Karl Renz: Alles, was du sagen kannst, ist Lüge


PDas Selbst ist wieder etwas Falsches. Alles, was du „Selbst“ nennst, ist falsch. Gott, Selbst, was auch immer. Falsch, falsch, falsch. Was erreicht werden kann, sogar durch das Selbst, ist falsches Erreichen. Was dir auch immer in den Sinn kommen mag – ist Trennung, ist zwei. Welches Selbst kann das Selbst erreichen? Und wer ist da, um was zu erreichen? Ein Falsches erreicht ein anderes Falsches. Falsch, falsch, falsch.

Alles, was du sagen kannst, ist Lüge, und schau, alles ist Lüge. Insbesondere derjenige ist ein Lügner, der dir erzählt, dass alles Lüge ist. Also verlass dich nicht darauf. Was kannst du sonst tun? Der Lügner muss sich immer auf etwas verlassen und er lügt und lügt und lügt. Bleib in diesem Leben einfach ein Lügner. Du baust nur deshalb auf Lügen auf, weil sich ein Lügner auf Lügen verlassen muss.

Dann lügst du und lügst und lügst. Dann glaubst du, dass du durch ein paar Lügen aus der Lüge rauskommen kannst. Dann brauchst du Meister, die dir Lügen erzählen, die dir erzählen, dass sie einen Ausweg gefunden haben, dass sie ihre wahre Natur kennen. Ach du meine Güte! Was für eine Art wahrer Natur wäre das, die von jemandem erfahren oder realisiert werden kann? Besonders von Meistern, alle Lügner, ausnahmslos.

aus: Karl Renz, „Heaven And Hell“
TIch nehme an, dass das möglicherweise mal jeder mitgekriegt hat: Wenn er einfach nur da ist in diesem ewigen Augenblick, dann ist er sich einfach nur gewahr. Nicht einmal irgendeiner bestimmten Sache gewahr, sondern einfach nur gewahr. In diesem Augenblick verschwindet auf geradezu magische Weise alles Zeitliche, alles Gewusste, alles Bestimmte, alles Benannte. Wer sich erinnern kann, wüsste, dass ihm das sehr vertraut ist aus den ersten Tagen seines Erdenlebens – aber wer kann das schon erinnern? Da gab es noch kein Bewusstsein, das irgendetwas festgehalten und damit die Basis für einen Erinnerungspool geschaffen hätte. Alle Erscheinungen kamen und gingen, ohne irgendeine Spur zu hinterlassen. Wo wäre da ein Platz für Lügenhaftes gewesen? Diese Momente können sich das ganze Leben hindurch immer wieder in Augenblicken völliger Selbstvergessenheit ereignen.

Irgendwann beginnt das dann mit dem ETWAS wahrnehmen, etwas Bestimmtes, etwas Benennbares, das man vielleicht wiedererkennen kann, über das man glaubt Bescheid zu wissen, etwas das man festhalten und erinnern kann, und jetzt kann der kleine Diabolos da oben dieses ganze Zeugs munter durcheinanderwerfen. Und die Lüge beginnt, sich über alles auszubreiten und alles zuzudecken und zu durchwirken. Ich brauche nur an die Werbung denken. Eine Lüge folgt der anderen und wir bilden uns ein, dass wir das alles durchschauen und Bescheid wissen. Kein Mensch regt sich noch darüber auf, dass er ganz offen belogen wird. Das ist halt so: In der Werbung wird gelogen. Und in der Politik. Und in der Kirche, …. Aber damit hört es nicht auf. Die Lüge macht vor nichts halt, auch nicht vor sog. intimen Beziehungen. Wie sollte sie auch, wenn sie nicht einmal vor einem selbst halt macht!
KKarl: „Was dir auch immer in den Sinn kommen mag – ist Trennung, ist zwei.“ Da bist du und da ist das Gedachte, denkst du und fällst damit auf deine eigenen Lügen herein. Und Karl hört nicht einmal beim Höchsten auf, Gott, Selbst: „Alles, was du ‚Selbst‘ nennst, ist falsch“, sagt er. Warum? Weil es nur eine Vorstellung ist, die du dir zusammengebastelt hast. Kein Baby erzählt dir was über Gott oder das Selbst. Aber wenn du es anguckst, dann wird dir vielleicht ganz heilig zumute. Da ist ein Wesen, das nichts über Gott oder das Selbst weiß, sondern das alles einfach ist. „So ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder …“ Das Wort „Umkehren“ könnte zu dem Missverständnis führen, dass man sich wieder zurückentwickeln sollte. Es geht einfach nur um ein Wiederentdecken dessen, was immer da war, ist und sein wird. Ein Moment der Selbstvergessenheit und du bist, was du immer bist und es nicht weißt.

