Rudolf Bahro: Wir sind besorgte Jäger geblieben


BSelbstverständlich liegt das Problem in der Gesamtverfassung unserer Gattung, nicht im Großhirn für sich. Es ist aber die Natur des Menschen, dieses übergewichtige Organ zu besitzen. In diesem Sinne ist sie „schuld“, auch wenn sie selbst von diesem Organ frustriert und vergewaltigt werden kann. Der Geist war von Anfang an ein kompensatorisches Machtinstrument, und wir mussten die Flucht nach vorn in die Kultur antreten. Wir stehen unter Aktionszwang, und so sind Kultur und Zivilisation zu einem Prozess wachsender Aufrüstung gegen alle Risiken des Lebens geworden. Wir meinen immer noch zu wenig zu arbeiten, zu wenig Außenwelt zu verändern, wir werden nie mit der Vorratswirtschaft fertig, auch im Geistigen nicht – wir speicherten zeitig schon in unseren Tempeln und Kirchen auch Gott. Wir sind besorgte Jäger geblieben, haben nie genug. Das alles schlägt nun gegen uns um. Unser Streben nach Sicherheit, nach Ausschaltung jeglichen Lebensrisikos bringt uns den Tod.

Man könnte sagen: Unsere ältesten Schichten „stören“, weil wir mit unserem neuen Großhirn auf ihre Wahrnehmungen und Erregungen reagieren können und das häufig inadäquat, weil angstbesetzt oder zu interessiert tun. Unser Überbau ist „Sicherheitspolitiker“, lässt die „von unten“ drängenden Energien nicht fließen, blockiert sie, lenkt sie um, beschränkt dadurch zu oft sich selbst. Gelänge es nun, diese Instanz so souverän zu machen, wie sie ja gern sein möchte, brächten wir es dahin, dass unsere Vernunft an ihre Kapazität auch glaubt, dass sie also zulassen kann, was aus älteren Schichten andrängt, ohne fürchten zu müssen, davon überschwemmt zu werden – dann hätten wir vielleicht die Tür offen in die nächste Phase der Evolution.

aus: Rudolf Bahro, „Logik der Rettung“
SIn seinem Buch „Logik der Rettung“ (1987) beschreibt Rudolf Bahro eine „Logik der Selbstausrottung“, der die Menschheit gegenwärtig folgt, und stellte dem eine „Logik der Rettung“ entgegen, die im Wesentlichen in einem „Bewusstseinssprung“ bestehen müsse, wenn der Untergang der Menschheit abgewendet werden solle. Heute, fast 30 Jahre später, können wir feststellen, dass diejenigen, die die Welt regieren, scheinbar unaufhaltsam weiter der Logik der Selbstausrottung gefolgt sind und keinerlei Anzeichen dafür zu erkennen sind, dass sich daran in absehbarer Zukunft etwas ändern würde. Unser Stammhirn scheint absolut dominant zu sein, während sich unser Großhirn, auf das wir so stolz sind, weitgehend in seinen Dienst gestellt hat. Die Folge beschreibt Bahro so: „Unser Streben nach Sicherheit, nach Ausschaltung jeglichen Lebensrisikos bringt uns den Tod.“ Dieser Analyse kann ich durchaus folgen, nicht aber seiner Folgerung aus seiner Analyse. Bahro setzt auf einen Bewusstseinssprung, den unser Großhirn zu leisten hätte, jenes Großhirn, das seiner Aussage nach von Anfang an ein kompensatorisches Machtinstrument war. Bahro setzt auf die Vernunft und befindet sich damit ganz in der Tradition der Aufklärung.

