Karl Renz: Es gibt kein Entkommen


rEs gibt weder ein Innerhalb noch ein Außerhalb – aber „da ist“. Wenn du sagst, dass da niemand ist, ist da immer noch einer. Um „da ist keiner“ zu sagen, muss einer da sein. Wenn du sagst, dass es kein Innen und kein Außen gibt, dann gibt es immer noch ein Innen und Außen, weil es jemanden geben muss, der sagt, dass es kein Innen und Außen gibt. Er ruft allein dadurch ein Innen und Außen hervor, dass er darüber spricht. Es gibt kein Entkommen.

Das ist immer noch Teil dieses Verstehens. Es ist immer noch Unwissenheit. Alles, was du definieren kannst, ist Unwissenheit. Alle Definitionen entspringen einem Definierenden und dieser Definierende ist sowieso ein Lügner. Deshalb ist alles, was der Definierende zu sagen hat, Lüge. Der erste Definierer „Ich“ ist bereits schon Lüge, schließlich ist er eine Imagination. Er ist nicht, was du bist, da du dem Lügner vorausgehst. Aus dieser Lüge geht nur Lüge hervor.

aus: Karl Renz, “ Eight Days in Tiruvannamalai

gDa gibt es ein bekanntes Kōan, in Kurzform: Ein Mann steckt ein Gänse-Ei in ein Glasgefäß. Aus dem Ei schlüpft wider Erwarten ein Küken, wird groß und schließlich eine junge Gans. Der Mann will die Gans aus dem Glasgefäß holen, sie geht jedoch nicht mehr durch die Öffnung. Der Mann will weder Glasgefäß noch Gans opfern. Was ist die Lösung? Der Verstand, ständig Probleme kreierend will auch diese Nuss knacken und scheitert. Weit und breit ist keine Lösung in Sicht. Der Verstand muss resigniert aufgeben.

Karl scheint einen ähnlichen mentalen Zustand provozieren zu wollen. Er sagt: „Wenn du sagst, dass es kein Innen und kein Außen gibt, dann gibt es immer noch ein Innen und Außen, weil es jemanden geben muss, der sagt, dass es kein Innen und Außen gibt. Er ruft allein dadurch ein Innen und Außen hervor, dass er darüber spricht. Es gibt kein Entkommen.“ Karl ist immerhin so nett, gleich die Lösung zu mitzuliefern. Die offizielle „Lösung“ in dem Kōan mit der Gans wird ja zunächst nicht verraten, damit der Kopf erst mal schön rauchen kann. Schließlich wird die Lösung bekannt gegeben: „Die Gans ist nicht im Glasgefäß.“ Na, da kann sich jetzt der Verstand ein Ei drauf braten.

Der Definierer Karl sagt: „Alles, was du definieren kannst, ist Unwissenheit. Alle Definitionen entspringen einem Definierenden und dieser Definierende ist sowieso ein Lügner. Deshalb ist alles, was der Definierende zu sagen hat, Lüge.“ Du kannst es drehen und wenden, wie du willst, du stehst am Ende mit leeren Händen da, du hast immer die Arschkarte gezogen. Aber auch das ist glatt gelogen.

kKarl: „Wenn du sagst, dass da niemand ist, ist da immer noch einer. Um ‚da ist keiner‘ zu sagen, muss einer da sein.“ Logo. Und friedlich rauscht die Linde. Lass dir deinen Kaffee schmecken, Karl, falls du vor lauter Lügen überhaupt noch zum Trinken kommst.

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3 Antworten zu Karl Renz: Es gibt kein Entkommen

  1. kekabe schreibt:

    Guten Morgen lieber Nitya;)…
    wir sind am stärksten ohne uns selbst hier in der Dualität, das stimmt. Die Frage ist, ob wir uns selbst haben, uns unserer Möglichkeiten bewusst sind, um uns bedingungslos hingeben und leer werden zu können… oder ob wir schlafen und immer nur ahnen und von uns selbst nichts wissen. Wir müssen durch uns hindurch, ob wir wollen oder nicht. Doch weißt du, manchmal bekommt man auch hier unbezahlbare Geschenke, die uns dabei helfen, endlich die Richtung zu wechseln. Alles ist verbunden.

    Und was den Kaffee betrifft – er brüht und duftet in diesem Augenblick. Brauch ich heute. Hab Kopfschmerzen. 😉

    Lieben Gruß in deinen Tag,
    Kerstin

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    • Nitya schreibt:

      Guten Morgen, liebe Kerstin mit den hoffentlich schon vom Kaffee vertriebenen Kopfschmerzen!

      Was das mit dem Richtungswechsel betrifft, würde ich sagen, das fängt an wie mit einem Paukenschlag, doch dann kommt irgendwann der nächste Paukenschlag. Der ist dann schon etwas leiser und dann geht es immer schneller und schneller mit der Wechselei, bis es gar nichts Besonderes mehr ist und bis immer mehr das im Gewahrsein ist, was die ganze Wechselei getreulich begleitet hat. Nenn es das Herz oder nenn es gar nicht, da ist ein Da-Sein, das alle Wechsel umfasst und doch einfach nur ist, was es immer war und sein wird.

      Hab einen dir gewogenen kopfschmerzfreien Tag!
      Herzlichst
      Nitya

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  2. fredoo schreibt:

    ein Credo des Kollapses verkündet hier wieder einmal der Herr Renz … fein das …
    ich wüsste eh nix besseres zu sagen …
    ein insichselbsteinstürzendesDenkeninBegriffen/Vorstellungen/Konzepten ,
    was sich gerade durch die Einsturzfähigkeit als reine Dekoration erweist .

    Nix hindert uns daran , das wir uns der Dekoration erfreuen …
    Oder zwingt uns dazu … oder zum Gegenteil … oder zu was auch immer ….
    Genau dies ist – dann – aha ! …
    Und erweckt , im ersten Erkennen , aus unleugbarer Unmittelbarkeit geboren ,
    oft ein nicht enden wollendes herzliches Gelächter …

    Nix ist von Bedeutung … und was könnte je befreiender sein ?

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