Steven Harrison: Vertrauen als Hingabe an das, was kommt


hInnerhalb der Struktur unseres Denkens existiert kein Vertrauen, weil das Denken ausschließlich aufs Überleben ausgerichtet ist. Ängstlich taxiert der denkende Geist die Welt, teilt sie in Subjekt und Objekt auf, erdenkt sich Methoden, wie er durchkommen kann, ohne dem Tod zu begegnen, sei er nun physisch oder psychologisch. Vertrauen ist jedoch eine Tatsache des Lebens; es ist das, was uns bleibt, wenn wir erkennen, dass unser Denken das Leben nicht substanziell genug wiedergeben kann, um uns in irgendeiner intelligenten Weise zu helfen oder zu leiten. Die Totalität des Lebens erweckt uns zum Leben. Dies zu erkennen, bedeutet eine Art Vertrauen, dem wir nicht ausweichen können, selbst wenn wir das wollten. Und obgleich jede Faser unseres Seins dagegen ankämpft, ist dieses unvermeidliche Vertrauen letztlich die Hingabe an das, was als Nächstes kommt.

aus: Steven Harrison, „Was kommt?“

Vertrauen ist längst zur Ware verkommen. Die Parteien haben, wie die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern gezeigt hat, bei den Wählern Vertrauen eingebüßt. Nun sinnen sie darauf, wie sie das Wahlvolk manipulieren können, um verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen. Denn Vertrauen bedeutet Macht, verloren gegangenes Vertrauen Machtverlust. Die Parteien haben keine Ahnung, wovon Steven hier spricht. Er sagt völlig zu Recht: „Innerhalb der Struktur unseres Denkens existiert kein Vertrauen, weil das Denken ausschließlich aufs Überleben ausgerichtet ist.“ Und nur darum geht es den Parteien, um ihr Überleben, und das bedeutet Wachstum um jeden Preis.

eSo ein Embryo weiß nichts von Parteipolitik und Überlebensstrategien. Er überlässt sich vollkommen dem, was als Nächstes kommt, ohne auch nur die geringste Ahnung davon zu haben. Das ist absolutes Vertrauen, ohne das Leben gar nicht möglich wäre. Steven sagt: „Vertrauen ist eine Tatsache des Lebens; es ist das, was uns bleibt, wenn wir erkennen, dass unser Denken das Leben nicht substanziell genug wiedergeben kann, um uns in irgendeiner intelligenten Weise zu helfen oder zu leiten.“ Bevor wir das erkennen konnten, glaubten wir, dass wir dafür zuständig seien, ständig die Welt ängstlich zu taxieren und sie in Subjekt und Objekt aufzuteilen sowie uns Methoden zu erdenken, wie wir durchkommen könnten, ohne dem physischen oder psychischen Tod zu begegnen. Ich kann da dem Steven nur völlig zustimmen. Irgendwann haben wir das Vertrauen des Embryos restlos verloren und irgendwann müssen wir wieder zu ihm zurückfinden, wenn wir nicht uns und unsere Mitgeschöpfe restlos zerstören wollen. Wir müssen endlich unseren ängstlichen und kleinkarierten Krämergeist loslassen und uns in das Risiko des Lebens stürzen. Und das bedeutet: „Liebe deinen Bruder wie deine Seele; wache über ihn wie über deinen Augapfel.“ Volles Risiko, dass du dabei hops gehen kannst: „Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“ (joh 15,13) Jetzt könnte man natürlich den Freunden die Feinde hinzufügen, denn dieser Ausspruch kann nur Sinn machen, wenn ich und du nicht getrennt sind.

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15 Antworten zu Steven Harrison: Vertrauen als Hingabe an das, was kommt