Bahros Frau Beatrice nahm sich 1993 nach einem Ehestreit das Leben. Im folgenden Jahr erkrankte Bahro an Blutkrebs. Er selbst war davon überzeugt, dass dies u.a. die Folge der Selbsttötung seiner Frau war. Seine Vernunft konnte ihm in dieser Situation nicht helfen. Bahro: „Brächten wir es [unser neues Großhirn] dahin, dass unsere Vernunft an ihre Kapazität auch glaubt, dass sie also zulassen kann, was aus älteren Schichten andrängt, ohne fürchten zu müssen, davon überschwemmt zu werden – dann hätten wir vielleicht die Tür offen in die nächste Phase der Evolution.“ Genau dies scheint Bahro nicht gelungen zu sein.
GRudolf Bahro scheint sich auch noch für eine andere Möglichkeit interessiert zu haben, nämlich diejenige, die weder Stammhirn noch das hier von Bahro gar nicht erwähnte limbische System noch das Großhirn betrifft, sondern das, was darüber hinausgeht. Er hatte angefangen, sich für Mystik zu interessieren, war beeindruckt von dem Experiment, das in Rajneeshpuram in Oregon gewagt worden war, meditierte und machte sich auch ansonsten verdächtig, nicht mehr ganz auf Linie zu sein. Wir können die Auswirkungen der Aktivitäten des Stamm- und Großhirns sowie des limbischen Systems wahrnehmen, nicht jedoch können wir den sog. Zeugen dieser Aktivitäten objektivieren. Wenn überhaupt der von Bahro herbeigesehnte Bewusstseinssprung stattfinden kann, dann nur, wenn wir erst einmal entdecken, dass wir nicht die begrenzten Objekte unseres Gewahrseins sind, sondern das grenzenlose Gewahrsein selbst. Genau damit hätten wir vielleicht die Tür geöffnet in die nächste Phase der Evolution. Solange dies nicht geschehen ist, werden wir wohl weiter bis zum bitteren Ende der Logik der Selbstausrottung folgen. Im Einklang mit dem Tao zu sein ist halt doch mehr als irgend so’n Spinnkram von ein paar Bekloppten.
Z

 

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19 Antworten zu Rudolf Bahro: Wir sind besorgte Jäger geblieben

  1. Georg Alois schreibt:

    Wie sagte meine Oma immer so schön:
    „Der Mensch dachte
    und Gott lachte.“

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  2. Marianne schreibt:

    Wenn überhaupt der von Bahro herbeigesehnte Bewusstseinssprung stattfinden kann, dann nur, wenn wir erst einmal entdecken, dass wir nicht die begrenzten Objekte unseres Gewahrseins sind, sondern das grenzenlose Gewahrsein selbst.

    Meines Erachtens reicht diese Erkenntnis nicht bis ins Stammhirn …😉
    Für die Transformation „niederer Instinkte“ braucht es schon noch andere Einsichten, womit sich auch der Kreis zum gestrigen Thema schließt…
    Gurdjieff hat sich damit intensivst beschäftigt… Das ist aber so konzeptgeladen, dass ich da nur „Bahnhof“ verstehe und mir das Großhirn rotiert …😉

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Marianne,

      wieso muss diese Erkenntnis bis ins Stammhirn reichen? Gurdjieff war an der Transformation „niederer Instinkte“ interessiert. Grenzenloses Gewahrsein ist ist an irgendwelchen Manipulationen an was auch immer in keiner Weise interessiert.

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      • Marianne schreibt:

        Stimmt!
        (bei mir war gestern wieder Totalausfall im Breitbandkabel, so kann ich eure interessanten Gespräche hier erst heute nachlesen …)

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  3. fredoo schreibt:

