Karl Renz: weil du es werden willst, bist du es nicht


KDu fühlst dich von der Freiheit angezogen. – DAS muss niemals frei sein. Aber weil du es werden willst, bist du es nicht. Da du es besitzen willst, kannst du es nicht bekommen. Du willst es haben und das kannst du nicht – das ist, was ich dir sage: Es hat nie jemanden gegeben, der es gekriegt oder erreicht hat. Du kannst es sein – das ist das Einfachste – weil du es bist. Aber du kannst es niemals erreichen. Du wirst es niemals haben. Es wird niemals dein sein.

Soweit es die Freiheit betrifft, gab es garantiert niemals irgendwelchen Besitz. Welche Art von Freiheit wäre das, die von einer Konstanz besessen werden kann? Konstanz-Freiheit. Du kannst sie für immer haben, aber niemand will sie – Konstanz-Freiheit. Vielleicht willst du sie später verkaufen. Vielleicht schreibst du ein Buch über Freiheit.

Wie ich schon sagte: Würde dich diese verfluchte Freiheit zu mehr oder weniger machen? Würdest du durch Freiheit irgendetwas gewinnen? Oder durch die Wahrheit? Was würdest du mit der Wahrheit anstellen, wenn du sie erlangst?

aus: Karl Renz: „Worry And Be Happy“


„Ha, mia san mia! Mia san Hund! Mia lassn uns nix gfoin! Naa, mia doch ned!“ Da haben wir schon das ganze Dilemma: Für deine Freiheit musst du kämpfen, immer wieder, dein Leben lang!

BKarl: „Du fühlst dich von der Freiheit angezogen. – DAS muss niemals frei sein. Aber weil du es werden willst, bist du es nicht. Da du es besitzen willst, kannst du es nicht bekommen. Du willst es haben und das kannst du nicht – das ist, was ich dir sage: Es hat nie jemanden gegeben, der es gekriegt oder erreicht hat.“ DAS muss niemals frei sein. Ich schon. Aber das war jetzt eine sehr unspirituelle Bemerkung. Ich? – Den Typen gibt’s doch gar nicht. Gibt’s ihn, gibt’s ihn nicht? Was ist denn das, was um jeden Preis frei sein will?

KHabt ihr schon mal eine Katze in einen Transportkäfig zu stecken versucht? Plötzlich wird Herrchen oder Frauchen zum Todfeind, der der Katze die Freiheit nehmen will. Was ist das, was jede Freiheitsberaubung nicht ertragen kann? Das Ego der Katze? Hält sich eine Katze etwa für ein freiheitsliebendes Tier? Ich würde sagen, dass sich eine Katze für gar nichts hält. Es scheint ein angeborener Reflex zu sein. Man könnte sagen: Leben ist Bewegung. Wird diese eingeschränkt, fängt Leben sofort an, sich zu wehren. Dafür braucht es keinerlei Ich-Vorstellung. Kürzlich hat mir ein Friseur mit einer Haarschneidemaschine die Haare geschnitten. Um besser an die Kopfseiten zu kommen, schob er meinen Kopf in Schieflage. Versuchte es jedenfalls, denn kaum spürte ich den Druck, kam reflexartig mein Gegendruck. Kaum spürte mein Friseur den Gegendruck verstärkte er seinerseits reflexartig seinen Druck, was bei mir sofort einen noch stärkeren Gegendruck erzeugte mit der Folge, dass sich (vermutlich) mal wieder mein Atlas verschoben hat und mir jetzt das Genick weh tut. Man könnte natürlich sagen, dass der Friseur mir seinen Ego-Willen aufzwingen wollte und mein Ego sich meinem Friseur ums Verrecken nicht hingeben wollte (als ob das Ego irgendetwas könnte).

Karl sagt: „DAS muss niemals frei sein. Aber weil du es werden willst, bist du es nicht.“ DAS ist also auch frei, wenn ich frei sein will. Ich dagegen (mein Körper-Verstand-Organismus) kann niemals wirklich frei sein, weil ich auf der relativen Ebene immer nur in der Spannung von Freiheit und Unfreiheit existieren kann, was bedeutet, dass ich tatsächlich immer wieder für meine Freiheit kämpfen muss. „Ich bin DAS und damit frei (oder besser jenseits von frei und unfrei)“ ist zwar absolut wahr, was jedoch in keiner Weise ausschließt, dass ich auf der relativen Ebene ständig für meine Freiheit kämpfen muss. Die Bhagavad Gita beschreibt dies auf anschauliche Weise.

GTja, mein lieber Braveheart (William Wallace), weil du frei werden willst, bist du es nicht – also das sagt der Karl jedenfalls. Aber ist Braveheart nicht Ausdruck von DAS, das niemals frei sein muss? Was gibt’s also an diesem Braveheart rumzumeckern? Er hat nur getan, was er tun musste.

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