  1. Wolf Schneider schreibt:

    Lieber Nitya,
    normalerweise bewundere ich deine täglichen Blogeinträge oder stimme ihnen wenigstens größtenteils zu, der heutige aber stößt mir auf. Hat offenbar auch der Nitya mal einen schlechten Tag gehabt mit diesem Wort zum Sonntag. Es fängt schon mit dem ersten Satz von Harrison an: »…existiert kein Vertrauen, weil das Denken ausschließlich aufs Überleben ausgerichtet ist.« Auch das Vertrauen ist gut für unser Überleben, weil es für Liebe und Zusammenhalt sorgt, sage ich, deshalb sucht und findet unser Denken (und Fühlen!) viele Gründe für Vertrauen. Für Vertrauen und für Misstrauen, je nachdem. Und manchmal liegen wir dabei falsch, wir haben zu viel oder zu wenig Vertrauen, wir irren uns.
    Ich mag das Superlativische nicht. Das mag in der politischen Propaganda seinen Sinn haben, da will man missionieren, aber nicht bei der Wahrheitsfindung. „Ausschließlich“, „völlig“, „immer“, „alle“, „kein (Vertrauen)“ – „restlos verloren“ und „restlos zerstören“ in einem einzigen Satz von dir. Das sind die Worte der Extremisten, die die Stimmung aufheizen wollen für oder gegen etwas. Das Leben ist aber komplexer. Überspitzung ist nötig, um etwas (leicht übertreibend, simplifizierend) verständlich zu haben, hier aber schießt ihr beide, du und der Steven Harrison, über das Ziel hinaus.
    Ich mag außerdem Dämonisierungen nicht. Die manipulativen Politiker, die „nur“ Macht wollen und sonst nichts, die kommen mir eher vor wie dumm, verzweifelt oder auf einem Auge blind, aber nicht wie Teufel, die uns Böses wollen und für sich nur Macht.
    Und dann schließlich diese spirituelle Romantik allüberall in unserer Szene, hier nun auch bei dir. Der Embryo und das Baby sind gut, weil noch ohne Mind und dem ach so schlimmen Denken. Vertrauen ist gut, das Herz ist gut, aber der Kopf, der Böse, der macht alles, was schön ist, kaputt: die Liebe, das Leben, die Hingabe, das Glück.
    Und dann kommen von dir zwei Bibelzitate (zumindest das zweite ist aus der Bibel), um deinen Extremisten-Standpunkt nun auch noch von unserer einheimischen Leitkultur absegnen zu lassen. Na, prost Mahlzeit, ein Ausreißer nach unten in diesem ansonsten sehr guten Blog.
    Mit kollegialem Gruß
    Sugata

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    • Nitya schreibt:

      Mein lieber Freund und Kupferstecher, lieber Sugata, du ziehst ja heute vom Leder! Wow! Da ich vollinhaltlich zu meinem Beitrag stehe, auch wenn ich im Moment vielleicht etwas völlig anderes vom Stapel lassen würde, kann ich nur sagen, dass du mich total (hihi, wieder sehr superlativisch) falsch eingeschätzt hast. Ich kann dir also nur raten, deine Empfehlung für diesen Blog in deinem Blog entweder zu löschen oder zu widerrufen.

      Wenn einer vermutet, dass der andere gerade einen schlechten Tag hat, sollte er sich vielleicht erst einmal fragen, ob nicht er es ist, der gerade diesen schlechten Tag hat. Mit kollegialem Gruß – meine Fresse, das habe ich nicht mehr hören müssen seit meiner Zeit als Beamter und GEW-ler. Dir muss echt eine Laus über die Leber gelaufen sein. Und unter Aufstoßen leidest du also gerade auch. Da kann Ingwer, Pfefferminze, Kardamon, Fenchel oder ganze lange die Luft anhalten hilfreich sein, wenn sich das wiederholt.

      Du hast den Harrison einfach nicht verstanden, mein Lieber. Logischerweise auch nicht meinen Senf dazu. Aber wie solltest du auch, nachdem du heute offensichtlich deinen tendenziösen Tag hast? Steven Harrsion spricht von einem Vertrauen, das nichts zu tun hat mit auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen gestützte Berechnung. Das meinte ich mit Vertrauen als Ware.

      Das muss ich nochmal wiederholen, weil es zeigt, wie verbrettert und tendenziös du gerade bist: „Und dann schließlich diese spirituelle Romantik allüberall in unserer Szene, hier nun auch bei dir. Der Embryo und das Baby sind gut, weil noch ohne Mind und dem ach so schlimmen Denken. Vertrauen ist gut, das Herz ist gut, aber der Kopf, der Böse, der macht alles, was schön ist, kaputt: die Liebe, das Leben, die Hingabe, das Glück.“ Embryos haben nicht das Geringste mit Romantik welcher Art auch immer zu tun. Sie sind einfach noch nicht in der Lage, auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen gestützte Berechnungen anzustellen. Sie entwickeln sich einfach in völliger Hingabe an das, was kommt.