    ich mag keine Bewusstseinssprünge … halte ich doch BEWUSSTSEIN für unspringbar …

    jedoch mag man sprunghafte Veränderungen der Bewust-Heit für möglich halten …
    was ich da jedoch auch bezweifle ist eine andauernde qualitative Ver-Besserung dieser BewusstHeits-Haltung …
    das was HomoSapiens ausmacht ist seine „Quelle“ und (!) seine Maschine (=BiodyMindOrganismus) …
    das „Quelle“ keiner qualitativen Verbesserung unterliegt wird ja im SpiriZirkus nahezu allgemein akzeptiert …
    dass dies auch für die Maschine gilt , fällt dann schon schwerer zu akzeptieren …
    dem Herrn Bahro hiermit Tribut zu zollen , ist zu sagen , dass es wohl nur wechselnde Anpassung an sich verändernde Gegebenheiten gibt , was dann wiederum auch zu Anpassung der BewusstHeit führt … von einer qualitativen Verbesserung keine Spur … und wie ich nunmal ( im Gegensatz zu Herrn Bahro ) behaupte auch keine Notwendigkeit …
    All diese Ärgernisse oder Nöte , die aus Unangepassheit entstehen , sind gleichfalls Ausdruck natürlicher Gegebenheiten , denn die Unperfektheit ist DAS Prinzip dieser Natur …
    Dann von einem notwendigen (!) Bewusstseinsprung zu reden ( besser formuliert Bewusstheitssprung ) ist auch wieder nur Ausdruck der halt nicht (ganz) optimalen Anpassung der inneren Haltung des HomoSapiens an Gegebenheiten … (etwas in ihm verlangt es halt chronisch „besser“ ) …
    Nun ja … da sich da ja die Schlange in den Schwanz beißt , wäre das erwünschte Entkommen von diesem chronischen „besser“ wollen , auch nix anderes , wie dieses „chronische besser wollen“ .
    Dem ist also definitiv nicht zu entkommen ( im wollenden ) …
    Es ist lediglich amüsiert beschmunzelbar … dieses chronische in uns allen …

    Hilfreich für diese Haltung ( der amüsierten Beschmunzelei des Eigenen ) ist ( zumindest war es das für mich ) das Bemerken der „Quelle“ … dieses unwandelbar in sich Ruhende , was aller Aufgeregtheiten des Daseins oder relativer Harmonien gleichermassen zugrunde liegt …

    Wenn diese „Quelle“ halt nicht immer direkt „bemerkt“ werden kann , so kann sie doch zumindest aus der „wissenden Ahnung“ befeuert , für jedermann , wohlwollend vermutet werden …
    was bereits ordentlich den Dampf rausnimmt aus dieser „Besser“-Sucht …
    man nennt dies gern lebenskluge Gelassenheit , wenn wir es im Gegenüber bemerken …

    Wirklich massiv „befeuert“ wird diese lebenskluge Gelassenheit ( die auch (!) gelassen gegenüber eigener und andererleuts Aufgeregtheiten zu bleiben vermag … mehr oder weniger ) aus der manchmal bei Mancheinem auftauchenden „Totalenttarnung der Show“ .
    Dessen Unvergessbarkeit wird zu einer Art Nabelschnur zur „Quelle“ … und lässt die „Besser“-Show recht amüsierbar werden .

    Nur … einen qualuitativen Sprung im immer alles „besser“wollen vermag ich da nicht zu sehen …
    Lediglich ist dieser „Besser“-Show die Exclusivität genommen worden , und eine Art gelassene amüsierrte Kommentarebene wurde hinzugefügt …
    aber … ich wiederhole mich , nicht als ein „Stattdessen“ sondern als ein „Auch noch“ …

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    • Nitya schreibt:

      „Hilfreich für diese Haltung… ist … das Bemerken der ‚Quelle‘ … dieses unwandelbar in sich Ruhende , was aller Aufgeregtheiten des Daseins oder relativer Harmonien gleichermassen zugrunde liegt …“

      „Dessen Unvergessbarkeit wird zu einer Art Nabelschnur zur ‚Quelle‘ … und lässt die ‚Besser‘-Show recht amüsierbar werden .“

      Wenn man Lust hat, kann man genau das einen Bewusstseinssprung oder besser wie du sagst einen Bewusstheitssprung nennen. Jedenfalls kann das so erlebt werden.,

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      • fredoo schreibt:

        dem mag ich zustimmen …
        ich bin nur etwas „indigniert“ ob des Begriffes Bewusstseinssprung , besser noch Quantensprung ( obwohl dies die kleinstmögliche Ortsveränderung in der Natur ist🙂 ) …
        denn meuistens wird dieser Begriff so verstanden , als wäre der Mensch ein Stockwerk höher umgezogen … dem ist aber nunmal nicht so ( für mich ) …
        ich würde es eher eine Art zusätzliche , quasi zusätzlich transparente Sicht nennen , die aber halt am „Stockwerk“ der gewöhnlichen Sicht nix ändernt , zumindest nicht qualitativ …

