Liä Dsi: Das ist der Welt Lauf


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Yang Dschu sprach: Wenn Gutes von uns ausgeht, so werden uns die Früchte davon zuteil. Wenn Groll von uns ausgeht, so kommt der Schaden herbei. Was wir äußern, findet seine Vergeltung von draußen her. Das ist der Welt Lauf. Darum ist der Weise vorsichtig in dem, was er von sich gibt.

aus: Liä Dsi, „Das wahre Buch vom Quellenden Urgrund“

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Klingt ein bisschen wie aus einem Ratgeber-Buch von Dale Carnegie: „Mach dies, dann wirst du zu deinem gewünschten Ergebnis kommen.“ Klingt ein bisschen wie „Wer Weizen sät, darf nicht hoffen, Reis ernten zu können.“ Es geht also um das Wie, mit dem ein bestimmtes Etwas erreicht werden kann. Es geht um eine Methode.

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Yang Dschu sagt, dass du die Früchte dessen erntest, was von dir ausgeht. Er spricht nicht von den Früchten deines Tuns, sondern von den Früchten deines Seins. Das Tun „könnten wir“ manipulieren im Sinn von Dale Carnegie, mit unserem Sein ist das nicht möglich. Alles, was von uns ausgeht, findet sein Echo im Außen. Vergelten klingt vermutlich in den meisten Ohren eher nach Bestrafung, so ist es aber sicher nicht gemeint. Im „Vergelt’s Gott!“ oder im „Gleiches mit Gleichem vergelten“ können wir leicht nachvollziehen, wie das hier gemeint ist. Das ist jetzt keine Aufforderung, das Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ zu verwirklichen, sondern eine Beschreibung dessen, was in aller Regel stattfindet. Der Spruch „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“ zeigt schön, wie unpersönlich das zu verstehen ist. Man könnte auch die Formel bemühen „Aktion gleich Reaktion“, was darauf hinweisen könnte, dass beides eigentlich gar nicht zu trennen ist, dass es sich im Grunde um einen einzigen Vorgang handelt.

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Die alten Taoisten hatten es nicht so damit, dass sie dauernd darauf hinwiesen, dass da niemand ist, der beispielsweise vorsichtig sein könnte in dem, was er von sich gibt. Lao-tse schreibt im Tao Te King: „‚Nichtsein‘ nenne ich den Anfang von Himmel und Erde. ‚Sein‘ nenne ich die Mutter der Einzelwesen. Darum führt die Richtung auf das Nichtsein zum Schauen des wunderbaren Wesens, die Richtung auf das Sein zum Schauen der räumlichen Begrenztheiten. Beides ist eins dem Ursprung nach und nur verschieden durch den Namen.“ Der Weise, von dem Yang Dschu hier spricht, hat beide Richtungen im Blick, deshalb ist er vorsichtig in dem, was von ihm ausgeht; in dem Wissen um die inneren Gesetzmäßigkeiten ist ihm bewusst, dass es nicht in seiner Hand liegt, was geschieht und was sich daraus entwickeln wird. So war sein Tun ein Nicht-Tun, das sich ganz spontan aus ihm heraus entfaltete, und kein wie auch immer geartetes manipulatives Handeln.

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6 Antworten zu Liä Dsi: Das ist der Welt Lauf

  1. Elwood schreibt:

    Aus meinem Gebrabbel schallt es ständig Wünsche. Schließlich hab ich als Geschenk der Natur jene Trennung bekommen, die mir meinen Traum beschert und diesen zu manipulieren kann ich nicht mal in meinem manipulierenden Handeln. Steck ja schließlich mitten drin.
    Aber je älter ich werde, um so öfters bemerke ich, dass meine Wünsche – die sich realisiert haben, auch immer eine andere Seite der Medaille mitgebracht haben. Das war schon manchmal extrem bitter.
    Und immer öfters ertappe ich mich dabei, dass es in meinen Gedanken ähnlich rumspukt wie in der der chinesischen Geschichte mit dem Bauern und seinem geschenkten Gaul:
    „Wer weiß?“

    http://www.institut-berlin.de/fileadmin/user_upload/institut-berlin/Downloads/Allerlei/Der_chinesische_Bauer_-_eine_alte_Geschichte.pdf

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  2. ananda75 schreibt:

    und der Mann hat sogar die Gitas in seinem Blog – das is ja Waaaaaaaahnsinn – das ich das noch erleben durfte😆

    ich mag deinen Blog und will dir dann mal folgen🙂 – aber ich warne dich vor – meine Blog-Freunde kennen das gegebenenfalls schon – ich les nie lange Texte, viele Wörter, hab jahrzehntelang gelesen😉 – jetzt flieg ich immer nur quer so drüber und schmeiß ab und an meinen unqualifizierten Senf rein😉

    Alles Liebe von Ananda❤

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    • Nitya schreibt:

      Ganz schön lange Texte in den Gitas. Da haste genug zum Drüberfliegen.

      Aber wenn wir schon bei den Warnungen sind: „Da ich diesen Blog hier ausschließlich zu meinem Privatvergnügen betreibe, habe ich mich entschlossen, meinen guten Vorsätzen untreu zu werden und es wie Konstantin Wecker zu halten: “Kommentare mit Sinn und Verstand – auch wenn sie gegen mich sind – gerne. Hirnloses Gedankengefurze wird eliminiert.” Mal gucken, wie dein Senf schmeckt.

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