Tony Parson: Na und?


T Das Eine spricht mit dem Einen. Und man könnte sagen, dass es hilft, solange du noch an so etwas wie Hilfe glaubst. Aber was das Eine anbetrifft, brauchst du keine Hilfe, weil keiner da ist, dem man helfen könnte, und weil das, was da ist, göttlich ist. Keiner hier braucht Hilfe. Es ist sowieso keiner da, aber auch das ist göttlich, es ist absolut göttlich. Wer braucht Hilfe?

Du kannst eine Therapie machen und deiner Mutter vergeben
und deine sexuellen Probleme lösen – und was bekommst du? Einen Menschen, der seiner Mutter vergeben hat und seine sexuellen Probleme gelöst hat. Das hat mit dem Erwachen überhaupt nichts zu tun. Das ist wie bei vielen Lehrern, die darüber reden, wie du sein solltest – du solltest ehrlich sein oder ernst sein oder meditieren oder was auch immer. Und was kommt dabei heraus? Ein ehrlicher, ernster Mensch, der viel meditiert und Sojasprossen isst oder so. Na und?

Tony Parsons (weiß nicht mehr, woher das ist)
ZMan könnte sagen, dass das ein typischer Toni Parsons-Text ist. Und typischerweise wird er vermutlich allenthalben missverstanden. Man kann aus diesem Text herauslesen, dass es keinen Sinn macht, seiner Mutter zu vergeben oder seine sexuellen Probleme zu lösen oder ehrlich oder ernst zu sein oder zu meditieren oder was auch immer. Keinen Sinn für wen, könnte man fragen und würde von Toni eine glasklare Antwort bekommen: Es macht keinen Sinn für niemanden, weil da gar keiner ist. Und die spirituell gebrieften Anwesenden machen alle ein Gesicht, das deutlich signalisiert: Ich habe verstanden. Und sie verkünden von allen Dächern: Weil niemand da ist, macht nichts einen Sinn. Und weil nichts einen Sinn macht, können wir’s auch lassen. Was lassen? Was auch immer. Wenn ich jetzt noch weiterschreibe, könnte es geschehen, dass ich mich am nächsten Baum aufhänge. Aber das macht natürlich auch keinen Sinn. Also könnte ich’s auch lassen.
NIch kenne Toni Parsons nicht persönlich, aber er wirkt auf mich nicht unbedingt wie ein Idiot. Und so vermute ich sehr stark, dass er, sollten ihn Zahnschmerzen plagen, wie jeder normale Mensch zum Zahnarzt gehen wird. Jetzt habe ich die Wahl, den Toni für einen Klugscheißer zu halten, der das eine daherschwätzt und das andere tut, oder mich für einen Trottel, der nicht kapiert, um was es dem Toni geht. Toni stellt die Frage: „Und was kommt dabei heraus?“ Nun ja, im Idealfall ein Mensch, der keine Zahnschmerzen mehr hat. „Na und?“ fragt Toni, also ob ihm das absolut wurscht sei, ob er Zahnschmerzen hat oder nicht.
PJa, so könnte man noch ewig weiter herumschwadronieren oder die Sache doch lieber auf den Punkt bringen. Also um es gleich zu sagen: Vielleicht war das alles Quatsch, was ich da oben abgesondert habe. Vielleicht sehen wir hier nur scheinbar die „Puppe Toni“ eiligst zum „Zahnarzt“ marschieren. In Wirklichkeit ist da vielleicht niemand, der marschiert. Oder müsste ich sagen: Die Puppe wird in Richtung Zahnarzt bewegt – von niemandem? Alles nur Traum und niemand, der irgendetwas tut? Toni Parsons liebt klare Ansagen, ich liebe die unbeantworteten Fragen, die Unsicherheit, das Zwischen-allen-Stühlen-Nicht-Sitzen, ein Spüren-im-jeweiligen-Augenblick, ein ständiges Oszillieren innerhalb des Potenziellen, Aussagen, die wieder in Frage gestellt werden. Aber sein „Na und?“ kenne ich gut. Du erfährst beispielsweise, dass du einen oder mehrere Herzinfarkte hattest, wirst mit Tatütata in die Klinik gefahren und wie ein Postpaket von hier nach da weitergeschoben, sie wollen dir das Brustbein aufsägen, … und immer ist das Gefühl da, als würde es nicht dir passieren, als ginge es dich gar nichts an, und du könntest in jedem Moment auch „Na und?“ sagen.

