Linji: Ihr sucht den Buddha der Form außerhalb


MEs gibt eine Menge Schüler, die gut nicht von schlecht unterscheiden können, sich Aussprüche aus den Schriften picken, diese interpretieren und darüber spekulieren. Sie sind wie Leute, die sich Scheiße in den Mund stopfen, um sie dann auszuspucken und damit andere zu füttern. Oder wie weltliche Leute, die stille Post spielen. Sie vergeuden ihr ganzes Leben. Dennoch sagen sie: „Ich bin ein Hausloser.“ Fragen andere sie, was der Buddha-Dharma sei, halten sie ihren Mund und können nichts antworten. Ihre Augen stehen heraus wie schwarze Schornsteine und ihre Münder hängen herab wie gebogene Tragestangen. Selbst wenn solche Schüler zu Maitreya-Buddhas Zeiten geboren wären, würden sie in einen anderen Daseinsbereich verbracht und dort die Leiden der Hölle erleiden.

Tugendhafte Mönche, was sucht ihr wirklich? Ihr sucht diesen und jenen Meister auf und nutzt die Sohlen an euren Füßen ab. Es gibt keine Buddhas zu suchen, kein Dharma zu erlangen und keinen Weg zu vervollkommnen.

„Ihr sucht den Buddha der Form außerhalb, und was ihr findet, sieht euch nicht ähnlich. Wenn ihr wirklich euren ursprünglichen Geist erkennen wollt, dann wird dieser weder von euch getrennt noch mit euch vereint sein.“ [Ein Ausspruch des 8.indischen Patriarchen Buddhanandi]

Übende des Weges, der wahre Buddha hat keinen Leib, der wahre Weg keine Substanz, der wahre Dharma keine Form. Diese drei sind harmonisch in eins gegossen. Diejenigen, die das nicht verstehen und sich endlos selbst belügen, werden fühlende Wesen mit unerschöpflichem karmischen Bewusstsein genannt.

aus: Linji, „Linji Lu“
KLinji kotzt sich mal wieder aus. Unsere Nettiquette und unsere political correctness wären ihm völlig am Arsch vorbeigegangen. Aber was gesagt werden muss, muss gesagt werden. Der Spruch „Ich bin ein Hausloser“ ist ihm anscheinend ziemlich sauer aufgestoßen. Nun ja, ein Hausloser ist jemand ohne Haus. Ohne Haus, ohne Frau und Kinder und Familie, jemand der keinen festen Platz im Beruf und überhaupt in der Gesellschaft hat, ein umherziehender Bettler der nur noch eines im Sinn hat: Ein Buddha zu sein oder zumindest einer werden zu wollen. Pustekuchen! Ein Hausloser existiert überhaupt  nicht als ein Jemand. Dieser Jemand ist das Haus, worum es beim Hauslosen geht. Wenn Buddha sagt, dass es keinen Handelnden gibt, dann meint er genau das. Jeder „Häuslebauer“ ist einfach einer Fata Morgana aufgesessen und jeder „Selbstverbesserer“ sowieso. Neben dem Selbstverbesserer ist der Häuslebauer noch harmlos.


Im Gegensatz zu Gurdijeff sagt Linji: „Es gibt keine Buddhas zu suchen, kein Dharma zu erlangen und keinen Weg zu vervollkommnen.“ Also die Gurdijeff-Leute leisten Hervorragendes. Ihr könnt ja mal versuchen bei der einen oder anderen Übung mitzumachen, dann wisst ihr was ich meine. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, bei so etwas mitzumachen. Das ist einfach nicht „meins“. Man muss schon sehr bewusst bei der Sache sein, um bei diesen Übungen nicht aus dem Tritt zu kommen. Womit ich fast schon wieder bei meiner Abneigung gegen alles Militärische gelandet bin. Gerade dachte ich wieder an den Rauen Stein der Freimaurer, an dem ein Leben lang zu arbeiten war. Der raue Stein als Symbol für den unvollkommenen Menschen auf der Suche nach seiner Vollkommenheit.
SGestern sprach Brigitte von ihrem Weg dahin, die Vollkommenheit gerade in der Unvollkommenheit zu entdecken. Und Fredo wies darauf hin, ergänzend zum ’niemals ganz perfekt‘ Organisationsprinzip der Natur … man nimmt an, dass sich unser ganzes Universum an einer überaus geringfügigen Unregelmäßigkeit der 4 Kräfte quasi ‚entzündet‘ hat …“ Linji sagt: „Es gibt keine Buddhas zu suchen, kein Dharma zu erlangen und keinen Weg zu vervollkommnen.“ Was nichts anderes aussagt, als dass dieser Augenblick bereits „absolut vollkommen“ ist, auch wenn er noch so unvollkommen zu sein scheint. Das ist eine absolut andere Geschichte als die Geschichte der Arbeit an sich selbst und es führt zu einem heillosen Durcheinander, wenn die beiden Geschichten durcheinander gebracht werden.

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2 Antworten zu Linji: Ihr sucht den Buddha der Form außerhalb

  1. Eno Silla schreibt:

    „Übende des Weges, der wahre Buddha hat keinen Leib, der wahre Weg keine Substanz, der wahre Dharma keine Form. Diese drei sind harmonisch in eins gegossen. Diejenigen, die das nicht verstehen und sich endlos selbst belügen, werden fühlende Wesen mit unerschöpflichem karmischen Bewusstsein genannt.“

    Dieser kleine Satz, so erscheint es mir jetzt, enthält alles, alles was ich euch nicht erklären kann, und auch alles, was ich euch erklären kann. Wenn wir alles loslassen, halten wir alles fest – so eine Null bin ich, mich niemals selbst erfassend, versuche ich (mich) zu erfassen.

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  2. fredoo schreibt:

    „Was sind die Freuden der Erleuchtung?“
    Es gibt nur eine – sich des Scheiterns erfreuen zu können …

    der wohlweislich dann doch verstummte Herr Klugscheiß
    😀

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