Steven Harrison: Selbstverbesserung?

 

unbenannt-1

Wir können unsere Suche nach Selbstverbesserung fortsetzen, oder auch nicht. Wir können nach Glück, Erleuchtung, Sicherheit oder Identität streben, oder auch nicht. An der Suche ist nichts verkehrt; sie hat schlicht keinen Bezug zur Wirklichkeit. Das, was sich manifestiert, brauchen wir nicht zu suchen, es ist bereits das, was wir sind. Wir finden das Wirkliche nicht in Zeit und Raum und nicht im Jetzt – sondern in der Entdeckung von dem, was als Nächstes kommt.

Können wir diese Entdeckung in Gang setzen? Können wir sie beschleunigen? Lässt sich irgendetwas tun, um diese Befreiung anzustoßen? Wir können alles tun, was wir wollen, aber in einem Universum ohne Ursache und Wirkung ist alles Tun ein Nicht-Tun. In der Wirklichkeit sind dies alles keine Handlungen, sondern lediglich das Auftauchen von Ideen-Blasen ohne Substanz und ohne Boden. Das Universum tut nichts, genauso wenig wie wir etwas tun. Manifestation ist keine Handlung und es ist kein Ding. Gott ist weder Verb noch Substantiv.

Dies ist eine Erforschung frei von Konzepten, sie verlangt von uns die Ganzheit unseres Lebens und alles, was dieses Leben berührt. Unser Leben wird von etwas anderem gelenkt, egal ob wir das anerkennen oder nicht. Ob ich dieses andere bin, ist eine völlig andere Frage. Vergessen wir Zeit und Raum, vergessen wir Sinn und Bedeutung – dann sind wir die Richtung, in die das Leben fließt. Ist dies vielleicht ein neues Erleuchtungsspiel? In post-spiritueller Zeit ist jede Idee von Selbstverbesserung absurd und damit auch jede Art von Erleuchtungsspiel.

aus: Steven Harrison, „Was kommt?“


Wir sind die Richtung, in die das Leben fließt – ob wir nun Zeit und Raum vergessen oder Sinn und Bedeutung, ob wir irgendetwas tun, um die Befreiung anzustoßen oder nicht, ob wir eifrig dabei sind, Selbstverbesserung zu betreiben oder nicht. Wir sind die Richtung, in die das Leben fließt, alles andere sind nur Konzepte. Wir können also alles tun, was wir wollen und brauchen uns nicht einmal darum zu kümmern, ob in einem Universum ohne Ursache und Wirkung all unser Tun nur ein Nicht-Tun ist oder nicht. Vielleicht ist ja sogar das Universum ohne Ursache und Wirkung nur ein Konzept – selbst das würde nichts daran ändern, dass wir die Richtung sind, in die das Leben fließt. Was liegt da näher, als des Lebens, das wir sind, einfach gewahr zu sein?

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Steven Harrison: Selbstverbesserung?

  1. Marianne schreibt:

    Flüsse können austrocknen oder zu reißenden Strömen werden, es können sich Staudämme und Steinwälle auftürmen, die ihren Weg blockieren und sie werden oft begrenzt durch enge Becken und Kanalisierungen – menschengemacht.
    Den ursprünglichen „inneren Fluss“ befreien ist für mich kein Akt der Selbstverbesserung, sondern eine Hingabe an den nächsten natürlichen Schritt.
    Die eindruckvollste Philosophie über den „Lebensfluss“, die ich kenne, stammt von Gene Gendlin: http://www.verlag-alber.de/einzeltitel/details_html?k_tnr=48704&k_onl_struktur=1420077

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Im Gegensatz zu Flüssen trocknet Leben nicht aus, insofern hinkt natürlich auch der Vergleich mit den Flüssen. Die Hingabe an den nächsten natürlichen Schritt oder die Verweigerung eben dieser Hingabe sind beide Teil des Lebensflusses.

      Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s