Jean Klein: Abwesenheit von Objekt und Ego


kGenau in dem Moment, in dem wir ein stark ersehntes Objekt erhalten, ist das Ego ausgelöscht. In diesem Augenblick sind beide, Objekt und Ego abwesend. Es ist ein absolut nonduales Erlebnis, in dem es weder einen Beobachter noch das Beobachtete gibt. Doch weil wir es nicht bemerken, übergehen wir es und nehmen lediglich ein entferntes Echo in unserem Körper und Verstand wahr. Wir schreiben den Grund dafür diesem oder jenem Objekt zu. Emotionale oder körperliche Erfahrungen sind nichts weiter als Zustände, die kommen und gehen. Oft verwechseln wir nonduale Erfahrungen mit diesen Zuständen. Die nonduale Erfahrung ist jenseits der Subjekt-Objekt-Beziehung, und genau genommen ist es keine Erfahrung, weil sie kein Mittel braucht, um erfahren zu werden. Wenn wir das ganz klar sehen, erwacht eine Ahnung in uns, eine Erinnerung, die nichts mit dem Gedächtnis zu tun hat, das eine mentale Funktion ist. Wenn man der Spur dieser Ahnung unseren Ursprung betreffend folgt, öffnen wir uns der Gnade.

aus: Jean Klein, „Nichts als Gegenwart“

bDie zweite der vier edlen Wahrheiten Buddhas lautet: „Es ist dieser ‚Durst‘ der neues Dasein und Wiedergeburt erzeugt und mit leidenschaftlicher Gier verbunden ist, der hier und da sich ergötzt in Form des Durstes nach den Lüsten der sechs Sinne, des Durstes nach Dasein und Werden und schließlich des Durstes nach Nicht-Dasein und Selbstvernichtung.“

Die logische Folgerung ist: Schluss mit diesem Durst, Schluss mit dieser leidenschaftlichen Gier, Schluss mit den Lüsten der sechs Sinne, Schluss mit dem Durst nach Dasein und Werden und schließlich Schluss mit dem Durst nach Nicht-Dasein und Selbstvernichtung. Die logische Folge ist: ASKESE.

Jean Klein macht auf etwas ganz anderes aufmerksam. Er sagt: „Genau in dem Moment, in dem wir ein stark ersehntes Objekt erhalten, ist das Ego ausgelöscht. In diesem Augenblick sind beide, Objekt und Ego abwesend.“ Hmm, könnte ja sein, dass jemand von euch schon mal so einen richtigen Orgasmus erlebt hat, also so einen, an dem sogar Wilhelm Reich nichts zu meckern gehabt hätte, dann könnt ihr euch vielleicht, vielleicht daran erinnern, dass ihr genau das erlebt habt, was Jean Klein da beschreibt: „Es ist ein absolut nonduales Erlebnis, in dem es weder einen Beobachter noch das Beobachtete gibt.“lNa ja, könnte man da sagen. Das sind halt die Hormone. Aber Jean Klein geht ja noch weiter, wenn er sagt: „Genau in dem Moment, in dem wir ein stark ersehntes Objekt erhalten, ist das Ego ausgelöscht.“ Ein stark begehrtes Objekt, irgendeines. Diejenigen, die Wilhelm Reichs Anforderungen nicht erfüllen konnten, haben also durchaus eine Chance auf ein absolut nonduales Erlebnis, in dem es weder einen Beobachter noch das Beobachtete gibt. Sie müssen nur irgendetwas stark genug begehrt und es auch bekommen haben, dann kann es geschehen, dass das Ego und das begehrte Objekt verschwunden sind.aJetzt kommt der Pferdefuß in der Geschichte: „Doch weil wir es nicht bemerken, übergehen wir es und nehmen lediglich ein entferntes Echo in unserem Körper und Verstand wahr. Wir schreiben den Grund dafür diesem oder jenem Objekt zu. Emotionale oder körperliche Erfahrungen sind nichts weiter als Zustände, die kommen und gehen.“ Die Nr. 1 der Weltrangliste bei den US Open wird vermutlich den von Jean Klein beschriebenen Moment verpasst haben, in dem es keinerlei „Durst“ im Sinne von Buddha gab. Die Abwesenheit des Durstes ließ das nonduale Erleben entstehen. Die Verknüpfung der begleitenden emotionalen und körperlichen Erfahrungen mit einem Objekt (z.B.: Siegerpokal) plusterte dagegen wahrscheinlich nur das Ego auf. Ein verpasster Moment.