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24 Antworten zu Karl Renz: Alles, was du sagen kannst, ist Lüge

  1. Georg Alois schreibt:

    GOTT spielt!
    Wo ist das Problem??????

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    • fredoo schreibt:

      hmmm … kann Gott spielen ?
      dann wäre Gott ja auch wieder … zwei …

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      • Georg Alois schreibt:

        Na klar!, das ist ja das Spiel, das Theaterstück, die Illusion!!!! Wie soll es denn sonst funktionieren, ein Theaterstück zu genießen, sich selber zu genießen??? Es geht doch nur wenn da ein Zuschauer ist. Eine herrliche, göttliche Komödie, genial!!! ooderrr???

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  2. fredoo schreibt:

    nun ja Georg …
    aber da spielt halt nicht Gott …
    sondern aus Gott ist ein Spiel namens Schöpfung abgebildet ,
    dass auf Grund seiner inneren Dynamik als Spiel (oder auch anders) erscheint .
    … und zwar dem „Bespielten“ !

    von einem spielenden Gott keine Spur …

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    • Brigitte schreibt:

      🙂

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    • Georg Alois schreibt:

      Schau in den Spiegel. Wer sieht da…???
      Ich liebe das Konzept „Gott“! Wo ist das Problem?
      Es gibt nichts außer Gott! Das ist für mich halt ein schöneres Wort/Konzept als z.B. „Luftballon“, „Nichts“, „Leere“ usw.
      Und dass in diesem „Nichtsgeschehen“ alles erlebt werden kann, genial! Hosianna!!

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  3. Marianne schreibt:

    manche betrachten „gott“ halt lieber aus der relativen und andere aus der absoluten perspektive … und… wer wählt die perspektive?

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    • fredoo schreibt:

      ok marianne …
      wie wäre es mit differenzierenden Vokabeln …
      Götze für Gott
      und ABSOLUT für GOTT

      wie wärs ?

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      • Marianne schreibt:

        und wer trifft die unterscheidung?
        deine differenzierung scheint mir übrigens eine gewisse wertende polarisierung zu enthalten oder ist „götze“ und „ABSOLUT“ für dich gleichwertig?

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  4. Brigitte schreibt:

    Jede Perspektive ist relativ und begrenzt. Eine absolute Perspektive gibt es nicht. Jede Unterscheidung, Betrachtungsweise, Name, Form findet im Spiel der Gegensätze statt. Wie könnte es für das Ungeborene, auch nur einen Hauch von „etwas“ geben? Da gibt es nicht einmal Gewahrsein. Kein Nichts, kein Alles. Wie könnte über das, was Du in deiner Essenz bist, überhaupt etwas gesagt werden? Kein wer, kein was, kein wie. Jede Begrifflichkeit ist da fehl am Platz. DU bist Das. Für mich hat es Buddha am schönsten ausgedrückt: „Offene Weite, nichts von heilig.“ 🙂

    Alles, was wir zu wissen glauben, fußt letztlich auf Unwissenheit. Und das ist wunderbar!

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    • Eno Silla schreibt:

      „Das meiste was ich weiß, habe ich mir mühsam eingebildet!“
      Klasse!