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  4. fredoo schreibt:

    ergänzend zum „niemals ganz perfekt“ organisationsprinzip der natur …

    man nimmt an , dass sich unser ganzes universum an einer überaus geringfügigen unregelmässigkeit der 4 kräfte quasi „entzündet“ hat …
    sowie sie hagel und schnee nur bilden kann ,wenn da eine art katalytischer staub in den wolken vorhanden ist , der die aus-bildung erst ermöglicht , scheint sich ab-bildung von jeder art von schöpfung stets dieser unregelmässigkeit zu bedienen …

    der gott der menschen sollte , falls sie dem universum zu huldigen gedenken , also dieser „nicht-ganz-perfekt“-gott sein …

    stattdessen versucht der homio-sapiens in seinem streben zum „besser“ GOTT zu werden … ( GOTT dem als einzigem PERFEKTION zugestanden werden muss ) … eine Perfektion die aber halt unfruchtbar und statisch ruhend ist … soll dynamik und lebendigkeit sein , bedarf es dieser unperfektheit … nur das lässt die notwendige spannungsenergie der gegensätze entstehen …

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  5. Elwood schreibt:

    Bewusstseinssprung…
    Geschieht oder geschieht nicht……

    Es fördernd zu wollen – heißt für mich: Der Kontrolle durch Kontrolle entfliehen zu wollen….

    Na wenns hilft…!?
    Für was?…

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    • Nitya schreibt:

      Wenn ich mal die Wiederauferstehung des Frosches missachte und stattdessen nach seinem Zerplatzen ein unseliges Ende festsetze,dann ist ein Bewusstseinsprung ausgeschlossen. D.h.: auch ein Bewusstseinssprung ist an bestimmte Bedingungen gebunden. Für förderliche Vorbedingungen zu sorgen, war das Anliegen aller Mysterienschulen. Ob’s was genützt hat, wissen die Götter.

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      • Elwood schreibt:

        „Das Anliegen die Bedingungen zu verändern….“
        Bin ich nicht selbst die Bedingung?
        Bin ich nicht selbst die Veränderung?
        Wie könnte ich eine Richtung für einen Sprung erkennen?
        Welche Richtung ist richtig? Welche falsch?
        Darin..Damit..Dadurch..

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      • Nitya schreibt:

        Die Vorbedingung für ein minimales Funktionieren meiner Gehirnwindungen sind nicht erfüllt. 30°C im Schatten lassen mich vor deinen anspruchsvollen Fragen restlos kapitulieren.

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  6. Brigitte schreibt:

    „eine Perfektion die aber halt unfruchtbar und statisch ruhend ist … soll dynamik und lebendigkeit sein , bedarf es dieser unperfektheit … nur das lässt die notwendige spannungsenergie der gegensätze entstehen …“

    Das finde ich im Kern super ausgedrückt und beschrieben .

    Soweit ich mich zurück erinnere, hatte sich bereits mit ca.12 Jahren ein Idealbild in mir festgesetzt, an dem nicht mehr zu rütteln war. Fast ein halbes Leben rannte ich unbewusst einem perfekten Bild (einer Fata Morgana) von mir hinterher, das ich sein wollte, ja sein musste, um vor mir selber zu bestehen. Natürlich konnte diese Perfektion nie erreicht werden. Ein Bild scheitert immer erbarmungslos an der Wirklichkeit. Zwischen mir, so wie ich war, und der Vorstellung, wie ich sein musste/sollte, spannte sich ein unüberwindbarer Abgrund, die nackte Angst hineinzufallen immer im Nacken. Erst im Moment der vollkommenen Kapitulation – wenn das Bild in sich zusammenbricht und alle Masken fallen – konnte ich zum ersten Mal meiner Unvollkommenheit als Mensch direkt ins Gesicht schauen. Diese Kapitulation geschieht nie freiwillig, sondern weil es keinen Ausweg mehr gibt. Es ist verrückt. Auf der Flucht vor mir selbst ging ich durch die Hölle. Am Ende musste ich sogar den Himmel hinter mir lassen. Gemessen daran ist der „Sprung in die Unermesslichkeit der wahren Identität“ eigentlich nur noch ein Katzensprung. Und dieser „Sprung“ (kein Wort trifft es) geschieht von selbst, wenn die Zeit reif ist und der Apfel mühelos vom Baum fällt.

