Steven Harrison: Das sind keine Gegensätze


SEinige werden sagen, „Lass das Leben einfach fließen!“. „Ändere dein Leben!“, werden andere vorschlagen. Wie wäre es, wenn wir das Leben einfach seinen eigenen Weg finden lassen würden und wir es gleichzeitig ändern? Das sind keine Gegensätze. Unser Wunsch, das Leben zu ändern, ist Teil des Lebensflusses. Das ist die Transformation.  Das Ganze berührt einen Teil des Ganzen. Das Leben fließt durch uns hindurch und verändert uns, während wir das Leben verändern, genauso wie das Bewusstsein unsere Gedanken berührt und diese ändert.

aus: Steven Harrison, „Was kommt“
SHat er das nicht fein auf den Punkt gebracht, der Steven? Ein richtiges Wort zum Sonntag. Naja, eigentlich für jeden Tag. Beim ersten der beiden Sätze „Lass das Leben einfach fließen!“ werden vermutlich die Nondualisten eifrig mit ihren Köpfen nicken, beim zweiten Satz „Ändere dein Leben!“ verbunden vielleicht noch mit einem bekräftigenden „Tschakka!“ sind es dann die Pfarrer, Psychologen, Coachs und Trainer aller Art, für die der Begriff „Nondualität“ möglicherweise noch nie in irgendeiner Weise Bedeutung hatte. Möglicherweise können sowohl die einen wie die anderen auch nicht viel mit dem Tetralemma anfangen, das beide Kontrahenten ganz mühelos miteinander versöhnen könnte, wenn sie es denn zuließen:

  • „Lass das Leben einfach fließen!“ kann wahr sein.
  • „Ändere dein Leben!“ kann wahr sein.
  • Beide Aufforderungen können sowohl wahr wie auch nicht wahr sein.
  • Beide Aufforderungen können weder wahr noch nicht wahr sein.

E

Auf diese und auf jene Art
wollte ich den Eimer zusammenhalten,
hoffend, der schwache Bambus
werde nie reißen.
Plötzlich fiel der Boden heraus.
Kein Wasser mehr –
kein Mond mehr im Wasser.
Leere in meiner Hand.

Chiyono

H

Gestern erzählte Alexandra von ihrer Sehnsucht. Da spukt immer auch eine Vorstellung mit im Kopf herum und sei sie noch so nebulös: Erleuchtung, Erwachen, Erlösung, … auf jeden Fall was ganz Tolles. Nix Genaues weiß man nicht. Aber ich jage hinterher. Buddha sagte zu Angulimala: „Ich bin längst stehen geblieben:“ „Der Stehengebliebene“ ist allgegenwärtig und wird in aller Regel nicht beachtet. An dem Stehengebliebenen zieht vobei „was kommt“. Einige wählen das Stehenbleiben und vernachlässigen das „was kommt“. Die meisten kennen nur „was kommt“ und sind ausschließlich damit identifiziert. „Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt.“ (Dante Alighieri)

Buddha hat zu keinem Zeitpunkt das,
was kommt,
geleugnet
und immer
die Nicht-Zweiheit der beiden Aspekte
betont.
F„Ich bin längst stehen geblieben.“

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13 Antworten zu Steven Harrison: Das sind keine Gegensätze

  1. Georg Alois schreibt:

    „es gibt keinen Anfang der Zeit,
    es gibt nur einen Anfang des Denkens“
    das wäre mein Wort zum Alltag, der bei mir als Rentner, jeden Tag ein Sonntag ist!

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  2. ananda75 schreibt:

    ich bin dafür🙂
    und zur Abwechslung mal nicht dagegen
    ich mein nur … des sowohl als auchs wegen😆

    hab einen schönen Sonntag❤

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  3. alexandra schreibt:

    Lieber Nitya , danke für die Verwirrung, die du jedes Mal bei mir anrichtest. Langsam entlehrt sich der Schädel … Schönen Sonntag noch!
    Herzliche Grüße
    Alexandra

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  4. Eno Silla schreibt:

    Will ich das Leben einfach fließen lassen
    Wird es mir nicht gelingen
    Es fließt bereits
    Will ich das Leben ändern
    Wird es mir nicht gelingen
    Es ändert sich unentwegt
    Alles Greifen lässt mich mit leeren Händen zurück
    Alles Festhalten verstärkt nur die Spannungen
    Das habe ich wieder und wieder erfahren

    Handeln oder Nicht-Handeln
    Sich dem Leben überlassen oder nicht überlassen
    Müde vom Spiel der Gegensätze
    Den Blick abwendend von Bedeutung und Nicht-Bedeutung
    In die Lücken lauschend zwischen den Vorstellungen und Konzepten
    Eintauchend durch die Zwischenräume der Worte
    Labend an der Stille einfachen
    Soseins

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  5. fredoo schreibt:

    leben eben … bedarf es der worte ? … bedarf es keiner worte ? … je nach dem … und wenn halt nicht dann halt nicht … oder ganz anders …

    was für ein tanz … der haltungen …
    geniesse ich den tanz … lächelt es … im leben eben …

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  6. Eno Silla schreibt:

    Es gibt schwarze Löcher, habe ich gestern entdeckt.
    Hier der Beweis:

    Vorsicht! Starke Sogwirkung!!

