Yang Dschu: Worin besteht nun das Wünschenswerte?


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Yang Dschu sprach: Unter den Jüngern Kungs war Yüan Hiän (Yüan Sï) der in ärmlichen Verhältnissen in Lu lebte. Dsï Gung andererseits erwarb sich Reichtümer in We. Yüan Hiän nahm durch seine Armut Schaden an seiner Gesundheit. Dsï Gung machte durch seinen Reichtum seinen Leib müde. So ist also Armut nicht das Wünschenswerte und Reichtum nicht das Wünschenswerte. Worin besteht nun das Wünschenswerte? Ich sage, das Wünschenswerte besteht darin, dass man sich seiner Gesundheit freut, dass man seinem Leib Bequemlichkeit schafft. So hält sich, wer es versteht sich seiner Gesundheit zu freuen, ferne von Armut, und wer es versteht seinem Leibe Bequemlichkeit zu schaffen, ferne von Reichtum.

aus: Liä Dsi, „Das wahre Buch vom quellenden Urgrund“

„Worin besteht nun das Wünschenswerte?“  Geht es denn je um das Wünschenswerte? „So ist also Armut nicht das Wünschenswerte und Reichtum nicht das Wünschenswerte“, sagt der Herr Yan Dschu. Tja, wer kann sich das schon aussuchen?

Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.

Bert Brecht

Ich lass mal kurz Arm und Reich beiseite. Yan Dschu sag: „Ich sage, das Wünschenswerte besteht darin, dass man sich seiner Gesundheit freut, dass man seinem Leib Bequemlichkeit schafft.“ Das hört sich doch schon viel vernünftiger an. Das können die meisten Menschen vermutlich sofort unterschreiben. Nur, ist das wirklich von Arm und Reich zu trennen? Yan Dschu empfiehlt, sich sowohl von Armut wie von Reichtum fern zu halten. Letzteres kann ich mir ja noch vorstellen, da muss ich nur an Siddharta Gautama denken. Aber sich von Armut fernhalten? Arm und reich sind natürlich relative Begriffe. Es gibt genug Länder, in denen ein Hartz IV-Bezieher keineswegs als arm gelten würde, Länder in denen es täglich um das nackte Überleben geht. Wie sollte es in diesen Ländern möglich sein, sich von Armut fern zu halten? Aber auch ein Hartz-IV-Empfänger ist natürlich arm und man könnte sagen, er hat zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben.

Jesus scheint mir realistischer zu sein, wenn er sagt: „Ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.“ (mk 14,7) Da ist er gestern mit seiner Aufforderung wesentlich weiter gegangen: „Liebe deinen Bruder wie deine Seele; wache über ihn wie über deinen Augapfel.“ Wenn die Menschen das leben würden, gäbe es vermutlich keine Armen und keine Reichen mehr. Wenn meine Tante Räder hätte, … Sollte das dem Yan Dschu verborgen gewesen sein? Oder ist sein Appell in erster Linie an die Reichen gerichtet? Das wäre für mich rein logisch eher nachzuvollziehen. Aber klopf mal an die Türen der Reichen! Jesus: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. (mk 10,25) Der Reiche ist der, der anhaftet. Das geht weit über den finanziellen Reichtum hinaus. Auch der Bettelmönch mit seiner Bettelschale kann anhaften, auch der Ärmste der Armen kann anhaften und kann zu den Reichen gehören im Sinne des Anhaftens. Wer will schon ein Hans im Glück sein?
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3 Antworten zu Yang Dschu: Worin besteht nun das Wünschenswerte?

  1. Swami Prem Punito schreibt:

    ……Wer will schon ein Hans im Glück sein?…..
    Ja , lieber Nitya , abhold der wählerischen Wahl , ward dem Hans ein glückliches Wesen
    beschieden . Es stellt sich nicht die Frage nach arm und / oder reich , insofern
    dem inneren “ Vergleichsheinischweinehund “ das Gedärm rausgerissen ward .
    Manchmal mache ich mir ein Wortspiel zueigen , wenn eine innere Klärung angezeigt ist .
    Beispielsweise stelle sich die Frage : “ Was ist ein Reicher ? “
    Antwort :
    Ein Reicher ist ein menschliches Wesen , vorgeblich von höherer Abstammung , ausgestattet mit einem ICH – Vehekel ( Ego ) und offensichtlich von der Sonne ( RE oder RA ) begünstigt !🙂
    Und was ist bei einem Armen anders ?
    Antwort : “ Nichts !“
    Die gleiche Sonne , die ihn bescheint , ebenfalls mit seinem Ego beschäftigt, so wie der Reiche auch .

    Nur mit der höheren Abstammung , braucht sich der Arme nicht herumzuplagen – welch ein Reichtum ! Dagegen ist er doch arm dran – der Reiche , der Arme !🙂
    Herzliche Grüße
    Punito

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    • Nitya schreibt:

      Na ja, lieber Punito, da bin ich mir nicht so ganz sicher, ob der Arme in Wahrheit nur der Reiche ist. Gewiss, er muss sich nicht mit einer höheren Abstammung herumplagen, dafür muss er aber möglicherweise einem Reichen die Füße abschlecken, um von ihm einen Bissen Brot zugeworfen zu bekommen. Nichts zu essen zu haben, ist einfach Scheiße im Qudrat. Ja, man kann sich bescheiden, kann sich bis zum Äußersten einschränken – aber eben nur bis zum Äußersten. Und dann steht der Arme vor der Wahl: Verhungern oder Füße abschlecken. Was für eine Alternative!

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      • Swami Prem Punito schreibt:

        Ich habe keine Lust mich von den Begrifflichkeiten ARM-REICH – REICH-ARM
        animieren zulassen , Gedankenvorstellungen des FÜRundWIDER zuhegen .
        Weder in der Situation des NEHMEN noch GEBEN .
        Mir ist bewußt : Im Verhältnis zum auf der Strasse lebenden Menschenwesen in Indien , ist ein auf der Strasse lebendes Menschenwesen , in Deutschland noch ein „König unter den Einäugigen “ .
        Das Leben der Devas kratzt mich nicht . Es sei denn , Punito wird Herausgeber eines Gesellschaftsklatschmagazin .
        Hungertote aus Geldmangelja hatten wir schon , in meiner Familie . Auch mit an nichtbehandelten Infektionserkrankungen verstorbenen Urur und Urgroßmüttern , sowie einer von Rachitis gezeichneten Großmutter habe ich in meiner Sippschaft vorzuweisen .
        Es mag wohl daran liegen , das wir ( die Ahnen ) den Reichen nicht die Füße geleckt haben , damals im 19. und frühen 20. Jahrhundert .
        Verhungern geht auch vorüber – und Wasser gegen den Durst gibt es für mich sicherlich auch noch , in irgend einer Pfütze , wenn es so kommen sollte .
        Bis dahin ohne Furcht
        Tag um Tag ….
        Punito

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