Ramesh Balsekar: Bewusstsein in Bewegung und in Ruhe


RMit dem Erwachen verschwindet die Identifikation mit dem phänomenalen Objekt. Das phänomenale Objekt selbst fährt fort, phänomenal zu leben während der ihm zugemessenen Zeitspanne, an dessen Ende es „stirbt“ und beseitigt wird durch Begräbnis oder Verbrennung. Das Bewusstsein, das in Bewegung war, taucht ein in das Bewusstsein, das in Ruhe ist. Nachdem der Erwachte für den Rest des phänomenalen Lebens erwacht war, fällt er schließlich in den Tiefschlaf des Noumenons – phänomenale Anwesenheir wird zur phänomenalen Abwesenheit und zur noumenalen ANWESENHEIT.

Während der Dauer der Lebensspanne existiert die erträumte Figur (der Träumer) nur als ein Objekt im Lebenstraum „anderer“, die bis dahin noch nicht-erwacht sind. Der Erwachte weiß, dass „er“ selbst das Erwachen ist. Es wird intuitiv erfasst, dass er selbst die reine, unkonditionierte Subjektivität ist, von der er selbst (und alle empfindungsfähigen Wesen) erträumt wird. Tatsächlich entdeckt der Träumer mit dem Erwachen, dass es nie einen Träumer gab, sondern nur das Phänomen des Träumens.

Es existiert kein Träumer als solcher – das ist die ganze Wahrheit. In der Tat ist dies die Essenz des Verstehens dessen, was wir wirklich SIND! Es würde zu großer Verwirrung führen, zu glauben, wir wären ausschließlich „erträumt“, denn wir werden sowohl erträumt als auch träumen wir. Es existiert kein Träumer, der getrennt vom Geträumten ist. Da ist nur Träumen, das Funktionieren des Bewusstseins. Es existiert weder eine Wesenheit, die etwas ausführt, noch etwas, das ausgeführt wird. Da ist nur spontanes Handeln, eine Art Nicht-Handlung, weil kein Handelnder existiert.

aus: Ramesh S. Balsekar, „Die Lehre erleben“

Glaubt mir kein einziges Wort von dem was ich sage, nur weil ich Buddha, eine Autorität für euch bin. Zweifelt es ruhig an, aber haltet es einfach für möglich, probiert es dann aus und seht, erfahrt alles selbst!

B„Der Erwachte weiß, dass ‚er‘ selbst das Erwachen ist“, sagt er, der Herr Balsekar, aber woher weißt du, dass „der Herr Balsekar“ ein Erwachter ist? Vielleicht hat er nur zu viel Wei Wu Wei gelesen und phantasiert jetzt bei einem Glas Wein munter vor sich hin? Buddhas Mahnung hat zeitlose Gültigkeit: „Zweifelt es ruhig an, aber haltet es einfach für möglich, probiert es dann aus und seht, erfahrt alles selbst!“ Das gilt auch und vor allem für alle Heiligen Bücher, ganz besonders für die, die ihr selbst geschrieben habt. Glaubt euch selbst kein Wort! Längst ist so etwas wie ein spiritueller Mainstream entstanden und man bejubelt sich gegenseitig, wenn Phrasen in die Runde geworfen wurden, die auf Linie sind. Ich habe mein Leben lang Gurus gemieden, die umringt waren von ihren Devotees. Das bekam für mich stets irgendwie etwas Sektenhaftes. Ich erinnere mich noch gut, wie ich angetörnt von meinem ersten Osho-Buch mich von einer Freundin, einer Sannyasin,  zu einem Besuch im Purvodaya-Ashram in Margarethenried überreden ließ und wie dort an der Pforte meine Freundin von einer Ma angemacht wurde, weil die Farbe ihres T-Shirts mehr einer sanften Morgenröte entsprach als dem vorgeschriebenen Farbton. „Hilfe“, dachte ich, „in was für eine dämliche Sekte bin ich denn hier hineingeraten?“

A

Irgendwie waren  mir die frühen Anachoreten bzw. die späteren Wüstenväter immer näher als diese Massenerleuchtungsorgien. Buddhas Mahnung kann sich nur an den Einzelnen in seiner „Wüste“, in seiner Alleinheit richten. Spirituelle Entertainer und ihr Publikum sind da eher eine vielleicht willkommene Ablenkung. Wenn ihr mögt, zweifelt also gerne an, was Ramesh da sagt, haltet für möglich, probiert es aus und seht, erfahrt alles selbst: „Es würde zu großer Verwirrung führen, zu glauben, wir wären ausschließlich ‚erträumt‘, denn wir werden sowohl erträumt als auch träumen wir. Es existiert kein Träumer, der getrennt vom Geträumten ist. Da ist nur Träumen, das Funktionieren des Bewusstseins.“

