Yang Dschu: Der Edle hütet sich, Gutes zu tun


EYang Dschu sprach:

Wer Gutes tut, tut es wohl nicht um des Ruhmes willen;
aber doch wird ihm der Ruhm folgen.

Der Ruhm hat an sich nichts mit Gewinn zu tun;
aber doch wird ihm der Gewinn folgen.

Der Gewinn hat an sich nichts mit Streit zu tun;
aber doch wird sich der Streit an ihn heften.

Darum hütet sich der Edle, Gutes zu tun.

aus: Liä Dsi, „Das wahre Buch vom quellenden Urgrund“

GGutes tun rentiert sich nicht. Gut, dass ich so’n schlaues Kerlchen bin und nicht gleich wieder auf meinen doofen Helfertrip reingefallen bin. So ein Moment stiller Reflexion kann einen doch glatt vor dem Schlimmsten bewahren. Wie recht er doch hat, dieser Yang Dschu, mit seiner messerscharfen Logik. Schluss mit der Gefühlsduselei. Die bringt einen bloß in Teufelsküche. Fortan darf ich mich mit Fug und Recht einen Edlen nennen. Hihi.

Ich liebe solche Geschichten über die ich mir ein bisschen den Kopf zerbrechen kann. Möglicherweise kann ich mit dieser Kopfzerbrechergymnastik einer drohenden Vollverblödung noch ein Schnippchen schlagen. Also meine christliche Programmierung sagt mir, dass Yang Dschus Edler ein herzloser Schweinehund ist. Und der berühmte taoistische Meister Liä (Liä Dsi) sollte sich was schämen, so einen Egoisten in seinem Buch zu Wort kommen zu lassen. Oder hab ich was falsch verstanden?

P

Taoisten sind sehr praktische Leute. Ich muss gerade an Norbert mit seinem Puh-Messer denken, mit dem er alles wegschnitt, was für ihn reine Hirnwichserei war. Also die Taoisten beobachteten einfach die Natur und die Menschen und stellten fest, wie die Dinge waren und nicht, wie sie sein sollten. Dabei spielte auch ein Sonderfall der Hirnwichserei mit Namen Moral nicht die geringste Rolle. Im Enneagramm gibt es den Typen des hilflosen Helfers. Auch das Enneagramm entstand durch reine Beobachtung. Die Väter des Enneagramms sind wohl über Georg Iwanowitsch Gurdjieff in der Sufi-Tradition der Naqschbandi und der uralten Sarmoun-Bruderschaft zu suchen. Auch hier gab es wie bei Liä Dsi die Frage danach, was eigentlich einen Menschen motivert, anderen zu helfen. Liä Dsi schloss freundlicherweise das Streben nach Ruhm aus. Er wollte tiefer gucken. Die Enneagrammväter fanden bei vielen Helfern sehr versteckt den Wunsch, geliebt zu werden sowie Kontrolle und Macht auszuüben, indem sie die Opfer ihrer Wohltätigkeit auf sehr subtile Weise zur Dankbarkeit zu zwingen versuchten. Die Maske des Wohltäters fällt in dem Moment, in dem der erhoffte Lohn verweigert wird. Dann kann die Rache für den ausgebliebenen Lohn furchtbar sein.

Natürlich gibt es auch eine andere Weise des Helfens, ein Helfen, das nicht aus dem Mangel kommt wie beim Enneagrammtypen Zwei. Hier ist Helfen Ausdruck von Potenz und verschwenderischer Fülle. Es bereichert sowohl den Spender wie den Empfänger, während im Falle des hilflosen Helfers nur zwei bedürftige notorische Verlierer ihr Spiel miteinander spielen und das Ergebnis für beide Seiten immer enttäuschend ist – leider in den meisten Fällen nicht ent-täuschend.

SWenn ich das auf die gegenwärtige Flüchtlingskrise übertrage,  dann kann ich nur feststellen, dass unsere sog. Willkommenskultur ganz der Struktur des hilflosen Helfers entspricht und in keiner Weise geeignet ist, ein befriedigendes Ergebnis hinzubekommen. Man weiß ja schon gar nicht mehr, wo anfangen, weil das Kind längst in den Brunnen gefallen ist und jetzt das Pferd nur noch von hinten aufgezäumt werden kann, was die Situation in keiner Weise verbessert, sondern nur vom Regen in die Traufe führen kann. (3 Metaphern – wow!) Es war der Westen mit seinem gierigen Zugriff auf die Ressourcen der Länder in aller Welt, der die verheerenden Kriege mit ihren Flüchtlingsströmen verursacht hat. Wenn diejenigen, die diesen ganzen Wahnsinn losgetreten haben und auch gar nicht bereit sind, mit ihm aufzuhören, ihre christliche Willkommenskultur propagieren, dann kann ich das nur pervers finden. Da würde ich mir tatsächlich ein bisschen mehr von der Nüchternheit der Taoisten wünschen. Die hätten uns erst gar nicht den ganzen Schlamassel eingebrockt und niemandem hätte geholfen werden müssen. „Hoffe auf den Herrn und tue Gutes; bleibe im Lande und nähre dich redlich.“ (Psalm 37,3) Wir waren es, die die Menschen aus ihrem Lande vertrieben haben. So kann sich niemand redlich nähren. Nüchterne Hilfe wäre, dafür zu sorgen, dass alle Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückkehren können und wir alles tun, dass sie dort auch wieder angemessen leben können.

