Osho: das ganze Leben war umsonst


ODer Tod hat nichts Gefährliches an sich. Er gehört zum Schönsten, was es auf der Welt gibt – du gehst einfach schlafen! Und alles geht schlafen: Ein Samenkorn sprießt, und dann ist ein Baum da; und dann wieder kommen Samen, und sie fallen zu Boden, und sie gehen schlafen; dann kommen sie wieder. Nach jeder Tätigkeit ist ein Ausruhen nötig. Das Leben ist eine Tätigkeit, der Tod ist ein Ausruhen. Er muss sein, damit neues Leben aus ihm entstehen kann. Nichts ist verkehrt am Tod. Nichts ist gefährlich am Tod.

Aber warum hat jeder so viel Angst vorm Sterben? Weil im Augenblick des Todes all eure Fiktionen verschwinden werden; im Augenblick des Todes werdet ihr erkennen, dass das ganze Leben umsonst war. Warum sagen die Leute, dass der Mensch im Tod sein ganzes Leben sehen wird? Es ist so, es stimmt: Im Augenblick des Todes muss ein Mensch seinem ganzen Leben ins Gesicht sehen, denn jetzt gibt es keine Zukunft mehr, kann man keine Fiktionen mehr ausdenken.

aus: Osho, „Die verbotene Wahrheit – Das“ Ketzerevangelium“ von Thomas

OshoIch musste so lachen, als ich das las: „Im Augenblick des Todes werdet ihr erkennen, dass das ganze Leben umsonst war.“ Warum erst im Augenblick des Todes, dachte ich mir? Von klein auf wurde einem eingehämmert, dass das Leben einen Sinn hat, einen Sinn haben muss, und dann kommt dieser Osho daher und tritt einem den ganzen Sinn in die Tonne. Das ist tatsächlich eine verbotene Wahrheit: „Wenn all eure Fiktionen im Angesicht des Todes verschwunden sein werden, könnt ihr sehen, dass das ganze Leben umsonst war.“

Wie fühlt sich diese Behauptung von Osho an? Als ich das las, dachte ich: Jeder, der sich für diese Möglichkeit öffnet, müsste sich eigentlich wie Ryōkan mit einem großen Lächeln im Gesicht im gegenwärtigen Augenblick genüsslich entspannen: „Endlich bin ich diese schreckliche Last des Sinns losgeworden. Ein Leben lang stand ich unter der Knute dieses beknackten Sinns. Ich habe zwar nie den Sinn des Sinns verstanden, aber er war so absolut wie der liebe Gott, der da oben irgendwo thronen soll.“

Mir wurde die Gnade zuteil, in einer Zeit geboren worden zu sein, in der alles koppheister gegangen war, auch und vor allem jeder Sinn. Die Eltern und Lehrer legten zwar immer noch ihre alte Sinn-Platte auf, aber es war im Angesicht ständigen Bombardements während des Krieges und der Trümmer des verlorengegangenen Krieges so offensichtlich eine Lüge, dass das Leben einen Sinn hat, dass Leistung sich lohnt und dass wir etwas erreichen müssen, dass ich nie daran glauben konnte. Natürlich sollten wir trotzdem daran glauben oder zumindest so tun, als ob wir daran glauben würden – ich konnte es nie. Für die meisten Menschen hatte das etwas zu tun mit Resignation und Depression, für mich war es genau das Gegenteil. Das war der Duft der Freiheit, der Duft der Schönheit der Sinnlosigkeit und der Absichtslosigkeit des Augenblicks. Spürst du’s? Dieser Moment gerade – völlig umsonst! Ist das nicht köstlich?!

