Tilopa: Lass die Gedanken steigen und verebben


tGib alles Tun und Wünschen auf,
Lass die Gedanken steigen und verebben,
Wie Meereswellen.

aus: Tilopa, „Der Gesang vom Mahamudra“

oWas tun? Geh ans Meer, setz dich einfach ans Ufer, an den Strand, und schau hinaus. Die Wellen steigen und sinken, ein ewiges Fluten und Verebben. Das Meer geht durch viele Stimmungen. Was kannst du anderes tun, als dazusitzen und zuzuschauen? Genauso ist es mit den Gedanken. Der Geist ist wie das Meer – Wellen steigen und fallen; manchmal herrscht Flut, und du bist aufgeregt, und manchmal ist Ebbe, und du fühlst dich ruhiger.

Und es ist wirklich so. Das ganze Bewusstsein ist wie ein Ozean. Und dein Geist gehört nicht dir: dein Bewusstsein ist Teil des kollektiven Bewusstseins; ringsherum bist du vom Ozean des Bewusstseins umgeben. Ihr seid Fische im Bewusstsein wie die Fische im Meer – drinnen und draußen, links und rechts, oben und unten ist nichts als Bewusstsein, das Meer und seine Wellen. Wer bist du, es aufzuwühlen? Und wer bist du, die Wogen zu glätten und es zum Schweigen zu bringen? Wie willst du das anstellen?

aus: Osho, „Tantra, die höchste Einsicht“

„Du“ bist nicht der Denker „deiner“ Gedanken. „Ihr seid Fische im Bewusstsein wie die Fische im Meer“, sagt Osho. Gedanken sind wie Radiowellen und wir schwimmen darin wie ein Fisch im Ozean. Und Tilopa sagt: „Lass die Gedanken steigen und verebben, wie Meereswellen.“ Lass sie, lass sie einfach in Ruhe, ist der Rat. Sei einfach der Zuschauer von Ebbe und Flut, von aufsteigenden und sinkenden Wellen. Ein Gedanke folgt den anderen und du guckst ihnen einfach so zu wie den Wellen am Strand. Und was für die Gedanken gilt, gilt selbstverständlich auch für die Gefühle. Was kannst du anderes tun, als dazusitzen und ihnen zuzuschauen? Na ja, du kannst glauben, es seien deine Gedanken und Gefühle, kannst sie hegen und hätscheln als seien sie heilig. Und dann? Dann verhängst du möglicherweise eine Fatwa, die den Tod von irgendeinem armen Menschen verlangt, weil der etwas gesagt oder getan hat, was dir nicht in den Kram passt. Ich bin ein Gläubiger und du ein Ungläubiger und allein das ist eigentlich schon todeswürdig. Das gibt’s bloß bei den Muslims? Von wegen. Wir nennen das wahrscheinlich nicht Fatwa, aber wir verhalten uns zu großen Teilen nicht anders. „Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein!“ Jesus: „Liebe deinen Bruder wie deine Seele; wache über ihn wie über deinen Augapfel.“ th Logion 25

Warum wohl? Weil du dein Bruder bist, weil du deine Schwester bist. Weil „dein Bewusstsein Teil des kollektiven Bewusstseins ist.“ Weil wir alle Fische sind in ein und demselben Ozean des Bewusstseins.

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4 Antworten zu Tilopa: Lass die Gedanken steigen und verebben

  1. Georg Alois schreibt:

    Ich habe entdeckt, dass ich litt, wenn ich meinen Gedanken glaubte, aber nicht litt, wenn ich ihnen nicht glaubte und dass dies für jeden Menschen zutrifft.
    So einfach ist Freiheit.
    Ich habe entdeckt, dass Leiden freiwillig ist.
    Ich habe eine Freude in mir gefunden, die nie mehr verschwunden ist, nicht für einen einzigen Augenblick.
    Diese Freude ist in uns allen, immer.
    B.K.

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  2. Elwood schreibt:

    Ein Fisch ging zur Königin der Fische und fragte: „Ich habe immer vom Meer gehört, aber was ist das, dieses Meer ? Wo ist es?“ Die Königin der Fische erklärt: „Du lebst, bewegst dich und hast dein Sein im Meer. Das Meer ist in dir und außerhalb deiner, du bist aus Meer gemacht, und du wirst im Meere enden. Das Meer umgibt dich als dein eigenes Wesen.“

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