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  7. Georg Alois schreibt:

    Und weil es sich so schön labert……, noch mal was zum Konzept „Gott“.
    Wenn Gott perfekt ist, dann ist er gleichzeitig auch perfekt unperfekt.
    Er ist das eine und gleichzeitig auch das Gegenteil davon.
    Das ist doch das herrliche an diesem Konzept!!!!!! Es wird nur immer wieder vergessen, dass, wenn Gott alles ist……..
    gut und böse……. hahaaaa! wo ist das Problem???

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  8. fredoo schreibt:

    noch ein Gedanke zu dem Begriff „Bewusstseins-Sprung“ …
    da muss ja Bewusstsein ( oder mein „Bewusst-heit“ ) etwas er-fassen …
    was dann in Er-fassung höher gesprungen sein soll …
    merkwürdig … da bedürfte es doch einer Art Sphäre in der BewusstSein stattfindet ?
    gegebenenfalls „springen“ könnte …
    merkwürdig … ich sehe BewusstSein nicht in einer RaumSituation sondern jenseits von Raum und Zeit … und doch DA … auf eine unsäglich EINfache Art DA …
    nun ja …l …
    hmm … wenn aber Bewusstsein gar kein Er-fassen ( von Objekten ) ist ,
    vor allem auf keinen Fall ein konstantes …
    sondern dieses Bewusstsein , sorry Bewusst-heit , immer nur Resultat der jeweiligen Wahrnehmung ist , was könnte da dann „springen“ ? … also ein dauerhaft höheres Niveau erreichen ? … wo doch dieses bewusstSein rsp -heit nur Resultat ist ?
    das sich Wahrnehmung verändern kann , und durchaus auch „stufig“ , ist mir nicht nur aus diversen LSD- und Mescalinerlebnisen der wilden Jugend bekannt , sondern auch aus diversen
    Ereignissen , der späteren „Vertiefung“ „Erweiterung“ oder was auch immer …
    doch was hat sich da „erweitert“ oder ist „gesprungen“ ?
    ich der Herr fredoo ? … oder die ihn gerade „durchflutende“ Wahrnehmung ?

    ich kann beim besten Willen , kein mir tatsächlich verfügbares Bewusstsein erkennen , was mich springen lassen könnte … oder mit dem ich „springen“ könnte
    ich sehe nur eine Bewusst-heit als Reaktion der jeweiligen Intensität von Wahrnehmung „durch mich hindurch“ … mal so , mal anders …
    also , wenn überhaupt da was „springt“ , kann es doch nur die Wahrnehmung sein …
    die Bewusst-Heit folgt doch nur dessen jeweiligen situativen Auftreten von Wahrnehmung …
    und verbleibt damit stets – Reaktion … bzw. verarbeitete Zusammenfassung …
    damit ist doch BewusstHeit nix anderes wie eine Art Resumee aus ArchivVerhalten … oder ?

    Und … wie könnte das denn springen ? … ist da eine Art intensivere Archivierung bessere Vernetzung der Vorfälle von Wahrnehmung oder oder denkbar ?
    Und … für mich der entscheidende Punkt … was wäre an dieser Art von „Sprung“ überhaupt dauerhaft , und damit relevant … ?

