Liä Dsi: Sein Leben lang wagt er nicht mehr von Heimkehr zu reden

 

tSüo Tan lernte den Gesang bei Tsin Tsing. Noch ehe er dessen Kunst erschöpft hatte, hielt er dafür, dass er fertig sei; so nahm er Abschied und wollte heimkehren. TsinTsing hielt ihn nicht zurück. Beim Abschiedsmahl am Scheideweg schlug er den Takt und sang seine Elegie. Von deren Klang erzitterten die Bäume des Waldes, und von dem Echo wurden die ziehenden Wolken aufgehalten. Süo Tan bat da um Verzeihung und flehte, wieder zurück zu dürfen. Sein Leben lang wagt er nicht mehr von Heimkehr zu reden.

aus: Liä Dsi, „Das wahre Buch vom Quellenden Urgrund“
h„Süo Tan lernte den Gesang bei Tsin Tsing.“ Was bleibt mir, als herum zu phantasieren, was dieser Liä Dsi da vielleicht zum Ausdruck bringen wollte. Ich bin Süo Tan, sag ich mal. Oh Schreck lass nach! Nein,  ich bin ganz sicher Süo Tan. Und das Leben ist Tsin Tsing. Ich stecke meine Nase ein bisschen in dieses Leben hinein und glaube, alles Wichtige verstanden zu haben. Ich stelle mich vor irgendeine opferwillige Gemeinde und verkünde mit stolzgeschwellter Brust, was in diesem Leben so abgeht und wie man was machen muss. Und blöderweise krieg ich sogar Applaus für den Bockmist, den ich da verzapfe. Und dann kommt es Schlag auf Schlag und ich muss zerknirscht eingestehen, dass ich bloß ein dummer, wichtigtuerischer Depp bin, der von nichts eine Ahnung hat.


„Süo Tan bat da um Verzeihung und flehte, wieder zurück zu dürfen. Sein Leben lang wagt er nicht mehr von Heimkehr zu reden.“ Gesegnet sei der Süo Tan in der Geschichte! Wie selten ist es, dass jemand sehen kann, was für ein Depp er immer war, dass er noch nie etwas gewusst hat und dass Sehen nie ein Ende finden wird. Wie verrückt muss jemand sein, um dann noch an Heimkehr zu denken! Heimkehr in dieses Gefängnis meiner Vorstellungen? Heimkehr in das Irrenhaus, dem ich eben mit mehr Glück als Klarsicht entkommen bin?


„Suche deine Heimat in der Heimatlosigkeit“ war Oshos Rat. Ein Verdammter, der nach irgendeinem Rockzipfel zu greifen versucht. „Lass fallen!“ sagte Buddha zu König Prasenjita. „Lass einfach fallen!“ – Scheint das schwerste auf der Welt zu sein.

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Eine Antwort zu Liä Dsi: Sein Leben lang wagt er nicht mehr von Heimkehr zu reden

  1. fredoo schreibt:

    Da Musik und Gesang hier Thema ist …
    meine momentane Nummer eins …
    Mongolische Schamanin singt Blues …
    nur gut … es lohnt mal ihr Werk bei youtube durchzuhören

    Gefällt mir

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