Kodo Sawaki: Arbeit als Spiel


KIch habe mich mein ganzes Leben lang nur vergnügt. Meine Reisen sind mein Hobby, und wenn ich den Leuten, die kommen, um meine Reden zu hören, dann Nachhilfe im Buddha-Dharma gebe, tue ich das auch nicht, weil ich hinterher ein Trinkgeld dafür bekomme – es ist bloß reine Spielerei für mich. Die Menschen sollten sich alle mehr vergnügen – anstatt sich zu streiten, weil sie glauben arbeiten zu müssen. Niemand zwingt dich, irgendetwas mit deinem Körper oder Geist zu tun. Aber du glaubst trotzdem hartnäckig, dass der Dienst „Dienst“ ist, und du forderst mehr Lohn dafür. Ich mache mir dagegen nie Gedanken um meinen Tageslohn – denn für mich ist das kein „Dienst“, sondern Spielerei.

Am glücklichsten wirst du sein, wenn selbst die Arbeit noch zum Spiel für dich wird. Die Gymnasiasten in Kumamoto sagten mir immer: „Wenn wir so Ihr tägliches Leben beobachten, ist es schwer zu sagen, ob das nun Arbeit ist oder Zeitvertreib. Man könnte sagen, dass das Vergnügen selbst Ihr Geschäft ist. So gut wie Sie beherrscht das keiner in der Welt – Sie sind wirklich beneidenswert“. Worin liegt Ryokans wirkliche Größe? In der spielerischen Leichtigkeit, mit der er sein Leben lebte. Der machte sich nie Gedanken über seinen Tageslohn. Die Welt sollte etwas von Ryokans Spielerei lernen.

aus: Kodo Sawaki, „Zen ist die größte Lüge aller Zeiten“

H

Na ja, fällt mir ein bisschen schwer, dem Kodo Sawaki zu glauben, dass er sich sein ganzes Leben nur vergnügt hat. Da würde mir eher jemand einfallen wie der dicke Hotei, der mit den Kindern einfach Quatsch machen konnte. Dem Kodo Sawaki schreibe ich eher so eine trockene Art preußischen Humors zu. Strenge und Disziplin beißen sich wohl ziemlich mit dem „albernen“ Humor eines Hotei. Letzterem wäre es vermutlich nie eingefallen, irgendwelchen Leuten Nachhilfe im Buddha-Dharma zu geben. Hotei zeigte keinerlei missionarischen Eifer, er war einfach ein göttliches Kind unter göttlichen Kindern. Er lachte und spielte und verschenkte sich und was er so an Süß- und Spielkram aufgegabelt hatte an die Kinder, denen er auf seiner Wanderschaft begegnete. Und spielen kann man ja mit jedem Dreck. Aber was weiß ich schon von Kodo Sawaki und Hotei. Das sind alles nur meine Projektionen.

KKodo sagt: „Du glaubst hartnäckig, dass der Dienst ‚Dienst‘ ist, und du forderst mehr Lohn dafür. Ich mache mir dagegen nie Gedanken um meinen Tageslohn – denn für mich ist das kein ‚Dienst‘, sondern Spielerei.“ Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps, sagt man bei uns, und meint damit, dass Dienst und „Freizeit“ strikt zu trennen ist. Und da bei uns Dienst Dienst ist, also harte Arbeit, die wir mehr oder weniger widerwillig gegen Bares verrichten zu müssen glauben, wollen wir immer mehr Bares als Ausgleich für unsere Qual. Ein weiterer möglicher Ausgleich könnte der Prestigegewinn sein: War ich eben noch ein Niemand, bin ich jetzt zum Beispiel Kapo auf einer Baustelle. Ich bin wer. Apropos Baustelle. Mit 13 hab ich das erste Mal in den Ferien auf einer Baustelle gearbeitet. Dort wurde mir als Erstes eingeschärft: Sollte es einmal nichts zu tun geben, dürfte es nie so aussehen, als hätte ich nichts zu tun. „Immer eine Hand am Stein!“ sagten sie und „Bloß nie hinsetzen.“SDas hier ist auch Arbeit. (Arbeit ist gleich Kraft mal Weg, hab ich mal gelernt.) Das Mädchen in der Mitte springt ständig auf und nieder und hüpft genau im Takt mit den Bewegungen des Seils. Das Mädchen käme nie auf die Idee, dass es gerade arbeitet oder einen Dienst verrichtet oder dass es jetzt den Beruf der Hüpferin ausübt. Es hat einfach seine Freunde an dem Spiel. Kodo Sawaki schlägt vor, dass wir alles, was wir tun, mit derselben Leichtigkeit und Freude tun wie dieses Mädchen. Geschieht dies, kämen wir ganz sicher auch nicht auf die Idee, sich für diesen Spaß bezahlen zu lassen.

Hoffentlich fragt mich jetzt niemand, wovon er seine Miete bezahlen soll oder die nächste Rate für seine Lebensversicherung.
Z

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9 Antworten zu Kodo Sawaki: Arbeit als Spiel

  1. Elwood schreibt:

    Ja, der Kodo, der hat leicht reden, der will ja auch nirgendwo mehr hin!

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  2. Eno Silla schreibt:

    ein spielerischer tag
    voller staunen
    braucht es da weitere worte?:

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  3. Brigitte schreibt:

    Hey Eno,
    die Sonnenblume, an der sich die Biene verköstigt, ist gigantisch. Was für eine Schönheit!
    Fällt mir doch glatt mein anarchischer Freund Bukowski ein. Wer hätte das gedacht;-)


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