BOsho fragt: „Aber warum hat jeder so viel Angst vorm Sterben?“ Ich kann seiner Antwort auf diese Frage nur zustimmen. Wer sich ein Leben lang an irgend so etwas wie den Sinn seines Lebens geklammert hat, der muss Angst vor dem Tod haben, der der Tod aller Fiktionen ist. Ohne Zukunft, ohne Hoffnung kein Sinn mehr – und die schreckliche Erkenntnis lässt sich nicht mehr vermeiden: „All meine Mühen waren nur für die Katz. Ich hab mein ganzes wundervolles Leben vertan – für nichts und wieder nichts.“
K

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11 Antworten zu Osho: das ganze Leben war umsonst

  1. thomram schreibt:

    Als ich mich früher auf der Suche nach dem Sinn quälte, da stellte ich mir auch immer die Frage, warum wieso zum Teufel auch ich denn diesem Sinn hinterherrenne. Diese Begleitfrage ist mir auch heute nicht beantwortet. Ich tue es nicht mehr. Sinn ist da oder nicht oder was wie pipapo. Ich lieg grad hier und tippele und es ist gut. Sinn? Wozu? Wieso? Sinnsuche ist das Unsinnigste überhaupt.
    Was ist die Triebfeder? Das möchte ich mal noch erkennen.

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    • Nitya schreibt:

      Die Triebfeder? Ich würde sagen, die Triebfeder dürfte ein reiner Ego-Trip sein. Das, wofür ich mich halte, ist einfach nichts Besonderes. Ich muss es erhöhen, um ihm Besonderheit zu verleihen. Wir sehen es gerade beim Fußball oder bei den Autorennen. Jeder will besser oder schneller sein als der andere. Oder reicher oder schöner oder irgendwas. Es ist völig krank. Einfach sein ist (fast) niemandem genug. Und wenn ich schon nicht der Glücklichste bin, dann wenigstens der Unglücklichste. Irgendein Superlativ bin ich auf jeden Fall. Wie soll Cäsar gesagt haben: „Lieber der Erste in einem Dorf als der Zweite in Rom.“ Und das Mittel der Wahl ist der Sinn, den ich allem gebe. Welchen Sinn hat die Europameisterschaft? Keinen. Ich muss ihm einen geben, sonst sieht das ganze Theater einfach nur schwachsinnig aus.

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      • thomram schreibt:

        Chefe

        Das Ego als Triebfeder. Spontan sagt etwas in mir „ja“. Doch dann erinnere ich, wie es war. Die Suche nach Sinn war mit Sehnsucht verbunden, welche mit Ego nichts gemeint hat.

        Nicht wichtig. Ich danke dir für dein freundliches darauf Eingehen.

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      • Elwood schreibt:

        Ja, ich weiß noch wie meine Frau mir sagte: “ Du willst immer noch was Besonderes sein!“. es dämmerte und es schmerzte mir einzugestehen, zu erkennen, das mein ganzes Streben nur diesem eitlen Besonderem gewidmet ist, meine Ideale platzten wie Seifenblasen und ich war gezwungen hinzuschauen wo die Sinnsuche mir den Blick versperrte……

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  2. kekabe schreibt:

    Guten Morgen😉
    hab gleich mal nach den kleinen Seeadlern geschaut, dein heutiger Beitrag hat die Gedanken an sie geweckt, lieber Nitya. Da picken sich drei kleine, plumpe Dinger aus drei Eiern und können nix…lernen alles allein, werden nicht behudert, sondern (nur) mit dem nötigsten versorgt und knüpfen – so scheint’s – auch untereinander keine Bande. Kaum, dass sie sicher stehen können, kommt das Wetter und nimmt ihnen das Nest, so dass sie von da an auf den Ästen der alten Kiefer hocken und warten. Worauf? Tja, worauf…vielleicht auf das, was sie mitgebracht haben.

    Es sieht übrigens so aus, als sei nur noch einer da. Gestern konnte ich ihn bei einem Flugtraining beobachten, heute sitzt er im Regen auf seinem Ast und blickt wie so oft Richtung Norden. Es scheint, als sei er der verkörperte Sinn in sich, ich kann mir nicht helfen…🙂

    Toller Beitrag, DANKE und Grüße,
    Kerstin

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    • Nitya schreibt:

      Guten Morgen, liebe Kerstin!