    So oder so , vermag ich kein echtes persönliches Bewusstsein sehen ( im Sinne von SEIN ) , sondern nur eine vergängliche BewusstHeit , die sich bestefalls zustands-artig an „dem intuitiv erahnten / erspürten BEWUSSTSEIN“ zu orientieren vermag … so oder so , aber immer nur „als ob“ – bewusst … also auch immer nur als ob gesprungen …

    und in diesem „als ob“ vermag ich keine relevanten (=beständigen) Sprünge zu erkennen …

    das einzige was dieser „Konstanz“ zu entsprechen vermag , ist diese seltsame „Unvergessbarkeit des einmal aufgetauchte „leeren“ Momentes … und dies lässt mich in Kontakt sein mit BEWUSSTSEIN ( wobei ich mir da des „bewussten“ dabei noch nicht mal sicher bin ) und dieser Kontakt schenkt die Fraglosigkeit der Identität mit diesem BEWUSSTSEIN … doch noch immer nix , was da bei Herrn fredoo „springen“ könnte …

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    • Nitya schreibt:

      Nu vergiss doch mal die Springerei. Der Rudolf Bahro hat diesen Begriff gewählt und dabei daran gedacht, dass er von einem Überschwemmtwerden von Stammhirnimpulsen in eine vernuftgesteuerte, reflektierende Haltung springen kann, die unseres Großhirns würdig ist. Nehmen wir mal einen weitgehend stammhirngesteuerten Erdogan an und einen weitgehend großhirngesteuerten Sanders, um das zu personifizieren. Viele würden das als einen Sprung in der menschlichen Evolution bezeichnen. Das hat aber alles nicht das geringste mit dem zu tun, wovon du sprichst. Vielleicht kannst du mit dem Begriff „Wechsel“ mehr anfangen als mt dem Begriff „Sprung“. Ich kann ja durchaus einen Sprung in der Schüssel haben und trotzdem ist da plötzlich nicht nur eine ganz andere Sicht, sondern auch eine ganz andere Seinsweise.

      „das einzige was dieser „Konstanz“ zu entsprechen vermag , ist diese seltsame ‚Unvergessbarkeit des einmal aufgetauchte ‚leeren‘ Momentes … und dies lässt mich in Kontakt sein mit BEWUSSTSEIN ( wobei ich mir da des ‚bewussten‘ dabei noch nicht mal sicher bin ) und dieser Kontakt schenkt die Fraglosigkeit der Identität mit diesem BEWUSSTSEIN …‘ Das isses doch. Wobei ich nur die Frage habe, wieso du dir des „bewussten“ nicht sicher bist. Könntest du es sonst erzählen?

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  9. Brigitte schreibt:

    Nun ja, ich tue jetzt mal so als ob und wende mich augenzwinkernd durchaus etwas provokant an Fredo. Solange „Fredo“ an immer noch präziseren und wortreichen Deutungen hängt und damit noch genauer vermeintliche Wahrheiten abzubilden sucht, wird es mit der „Erleuchtung“ nix. Das ist durchaus eine frohe Botschaft. Denn „Fredo“ ist in jedem Fall der „Gehängte“.

    Nochmal zurück zu dem Wort „Bewusstseins-Sprung“ im Zusammenhang mit Fredos Aussagen. Natürlich ist dieses Wort nur eine Metapher und eine Beschreibung unter vielen. Bewusstsein springt nicht. Das, was hin und her zu springen scheint und sich bewegt, sind wahrgenommene flüchtige Phänomene. Die Grundlage, auf der diese in Erscheinung treten, ist völlig unberührt, still und ungeteilt. Insofern kann es kein Wort treffen und kein Wort verfehlen. Allerdings ist jede Deutungshoheit nun wirklich vermessen und mit Sicherheit falsch. Und doch kann es durchaus Spaß machen, die sprachliche Annäherung zu verfeinern und dabei zu merken, dass es sich dadurch weder annähert noch entfernt. Solange sich eine Besonderung Ausdruck verschaffen will im Hinweisen auf das Unbeschreibliche… wird es eher verwässert. Schade eigentlich, aber auch das passiert. By the way: Sei es, wie es ist. Ich genehmige mir jetzt einen Becher Kaffee🙂

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  10. Brigitte schreibt:

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