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7 Antworten zu Ramesh Balsekar: Bewusstsein in Bewegung und in Ruhe

  1. Brigitte schreibt:

    Ich mag die Klarheit und Eindeutigkeit in der Sprache von Ramesh Balsekar. Wie er auf das Eine/Einzige deutet ohne Schnörkel und Fisimatenten. Ohne Weihrauch und Heiligenschein. Da leuchtet eine Gewissheit auf, die keine Belehrung braucht. Einfach nur diese Kostbarkeit. Das kommt auch im Video zum Ausdruck, das Fredo gestern gepostet hat. Diese Liebenswürdigkeit und Natürlichkeit, ja fast möchte ich sagen Kindlichkeit und Unschuld. Es gibt diese Menschen, die absichtslos diesen feinen Duft des Unsagbaren verströmen. Balsekar und Ranjit gehören für mich dazu.

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    • Brigitte schreibt:

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    • Brigitte schreibt:

      Noch so ein „Da-vorne-Sitzer“, den ich schätze, der mit anderen gern zusammensitzt und über das spricht, was ihm wichtig ist und was er liebt. Ganz einfach, ganz unmittelbar, ohne Schnickschnack. Wer sich für seine Wesensnatur interessiert, kann es sich ja anhören. Ich finde den Talk essenziell und mir ganz nah.

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    • Brigitte schreibt:

      Wieder ganz anders: Wolf Schneider. Kommt mit großer Leichtigkeit und Weitblick daher. Gefällt mir außerordentlich gut. Es gibt mehrere thematisiere Videos von ihm. Klasse!

      Hier mal eine Kostprobe

      So, jetzt mach ich mich aber mal wieder vom Acker, sonst kriegen die Leute hier noch Plaque, wenn sie dauernd die „Pusteblume“ sehen😉

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  2. fredoo schreibt:

    In der Zeit von Bagwan verschwanden die meisten meiner Freunde in Richtung Indien , vor allem die , die in der Selbsterfahrungs/Therapie-Nummer drinwaren , entweder als Kunden oder als Anbieter .
    Aber für mich , als sozialisiertem Freigeist , war diese Uniformität und dies „dynamische Meditieren“ auf Kommando eher ein Witz als ein echtes Angebot.
    Und auch in den Schriften von Herrn Raaschneesch fand ich vor allem Altvertrautes in , zugegeben gewitzer , neuer Konglomeranz , aber nix was mich „im Innersten“ traf .
    Seine 99 Rolls-Nummer hingegen fand meine große Zustimmung und Freude an Provokation .
    Ich selber war bei Schriften ( bis heute ) eher von Worten und Denken „around the Tao“ inspiriert.