Was ist denn nun „die Wahrheit“? Ich habe keine Ahnung. Aus dem, was Toni sagt, lässt sich wunderbar ein Konzept basteln. Aber so ist das nun mal mit den Worten. Sagt er denn die Wahrheit? Ich merke keinerlei Interesse an der Frage. Fragen tauchen auf, Antworten tauchen auf, tauchen auf und verschwinden wie alles, was für einen Augenblick in Erscheinung tritt. Da gibt’s ja diesen interessanten Dialog zwischen Pilatus und Jesus im Neuen Testament (Joh 18,36-38): „‚Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen.‘ Da sprach Pilatus zu ihm: ‚So bist du dennoch ein König?‘ Jesus antwortete: ‚Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.Spricht Pilatus zu ihm: ‚Was ist Wahrheit?‚ Und da er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: ‚Ich finde keine Schuld an ihm.'“ Shankara fällt mir dazu ein mit den bekannten Worten: „Alle Worte sind dem Unbefreiten nutzlos, da sie nur Vorstellungen erzeugen. Alle Worte sind dem Befreiten nutzlos, da er sie nicht benötigt.“ – Wer aus der Wahrheit ist“ oder „der Befreite“ hört seine Stimme. Vielleicht hat sie auch Pilatus gehört? Die Gelehrten streiten sich darüber. War er ein Mörder oder ein Heiliger? Er stellt die Frage „Was ist Wahrheit?“ so, als ob er wüsste, dass es sie nicht gibt im Sinne von etwas, das durch Worte beschrieben werden könnte. Von Jesus ist übrigens keine Antwort überliefert. Hat Pilatus sie gar nicht abgewartet oder war Schweigen die Antwort von Jesus?
B

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6 Antworten zu Tony Parson: Na und?

  1. Georg Alois schreibt:

    Das ist doch echt lustig, lieber Nitya,
    Du hast mal wieder alles gesagt, was man nur sagen kann!
    Und es hört doch nicht auf zu reden, reden, reden……..
    Bist halt ein Redner! Ist doch schön! Es bereichert dieses Spiel! Und es ist doch Freiheit pur, reden zu können ohne Ursache und Wirkung oder Absicht oder Hoffnung.
    Rein statistisch gesehen wäre es erfolgversprechender auf einen Lottogewinn zu hoffen…..

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  2. ananda75 schreibt:

    Ich hatte mal ein Schlüssel-Erlebnis – vor vielen Jahren – konnte ich mich mal wieder nicht entscheiden zwischen zwei Irgendwassen – da sagte doch glatt eine Freundin „Can’t you have both?“
    hmmmmmmmmmmm……
    Als abschreckendes Beispiel fällt mir immer dieser – davon ab aber super tolle, wirklich klasse -Mensch ein, der meint, ALLES müsse von Gott kommen und sich insofern über Jahre mit Schmerzen quält, weil er ja nicht in’s Krankenhaus geht, weil ja die Heilung s.o.
    Ich habe ihm vergeblich versucht zu erklären, dass, wenn alles von Gott kommt auch die Krankenhäuser von Gott kommen…
    Das Paradies auf Erden🙂 – die Welten sind nicht nacheinander oder nebeneinander sondern ineinander🙂

    Ein Kriterium um Wahrheit – für mich, meine – zu erkennen ist, ob es einfach ist
    Wahrheit ist einfach
    Wenn es kompliziert wird, stimmt irgendwas nicht…

    Alles Liebe (auch die sollte einfach sein😉

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  3. Eno Silla schreibt:

    Diese Mauersegler sind fantastisch. Ich habe über allen Fenstern Nester von ihnen unter den Dachpfannen, schon seit vielen Jahren. Die Jungen sind jetzt flügge geworden. Von nun an werden sie ihr Leben in den Lüften verbringen, nur zum Brüten und während die Jungen aufwachsen, haben diese Vögel „Boden“ unter den Füßen. Nach dem Flügge werden dauert es nicht mehr lange, dann verlassen sie ihre Brutgebiete. Meistens ist das so Mitte August. Dann ist es plötzlich wieder ganz ruhig um diese Wohnung herum. Es scheint pure Lebensfreude zu sein, wenn diese Vögel laut kreischend in kleinen und größeren Trupps an mir, der ich im Fenster sitze und ihnen staunend nachschaue, vorbei schießen, manchmal so dicht, dass ich sie greifen könnte, wenn sie nicht schon längst wieder fort wären, während ich erst meine Hand vorschiebe😉 . Akrobaten der Lüfte, echte Flugkünstler. Ob sie wohl an Wahrheit interessiert sind? Nein, ich glaube sie pfeifen drauf!

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