Glück und Glas …

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7 Antworten zu Jean Klein: Abwesenheit von Objekt und Ego

  1. fredoo schreibt:

    >>>Wenn wir das ganz klar sehen, erwacht eine Ahnung in uns, eine Erinnerung, die nichts mit dem Gedächtnis zu tun hat, das eine mentale Funktion ist. Wenn man der Spur dieser Ahnung unseren Ursprung betreffend folgt, öffnen wir uns der Gnade.<<<

    Neu gelesen , und sehr vertraut zu dem was ich "bereits wissende Ahnung" nenne .
    Ein feiner Text des Herrn Klein , der auch andeutet , was ich behaupte ,
    dass diese "nonduale (Nicht)Erfahrung" unsere Erfahrungswelt "d u r c h w i r k t " , ohne selbst Erfahrung zu sein , und sie genau damit erst konfiguriert …
    nicht die Dekoration = Erfahrungen allein lässt uns am Leben bleiben ,
    sondern diese dauerhaft im Hintergrund stabilisierende Nicht-Erfahrung von Stille/Leere/NonDualität.

    Das Bild , was mir da sehr passend erscheint , ist der Teppich.
    Gehalten und in Form (!) gebracht durch den Kettfaden (=Leere) und damit die Form ermöglichend , und zusätzlich dekoriert durch die farbigen Schussfäden (=Erfahrung) , die dann als Konglomerat von Einzelfäden einen Teppich (als Lebensgeschichte) abbilden.
    Erwähnt soll sein , das erst beides zusammen (!) in der Lage ist , Teppich (=Leben) zu sein.

    Und wer nun auf der Suche nach dieser zugrundeliegenden Leere (=Schussfaden) ist , warum auch immer , dem sei gesagt , es geht um nix fernes oder besonders verborgenes …
    das Geheimnis ist ein offenbares , bestens versteckt in der Offensichtlichkeit ( offen des Sichtens ) .

    Jeder Augenblick beinhaltet die Möglichkeit des Bemerkens … Jeder …

    Es erinnert ein wenig an den "toten Mann" beim Schwimmen . Wenn ich diese Schwimmlage der Nichtbewegung suche , und dies Vertrauen noch nicht kenne , werde ich durch alle Ängste gejagt … Lege ich mich dann einfach einmal gerade auf den Rücken und widerstehe ich dann der damit verbundenen Einsinkangst , trägt sich der Körper im Wasser plötzlich selbst , und das Schwebende wird "bemerkt" , und unvergessbar (!) .
    Genau so wird das "Bemerken" der Leere wohl stattfinden …
    Und hilfreich mag sein , zu hören , dass dies "Bemerken" auch nur Dekoration ist , also , zwar "bemerkenswert" ( = des Bemerkens wert ) aber doch … nur … Dekoration …
    Niemand führt ein schlechteres Leben ohne es … Niemand ein besseres mit es …

    Doch der , der bereits erfüllt ist , mit dieser "wissenden Ahnung" um den "Schussfaden" , der wird das "Bemerken" ersehnen , und ulkigerweise genau deshalb , damit er von der Sehnsucht befreit wird …
    😀

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  2. Eno Silla schreibt:

    so ist das leben
    heute oben morgen unten
    von nichts zu nichts

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