      Tja, welchen Sinn hat das, dass den jungen Seeadlern der Horst genommen wurde? Damuss sich doch jemand was dabei gedacht haben! Gelobt sei, was hart macht vielleicht? Da können wir jetzt darüber spekulieren und einen feinen Sinn dazu erfinden.

      Du schreibst: „heute sitzt er im Regen auf seinem Ast und blickt wie so oft Richtung Norden. Es scheint, als sei er der verkörperte Sinn in sich,“ Ja, mehr Sinn ist da nicht: „“heute sitzt er im Regen auf seinem Ast und blickt wie so oft Richtung Norden.“ Ist das nicht genug Sinn? Genau das ist es: „Es scheint, als sei er der verkörperte Sinn in sich,“

      Herzlichst
      Nitya

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  3. Brigitte schreibt:

    „Welchen Sinn hat die Europameisterschaft? Keinen.“

    Na hör mal! Sobald eine Mannschaft den Europa-Meistertitel eingesackt hat, kassiert jeder Spieler 300.000 Euro. Das muss man sich mal vorstellen. Da macht es doch Sinn bis zur Erschöpfung dem Ball hinterher zu rennen und Verletzungen zu riskieren.

    So jagt jeder mehr oder weniger einer Sinnhaftigkeit nach und bereitet so den Nährboden für das eigene Leid. Womöglich taucht aus den Tiefen ein kaum merkliches Ahnen auf, dass es keinen Sinn gibt, außer dem sich selbst auferlegten. Was? Das soll alles sein! Leben, ohne dass etwas für mich dabei herausspringt? Ja, genau so. Dem einsichtig zu werden, wäre der Tod für das fiktive Ich. Es hätte nichts mehr, woran es sich hängen könnte. Nicht mal an das Schöne und Gute. Jeder Augenblick, so wie er sich zeigt, wäre sich selbst genug. Doch hoppla, da war doch noch was. Erleuchtung, Erlösung, Nirwana. Einmal durch die Hölle in den Himmel und kein zurück. Das muss es sein. Solange der Mensch sich lediglich in einer Welt der Ideen und der Ich-Illusion aufhält, ist er nicht in unmittelbarer Berührung mit der Wirklichkeit und kann die Schönheit und Freiheit im Sosein nicht schmecken.

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  4. fredoo schreibt:

    „““„All meine Mühen waren nur für die Katz. Ich hab mein ganzes wundervolles Leben vertan – für nichts und wieder nichts.“““

    was für ein Leben … eben !

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  5. Pieter schreibt:

    Obs für Andere Sinn macht was ich tue oder auch nicht tue, ist (mir) egal, ich spiele nur noch,
    im Garten Pflanzen setzen, am Funkgerät quatschen, im Biergarten eins trinken, was auch immer, meine Interessen sind grenzenlos, kommt was erfreuliches dabei heraus ists wunderbar, wenn nicht hab ich auch was gelernt, ich muss nicht (mehr), mir macht es Spass, wenns keinen macht kann ichs lassen😉

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  6. Eno Silla schreibt:

    Ich fuhr auf dem Waldweg so vor mich hin,
    nichts zu suchen war mein Sinn.
    Und plötzlich lag da rechts am Wegesrand,
    eine wunderschöne Bussardfeder.
    Ach die Freude war groß!

    Seit die Karotten, denen ich nachjagen zu müssen meinte,
    weil ich mich verwirren ließ, von vielerlei Einflüsterungen,
    weniger und weniger werden,
    bekommt das Leben wieder jenen feinen Glanz,
    eine feine Freude, aus der Kinderzeit bekannt und in der
    Erwachsenenphase fast vergessen. Es glitzert, knistert und
    rauscht von überallher… Bedarf es eines Sinnes?
    Nichts festzuhalten, der Tod mag kommen,
    aber bis dahin will ich dich genießen,
    so gut und genügend, wie ich es vermag:
    schrecklichschönes Lebendigsein mit all deinen Auf und Abs!

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