      Auf den Rest einzugehen, schenke ich mir. Macht keinen Spaß. Ist mir alles zu sauertöpfisch und schulmeisterlich.

      Mach dir einen schönen Tag!
      der romantischsuperlativische Extremist

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      • Wolf Schneider schreibt:

        Lieber Nitya,
        ich habe heute einen guten Tag! Nix von sauertöpfisch. Ich wollte dir diesen Kommentar von mir nur nicht vorenthalten – und ich werde deinen Blog, wie schon seit langem, auch weiterhin sehr gerne empfehlen! Ich meine nach wie vor, dass ich dich und Harrison sehr gut verstanden habe. Das ist meine herzliche (vielleicht auch ein bisschen romantische) Antwort von heute,
        ❤️ Sugata

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      • Nitya schreibt:

        Lieber Sugata,

        nur an einem Beispiel, warum ich deinen Kommentar für ausgesprochen tendenziös halte. Da schreibst du etwa: „Und dann kommen von dir zwei Bibelzitate (zumindest das zweite ist aus der Bibel), um deinen Extremisten-Standpunkt nun auch noch von unserer einheimischen Leitkultur absegnen zu lassen.“ Ja es sind zwei Zitate, die von Jesus überliefert wurden. Das erste Zitat ist aus dem Thomasevangelium, logion 25, das zweite aus dem Johannesevangelium, Kapitel 15, Vers 13. Du hast vielleicht schon bemerkt, dass ich in meinem Blog ständig irgendjemanden zitiere. Wenn ich beispielsweise Osho zitiere, willst du mir dann unterstellen, dass ich meinen Extremisten-Standpunkt nun auch noch von der indischen Leitkultur absegnen lassen will? Im Übrigen habe ich das extremistische Jesuszitat relativiert mit dem Satz: „Jetzt könnte man natürlich den Freunden die Feinde hinzufügen, denn dieser Ausspruch kann nur Sinn machen, wenn ich und du nicht getrennt sind.“ Ich scheiß auf unsere einheimische Leitkultur. Von ihr würde ich mir ganz gewiss gar niemals nichts absegnen lassen wollen. Mit Verlaub, was für ein dämlicher Quatsch!

        Lieber Sugata, du schreibst: „Ich habe heute einen guten Tag! Nix von sauertöpfisch.“ Wenn du das, was du meintest, mir nicht vorenthalten zu dürfen, an einem guten Tag geschrieben hast und das nicht sauertöpfisch sein soll, dann möchte ich ja nicht wissen, was du von dir gibst, wenn du einen schlechten Tag hast. Eine Projektion nach der anderen … mannomann

        Apropos: „Ich meine nach wie vor, dass ich dich und Harrison sehr gut verstanden habe.“ Das kannst du gerne behaupten. Den Beweis für dein Verstehen hast du aus meiner Sicht an keiner einzigen Stelle auch nur annähernd erbracht.

        Howgh
        Nitya

        P.S.: Anders als du übernehme ich für die möglichen Folgen meines Geschreibsels nicht die allergeringste Verantwortung. Wie gesagt, ich hab’s nicht mit unserer Leitkultur. Was jemand mit meinen Beiträgen anstellt, steht nicht in meiner Macht. Ich wasche also auch für deine Kommentare meine Hände in Unschuld.

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      • Wolf Schneider schreibt:

