Osho: Bewusstheit ist ein Dietrich

 

OIch lehre euch keine Moral, und ich lehre euch keine Tugend – denn ich weiß, ohne Bewusstheit ist sie nur eine Vortäuschung, Heuchelei. Sie macht euch unecht. Sie befreit euch nicht, sie kann euch nicht  befreien. Im Gegenteil, sie sperrt euch ein. Nur dies eine genügt: Bewusstheit. Sie ist ein Dietrich. Sie schließt alle Türen der Existenz auf. Bewusstheit heißt: Du lebst von Moment zu Moment, hellwach, deiner selbst bewusst und all dessen bewusst, was um dich herum geschieht, darauf eingehend, von Augenblick zu Augenblick. Du bist wie ein Spiegel.

Das ist es, wofür euch Pythagoras die Augen öffnen möchte: Sei ein Spiegel. Und spiegele so total wieder, dass  alles, was aus diesem Widerspiegel geboren wird, richtig ist, weil es passt, mit der Existenz harmoniert. Wenn du nicht wirklich den  Anstoß gibst, bist du nicht der, der es tut. Es entsteht vielmehr aus dem Gesamtzusammenhang; die ganze Situation – du und alles – ist daran beteiligt. Aus dieser Ganzheit heraus wird das Handeln geboren – es ist nicht dein Handeln. Du hast nicht beschlossen es auf diese Weise zu tun; es ist nicht deine Entscheidung, es ist nicht dein Gedanke, es ist nicht dein Charakter. Du tust es nicht, du lässt es nur zu.

aus: Osho, „Die Mysterienschule, Osho spricht über Pythagoras“

Pa² und b² = c² – diese Formel ist uns wohl allen geläufig und steht für den Namen Pythagoras. Nein? Nun, Pythagoras hat uns ein bisschen mehr hinterlassen als diese Formel. Das meiste davon ist fast vollständig in Vergessenheit geraten. Seine Botschaft war die Grundlage seiner Mysterien-Schule. Die wenigen Zeilen, die uns von ihm selbst überliefert sind, waren für Osho Anlass für eine eigene Vortragsreihe.

„Sei ein Spiegel“, sagt Osho und wenn ich die folgenden Zeilen lese, möchte ich ergänzend hinzufügen: „Sei ausschließlich ein Spiegel.“ Der Text heute endet mit der Aussage:  „Du tust es nicht, du lässt es nur zu.“ Wenn ich mir die Zähne putze, kann ich mich dabei im Spiegel beobachten. Wäre der Spiegel ein Film, würde ich vielleicht auf die Idee kommen, dass der Typ im Film sich gerade die Zähne putzt. So aber weiß ich, dass ich in einen Spiegel gucke, der meine Tätigkeit nur widerspiegelt. Der Spiegel tut also gar nichts, während ich glaube zu tun. Wenn Osho sagt, dass wir wie ein Spiegel sein sollen, sagt er damit, dass wir so untätig sein sollen, wie ein Spiegel, was in meinem Beispiel bedeutet, dass nicht ich mir die Zähne putze, sondern Zähneputzen geschieht, ich es lediglich widerspiegele und dabei alles in derselben Weise „zulasse“ wie ein Spiegel.

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Osho sagt: „Nur dies Eine genügt: Bewusstheit. Sie ist ein Dietrich. Sie schließt alle Türen der Existenz auf.“ Ist ein Spiegel bewusst? Nun, er spiegelt in jedem Augenblick alles wieder, was vor ihm auftaucht. Aber darin ist noch etwas anderes versteckt: Kein Spiegel benötigt dafür ein Achtsamkeitstraining oder irgendeine bewusste Anstrengung oder Konzentration. Er ist einfach und sein Wesen ist Widerspiegelung. Er kann überhaupt nicht anders. Und genau das ist auch das Wesen von Bewusstheit. Es bedarf keinerlei Bemühen hierfür. Bewusstheit spiegelt genauso wider wie ein Spiegel. Bewusstheit tut genauso wenig wie ein Spiegel.

Dann ist da noch ein ganz wesentlicher Hinweis. Man könnte ja nach dem Vorausgegangenen sagen: „Was? Das soll’s schon sein? Das kann doch jeder!“ Der Hinweis, auf den ich hinaus will lautet: „Du tust es nicht, du lässt es nur zu.“ Du lässt es nur zu – wer zum Teufel soll denn da schon wieder etwas zulassen oder nicht zulassen? Du? „Du“ kann gar nix. Also geschieht auch das, das Zulassen wie das Nicht-Zulassen. Ich denke gerade mal wieder an meinen Beinahe-Unfall, als ich beinahe zwischen einen Laster und einen entgegenkommenden Laster geraten wäre. Als ES da das Lenkrad herumriss und in einen rechtwinklig einbiegenden schmalen Feldweg hineinraste, habe „ich“ gar nichts zugelassen. Da war keine Wahl zwischen Zulassen und Nicht-Zulassen. Es geschieht einfach und „der Spiegel“ spiegelt das Geschehen wider und rast mit hinein auf den Feldweg. Spannend, sag ich euch. Das ist total spannend.

U

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2 Antworten zu Osho: Bewusstheit ist ein Dietrich

  1. Swami Prem Punito schreibt:

    Bei deinen Ausführungen , liber Nitya noch “ Einen draufsetzen “ ?
    Nööö !
    Herzlichst
    Punito
    P.S : Das wäre für mich , wie bei `nem Haiku noch `ne Zeile anhängen . 🙂

    Seitdem die Scheune zu Asche wurde, sieht man wieder den Mond .
    Bashô

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  2. Baboji schreibt:

    Hat dies auf Radikale Erleuchtung rebloggt.

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