Ramana Maharshi: so real, wie du selbst real bist


RSind die Götter und Göttinnen
in der menschlichen Mythologie tatsächlich real?

Ja, sie sind so real, wie du selbst real bist.

Ramana Maharshi

Ja, ja, das ist leicht, hämisch grinsend zu behaupten: „Gott? Gott gibt’s nicht! Ich bin ein Atheist!“ Na Klasse. Da kannste dich ja jetzt stolz in die Brust werfen und verächtlich auf die dusseligen Gläubigen heruntergucken. Die Frage, ob die Götter und Göttinnen in der menschlichen Mythologie tatsächlich real sind, ist damit für dich für immer angehakt. Alles Kinderkacke. Ramana gibt auf diese Frage eine wunderbare Antwort: „Ja, sie sind so real, wie du selbst real bist.“ Eigentlich ist in dieser Antwort ja eine Gegenfrage versteckt: Bist du denn selbst real? Wenn Gott nicht real ist, sondern nur eine Vorstellung,  wie ist das dann mit dir? Glaubst du tatsächlich, dass du mehr als nur eine Vorstellung bist? Die Frage hängt natürlich auf’s Engste mit Buddhas frecher Behauptung zusammen: „Handlungen geschehen, doch gibt es keinen Handelnden.“ Wenn ich, oder wer auch immer, nur eine Vorstellung ist, kann es natürlich auch keinen Handelnden geben. So, jetzt hol ich mir noch den weisen Jnaneshwar zu Hilfe:

J

Shiva und Shakti sind so innig vereint,
dass sie sich ständig gegenseitig verschlingen,
um jeden Bruch ihres Einsseins zu verhindern.
Sie trennen sich nur,
um in ihrer Liebe Freude aneinander zu haben.

Jnaneshwar

KUnd weil alle guten Dinge drei sind, bemühe ich noch den edlen Ramesh S. Balsekar mit seinem Kommentar zu den Zeilen von  Jnaneshwar.

BIn diesem Bild vermittelt der Dichter und Philosoph auf unnachahmliche Art die Beziehung zwischen der Einheit des unmanifestierten Absoluten und der scheinbaren Dualität des manifesten Universums – eine Beziehung, die enger nicht sein könnte. Der Mensch ist in diesem ganzen Prozess der Widerspiegelung des Noumenon im phänomenalen Universum nur ein winziger Teilaspekt. Deshalb können wir als Menschen unmöglich eine eigene essenzielle Natur haben – nur eben diese gesamte Objektwerdung als solche. Zudem sind Objekte nicht etwas für sich Erschaffenes oder auch nur Projiziertes; sie sind Gedanke und Objekt gewordenes Noumenon. Anders gesagt: Der Unterschied zwischen den beiden ist nur ein gedachter – und das möchten diese Verse vermitteln.

aus: Ramesh S. Balsekar, „Kein Weg, kein Ziel, nur Einheit“

So, und was soll mir das jetzt beweisen? Das ist ja auch wieder nur Behauptung auf Behauptung. Und Beweise bleiben sie alle Drei schuldig. – Mann, bin ich froh, dass die Drei keine Beweise vorlegen. Mann, bin ich froh, dass es diese Beweise gar nicht gibt. Ich hoffe, dass der Fragesteller ahnt, mit welcher Achtung ihm die Drei begegnen, indem sie keine Beweise vorlegen und sich auch auf keine Heilige Schrift beziehen. Alle Drei sprechen nur aus ihrer Sicht heraus. Sie verlangen von niemandem, ihnen zu glauben. Und wenn wir nun ihre Sichtweise von allen Dächern herunterposaunen würden, würden sie vermutlich alle Drei etwas gequält aus der Wäsche schauen. Wer das Gesagte jedoch in Zweifel zieht und selbst guckt, wird damit den Dreien seinerseits seine Achtung bezeugen. Über das Thema zu diskutieren, wäre einfach nur blöd. Was immer gerade gesehen wird, das ist es für diesen Augenblick und mehr ist sowieso nicht zu haben.


Wer zu viel Zeit und Lust dazu hat, kann sich ja noch mal den Beitrag zum Thema „real und irreal“ mit RameshS. Balsekar reinziehen.

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Eine Antwort zu Ramana Maharshi: so real, wie du selbst real bist

  1. Marianne schreibt:

    Was heißt schon „real“ ? – das ist doch auch schon wieder eine Bewertung (Meinung)… Auch wenn sie von dem ehrenwerten Ramana stammt, muss das noch keine Wahrheit sein …
    „Ich“ kann nicht konzeptualisiert werden … das heißt noch lang nicht, dass es nicht existiert …
    Aber eine letztendliche Antwort auf diese Frage gibt es nicht.

    Die Person oder das Ich ist anoematisch. Noema heißt in der Philosophie ein Inhalt, ein Objekt, ein Etwas. Das Ich ist nicht ein Inhalt. …Das heißt für mich: Den Satz, „das Ich oder die Person ist …“ kann man nicht zu Ende sagen. Was immer man nach dem „ist“ sagt, ist falsch.

    Gendlin
    Das „Ich“ in der Psychologie meint etwas anderes, da geht es um das so genannte „Strukturniveau“: Unter-strukturiert erzeugt Instabilität, Über-strukturiert auch … da geht es um die „goldene Mitte“ … Die Psychologie behauptet nicht, dass es das „Ich“ gibt oder nicht gibt, sie interessiert sich Strukturen und welche Funktionen sie erfüllen können oder nicht …

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