Osho: weder Gefühl noch Gedanke


BIch habe gehört, Mulla Nasrudin ging einmal zu einem Psychiater und sagte: „Ich versteh nicht mehr, was los ist. Bitte, tun sie etwas. Es ist unerträglich geworden. Jede Nacht habe ich denselben Traum. Auf der Tür ist irgendein Schild.  Ich drücke und drücke und drücke ununterbrochen. Jede Nacht wache ich schweißgebadet auf und die Tür geht nie auf.“ Der Psychiater schrieb alles genau auf. Nach einer halben Stunde fragte er: „Und jetzt sagen Sie mir, Nasrudin, was steht denn auf der Tür, auf dem Schild?“ Nasrudin sagte: „Da steht ‚ZIEHEN‘.“

Wenn auf der Tür „ZIEHEN“ steht, dann darfst du nicht immer drücken. Denn sonst bekommst du einen wiederkehrenden Traum, dann drückst du bis in alle Ewigkeit. Und da ist gar kein Problem, sieh einfach hin, was auf der Tür steht. Jesus sagt, auf der Tür steht weder Kopf noch Herz – es ist jenseits von beidem. Tu also eines: Geh darüber hinaus. Werde weder ein Opfer der Logik, des Intellekts, noch werde ein Opfer der Gefühle, der Sentimentalität. Der Kopf ist Körper und das Herz ist ebenfalls Körper – geh darüber hinaus. Was ist jenseits davon? Da ist einfach Existenz, da bist nur du. Sein ist ohne Attribute. Dies „einfach sein“ ist dhyan, dies „einfach sein“ ist Meditation – und genau das steht auf der Tür. Plötzlich öffnet sich die Tür, wenn du einfache Sein bist – weder Gefühl noch Gedanke; keine Wolke um dich herum, unbewölkt; kein Rauch um die Flamme, einfach die Flamme – du bist eingetreten.

Jesus sagte:
„Ich werde euch geben, …
… was nicht entstanden ist
im Herzen des Menschen.“

aus: Osho: „Die verbotene Wahrheit – über das Thomasevangelium“

TIhr erinnert euch an Tschuang-tses gestrige Geschichte vom Herrn der gelben Erde und dem scheinbaren Verlust seiner Perle? Es ist dieselbe Geschichte wie heute. „Der Herr der gelben Erde wandelte jenseits der Grenzen der Welt.“ Jesus sagt im Thomasevangelium: „Ich werde euch geben, was das Auge nicht gesehen hat, und was das Ohr nicht gehört hat, und was die Hand nicht berührt hat, und was nicht entstanden ist im Herzen des Menschen.“ Jenseits der Grenzen der Welt. Natürlich kann auch ein Jesus das niemandem geben, nicht einmal dem Papst, und deshalb haben die Kirchenfuzzis auch das Thomasevangelium vermutlich nicht anerkannt. Sie vor allen anderen müssten es doch haben, was nicht im Herzen der Menschen entstanden ist, aber irgendwie plagt sie das dumpfe Gefühl, dass sie nicht einmal wissen, was das sein könnte. „Jenseits der Grenzen der Welt“, „nicht von der Welt“, „nicht entstanden im Herzen der Menschen, weder „Kopf noch Herz“, „kein Ding“, … unendlich viele Versuche, sich dem Unbeschreiblichen mit Worten anzunähern, wissend, dass das alles nicht trifft und gar nicht treffen kann. Selbst „einfach sein“ trifft es nicht und „Existenz“ auch nicht.

DUnd wenn an einer Tür „ZIEHEN“ steht, kann man es ja mal mit Ziehen probieren, eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Vielleicht ist die Tür verschlossen oder hinter ihr lauert ein furchtbarer Drache. „Neti, neti“ ist vermutlich noch die hilfreichste Version. Dafür muss weder gedrückt noch gezogen noch sonst irgendetwas getan werden.
M

 

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2 Antworten zu Osho: weder Gefühl noch Gedanke

  1. Eno Silla schreibt:

    all meine kläglichen versuche,
    mich dem unbeschreiblichen
    mit worten anzunähern,
    scheitern stets.

    dabei genügt es doch zu schauen,
    offenen auges, ohres, fühlens
    durch diese fantastischscheinende welt treiben
    und es ist da – das unbeschreibliche.

    da ist es in form eines
    perlmutterfalters – in aller flüchtigkeit.
    weiß nicht, obs ein großer, mittlerer oder feuriger ist,
    denn die gibts alle, wie ich heute gelernt habe:

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