Buddha: „Was Genügsamkeit mit sich bringt“


BBuddha sagte zu der Schar der versammelten Mönche: Wenn ihr euch von den Leiden des menschlichen Daseins befreien wollt, Mönche, so müsst ihr wissen, was Genügsamkeit mit sich bringt. Denn ihr sollt wissen, dass Genügsamkeit Reichtum, Freude, Sicherheit und Geborgenheit bedeutet. Wer sich in Genügsamkeit genügt, findet Frieden, selbst wenn er auf der nackten Erde schlafen muss. Der Ungenügsame hingegen wird selbst im Paradies noch über Unbequemlichkeiten klagen. Mag er auch noch so reich sein, er bleibt doch immer arm. Der Genügsame aber ist trotz seiner Armut reich. Ja, er kann den Ungenügsamen nur bedauern, denn dieser wird in einem fort von Wünschen und Leidenschaften gegängelt und gequält.

aus: Ernst Schwarz, „Die Glocke schallt, die Glocke schweigt“

ASchlafe auf der nackten Erde und du wirst von den Leiden des menschlichen Daseins befreit sein! Pustekuchen. Möglicherweise wird dir am Morgen jeder Knochen wehtun und du wirst dich fragen, ob du da vielleicht irgendwas missverstanden hast oder ob dieser Buddha noch ganz bei Trost war. Das kann’s doch irgendwie nicht sein, dass ich erst so ein verrückter Asket sein muss, um das Leiden menschlichen Daseins hinter mir lassen zu können. Vielleicht noch fasten und nackt rumlaufen und als nächste Stufe sich geißeln? Na ja, jedem Tierchen, sein Pläsierchen – meins ist das alles nicht.

Ich würde mal sagen, dass das alles ein totales Missverständnis wäre. Vielleicht, mag jemand denken, sagt der, also ich, das bloß, weil er so ein verweichlichlichtes, luxusliebendes, faules Aas ist. Da mag ja was dran sein, aber das hätte ggf. nicht das Geringste damit zu tun, dass ich behaupte, dass Buddha mit seinem Hinweis etwas völlig anderes gemeint hat.

Das Leiden des menschlichen Daseins besteht darin, dass ich mich von dem, was gerade erscheint, getrennt betrachte. Hier bin ich und da sind einfach die verdammten Umstände. Würde ich das nicht tun, wäre ich einfach das, was gerade erscheint. Da bläst es den jungen Seeadlern ihren Horst weg, obwohl sie  doch noch gar nicht flügge sind. Und was machen sie? Beklagen sie das Leiden adlerischen Daseins? Wenn ich das richtig sehe, machen sie einfach das für sie Beste aus der Situation. Wenn sie flügge geworden sind, werden sie ohne viel Aufhebens davonfliegen.

AdlerEs geht nicht um Verhaltensänderung. Das würde ja doch nur wieder die Illusion bestärken, ein getrenntes Wesen zu sein, das sein Schicksal selbst gestalten könnte. Das würde vermutlich nur die Wunsch- und Zeiterzeugungsmaschine auf Touren bringen und damit Enttäuschung auf Enttäuschung produzieren und das möglicherweise, ohne dass sich eine wirkliche Ent-Täuschung ereignen würde. Es geht im Grunde um überhaupt nichts, nicht einmal um die wahre Enttäuschung oder das wirkliche Erkennen.

Ich esse gerne eine bestimmte Kirschmarmelade zum Frühstück. Eines Tages war sie nicht mehr zu haben. Ich suchte mir eine andere Kirschmarmelade. Nein, sie schmeckte mir nicht so gut, aber eine besser schmeckende war nicht aufzutreiben. Und so ist das nun mal: Entweder geschieht Festhalten an meiner Lieblingsmarmelade und permanente Enttäuschung oder es geschieht Ent-Täuschung in dem Sinn, dass das angenommen wird, was ist: Eben noch war sie da, jetzt ist sie nicht mehr da. Letztere Version kann man, wenn man will, auch Genügsamkeit nennen, auch wenn dieses Wort leider immer wieder asketische Assoziationen hervorzurufen scheint. Ihr kennt diese kleine Zen-Geschichte, in der die Schüler ihren Meister fragen: „Meister, es ist so heiß. Was können wir machen?“ Und sie kriegen zur Anwort: „Im Sommer schwitzen wir, im Winter frieren wir. Geht dahin, wo es weder heiß noch kalt ist.“ Der Ort, an dem es weder heiß noch kalt ist, ist der Ort der Annahme dessen, was ist. Das ist so simpel, dass man für diese schlichte Erkenntnis nicht einmal nach Indien pilgern muss. Das wusste sogar mein Vater selig, wenn er missmutig vor sich hin murmelte: „Man muss das Läben äben nähmen, wie das Läben äben ist.“ Oder man kann es zu hören kriegen etwa in der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauß jr.: Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.

 

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12 Antworten zu Buddha: „Was Genügsamkeit mit sich bringt“

  1. Nitya schreibt:

    Sagt mal – falls ihr Windows 10 auf dem Rechner habt: Heute früh waren alle meine Einstellungen verschwunden. Ist euch so was auch schon passiert? Ich verfalle gleich in Raserei!

