Drugpa Künleg: Der Größe deiner Hinterbacken nach …


KAls er
[Lama Künleg] sah, dass Gayakmo von ausgezeichneter spiritueller Herkunft war, hatte er den Wunsch, sie als seine Gefährtin zu nehmen und sie auf den großen Weg zu führen; daher sang er ihr dieses Lied:

Hellblauer Affe, der du im dürren Pfirsichbaum schaukelst,
verlange nicht nach Pfirsichen, die weder süß noch sauer sind.
Komm her und erfreu dich der Leckereien in Onkels Tasche!

Das Mädchen verstand seine Absicht wohl und schickte ihren trotteligen Ehemann fort, um Feuerholz zu sammeln. Der Lama sang ihr ein weiteres Lied:

Der Größe deiner Hinterbacken nach zu urteilen,
ist dein Wesen ausgesprochen wollüstig.
Deinem dünnen kecken Mund nach zu urteilen,
ist deine Möse eng und stark.
Deinen Beinen und muskulösen Schenkeln nach zu urteilen,
ist der Stoß deines Beckens besonders wirksam.
Lass uns ausprobieren, wie du es machst.

„Ich weiß nicht, wie man es macht“, erwiderte Gayakmo, „aber meine Scheide ist sicherlich eng, weil sie noch nie in Anspruch genommen wurde.“ – „Wie macht es dann dieser Trottel?“ fragte Künleg. „Er kennt nicht den Unterschied zwischen innen und außen“, sagte sie ihm. „Ich kenne den Unterschied zwischen innen und außen: Draußen zu bleiben hat keinen Sinn, ich muss hinein“, sagte Künleg und kam augenblicklich zur Sache. Ihre Anlage als Dakini wurde dadurch erweckt, und da sie sich vom religiösen Leben angezogen fühlte, bat sie den Lama, sie mit sich zu nehmen. Er sah, dass sie ein geeignetes Gefäß für die Lehre war, und stimmte zu. Als ihr trotteliger Ehemann Horgyäl zurückkehrte, führte sie ihn an der Nase herum, indem sie sagte, sie würde in die Berge gehen, um Fleisch zu holen, und sie wäre bei Anbruch der Nacht wieder zurück. Dann suchte sie das Notwendigste zusammen und folgte ergeben dem Lama.

aus: Keith Dowman, „Der heilige Narr“
LBei solchen Texten fällt mir regelmäßig die Zeit im Internat in Windsbach ein. Einen Tag in der Woche war Duschen in der Gemeinschaftsdusche angesagt. Selbstverständlich in der Badehose und selbstverständlich hatten wir mit unseren Händen in dieser nichts verloren. Irgendwann gab es dann eine kleine Revolution: Ein aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassener Vikar klärte uns darüber auf, was passieren könne, wenn man sich „da unten rum“ nicht waschen könne und sagte uns, dass wir ruhig auch mit einem Stück Seife in die Badehose gehen dürften. Es war eine absolut heuchlerisch prüde Zeit damals, noch ganz durchtränkt von viktorianischen Idealen und aufs Innigste verbunden mit allem, was mit Religion, Sitte und Anstand zu tun hatte. Und wenn Lama Künleg zu Gayakmo sagt „Ich kenne den Unterschied zwischen innen und außen: Draußen zu bleiben hat keinen Sinn, ich muss hinein.“ und augenblicklich zur Sache kommt, dann meldet sich auch bei mir immer noch für einen Moment die damalige Zeit mit Gefühlen wie „so eine Sünde, so ein Schweinkram, igitt wie eklig“ verbunden mit einem Gefühl von Wut darüber, was uns die allerchristlichste Kirche da eingebrockt hatte. Insofern ist es mir eine große Genugtuung, diesen Text mit dem heiligen Lama Künleg hier reinzustellen.

Worum geht’s? Da ist zum einen dieser herumgeisternde Künleg, der scharenweise die Mädchen und Frauen mit seinem Schwanz beglückt und auch in keiner Weise davor zurückschreckt, in die Ehe eines anderen einzudringen und ihm die Frau zu „klauen“. Dabei pflegt der Lama seine Zeit nicht mit Werbemaßnahmen zu verplempern, sondern kommt stets sofort „zur Sache“. Irgendwie hatte er so gar nichts mit unseren ritterlichen Minnesängern am Hut, sondern erinnert eher an einen Rüden: Er kam, er schnüffelte und „musste hinein“. Dann aber stolpert man wieder etwa über so einen Satz: “ Als er sah, dass Gayakmo von ausgezeichneter spiritueller Herkunft war, hatte er den Wunsch, sie als seine Gefährtin zu nehmen und sie auf den großen Weg zu führen.“ Der Lama war vollkommen amoralisch, ein tantrischer Meister, ein wahrer Buddha.

SOh, ich höre schon den Aufschrei: „Sexueller Missbrauch durch irgend so einen schwanzgesteuerten, notgeilen Geistlichen! Das kennen wir ja auch bei uns zur Genüge. So jemand gehört hinter Gitter!“ Schon wieder diese Verbindung von Sex und Religion – im christlichen Abendland als schwerste Sünde, im Tibet des 16. Jahrhunderts als etwas absolut Verehrungswürdiges betrachtet. Na ja, Gott sei Dank haben wir ja diese finstere Zeit inzwischen überwunden. Heute feiern unsere Jugendlichen Partys mit Komasaufen und mit Spielen wie Flaschendrehen durch die Jungs, die dann die Mädels, auf die die Flasche zeigt, von hinten durchvögeln müssen. Wir kippen von einem perversen Extrem in sein ebenso perverses Gegenteil. Das Erbe dieses durch und durch pervertierten Christentums.

Ist es uns überhaupt noch möglich, diesen Text über den ehrwürdigen Mahamudra-Meister, Gesellschaftskritiker und Narren Drugpa Künleg zu lesen, ohne dabei irgendein Urteil zu fällen? Das wäre vielleicht mal wieder eine erkenntnisreiche Wahrnehmungsübung.
B

 

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4 Antworten zu Drugpa Künleg: Der Größe deiner Hinterbacken nach …

  1. ananda75 schreibt:

    Ich denke – wenn mir das denken gestattet ist (sorry – hab grad wieder meinen lust-igen Tag😆

    Also, ich denke – ob verheiratet, christlich oder nicht, einer oder viele is alles ganz egal
    – solange alle Beteiligten einverstanden sind, ist es okay (da bezieh ich allerdings auch eventuelle nicht-anwesende Ehefrauen mit ein😉
    Darum geht’s und um nix anderes
    Tu was du willst, sei das ganze Gesetz – da halt ich’s – wie auch in allem anderen, mit Onkel Aleister Crowley🙂

    Einen lust-igen Tag wünsch ich dir – lust-voll klingt direkt so .. kicher kicher ….

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    • Nitya schreibt:

      „Tu was du willst, sei das ganze Gesetz – da halt ich’s – wie auch in allem anderen, mit Onkel Aleister Crowley :)“

      „Also, ich denke – ob verheiratet, christlich oder nicht, einer oder viele is alles ganz egal – solange alle Beteiligten einverstanden sind, ist es okay“

      Und wenn alle Beteiligten nicht einverstanden sind, gildet dann das Gesetz von Onkel Aleister Crowley nicht mehr?

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