Jean Klein: Augenblicke, wenn Sie nichts sind


KDie Situation hält immer die angemessene Einstellung bereit und nicht das Gedächtnis. Sie sind der Besitzer aller Erinnerung, aber Sie sind nicht die Erinnerungen. Sie müssen erkennen, dass Sie gerade nichts als ein Bündel Überzeugungen und Gewohnheiten sind, das, was die Gesellschaft aus Ihnen gemacht hat. Sobald Sie das alles verlassen hat, werden Sie erkennen, dass es Schutzmaßnahmen und Aggressionen waren, die einzig akkumuliert wurden, um das Ego aufrechtzuhalten, das es nicht gibt. Dann scheint das wahre Selbst hindurch. Es gehört nicht der Erinnerung an. Es ist da, weil es da ist. Sehen Sie das! Hören Sie! Sie sind nicht das Gedächtnis. Bekommen Sie diese Augenblicke mit, wenn Sie nichts sind. Sie werden solche Freiheit spüren! Dann ist alles möglich.

aus: Jean Klein, „Nichts als Gegenwart“

E

Der Besitzer von Gedächtnis, von Erinnerung; ein Bündel von Überzeugungen und Gewohnheiten; das, was die Gesellschaft aus mir gemacht hat; die Akkumulation von Schutzmaßnahmen und Aggressionen; unfähig, auf eine gerade auftauchende Situation angemessen zu antworten, … das bin ich bzw. dafür halte ich mich. Prost Mahlzeit! Gott sei Dank ist mir das nicht so recht bewusst, sonst müsste ich mich glatt am nächsten Baum aufknüpfen.

Nein, sagt der Jean Klein: Bist du alles nicht. Glaubst du bloß. Träumst du bloß. Da gibt es Augenblicke, in denen du nichts von alledem bist. Vielleicht kriegst du die ja sogar mal mit. Das ist nichts Besonderes. Jeder hat solche Augenblicke. Die Frage kann also nur sein, ob er sie mitkriegt. Jean Klein: „Bekommen Sie diese Augenblicke mit, wenn Sie nichts sind. Sie werden solche Freiheit spüren! Dann ist alles möglich.“ Was ist möglich? „Die Situation hält immer die angemessene Einstellung bereit und nicht das Gedächtnis.“ Das ist möglich, aber wenn ich mein Gedächtnis befrage, wie ich mit der Situation umgehen kann, kann es sein, dass ich behindere, was möglich sein könnte. Ist Gedächtnis also nur hinderlich?

BAchtung, Marianne, er kommt!

Darf ich mich also schon mal auf Alzheimer freuen? Gedächtnis weg, Erinnerung weg, Überzeugungen weg, Gewohnheiten weg, was die Gesellschaft aus mir gemacht hat weg, die Akkumulation von Schutzmaßnahmen und Aggressionen weg, oohhh du lieber Augustin, alles ist weg. Wird das nicht herrlich sein? Ich weiß nicht, ich weiß nicht.

Also das ist natürlich Quatsch. Alles darf da sein – wenn ich denn was zu erlauben hätte – einfach weil’s da ist. Und wenn Mr. Alzheimer an meine Tür klopft, darf er das auch, einfach weil er’s tut. Und wenn’s eine Pille gegen Alzheimer gäbe, würde ich sie vermutlich einwerfen, falls ich mich an sie erinnern würde – einfach weil sie da ist und ich nicht scharf auf Alzheimer bin. Und wenn die Augenblicke bemerkt werden, wenn ich nichts bin und schon immer war, dann dürfen auch die da sein, einfach weil sie da sind.

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2 Antworten zu Jean Klein: Augenblicke, wenn Sie nichts sind

  1. Marianne schreibt:


    den finde ich auch gut:

    Gefällt mir

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