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    • Elwood schreibt:

      Der Computer ist für mich jeden Tag eine Genügsamkeitsprüfung.
      Dieses Problem hatte ich allerdings noch nicht bei W10.
      Aber das Zwangs-update macht manchmal einige Programme unbrauchbar und dieses Ubgrade von W7 auf W10 hat den Rechner zur Schlafmütze gemacht, mußte alles neu installieren.
      Vieleicht hast Du Probleme mit dein Benutzerkonto, vieleicht kann das Laufwerk nicht gefunden werden.

      Die Abhängigkeit von diesen Kisten wird uns nochmal in die Steinzeit zurückbeamen!

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    • Eno Silla schreibt:

      Welche Einstellungen sind denn verschwunden? Windows 10 muss konfiguriert werden, es bringt soviel Müll mit, den zumindest ich nicht brauche. Außerdem würde ich immer die Spionagefunktionen, soweit sie bekannt sind, deaktivieren. Hierfür ist dieses Tool hervorragend geeignet:
      https://www.oo-software.com/de/shutup10
      Wenn du etwas detailiertere Unterstützung brauchst, kannst du mich gerne anrufen und ich schau mir deinen Rechner mal mit Hilfe von Teamviewer an.

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  2. Georg Alois schreibt:

    Diese „Raserei“ kenne ich! Aber es war eine Windows Version davor. Demütig bin ich dann mit meinem Schleptop zum Computerspezialisten gedackelt. Jetzt habe ich auch Windows 10 und noch ist alles okay. Ich erschrecke mich dann immer vor mir selber, welche Gewaltphantasien bei mir auftauchen, wenn ich so einen Verursacher von diesen Compterviren in die Hände kriegte.

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  3. fredoo schreibt:

    meine alte Kiste funktionierte noch (bestens) mit XP … und unsere gesammten Formulare , Listen , und Statistiken haben wir in diesem herrlich simplen Works geschrieben … und nicht jedesmal einen neuen Einführungskurs bei Words gebucht , nur um einen Brief ohne diesen ganzen Mumpitz von Layout und und zu schreiben ….
    Dann musste eine neue Kiste her , da das Finanzamt XP ab 2016 verweigerte.
    Alles wurde mühsam transportiert … und die Probleme begleiten uns seitdem , fressen Zeit und Nerven …
    Mitlerweile bin ich , der gelassene Herr fredoo , sichtlich „kochend“ geworden , warum es nicht möglich sein sollte mit Words ohne Spezialausbildung einen simplen Brief zu schreiben …
    Doch immer dann , wenns kocht , zeigt sich die Lösung …
    neuer Bildschirm 80 Euro , neuer Drucker 75 Euro , alter PC mit alten Worksdateien … und alles ist pikobello … wie sagte schon Papafredoo „doof darf man sein , man muss sich nur zu helfen wissen“ 😀

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  4. Eno Silla schreibt:

    „Man muss das Läben äben nähmen, wie das Läben äben ist.“
    Ist ein solcher Satz, mit Überzeugung ausgesprochen, nicht eine Folge des Versuchs, es eben nicht zu nehmen wie es ist (meist eine gängige Praxis in jungen Lebensjahren), es anders haben zu wollen, und bei diesem Versuch wieder und wieder mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, die wir selbst aufstellen, dadurch, dass wir es anders haben wollen? Und führt nicht der so entstehende Schmerz dazu, dass wir uns plötzlich als genügsame Menschen, meist in höherem Alter, wiederfinden (vorausgesetzt, ein Rest Lernfähigkeit ist uns erhalten geblieben), die erkennen, dass das Leben auch so wie es ist einiges zu bieten hat und wir uns da überhaupt nicht einmischen müssen und das auch überhaupt nicht können? Genügsam ist doch nur der Genügsame, und ich behaupte er/sie/es ist es anstrengungslos.

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    • Nitya schreibt:

      Also mein Vater war 53 Jahre älter als ich, da kannst du dir vorstellen, lieber Eno, dass er höheren Alters war, als er den zitierten Satz von sich gab. Und nein, der Satz war durchaus pessimistisch gemeint und war nicht Ausdruck von alterweiser Genügsamkeit, sondern von purer Resignation.

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  5. Nitya schreibt:

    Lieber Elwood, lieber Eno: Hätte ich nur rechtzeitig auf meinen Lieblingsblog geguckt und eure Ratschläge gelesen. Ja, es stimmt: „Vieleicht hast Du Probleme mit dein Benutzerkonto, vieleicht kann das Laufwerk nicht gefunden werden.“ Das war es genau. War mir völlig neu, dass es so was gibt. Mit Technik hab ich’s einfach nicht so. Und einfach den Teamviewer anwerfen und Eno machen lassen, da hätte ich mir viele Stunden schenken können,in denen ich mit meinem Schicksal gehadert habe. Bei den Windows-Leuten muss ich mich wohl entschuldigen. Ich hab sie zu Unrecht schlimmer Schandtaten verdächtigt, dabei war ich bloß mal wieder zu – na ich sag’s mal ganz nett – zu unwissend (oder zu blöd, wenn euch das lieber ist).
    Ganz herzlichen Dank für eure Hilfsangebote!

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