      My foreign soul, you’ve been travelling so long
      Was there a beginning to the journey you’re on?
      Where have you come from? Where have you been?
      Tell me a tale of the things you have seen

      I’ve been looking for answers, looking far and wide
      I’ve been looking for answers on the other side
      All that is glistening, it isn’t gold
      Looking for truth beyond the lies we’ve been told

      All the King’s horses and all the King’s men
      Couldn’t begin to put things right again
      Where tenderness is, that’s where I’m bound
      Something so deep, so rich, profound

      I am skin
      With blood and bone and pain and joy within
      And something more
      That can’t be bought or sold, abide or follow any law

      I’ve walked the curve of the earth below and above
      Been turned to ash in the fire of love
      I’ve burned like a flame in the blackest of nights
      Fallen so far from the highest of heights

      But my foreign soul’s risen again
      Been cleansed and soothed in the Berlin rain
      Deceit from those closest is a cold surprise
      Found so much warmth in a strangers eyes

      And so I must travel and so I must roam
      There is no such place as a place to call home
      Where tenderness is, that’s where I’m bound
      Somewhere so deep, so rich, profound.

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      • Brigitte schreibt:

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      • Marianne schreibt:

        „Das meiste was ich weiß, habe ich mir mühsam eingebildet!“

        Super Spruch!🙂
        Gilt der für Renzi und Alan Watts auch? Ich erlebe es eher mühsam und anstrengend, denen zuzuhören, auch wenn sie natürlich „geniale Sätze“ von sich geben …

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      • Eno Silla schreibt:

        Liebe Marianne,
        wenn der Spruch überhaupt gilt, dann sicherlich für alle und alles!
        Der Spass ist immer da, wo er ist. Für mich bieten Renz und Watts eine wunderbare Show!
        Sehr gute Unterhaltung!
        Du magst dich woanders laben😉 !
        Wir sind alle große Einbildungskünstler!

        „Where tenderness is, that’s where I’m bound
        Somewhere so deep, so rich, profound.“

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      • Marianne schreibt:

        Für mich bieten Renz und Watts eine wunderbare Show!

        Lieber Eno,
        du bildest dir wahrscheinlich auch nicht ein zu verstehen, was die sagen.😉
        Tja, jede(r) hat so ihre(seine) eigenen Ein-BILD-ungen … (gefällt mir besser als der Begriff „Lüge“!)

        „Where tenderness is, that’s where I’m bound
        Somewhere so deep, so rich, profound.“

        Ja, danke …🙂❤ lich
        Marianne

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      • Eno Silla schreibt:

        Liebe Marianne,

        „du bildest dir wahrscheinlich auch nicht ein zu verstehen, was die sagen.😉“

        Doch, das bilde ich mir gelegentlich temporär ein, meist bilde ich mir sogar ein, dass ich verstehe, was ich sage.
        Aber das alles zieht genauso vorbei wie die dunklen Gewitterwolken, die gerade über dieses Haus hinwegdriften, in dem ich sitze und Worte tippe…

        Liebe Grüße

        Eno

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  5. fredoo schreibt:

    speziell zu Marianne …

    Ich möchte hier mal erneut Renz zitieren , der mal gefragt wurde , ob er bei seinen Besuchern zu erkennen vermag , wer von denen denn „verstanden hat“.

    Er antwortete mit einem „Ja“ , und ergänzte :“jedoch nicht daran , was er/sie sagt , sondern daran , was er/sie (so) nicht mehr sagt“ …

    in dem Sinne vermag auch ich Herrn Renz und Herrn Watts aufs genüsslichste verstehen …

    Tja …

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  6. Ingeborg schreibt:

    😨

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  7. Eno Silla schreibt:

    Karl Renz: Alles, was du sagen kannst, ist Lüge.
    Eno: Dann ist es also auch Lüge, wenn du sagst, dass alles was du sagen kannst Lüge ist?
    Karl Renz: Ja, so ist es.
    Eno: Und das ist eine Lüge?
    Karl Renz: Ja.
    Eno: Das haut mich um, ganz ungelogen!
    Karl Renz: Lüg weiter.

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