S1

 

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5 Antworten zu Yang Dschu: Der Edle hütet sich, Gutes zu tun

  1. Swami Prem Punito schreibt:

    Guten Morgen Nitya ,
    Dein Gedanke zur Problemlösung ……: Hilfe wäre, dafür zu sorgen, dass alle Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückkehren können und wir alles tun, dass sie dort auch wieder angemessen leben können … . macht dich vermutlich verdächtig im die Systemfeindecke abgeschoben zu werden , oder auch , wenn es gelingen würde , in den Mundtodknast zu sperren .
    Wir sind zur Zeit noch nicht so weit – aber fast und nahezu , bei entspannter Betrachtung der “ Lage der Nationen “ . Selbst Olympia ist fernab von seiner Ursprungsidee – es wird noch immer
    geballert und gebombt gnadenloser als je zuvor . Gekillt und vertrieben wurde auch schon zu Zeiten der ollen Taoisten . Ihre Idee vom Nicht-Tun ist wahr . Liegt doch im Guten , wer es versteht , der Keim des Garstigen .
    Garstig ist der Umgang mit den Flüchtenden dieser Welt . Garstig sind die Polittiere , jene die sich mit den Flüchtlingen von Kamerateams in die Lager begleiten lassen um “ Gutes zu tun “ .
    Die gleichen Willkommensapostel , segnen an anderer Stelle Waffen ,oder schließen Verträge zur Abrüstung um sie zu brechen , alles im Namen des Guten .
    Bevor mir der Morgenkaffee hoch kommt , wünsche ich dir uns allen Besuchern auf deiner Seite
    Ein schönes , entspanntes Wochenende
    mit staatsfeindlichen Grüßen
    Punito

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      • Swami Prem Punito schreibt:

        Vielen Dank für den Link Germanische Heilkunde , lieber Nitya .
        Die Theorie des Dr. Hamer , b.z.w. die Anwendung seiner Heilkunst – sollte seine Sache sein .
        Die “ Großen Männer “ mit dem Kleinenmann-Innenleben werden trotz erwiesener Nachweise ,
        die praktische Umsetzung der Hamerschen Heilmethode , die natürlich keine Wunder erwirken kann , wie es auch bei allen “ Schulmedizinmethoden “ seit hunderten Jahren zu erleben ist , braucht ihre Zeit sich durchzusetzen .

        Ausserseiter , in einem der konservativsten Berufsstände , haben keine Lobby .
        Insbesondere nicht im eigenen , honorigen Kollegenkreis . Ging es um Pest oder Chorela , Kindbettfieber oder sonstige dramatischen Geschehnisse – der Andersforschende wurde
        ausgelacht . Eine ganzheitliche , kosmologische Beobachtung von Krankheit wurde psychisch-abnormes Gebarren eingestuft , die schriftlichen Aufzeichnungen vernichtet und der Forscher im höchsten Maße als Staatsfeind diffamiert und auf entwürdigenderweise ( siehe Wilhelm Reich , Sichwort Orgonforschung ) eingelocht .
        Heute , 68 Jahre später , spricht es sich allmählich herum , das Zytostatika keine Medikamente , sondern agressive , unter ungünstigen Umständen neue Krebserkrankungen auslösen können . Über die Macht der Pharmaindustrie und ihren , meines ethischen Empfinden nach , unlauteren Methoden , wird jetzt ebenfalls der Schleier gelüftet . Alles hat seine Zeit !
        Die globale Bewußteinsveränderung werde ich nicht mehr erleben . Aber , und das ist gut so , viele Menschen , generationsübergreifend , arbeiten weiterhin daran .

        Herzlichst
        Punito

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      • Nitya schreibt:

        Lieber Punito,

        danke mal wieder für deine Erinnerung an Wilhelm Reich. Die Parallelen sind wirklich unübersehbar. Und danke für das Video. Es ist eine Affenschande,wie sehr es der Food und Drug Agency (FAD), den Psychoanalytikern, den Kommunisten und ich weiß nicht wem noch gelungen ist, Wilhelm Reich zu zerstören. Na ja, so ganz ist es ihnen ja Gott sei Dank nicht gelungen.

        „Hör zu, kleiner Mann!“ Er hat zugehört und zugeschlagen.

        Herzlichst
        Nitya

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  2. ananda75 schreibt:

    immer schön trainieren, das hält fit🙂

    Ich hab für mich dann erst mal helfen und Helfer-Syndrom auseinander-definiert, mir das Syndrom abtrainiert – und mit Erstaunen festgestellt – seit dem konnte ich schon ein paar Mal wirklich helfen ohne Rückschläge in’s eigene Sein
    Das hat wohl was mit diesem Impuls zu tun, wenn man den „einfach“ (!) machen lässt, kann man ja nix dafür

    Liebe Grüße in’s Wochenend❤

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