und mir begegnete, habe ich beobachtet. Nicht willentlich, nicht absichtlich. Es stellte sich so ein. Und, ich habe es nicht hinterfragt, nicht mal hingenommen, es war einfach so. Und gleichzeitig war ich vollkommen involviert in jedes Geschehen, wie ein Schwamm, der alles aufsaugt, unterschiedslos. Da war keine Barriere, die was auch immer fernhalten konnte. Und wenn eine da war, brach sie weg. Ich und die Welt waren mir zutiefst fremd. Ich hatte kein „Zuhause“, nirgends fand ich einen Halt, ich war verlassen. Das Leben war brüchig, zerschossen in unendlich viele auseinanderfliegende Teile. Jeder kleinste Hoffnungsschimmer am Horizont verblasste wieder. Was blieb war Ernüchterung. Vielleicht zog ich mich deshalb immer wieder ganz in mich selbst zurück. Das war meine einzige Zuflucht, die Welt und auch mich ganz zu verlassen. Das war das einzig Tragende.

    Das Lustige ist, ich wollte immer Alles … o d e r Nichts. Da gab es kein Dazwischen. Das Nichts war mir näher. Doch ich bekam immer beides. Deswegen sage ich auch, Hölle und Himmel sind in mir, nicht irgendwo anders. Damit musste ich irgendwie klarkommen. Und das war unmöglich. Ich suchte ständig Halt im Außen und fand keinen. Immer wieder rutschte ich ab in Todesnähe. Doch in all dem brannte eine Sehnsucht, ohne zu wissen wonach. Sie war wie ein innerer Ruf. Sehr leise, zart, unaufdringlich, kaum wahrnehmbar. Meistens habe ich sie ignoriert oder missverstanden. Sie ließ sich aber nicht abschütteln, sie war entschlossen, mich heimzuholen.

    Irgendwann gab ich nach und fragte mich, wonach sehnst du dich eigentlich so sehr? Und wieder ging der Blick nach außen. War es Glück, Liebe, Anerkennung, Erfüllung? Nein! Erlösung, Befreiung, mich-selbst-sein? Keine Ahnung, davon wusste ich nichts, aber es kam dem schon näher, und zugleich war es unerreichbar. „Was willst du wirklich?“ Ja, was will ich wirklich, das ist eine gute Frage. Und sie ist nicht mal so eben an der Oberfläche zu beantworten. Die Antwort kommt nicht aus dem Verstand. Sie geht tatsächlich viel tiefer als jedes Nachdenken darüber und über jedes Wort hinaus. So ist es auch mit dieser Sehnsucht. Sie weiß von nichts. Sie ist wie ein Sog ins Unbekannte. Und sie führte mich beständig nach Innen. Dahin, wo es kein Innen und Außen mehr gibt. Wenn diese Sehnsucht in dir brennt, lass sie nicht ausbrennen, lausche in sie hinein. Sie ist wie die Welle im Meer. Sie bringt dich zu DIR, und darin verlöscht auch die Sehnsucht.

    Mein Gott, warum schreibe ich das? Achso, ja, die Aussage, wir müssen alles anzweifeln, alles in Frage stellen. Müssen wir? Das mag so sein. Irgendwie scheine ich da anders zu ticken. Aber es macht nix. Es ist ok, egal wie du tickst.

    Ganz schön viel „ich“ in diesem Geschreibsel. „Ich“ ein imaginärer Bezugspunkt mit einer „Welt“ im Schlepptau.