        Lieber Nitya,
        ich weiß, dass du’n Scheiß gibst auf unsere ‚einheimische Leitkultur‘. Nicht im Traum wäre ich drauf gekommen, dass du ernsthaft das Bedürfnis haben könntest, mit Jesuszitaten einen Standpunkt von dir abzusichern – und ich glaube auch nicht, dass irgendwer deiner Leser dieses Blogs das glaubt. Umso mehr hat es mich gewundert, diese Zitate an dieser Stelle vorzufinden.
        Mein Wunsch war, als Kritiker (ich schätze Kritiker und weiß, dass auch du einer von der Sorte bist) etwas Positives zu deinem Blog beizutragen, das ich nach wie vor sehr schätze. Das ist mir heute offenbar nicht gelungen, hehe … nicht jedenfalls in deinen Augen, sondern du fühlst dich anscheinend angegriffen. Ich wollte dich nicht angreifen, sondern durch meinen Kommentar ergänzen. Auf eine spielerische Art ergänzen, so wie auch du das machst, beinahe tagtäglich. Ich finde, dass Harrison und du sich an diesem Punkt ein bisschen verrannt haben, verlaufen oder verrannt haben. Das passiert den besten Leuten – mir jedenfalls passiert das, auch deshalb schätze ich Kommentare. Auch wenn sie mich angreifen, so wie du mich heute angreifst, mit sicherlich keinen bösen Absichten.
        Und damit können wir’s dann vielleicht auch für heute belassen, oder???
        In aller ernst gemeinten Hochachtung für dich und dein Blog!
        ❤️
        Sugata

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      • Nitya schreibt:

        Lieber Sugata,

        mich als Person darfst du gerne angreifen, kannst mich ein blödes Arschloch oder wie auch immer nennen. Das ist ganz okay. Aber wenn es um „die Sache“ geht, weiche ich keinen Millimeter zurück. Du schreibst, dass du mich nicht angreifen, sondern durch deinen Kommentar ergänzen wolltest – auf eine spielerische Art ergänzen wolltest. Ich finde jetzt solltest du das nicht im Nachhinein um des lieben Friedens willen verharmlosen. Immerhin stehst du ja zu deiner Aussage, dass Harrison und ich sich an diesem Punkt ein bisschen verrannt haben, verlaufen oder verrannt haben. Ich finde das nicht, also nicht ein bisschen. So ist das halt.

        Okay, da haben wir eben eine unterschiedliche Sicht. Damit kann ich gut leben. Gut, dass wir das mal klar gestellt haben.

        „Und damit können wir’s dann vielleicht auch für heute belassen, oder???“ Können wir. Kein Problem. Hab einen freundlichen Abend!

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    • fredoo schreibt:

      so als kurzer Einwurf in den Wortteich eines chronischen professionellen Textschreibers , der ob dessen womöglich zu sehr am Worte Harrison/Nitya hängt, um es dann noch „verstehen“ zu können :
      >>> Words must be used like stepping stones:
      lightly & with nimbleness,because if you step on
      them too heavily, you incur the danger of falling into
      the intellectual mire of logic and reason.

      —Ramesh S. Balsekar <<<

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      • Wolf Schneider schreibt:

        Sehr schönes Zitat von Ramesh Balsekar!!! Allerdings dürfen (müssen?) wir Wortkünstler durchaus auch ins Auge fassen, vielleicht sogar berücksichtigen, was ein Mensch denkt und dann tut, der die Worte wörtlich nimmt. Auch dafür sind wir Schreiber immerhin ein bisschen mitverantwortlich. Es atmet ja nicht jeder nur den Geist der Worte ein und nimmt sie als Trittsteine ins Nirgendwo. Heute morgen war es für mich – ausnahmsweise! – mal so, dass bei den Worten von Stephen Harrison und Nitya auch der sonst so schön frei atmende Geist mir zu eng war. LG, Sugata

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  2. fredoo schreibt:

    nun ja … es gibt im hier kritisierten denken für mich zwei versionen … einmal das denken , das spontan eine reine wort-vokabel-begleitung anbietet , also verwortet , und damit hilfreich für den prozess der erinnerung ist , der ja (dummerweise) voraussetzung ist , für das , was wir für (direkt) erlebtes leben halten , was jedoch nur erinnertes ist … und sei es eine sekunde , die zwischen beidem liegt …
    es gibt darüber hinaus noch ein denken , was ich im unterschied zum ersteren ein BE-denken nennen würde , ein erwägen , abwägen …
    dies scheint mir auch zu großen teilen die quelle der verstrickung zu sein … besonders dann wenn es das vertrauen in das spontane (!) denken zu schwächen beginnt …

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  3. Elwood schreibt:

    „Gerade die Sprache oder die Sprachglaeubigkeit verhindert es, dass wir auf tiefer liegende Probleme aufmerksam werden. Wo verschiedene Dinge in einen Topf geworfen werden, entstehen aus Scheinbegriffen dann Scheinprobleme.“
    Laurent Verycken

    http://www.gleichsatz.de/b-u-t/can/fospra.html

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  4. Elwood schreibt:

