Leo Hartong: die Freiheit davon, jemand zu sein


LDass Erleuchtung eine Erfahrung oder ein Zustand ist, in dem man sich befindet, hat den Erleuchtungsmythos erschaffen. Erleuchtung ist nicht so sehr ein Zustand für jemanden, sondern die Freiheit davon, jemand zu sein. Ja, es gibt wunderbare Erfahrungen (Gipfelerfahrungen oder mystische Erfahrungen), die oft mit der Erleuchtung verwechselt werden. Wahre Erleuchtung ist bereits vollkommen gegenwärtig, aber solange der Verstand denkt, dass sie so etwas wie eine Erfahrung ist, wird sie übersehen.

Deine wahre Identität ist das ultimative Subjekt – und es ist sich aller Dinge anstrengungslos gewahr. Für dieses ultimative Subjekt – für die bezeugende Präsenz – ist alles, was auftaucht, ein Objekt. Das schließt Gedanken, das Ego und den Verstand ein.

Aus dieser Perspektive betrachtet, erscheint der Verstand im Gewahrsein. Verschiebe die Aufmerksamkeit von der Erfahrung zum Erfahren selbst, vom Gesehenen (dem Verstand) zum Sehen und vom Gewussten zum Wissen. Dann wird alles klar sein. „Wissen“ kann sich selbst niemals ein Objekt sein. Das ist der Grund, warum es – wie es so oft heißt – über den Verstand hinausgeht.

aus: Leo Hartong, „Betrachtungen vom Spielfeldrand“

LGestern fand ich bei Werner Ablass die Aussage: „Was habt ihr nur mit diesem ewigen ‚Glücklichsein‘? Emotionen sind bedeutungslos im natürlichen Zustand!“ Eine der Antworten kam von Aktu Kurzbauer: „Sat Chit Ananda ist keine Emotion…..“ Mir geht es um die beiden Fraktionen, deren Vertreter hier zu Wort zu kommen scheinen. Die eine Fraktion zeichnet sich aus durch große Nüchternheit. Hier geht es um das Verschwinden des Glaubens daran, dass unsere Vorstellungen der Wirklichkeit entsprächen. Als „Belohnung“ wartet hier möglicherweise so etwas wie der „natürliche Zustand“ auf den Protagonisten. Die andere Fraktion unterscheidet sich vor allem durch die „Belohnung“. Hier wartet möglicherweise „Satchitananda“ auf den Protagonisten: Reines Sein, Bewusstheit, Glückseligkeit. Gemeint ist damit nicht eine besonders hübsche Emotion, denn Emotionen kommen und gehen, während Satchitananda denjenigen Zustand beschreibt, in dem sich der Erleuchtete dauerhaft befindet.

G

Leo Hartong scheint ziemlich eindeutig der erstgenannten Fraktion anzugehören. Er sagt: „Ja, es gibt wunderbare Erfahrungen (Gipfelerfahrungen oder mystische Erfahrungen), die oft mit der Erleuchtung verwechselt werden. Wahre Erleuchtung ist bereits vollkommen gegenwärtig, aber solange der Verstand denkt, dass sie so etwas wie eine Erfahrung ist, wird sie übersehen.“ Sagt er das, weil ihm die Trauben von Satchitananda angeblich zu sauer sind? Aktu: „Sat Chit Ananda ist keine Emotion…..“ Und auch keine Erfahrung, würde er wahrscheinlich ergänzen, sondern ein immerwährender Seinszustand. Aber was weiß ich schon, was Aktu ergänzen würde.

Und was sagt der ehrwürdige Nitya? Der sagt:

B

Falls jemand auf die komische Idee kommt, mich zu fragen, warum das alles Blahblah sei, kann der ehrwürdige Nitya nur mit Shankara antworten: „Alle Worte sind dem Unbefreiten nutzlos, da sie nur Vorstellungen erzeugen; alle Worte sind dem Befreiten nutzlos, da er sie nicht benötigt.“ Es wird vorgefunden, was vorgefunden wird. Und wenn Sehnsucht nach Glücklichsein vorgefunden wird, dann ist es das; und wenn der Glaube daran weggefallen ist, dass unsere Vorstellungen der Wirklichkeit entsprechen, dann ist dieser Glaube weggefallen und wenn niemand im ewigen Satchitananda schwelgt, dann schwelgt niemand im Satchitananda. Kennt ihr übrigens die hübsche Geschichte von Odysseus alias Niemand und dem Kyklopen Polyphem? Diese Niemande haben’s in sich! Also passt auf!
K

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12 Antworten zu Leo Hartong: die Freiheit davon, jemand zu sein

  1. Eno Silla schreibt:

    Also, lieber Nitya, wenn ich so deinen heutigen Beitrag lese, dann öffnen sich doch glatt die Blahblah-Schleusentore. Und was kommt da heraus:

    Ich bin nicht frei davon
    Jemand zu sein
    Ich bin Jemand
    Aber frei davon

    Was das wohl jetzt soll? Verstehst du das?
    Also ich nicht!

    Herzliche Grüße von

    Eno

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Eno,

      wann hätte ich je etwas verstanden? Muss ich denn? Nö. Kürzlich las ich: Gott liebt die Einfältigen. Das hat mich sehr beruhigt. So lebe ich denn mit all den Widersprüchen, den echten und den scheinbaren, fröhlich vor mich hin und versteh bloß Bahnhof.

      Herzlichst
      Bahnhof

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  2. Eno Silla schreibt:

    aaaaarrrrrrrggggghhhhh!
    das haut mir doch glatt den vogel raus:

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