    Soll ich das jetzt abschicken? Das frage ich mich jedes Mal. Es spricht nichts dafür, aber auch nichts dagegen. Tja …

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  2. Eno Silla schreibt:

    Liebe Brigitte, danke!

    unendliches fragen
    unendliches antworten
    unendliches nichtwissen

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    • Brigitte schreibt:

      … und nirgendwo ein Landeplatz

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Brigitte,

      du sagst: „Eher war ich die Verzweiflung und das Fragezeichen selbst.“ und weiter: „Achso, ja, die Aussage, wir müssen alles anzweifeln, alles in Frage stellen. Müssen wir?“ Ich würde sagen, dass du der lebendige Beweis für dieses Müssen bist. Ein wandelndes Fragezeichen. Jemnd hat mal zu mir gesagt: „Dich muss man erst an die Wand klatschen, bevor du Ruhe gibst.“ Ich hätte selbst als Fettfleck an der Wand keine Ruhe gegeben. Er hatte sich in seiner Anthroposophie zur Ruhe gesetzt, ich hätte dasnie gekonnt. Müssen tu ich gar nichts. Aber was das Hinterfragen anbelangte, hatte ich keine Wahl. Jede Antwort entpuppte sich als Lüge und das dauerte ganz schön lange, bis ich mit den Fragen und den Antworten spielen konnte und sie nicht mehr ernst nahm. Heute brauche ich sie nicht mehr, nicht die Fragen und nicht die Antworten. Aber Spaß machen sie mir immer noch. Vor allem die Fragen, die unbeantwortet schwebend in der Luft hängen bleiben. Antworten dagegen bilden nur den Stoff, aus dem neue Fragen gebastelt werden können. Völlig überflüssige Fragen, mit denen man spielen kann.

      Heute kommen die Flüchtlinge mit ihren Kriegstraumata zu uns. Ich war auch mal ein Kind mit Kriegstraumata. Da kommen einem in dieser nicht zu verstehenden Welt und in all der Verzweiflung eben auch so diese und jene Fragen.

      Danke, dass du dein Gescheibsel reingestellt hast! Danke.

      Und danke auch für die wunderschöne Katze in Buddhas Schoß!

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      • Brigitte schreibt:

        Lieber Nitya,

        selbstverständlich ist das Hinterfragen wichtig. Ich habe spät damit angefangen. In Subhash’s Forum habe ich langsam begriffen, wie wertvoll es ist, sich mit den Geschehnissen in der Welt und gesellschaftlichen Themen konkret auseinanderzusetzen und sich dem fragend anzunähern, ohne mich gleich überfordert oder gar überwältigt zu fühlen.

        In der Kindheit ging es in meiner Familie nur ums nackte Überleben. Da war kein Raum für fragende Kinderaugen. Meine Eltern hatten selbst Kriege hautnah durchleben müssen. Mein Vater sogar zwei, und er war noch ein kleines Kind. Das muss grauenvoll sein und ich weiß nicht, wie man auf normalen Wegen solche Traumata je überwinden kann. Meine Mutter hatte viel Kraft in sich mobilisieren können. Mein Vater hing an der Schnapsflasche und ist letztlich daran zugrunde gegangen. Das Grauen hat viele Gesichter. Es ist womöglich unser aller Erbe, das in uns wirkt, und es bleibt wohl keinem erspart, früher oder später damit in Kontakt zu treten und auch den ungeheuren Schmerz in sich zu fühlen, der oftmals verdrängt wird. Gott sei Dank, gibt es auch noch die Sonnenseite im Leben. Immerhin.

        Mir gefällt, was du hier schreibst:

        „Heute brauche ich sie nicht mehr, nicht die Fragen und nicht die Antworten. Aber Spaß machen sie mir immer noch. Vor allem die Fragen, die unbeantwortet schwebend in der Luft hängen bleiben. Antworten dagegen bilden nur den Stoff, aus dem neue Fragen gebastelt werden können. Völlig überflüssige Fragen, mit denen man spielen kann.“

        Ja, wunderbar! Soweit bin ich noch nicht, aber guten Mutes. Danke dir!

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      • Brigitte schreibt:

        Gestern gabs auf 3sat zwei interessante Sendungen. Ich stelle die Links mal hier rein. Vielleicht interessiert sich ja der/die eine oder andere dafür.

        Das getäuschte Gedächtnis: Erinnerungen können trügen
        http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=61427

        scobel: Nach dem Trauma
        Kriegsgeschehen, Flucht, Terror- oder andere Gewalterfahrungen, aber auch Hunger, Durst und extreme Armut können Auslöser für Traumata sein.
        http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=61650

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  3. Brigitte schreibt:

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