Hui-neng: ihr hört mich nun über die Leere sprechen


L
Verehrte Zuhörer, ihr hört mich nun über die Leere sprechen, aber ihr dürft nicht daran festhalten. Wenn ihr euch bewegungslos hinsetzt und euren Geist zur Leere macht
[keine Gedanken aufkommen lasst], werdet ihr nur in einen verschwommenen Zustand der Leere verfallen und letztlich nicht die Wahrheit Buddhas [euer eigenes Wesen] erfahren. Verehrte Zuhörer, die große weite Leere des Universums enthält alle Zehntausend Dinge, Farben und Formen. Sie enthält die Sonne, den Mond, die Sterne, Berge, Flüsse, Quellen und Schluchten, sämtliche Bäume, schlechte Menschen, gute Menschen, schlechte Dinge, gute Dinge, das Paradies, die Hölle, den ganzen großen Ozean, den Berg Sumeru und die anderen ihn umgebenden Berge. Sie sind alle inmitten dieser Leere. Die Leere des Wesens der Menschen ist genauso.

aus: Hui-neng, „Das Sutra des sechsten Patriarchen“

TTilopa sagte: “ Kleine Lehren predigen Taten – Folge einer Lehre, die groß ist.“ Und Hui-neng: „Das Ausmaß des Geistes ist eine wichtige Sache. Geratet nicht auf kleine Wege!“ Und Bodhidharma: „Offene Weite, nichts von heilig.“ Sie alle wollen dasselbe zum Ausdruck bringen: Jede Lehre ist Form und damit begrenzt und begrenzt damit auch das „Ausmaß des Geistes“, in dem es ihn auf eine Vorstellung einengt. Alle Versuche, etwas Begrenztes auszuweiten, etwa in Form von Universalreligionen, mussten zwangsläufig scheitern, weil sich Offene Weite eben in keine noch so riesige Form quetschen lässt. Offene Weite ist reine Leere und leer bedeutet halt einfach leer. Leere lässt sich auch in keiner Weise herstellen, genau so wenig wie etwa Stille, und deshalb sind alle wohlgemeinten Ratschläge, still zu sein oder in die Stille zu gehen, genauso töricht wie die Empfehlung, sich leer zu machen. Leere ist, Stille ist, und alles, was da so vor unseren Augen herumtanzt, ist nichts als das, was uns in der Leere, in der Stille erscheint.

SHui-neng warnt ausdrücklich vor allen sog. Meditationen, die auf ein Erreichen von Leere abzielen. Da wird Leere wieder zum Objekt gemacht, das man sich unter den Nagel reißen kann. Und in der Leere erscheinen „Zehntausend Dinge, Farben und Formen. Sie enthält die Sonne, den Mond, die Sterne, Berge, Flüsse, Quellen und Schluchten, sämtliche Bäume, schlechte Menschen, gute Menschen, schlechte Dinge, gute Dinge, das  Paradies, die Hölle, den ganzen großen Ozean, den Berg Sumeru und die anderen ihn umgebenden Berge.“ Wer sich also hinsetzt, um „zu meditieren“ wäre vielleicht gut beraten, das Wort „meditieren“ zu vergessen und das, was in der Leere auftaucht, einfach auftauchen zu lassen, es willkommen zu heißen und es wieder ziehen zu lassen, wenn es verschwindet.

Und Tschü-üs! Ich verschwinde jetzt auch mal wieder.

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2 Antworten zu Hui-neng: ihr hört mich nun über die Leere sprechen

  1. ananda75 schreibt:

    Bist du jetzt der Dicke oder der Dünne ? 😆

    Hab einen guten Tag
    und möchte dir mal mitteilen – bei dir schaff ich in der Tat eine Menge Worte am Stück zu lesen – das ist ein Lob, um Mist-Verständnisse zu vermeiden😉

    Zur Leere:
    „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“
    nee – nich du😆

    Alles Liebe von Ananda❤

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