Tilopa: Der Weg der Nicht-Methode ist der Weg aller Buddhas


oshoAbgelenkt? – Im gleichen Augenblick, wo du es merkst, im Augenblick, wo du darauf aufmerksam wirst, dass du unaufmerksam wirst, kommst du einfach zurück! Das ist alles. Mach kein Problem daraus. Nenne es nicht schlecht, fühl dich nicht deprimiert und frustriert, dass du schon wieder abgelenkt warst. Was ist Schlimmes dabei, abgelenkt zu sein? – Genieße auch das.

Wenn du deine Abgelenktheit genießen kannst, wird sie immer weniger auftreten, aber das ist kein „Sieg“. Statt deinen Hang zur Abgelenktheit tief ins Unbewusste zu verdrängen, hast du sie einfach auch zugelassen. Auch das ist okay.

Das ist die Einstellung von Tantra: Alles ist gut und heilig. Selbst Ablenkungen; irgendwie erfüllen sie einen Zweck. Es braucht dir nicht bewusst zu sein, wozu sie gut sein sollen, aber zu irgendwas sind sie gut. Erst wenn du alles gutheißen kannst, was geschieht, bist du auf dem königlichen Weg. Wenn du dich mit irgendetwas anlegst, ganz gleich, was es ist, dann bist du vom königlichen Weg abgefallen und bist zu einem gewöhnlichen Soldaten geworden, zu einem Krieger.

tDer königliche Blick geht über alle Dualität hinaus.
Die königliche Methode überwindet alle Ablenkungen.
Der Weg der Nicht-Methode ist der Weg aller Buddhas.

Tilopa

aus: Osho, „Tantra, die höchste Einsicht“

„Der Weg der Nicht-Methode ist der Weg aller Buddhas.“ Es geht nicht darum, „richtig“ zu handeln, es geht nicht darum, „richtig“ zu handeln, es geht nicht darum „richtig“ zu handeln, … es geht einfach um die innere Haltung. Jede Methode suggeriert, dass du der Handelnde bist, dass du es in der Hand hast, alles „richtig“ zu machen oder wo die Reise hingeht oder ob du irgendwann das Reifezeugnis für Erleuchtung oder sonst so’n Scheiß bekommst. Wenn sich deine innere Haltung geändert hat, hat sich alles geändert. Und wie ändert sich die innere Haltung? Was muss ich tun, damit sie sich verändert, damit sich alles ändern kann? – Es geht nicht darum, „richtig“ zu handeln, …

gNa ja, Osho gibt da ja schon einen Hinweis: „Im gleichen Augenblick,  … wo du darauf aufmerksam wirst, dass du unaufmerksam wirst, kommst du einfach zurück! Das ist alles. Mach kein Problem daraus.“ Kommst du einfach zurück bedeutet nicht, dass du jetzt zurückkommen sollst. Es geht nicht um ein Zurückkommen, sondern um das Merken. – Ja, und wie kriege ich das hin, dass ich merke? – Du – kriegst gar nichts hin. Entweder merkst du’s oder du merkst es nicht. – Kann man das Merken nicht trainieren? – Probier’s doch aus!
c„Was ist Schlimmes dabei, abgelenkt zu sein?“ fragt Osho. Na ja, ein Busfahrer zum Beispiel kann es sich einfach nicht leisten, abgelenkt zu werden, sonst landet er möglicherweise mitsamt seinen Fahrgästen da, wo er nicht unbedingt hin will. Früher stand bei uns in den Straßenbahnen neben dem Fahrer der Hinweis: „Während der Fahrt bitte nicht mit dem Fahrer reden!“ Aber ansonsten … die Kinder sollen gerade Neues über das Gebiss einer Katze erfahren, indem sie sich das Anschauungsmaterial des Lehrers an der Tafel angucken. Draußen vor dem Fenster läuft eine Katze vorbei und alle Kinder schauen nach draußen. Prompt werden sie vom Lehrer wegen ihrer Unaufmerksamkeit gescholten: „Herrschaften, hier spielt die Musik!“ Dabei ist es das Natürlichste auf der Welt, dass Aufmerksamkeit dahin wandert, wo es etwas Interessantes zu sehen gibt. Und eine lebendige Katze ist nun mal interessanter als irgendwelche langweiligen Abbildungen. Die Kinder waren zwar abgelenkt vom Unterrichtsstoff, aber keineswegs unaufmerksam. Der Katze haben sie ihre volle Aufmerksamkeit geschenkt! Hier wird einfach ziemlich regelmäßig Aufmerksamkeit verwechselt mit der Konzentration der Aufmerksamkeit auf einen vorgegebenen Gegenstand. Der frei fließenden Aufmerksamkeit wird Gewalt angetan, in dem sie gegen ihre Natur oft unter großer Anstrengung gebunden wird. Und genau dafür sind Methoden gut.

eZum Beispiel das Exerzieren auf dem Kasernenhof ist eine gute Methode, diese frei vagabundierende Aufmerksamkeit auf das Ziel „Töte den Feind“ zu konzentrieren. Genau deshalb sagt Osho: „Wenn du dich mit irgendetwas anlegst, ganz gleich, was es ist, dann bist du vom königlichen Weg abgefallen und bist zu einem gewöhnlichen Soldaten geworden, zu einem Krieger.“ In dem Fall legst du dich vor allem mit der Natur deiner Aufmerksamkeit an, die sich höchst ungern bändigen lassen will. Daher sagt Tilopa: „Der Weg der Nicht-Methode ist der Weg aller Buddhas.“

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4 Antworten zu Tilopa: Der Weg der Nicht-Methode ist der Weg aller Buddhas

  1. Elwood schreibt:

    Super Methode, die nicht-Methode. Der wird ich mal meine volle Aufmerksamkeit widmen. Ach was, passiert doch eh schon, kann ich gar nichts dafür oder dagegen manchen, dat mutt nicht, wat mutt.. dat mutt.

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  2. Brigitte schreibt:

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  3. fredoo schreibt:

    es gibt da eine immer wiederkehren frage … in allen satsang … in jeder gesprächsrunde in der es um ES geht … „wie kann ich es machen“ …
    den armen ramana haben sie ja da auch seine schweigsamkeit verpesstet mit der ewig gleichen frage „was kann ich tun“ … jahrzentelang … bis er (wahrscheinlich genervt) zurückfragte „wer will das denn wissen ?“

    ich neige dazu diese frage folgendermaßen zu beantworten “ du machst es doch schon … völlig perfekt … du hast bisher dieser wissenden ahnung nur noch nicht vertrauen können“ …

    oder … wie es der herr butt dem herrn nitya verklickerte – „spüren sie es ?“
    spüren können ist hier schlichtes bemerken ( wie ich es gerne nenne ) …
    bemerkt wird nix neues oder gar fremdes , sondern lediglich die bereits vorhandene brille auf der nase … endlich wird sie bemerkt , und ist fürderhin unvergessbar …

    thats all …🙂

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  4. Eno Silla schreibt:

    Mir ist heute Vormittag Helmut Heißenbüttel begegnet. In einem Radio Feature.
    Der Mann war ein wunderbarer Wortakrobat. Hier anzuhören, falls es jemanden interessiert:
    Helmut-Heißenbüttel-HomestoryNDR Info – 18.09.2016 11:05 Uhr Autor/in: Heinemann, Elke
    Einen Satz von ihm mußte ich sofort notieren, er traf mitten ins Schwarze:
    „Ich habe eigentlich nichts zu sagen. Ich beteilige mich (nur) an dem was es zu sagen gibt.“
    Ist es nicht genau so?

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