    Nun ergab es sich , da ich immer großen Widerwillen gegen Befeierungen hatte , dass ich zu meinem 40ten gen USA Kalifornien flog , um eine Freundin in Esalen zu besuchen. Als Reiselektüre hatte ich , warum auch immer , das I AM des Nisargadata mitgenommen , und in dem eine Karte vorgefunden , die zu einem Treffen mit Herrn Ramesh auf Maui,Hawaii einlud … damals mir und wohl den meisten in Deutschland noch völlig unbekannt … Nun ja , dachte ich … Hawaii ist doch einen Ausflug wert , und so rief ich den Kontakt an , als ich ob der amerikanischen „Kultur“ doch etwas ermüdet , eine Auszeit von zuviel USA ersehnte . Die Götter wollte es wohl , hatte doch gerade 1 Stunde zuvor ein Teilnehmer der ausverkauften Veranstaltung storniert , so dass ich also im Flieger gen Hawaii saß … Durchaus neugierig , aber auch auf das Schlimmste gefasst , da mir dieses opulent indisch kitschige Darshan und BlumenkranzGurugetue zutiefst wiederlich war …
    Nun ja , dort angekommen , in einen völlig spartanischen ZenRetreat mitten im hawaiianischen OpulenzDjungel traf ich dort auch Herrn Ramesh samt seiner Ehefrau Sharda … Er ein recht unauffälliger , aber zutiefst freundlicher kleiner Inder , und sie mit einer natürlichen Würde , die man fast „aristokratisch“ nennen konnte … Zugegeben war ich anfangs mehr von ihr fasziniert als von diesem kleinen Mann … Dann hörte ich ihm zu , 20 Amerikaner , einige wenige kannte ihn von Mumbai und hatte ihn eingeladen , Heiner , ein Deutscher der Lektor beim Context-Verlag war , und besagte Karte in das Buch gelegt hatte , und der alle folgenden Treffen mit Ramesh in Indien organisieren sollte , und weitere 4 Deutsche und ein Schweizer , von denen einige später dann auch „davorne sitzen“ sollten ,
    Nun ja , was soll ich sagen , es dauerte womöglich 30 Minuten , in denen ich mich bereits in die Wei-Wu-Wei Vokabelwelt einfinden durfte , da Herr Ramesh ihn und seine Begriffe über alles liebte , und damals auch nutzte … was er später , wohl um seine Besucher nicht zu überfordern , um andere Begrifflichkeiten erweiterte … tja , da hatte „es“ mich …
    Ich wußte mit einer mir bis dahin unbekannten Gewissheit „es mag andere geben , die ebenso kompetent vom „Eigentlichen“ berichten können , doch noch näher „dran“ kann davon keiner sein“ … so würde ich diese Gewissheit heute umschreiben …
    Seltsam genug , denn ich bin wahrlich wort-gewitzt , und stets auf „Wissen“ aus , und auf dessen Abgleichung im Diskurs , war ich diesem kleinen bescheidenen Manne gegenübersitzend einfach nur mich „wohlig angekommen“ fühlend mit wortlosem Genuss zufrieden ( was übrigens auf Dauer anhielt , ich hatte nie mehr Fragen , was mich anfangs sogar irritierte , hatte es doch fast etwas minderwertiges für meinen SucherStatus an sich ).
    ich saß ihm gegenüber ! ( und nicht nur davor ! )
    dies war eine Qualität im Treffen mit ihm , die viele so empfanden … Da war kein Überlehrer , sondern einfach einer der dir gegenüber saß und ein wenig berichtete , manchmal gar , nur schwatzte … wenn man ihn „privat“ traf ( z.B. auf besagter Dachterasse ) , was überhaupt kein Umstand machte , sondern einfach „so“ möglich war , traf man auf einen sehr belesenen BildungsInder , der aber auch größte Freude am Small-Talk über Sport (Cricket ! ) und Politik ( jawoll Nitja ! ) hatte … Es war dann wie ein Sitzen mit ihm am Frühstückstisch und gemeinsamer Zeitungslektüre … Noch heute taucht bei einem derartigen GuteMorgenRitus bei mir ein Duft von Erinnerung auf …
    Tja … ich bin trotzdem nie in dieses „Guru“-Beziehungs-Ding eingetaucht … was auch nicht notwendig war … aber wie sehr er mich auch als Person beeindruckt hat , merke ich gerade dann , wenn ich , wie jetzt , von der Zeit „mit ihm“ berichte …

    PS … diese seltsame naive unschuldige Kindlichkeit ( und trotzdem in kompetentester Klarheit ) , von der auch Brigitte berichtet , kann ich bestätigen , und halte sie auch im erheblichen Maße für die Ursache meiner anhänglichen Gewogenheit für ihn .

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    • Nitya schreibt:

      Nu übertreib ma nich, Herr Fredo! Es waren nur 93 Rolls Royces. Man gönnt sich ja sonst nichts. Für mich von puritanisch-protestantischer Rechtschaffenheit schuldgequältes Würstchen waren Oshos Luxuslimousinen nur ein großes, befreites Lachen. „Du darfst!“ Nimm 2 oder 93 oder wieviel auch immer. Ich hab mal ein Wochen-Retreat bei Toni Packer gemacht. Beim Essen machte sie immer winzige Bisschen und ich kriegte beim Zusehen fast Magenverklemmungen. Ich habe fast sämtliche Regeln übertreten müssen, um nicht in Schockstarre zu verfallen. Du siehst: Jedem Tierchen sein Pläsierchen und das betrifft auch die, die frag mich nicht warum, die bei einem ein Türchen oder ein Scheuntor öffnen können. Bei mir war’s halt der Butz, der mir in völliger Wortlosigkeit … eröffnen konnte, wahrscheinlich ohne die geringste Abicht. Das irre Lachen hab ich mir bei Osho geholt, das hatte mir irgendwie noch gefehlt. Ramesh ist total Klasse. Ist ja nicht so, dass ich nicht die Klarheit der Sprache lieben würde. Na ja und dann ist da ja mein Kater Gregor und die Eichhörnchen und Meisen und die Frauen nicht zu vergessen und und und … das Leben halt.

      Übrigens, warum ich das so betont habe, den Ramesh zu hinterfragen: Für mich ist das Hinterfragen von Worten und seien sie noch so brillant vorgetragen, die größte Ehrerbietung für den Hinterfragten. Jedes nicht hinterfragte Annehmen finde ich einfach nur gruselig.

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