    „Vertrauen ist jedoch eine Tatsache des Lebens; es ist das, was uns bleibt, wenn wir erkennen, dass unser Denken das Leben nicht substanziell genug wiedergeben kann, um uns in irgendeiner intelligenten Weise zu helfen oder zu leiten.“

    Im Moment dieses Erkennens entsteht in mir das was aus meiner begrenzten Sicht die Worte von Heinz Butz vermitteln: „Spüren Sie’s?“ Keine Beschreibung mehr möglich, jedes Konzept der Wirklichkeit ist nur für diesen Moment aus meiner begrenzten Sicht gültig und nicht übertragbar. Das „Wort“ „Vertrauen“ kann es auch nicht beschreiben sondern kann nur ein Fingerzeig sein.

    Die Vertrauensgefühle und Vorstellungen aus meinem persönlichen konditionierten Geist sind in einer Unterscheidung entstanden. Ich hab zum Beispiel ein tiefes Misstrauen gegen alle Menschen, selbst gegenüber denen, die mir sagen, das sie mich lieben. Dies ist vermutlich darauf gefolgt, dass mein Vater sich in meinem zarten Alter von 2 Jahren das Leben nahm, vermutlich da meine Mutter schon kurz nach meiner Geburt mit meinem späteren Stiefvater rumturnte, weil mein Vater wiederum nicht von seiner geliebten Seefahrt lassen konnte. Das Schuldgefühl, das meine Mutter sich einreden ließ, belastete lebenslang unsere Familienverhältnisse schwer.
    Jetzt kann man daher gehen und sagen, das ist doch dekonditionierbar. Aber das ist nicht der Punkt. Vertrauen/ Misstrauen werden immer dualistisch in einem gewissen Verhältnis stehen.
    Wer bestimmt denn, welches Verhältnis richtig ist? Der Therapeut? Die öffentliche Meinung? Der Umerziehungsleiter für Extremisten?
    Erst wenn ich erkenne, das meine Konditionierungen und meine Konzepte über die Wirklichkeit nur aus einer Begrenztheit existieren und diese niemals die Wirklichkeit erfassen kann, gibt es eine Ahnung von der offenen Weite. Das ist aus meiner begrenzten Sicht die Aussage von der Geschichte mit dem Elefanten und den Beschreibungen der Blinden.
    Wir irren uns immer…..

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  5. fredoo schreibt:

    Der Begriff Vertrauen hat was … Je mehr ich diesen Begriff in mir „wälze“ , um so feiner erscheint er mir … Es könnte nur sein , dass wir nicht so recht kapieren , das Vertrauen bereits den Atem begleitet ( und ermöglicht ) … es gibt eine Art Urvertrauen , das keinen Vertrauenden bedarf … und das man gleichsetzen könnte mit eine Art Gravitation des Lebens … ein Vertrauen des Lebens in seine eigene Lebendigkeit … an dem der Mensch , als eingebildetes Individuum , nur genießend teilhaben kann … fein das … wirklich fein dieser hinweisende Gedanke des Herrn Harrison …

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  6. fredoo schreibt:

    ja herr sugata … in deiner antwort zeigt sich halt auch die crux der wortartisten ( ich bin wohl selber so einer ) … je mehr man sich bemüht , verständlich zu formulieren , um so mehr zeigt dieses bemühen wiederum den zweifel an der potenz des spontanen wortes …
    die nach meiner sicht aber die potenteste form der wortweitergabe wäre ( wenn überhaupt ) …
    „gefüllte“ worte müssen nicht verstanden werden … können es womöglich sogar gar nicht …
    ich behaupte sogar , je mehr sie verstanden werden können ( = zum stehen kommen ), um so impotenter werden sie …
    Ich muss einfach konstatieren , dass ich die besten unterweisungen durch worte oft dann geschenkt bekam , wenn ich zum beispiel mangels genügender englisch-kenntnisse , nur zum lauschen des klanges dessen „davorne“ befähigt war …
    Jedoch , bin auch ich an dieser „feinjustierung“ der vokabel sehr interessiert , und bekennender fan des „tiefen verborgenen sinnes“ unserer deutschen sprache …
    und doch muss ich nach mitlerweile jahrelangem virtuellem berichten vom dem , was da geschah , ernüchtert eingestehen , das ernüchterung nicht vermittelbar ist , noch nicht mal in verlockung , sondern so oder nur „zu-ge-mutet“ werden kann , und die eigenen wort-bemühungen lediglich dekorative funktionen der wartezeit erfüllen oder bestenfalls und in nur sehr wenigen fällen eine bereits wissende ahnung im gegenüber kitzeln können …
    der hauptgrund der worterei scheint mir deshalb sehr viel eher in der suche nach mitbetroffenen komplizen des „unendlichen falles“ zu liegen …

