Jed McKenna: ohne Schmerz kein Lohn

 

bDas Adler[„Wie man ein Buch liest“ von Mortimer J. Adler]-Erlebnis lehrte mich: Etwas für richtig zu halten, das falsch ist, ist eine essenziellere und weitaus tückischere Form von Unwissenheit, als gar nichts zu wissen. Was wir als unsere Stärken betrachten, kann sich als der Hinterhalt erweisen, in dem sich unsere lähmenden Schwächen verbergen.

Es lehrte mich zu erkennen, dass das, was wir sehen, nichts ist, und das, was wir nicht sehen, alles. Es lehrte mich, dass dort, wo ich das Ende der Dinge vermutete, erst ihr Anfang war, dass es eine Welt jenseits der Welt gab, die ich sah, ein Ich jenseits des Ichs, das ich kannte. Und höchstwahrscheinlich jenseits davon noch weitere Welten, weitere Ichs.

Es lehrte mich, dass es viel besser ist zu entdecken, dass man sich geirrt hat, als zu entdecken, dass man Recht hatte. Dass Desillusionierung den hauptsächlichen Teil des Wachstums- und Lernprozesses ausmachen. Es lehrte mich, dass der Schmerz und die Beschämung, die wir bei der Entdeckung unserer eigenen Torheit und unseres eigenen Irrtums verspüren, der Preis dafür ist, über ihre Grenzen hinausgegangen zu sein – ohne Schmerz kein Lohn -, dass es sich bei den Schlägen, die mein Selbstbild einstecken musste, um Schläge handelte, die es einstecken sollte, und dass etwas von dem Geißler in mir selbst war und auch sein sollte.

Es lehrte mich die erschreckende Wahrheit, dass ein noch nicht mal zwanzigjähriger Junge viel weiter als die Experten sehen und sie alle abhängen konnte.

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“
kDer große Sufi-Mystiker Hassan: „Ich kam einst in eine Stadt und sah ein kleines Kind, das eine brennende Kerze trug. Es war auf dem Weg zur Moschee, um die Kerze dort aufzustellen. Aus Spaß fragte ich den Jungen: ‚Hast du die Kerze selbst angezündet?‘ Er antwortete: ‚Ja, Herr.‘ Und ich fragte weiter: ‚Vorher war die Kerze nicht angezündet, und dann brannte sie plötzlich – kannst du mir die Quelle zeigen, woher das Licht kam?‘ Und der Junge lachte, blies die Kerze aus und sagte: ‚Jetzt hast du gesehen, wie das Licht gegangen ist. Wohin ist es gegangen? Sag es mir!‘ Mein Ego war erschüttert, mein gesamtes Wissen war erschüttert. Und in diesem Augenblick fühlte ich meine ganze Dummheit. Seitdem ließ ich all meine Gelehrsamkeit fahren.“ (aus: Osho, „The perfekt Master“) Wer nicht von einem kleinen Jungen lernen kann oder von einem Hund oder einem Dieb, von denen die Geschichte auch handelt, hat noch überhaupt nichts begriffen, vor allem nicht seine eigene Dummheit.
nOb das Begreifen immer mit viel Schmerz verbunden sein muss, wie das Jed McKenna beschreibt, weiß ich nicht. Die dunkle Nacht der Seele muss nicht unbedingt eine notwendige Zwischenstation sein. Wer allerdings aller Welt ständig beweisen muss, dass er den Längsten hat, wird wohl durch eine Hölle nach der anderen gehen müssen. „Und in diesem Augenblick fühlte ich meine ganze Dummheit. Seitdem ließ ich all meine Gelehrsamkeit fahren.“ Das taucht in vielen Geschichten auf. Die Leute zerreißen ihre heiligen Schriften, zerstampfen sie, zünden sich ein Feuerchen damit an, … und begreifen, dass all ihre angebliche Gelehrsamkeit immer nur im Kreis herumgeführt hat. Eine andere Version als Scham und Schmerz wäre Lachen. Lachen über den ganzen unendlichen Schwachsinn. Das gefällt mir entschieden besser.
l

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Jed McKenna: ohne Schmerz kein Lohn

  1. Peter D. Zettel schreibt:

    Danke für die Erinnerung.

    Gefällt mir

  2. Elwood schreibt:

    Das Lachen will verlernt sein….

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s