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    • Brigitte schreibt:

      „Das Loch ist ein metaphorischer Archetyp für potenziellen Inhalt und existiert überhaupt nur in Form von Rahmenkoordinaten, die das symbolische Denken produziert. Um diesen schnöden Schein der Ersatzhandlungen und Pseudo-Erinnerungen zu überwinden, muß ein präsentisches Dänken die kulturelle Konditionierung auf Abwesenheit sabotieren, indem es soziale KONTAKTE STATT KONZEPTE wünscht. So wird das sogenannte Loch die direkte Verbindung zwischen allen Punkten (Kreisen unendlicher Nichtausdehnung: „Zeitigungen“). / Das Lachhafte am Loch ist das Lochhafte; denn das echte Loch ist zu allen Richtungen offen (nicht nur von zwei Seiten wie das flächige)… die ungerahmte Wirklichkeit! In keinem Konzept zu wohnen, mit keinem System zu liebäugeln, ermöglicht erst die PROVISORISCHE PERFEKTION DER PRÄSENZ (PPP) als transzentrische Intensitätsspirale durch Überlistung psychotischer Dualismen wie Innen & Außen.“

      Tom de Toys, 21.5.1992 – 9.6.1993
      LOCHiSMUß – Fragmente aus den Tagebuchnotizen
      „Geheimes Wartungsbuch Für Eine Welt Ohne Größenwahn“

      http://poemie.jimdo.com/performances/loch-rituale/

      Ich hab den Tom vor Jahren mal im Netz entdeckt und bin durch seine sprachlichen Kreationen der metaphysischen Undurchschaubarkeiten gewandert. Mich hat das fasziniert. Noch dazu hat es Spaß gemacht. Am Ende steht man mit leeren Händen da und ist überrascht über die Substanzlosigkeit des schönen Scheins.

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      • Brigitte schreibt:

        … und ich mag sein Gesicht🙂

        Meine Begeisterung nimmt schon wieder überdimensionale Züge an. Dehalb hör ich jetzt lieber auf, de Toys hier zu verkosten, sonst krieg ich vom Nitya noch was auf’n Dez;-)

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      • Brigitte schreibt:

        Noch ein Letztes: eben gesehen auf Tom’s Seite. Mir gefällt’s. So, jetzt bin ich auch schon wieder weg.

        „Je größer der Wissenschaftler ist, je tiefer ist er von seiner Unkenntnis der Wirklichkeit beeindruckt und desto mehr erkennt er, daß seine Gesetze und Bezeichnungen, seine Beschreibungen und Erklärungen nur Erzeugnisse seines eigenen Geistes sind. Sie helfen ihm zwar, sich die Welt für seine eigenen Zwecke zurechtzuzimmern, nicht aber sie zu verstehen und zu erklären. Je mehr er das Weltall bis in unendliche Einzelheiten analysiert, je mehr findet er einzuordnen, und je mehr entdeckt er die Relativität jeder Einordnung. Das was er nicht weiß, scheint in geometrischer Progression zu dem, was er weiß, zu steigen. Stetig nähert er sich dem Punkt, wo das Unbekannte nicht nur eine Lücke in einem Gewebe von Worten ist, sondern ein Fenster im Denken, ein Fenster, dessen Name nicht Unwissenheit sondern Staunen ist. Der ängstliche Geist schließt dieses Fenster mit einem Knall und beschäftigt sich weder in Gedanken noch in Worten mit dem, was er nicht weiß, um umso mehr über das, was er zu wissen glaubt, zu schwatzen. Er füllt die unbekannten Lücken mit bloßer Wiederholung dessen, was bereits erforscht ist, aus. Der aufgeschlossene Geist jedoch weiß, daß auch die genauest erforschten Gebiete überhaupt nicht wirklich bekannt, sondern nur Tausende von Malen bezeichnet und ausgemessen sind. Und das erregende Geheimnis, das ’was’ es ist, das wir bezeichnen und messen, muß uns schließlich ’um den Verstand bringen’, bis das Denken nicht mehr im Kreise geht und eigene Wege verfolgt, sondern gewahr wird, daß in diesem Augenblick zu s e i n das wahre Wunder ist.“
        Alan W. Watts, in: WEISHEIT DES UNGESICHERTEN LEBENS
        (THE WISDOM OF INSECURITY), 1951

        http://poemie.jimdo.com/neuropoesie/pdf-das-grosse-staunen/

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      • Eno Silla schreibt:

        Danke, liebe Brigitte, eine sehr schöne Seite mit vielen Schätzen zum Stöbern!

        Grad gefunden:

          Glaube

          alles
          voll sowohl wie leer
          ist sowieso
          gelebt
          viel mehr
          Tom de Toys

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