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  7. Brigitte schreibt:

    Das Thema beschäftigt mich jetzt auch. Und ich habe gerade über das von Steven Harrison beschriebene Vertrauen nachgespürt, und komme zu einem ähnlichen Verständnis wie Fredo. Wenn ich sehe, wie das Leben „mich“ durch alle Unwägbarkeiten, Dunkelheiten, Zerrissenheit etc. pp. hindurch getragen hat und das jeden Augenblick tut, komme ich zu der Einsicht, dass Vertrauen dem Leben innewohnt. Die Fähigkeit im Menschen, sich dem, was kommt, dem Unbekannten, anzuvertrauen, entspringt ja der Lebenskraft selbst und ist ganz natürlich vorhanden. Das, was im Laufe der Zeit hinzukommt, sind die persönlichen Sichtweisen und Anschauungen aufgrund von gemachten Erfahrungen und Wissen aus zweiter Hand, die den Einzelnen prägen und konditionieren. Das ursprüngliche Vertrauen scheint so verloren zu gehen, sich zu verringern oder ins Gegenteil zu verkehren. Eigentlich sind es vielmehr Verzerrungen und Trübungen des Geistes, die uns die Wirklichkeit anders wahrnehmen lässt, als sie ist. Wir sehen das, was geschieht, dann eher durch einen Filter von Mustern und Strukturen, Interpretationen und Bedeutungsinhalten und persönlichen Befindlichkeiten, die wir der puren Lebendigkeit überstülpen. Anais Nin hat es glaube ich mal in etwa so ausgedrückt: „Wie sehen die Dinge nicht, wie sie sind, wir sehen sie so, wie wir sind.“ Solange wir diese Filter für wahr halten und sie nicht als eine momentane Perspektive auf den Lauf der Dinge betrachten, entfernen wir uns scheinbar von unserer ursprünglichen Natur (obwohl wir uns nie davon entfernen können) und dem damit einhergehenden Ur-vertrauen. Dann handeln und bewegen wir uns aus einer Begrenztheit und einem Scheinwissen heraus und die Welt scheint genau das widerzuspiegeln. Es sind einfach Momentaufnahmen, die auftauchen und vorbeiziehen – so flüchtig. Ich habe keine Ahnung von all dem, und muss auch nichts darüber wissen.

    Wenn wir nicht wissen können,
    was uns der nächste Augenblick
    bringen wird – weshalb lassen wir
    uns dann nicht einfach überraschen?!
    (Karl Valentin)

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  8. Marianne schreibt:

    Letzte Woche wurde mein erstes Enkelkind geboren. Wenige Stunden nach der Geburt sah ich es völlig entspannt und hingegeben auf dem Bauch seiner Mutter liegen und dem Leben entgegen blinzeln – in völligem Ur-Vertrauen – faszinierend!
    Lebenserfahrungen werden auch diesem kleinen Menschlein zusetzen und es wird Schutz- und Abwehrhaltungen und Überlebensstrategien entwickeln.
    Das sind weniger Verstandesleistungen, als psychische Mechanismen, die dafür sorgen, ein gefühltes inneres Gleichgewicht (Homöostase) aufrecht zu erhalten. Je nachdem, wie schwierig die vorgefundenen Bedingungen und Altlasten sind, geht dadurch das Ur-Vertrauen mehr oder weniger verloren, ganz kann es kaum zerstört werden.
    Die Hingabe an das Leben, das Sein, an „das, was als nächstes kommt“, wird genau aus diesem Ur-Vertrauen geboren – sehe ich auch so.
    (Blindes Vertrauen in Jemanden oder Etwas halte ich hingegen für eher naiv.)

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