Frage: Wer wählt denn hier, verdammt?


F
A:
Die einzige Schwierigkeit ist, dass es niemanden gibt, der wählen kann…
W: Kannst du etwa nicht wählen, Tee oder Kaffee zu trinken?
A: Ich? Nein😀
W: Was du wählst, wählt Gott. Oder wartest du, bis er dir eingibt, was du wählen sollst?
A: Wenn es das Leben ( Gott oder was auch immer ) ist, was wählt, was ich trinke, wieso sollte es dann irren, wie ich zu Geld stehe?
W: Das ist deine Entscheidung?
A: Wessen Entscheidung? Es passiert, aufgrund welcher Voraussetzungen auch immer … Wo sollte dann eine Wahl stattfinden? Und vor allem von wem? Ich würd’s einfach mal umkehren… was Gott wählt, wählst du… dann gibt’s zumindest ein Tee- oder Kaffeeproblem weniger😀
W: Was du wählst, wählt Gott, und da es nur Gott ist, der wählen kann, wählst du, was „dir“ als vorteilhaft erscheint. So einfach ist es! Was dir einst als richtig erschien, kann sich jederzeit ändern. Gestern erschien dir ein Mann liebenswert, heute erscheint er dir als Monster und du schickst ihn in die Wüste. Wer tut das? Du natürlich, aber in Wahrheit Gott, der alles tut. Das gleiche Prinzip gilt für Money.

Ein Facebookgespräch

G

Ich weiß ja nicht, ob ich das richtig verstanden habe, aber ich denke mal, dass es in dem kleinen Gespräch um zwei verschiedene Intentionen geht. A zielt auf das Advaita-Konzept ab, dass es niemanden gibt, der wählen könnte, sondern dass alles so geschieht, wie es Gott oder was auch immer gewählt hat. Man könnte es auch mit den Worten ausdrücken: „Nicht wie ich will, sondern wie du willst. Dein Wille geschieht.“ W scheint diese Version nicht sonderlich zu behagen. Er stellt dagegen die Aussage, dass alles, was jemand wählt, von Gott gewählt wird, also wähle.

Hier haben wir wieder den Niemand einerseits und den Jemand andererseits. Niemand wählt, jemand wählt und zwar in deinem Fall du – aber in Wahrheit Gott. „Du“ wählst, was „dir“ als vorteilhaft erscheint. Irgendein IS-Kämpfer wählt, irgendjemandem den Kopf abzuschneiden, weil er sich weiß der Geier was davon verspricht. In Wahrheit jedoch ist Gott der Kopfabschneider, Gott dessen Ratschlüsse unerforschlich und unergründlich sind.

A scheint eher für eine passive Haltung zu stehen. Ich tu nicht, weil ich nicht bin. Alles geschieht. W scheint eher für eine aktive Haltung zu stehen. Ich entscheide mich für das, was mir vorteilhaft erscheint, wissend, dass es Gott ist, der sich für das entscheidet, was mir gerade vorteilhaft erscheint. Ich könnte es auch so sagen: Der eine wäscht ständig seine Hände in Unschuld und tut nichts, sondern lässt Gott tun, der andere entschuldigt jede seiner Schweinereien damit, dass letztlich nicht er, sondern Gott die Schweinereien begangen hätte, und tut. Hmm, wo ist eigentlich der Unterschied zwischen beiden Konzepten? Gestern, am Heiligen Sonntag, ist mir mein magenschonender Instantkaffee ausgegangen. Gott war weit und breit nicht zu finden, also musste ich mich selbst um einen Ersatz kümmern. Ich beschloss, mir einen Räuberkaffee zu machen und werde mir heute einen neuen Instantkaffee besorgen. Wer? Ich natürlich. Ja aber, das sagt doch jeder! Na und?ROsho: „Wahrscheinlich kennt hier jeder diese Sufi-Geschichte von dem Meister und seinem Schüler, die nachts an einer Oase haltmachten, um dort den Rest der Nacht zu verbringen. Am nächsten Morgen waren ihre Kamele verschwunden. Der Meister fragte den Schüler, ob er die Kamele nicht festgebunden hätte. Der Schüler sagte: ‚Meister, du sagtest mir doch, dass alles, was geschieht, Allahs Wille sei.‘ Der Meister antwortete: ‚Ja, das ist richtig. Aber Allah braucht deine Hände. Deshalb sagte ich zu dir, binde die Kamele fest.‘ Es gibt viele solche Geschichten. In allen geht es um denselben scheinbaren Widerspruch.“

Scheinbarer Widerspruch. Nur für das logische Denken ein Widerspruch. „Ja gell, das sind so G’schichten“, hätte Heinz Butz gesagt und wäre vergnügt seiner Wege gegangen. Ich finde, das ist eine weise Art, damit umzugehen.

 

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