Harrison: Manifestation wahr – Beschreibung davon nicht


SDie große Befreiung ist wirklich, sie ist gegenwärtig, und sie fordert uns nichts ab. Sie gibt nichts, enthält nichts und erschafft nichts. Wir sind schon durch – ob uns das nun passt oder nicht, ob wir nun spirituell sind oder nicht, ob wir damit übereinstimmen oder nicht. Wenn wir das Leben nicht länger als einen Prozess betrachten, bei dem es darum geht, ständig irgendwelche Ziele zu erreichen, dann entdecken wir das, was schon immer da war: eine Welt ohne Ursache und Wirkung, in der jede Manifestation absolut wahr ist und jede Beschreibung davon eben nicht. Das Wirkliche ist, das Gedankliche ist nicht, außer in sich selbst. Gedanken sind ausschließlich reflektierend und fragmentierend, niemals wirklich und vollständig. Wenn es darum geht, mit der Wirklichkeit in Kontakt zu treten, helfen uns Konzepte nicht weiter.

aus: Steven Harrison, „Was kommt“
WDa gab es mal einen Zettel mit einer Zeichnung und einem Text von mir. Der Zettel war von 1948, ich kam also gerade in die Schule. Abgebildet war der Adolf stehend in einem Kübelwagen und mit deutschem Gruß, versehen mit dem Text: „der Führer spricht pfundig“. Heute schreibe ich lieber: „der Steven spricht pfundig“. Vom Nazi zum … keine Ahnung was. Wenn das kein echter Fortschritt ist. Ich hatte damals wohl zu viel in den alten Schulbüchern meiner großen Schwestern geblättert.

Also der Steven ist auch so ein Ikonoklast, bei dem kein Auge trocken bleibt. Das Lied, das Jiddu Krishnamurti ein Leben lang gesungen hat, singt auch er: Das Wort ist nicht das Ding. Das Wort Gott ist nur ein Wort, nur heiße Luft, und nicht das, wofür es angeblich steht. Es ist dasselbe, was Karl Renz vorgestern mit dem Satz „Alles, was du sagen kannst, ist eine Lüge.“ ausgedrückt hat. Das Wort ist nur wahr als Wort und nicht wahr als das, wofür es steht. Das Wort „Kaffee“ kann ich nun mal nicht trinken. Die Mohammed-Karikaturen sind nicht Mohammed. Die Holocaustleugnung kann nichts ungeschehen oder geschehen machen.

Steven deutet auf „eine Welt ohne Ursache und Wirkung, in der jede Manifestation absolut wahr ist und jede Beschreibung davon eben nicht.“ Er diskutiert nicht darüber, ob es nun Ursache und Wirkung gibt oder nicht gibt. Er sagt: „Das Wirkliche ist, das Gedankliche ist nicht, außer in sich selbst.“ Und die Reflektion darüber, ob Ursache und Wirkung existieren, ist nun mal rein gedanklich. Wenn dich ein tollwütiger Hund anfällt, machst du dir keine Gedanken über Ursache und Wirkung, sondern lässt vermutlich Handlungen ganz unmittelbar aus sich selbst heraus geschehen. Sollte es gelungen sein, dich in Sicherheit zu bringen, wirst du wahrscheinlich im Reich der Träume ausgiebig über Ursache und Wirkung nachdenken. Der Hund ist wirklich, die Handlung ist wirklich, das Denken ist wirklich, der Inhalt des Gedanklichen nicht. Wer das jetzt bezweifelt und mir etwa den Wei Wu Wei mit dem Satz zitiert „Es gibt kein Ding, weder ein positives noch ein negatives, weder Anwesenheit noch Abwesenheit“, den besuch ich demnächst mit meinem tollwütigen Hund.
H„Was nützt die Diskussion, ob die Welt wirklich oder lediglich eine unwirkliche Erscheinung ist, ob ihr Bewusstsein eigen ist oder nicht, ob sie Glück oder Leid bedeutet?“ fragt Ramana zu Recht.

Steven schreibt: „Wenn wir das Leben nicht länger als einen Prozess betrachten, bei dem es darum geht, ständig irgendwelche Ziele zu erreichen, dann entdecken wir das, was schon immer da war.“ Buddha: „Ich bin längst stehengeblieben.“ Wir haben ja auch das „Sitzenbleiben“ in der Schule. Die einen bleiben sitzen, während die anderen weiter das Schulziel zu erreichen versuchen. Während sich der Sitzengebliebene vielleicht als Versager fühlt, sieht Steven wie Buddha die Unsinnigkeit, ständig irgendwelche Ziele erreichen zu wollen. Die Zeilen aus dem Gedicht von Johann Martin Miller „Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine Wünsche still.“ gelten ja nicht nur für „Haus und Hof und Geld“, sondern in ganz besonderer Weise auch für das sog. Geistige (Karl Renz: Alles Lüge). Buddha ist der ewige Sitzenbleiber. Steven: „Die große Befreiung ist wirklich, sie ist gegenwärtig, und sie fordert uns nichts ab. Sie gibt nichts, enthält nichts und erschafft nichts. Wir sind schon durch.“ Mir war dieser Spruch, dass das Leben eine Schule sei, schon immer zuwider. Leben lebt sich einfach von Augenblick zu Augenblick. Natürlich auch als Frau Lehrerin.

S

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Harrison: Manifestation wahr – Beschreibung davon nicht

  1. Georg Alois schreibt:

    Lieber Nitya,
    erlaube mir bitte,………ich weiß gar nicht wie ich das sagen soll ……meine Hochachtung für das heute Geschriebene!!! Das ist ja mal echt auf den Punkt gebracht!, und auch noch mit Humor: „…den besuch ich demnächst mit meinem tollwütigen Hund.“ Super! Danke! Und schön’n Tach auch!

    Gefällt mir

    • Nitya schreibt:

      Lieber Georg Alois,

      du darfst den heutigenTag ganz entspannt beginnen und beenden – jedenfalls was mich und meinen tollwütigen Hund betrifft. Wir werden dich in keiner Weise behelligen.

      Aber Achtung – auch das waren nur Versprechungen, also Worte, also nur heiße Luft.

      Herzlichst

      Gefällt mir

  2. Eno Silla schreibt:

    Dies tauchte auf, nach dem Lesen des heutigen Blogeintrages von seiner Ehrwürdigkeit Nitya.
    Ein kleiner Rückblick in die Bloggeschichte:

    Don Juan Matus: Alles ist gleich und daher unwichtig.

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s