Werner Ablass: Vergiss, tu so, erinnere dich, …

 

WWenn du mit einem funktionierenden Phasenprüfer entdeckst, dass eine Stromleitung tot ist, brauchst du diesen Vorgang nicht zu wiederholen. Das Gleiche gilt für die Überprüfung des freien Willens. Einmal klar erkannt, dass er nicht existiert, kannst du nun tun, was immer du willst. Vorausgesetzt, dass du es kannst.

Vergiss im alltäglichen Leben, dass der freie Wille nicht existiert. Tu so, als sei er real. Denn wenn du das nicht tust, wirst du dich unter Umständen wie gelähmt fühlen. Erinnere dich: „Du tust nie etwas. Daher tu, was immer sich tun lässt.

aus: Werner Ablass, „Mindcrash“
PDa ist einmal die Aussage, dass eine Überprüfung nur zu dem Ergebnis kommen kann, dass ein freier Wille nicht existiert. Die zweite Aussage beinhaltet die Aufforderung, im alltäglichen Leben zu vergessen, dass es keinen freien Willen gibt, und so zu tun, als ob es ihn doch gäbe. Das erinnert natürlich total an die Aussage des deutschen Philosophen des „Als ob“ Hans Vaihinger mit seiner Aussage: „Handle, als ob du der Handelnde wärest, mit dem Wissen, dass du nicht der Handelnde bist.“

Also: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.“ Wir haben’s kapiert und  – sind immer noch die alten Affen. Jesus forderte, nicht zu sehen und doch zu glauben. Wir sehen und glauben’s doch nicht. Werner sagt: „Wenn du mit einem funktionierenden Phasenprüfer entdeckst, dass eine Stromleitung tot ist, brauchst du diesen Vorgang nicht zu wiederholen. Das Gleiche gilt für die Überprüfung des freien Willens.“ Ich brauche die Überprüfung der Existenz des freien Willens nicht wiederholen. Einmal ist völlig genug. Sollte es wenigstens sein. Und zu allem Überfluss sagt der Werner noch: „Vergiss im alltäglichen Leben, dass der freie Wille nicht existiert. Tu so, als sei er real.“ Das tu ich doch eh schon die ganze Zeit: Ich vergesse, dass kein freier Wille existiert und halte ihn für völlig real. Und – wo hat’s mich hingebracht?
NDie Geschichte mit meinem persönlichen „Als ob“ hab ich glaub ich schon mal erzählt. Aber was soll’s! Opas sind dafür berüchtigt, dass sie ständig die ollen Kamellen wiederholen. Ich mach’s kurz: Ich war ein kleiner Junge und konnte noch nicht schwimmen. Meine Eltern erlaubten mir nicht, den Nichtschwimmer-Bereich zu verlassen. Da es sich um ein Flussbad handelte, gab es auch außerhalb des begrenzten Nichtschwimmerbereichs eine Stelle, in der ich gut stehen konnte. Ich sagte zu meinen Eltern: „Guckt mal, ich kann schon schwimmen.“ Wie ihr seht, hatte ich schon immer eine kriminelle Ader. Meine Eltern kamen und ich führte ihnen meine Schwimmkunst vor: Ich hüpfte auf einem Bein herum und vollführte mit meinen anderen drei Gliedmaßen Schwimmbewegungen. Nachdem ich so meine Eltern von meiner Schwimmkunst überzeugt hatte, durfte ich überall in, wo es mich hinzog. Einen kleinen Nebeneffekt hatte meine Täuschung allerdings: Ich lernte mit dieser Methode blitzartig schwimmen. (Ich hatte es schon immer mit dem Blitzartigen, wie man sehen kann.) Man könnte also mit Fug und Recht meine Methode bezeichnen als die Methode, mit der man unverhofft von der Lüge zur Wahrheit gelangen kann. Garantie wie immer ausgeschlossen.

Diejenigen, die mit Werners Tipp nicht klar kommen, könnten also mal versuchen, seinen Tipp umzudrehen. Statt „Vergiss im alltäglichen Leben, dass der freie Wille nicht existiert. Tu so, als sei er real.“ also „Tu so, als ob es keinen freien Willen gäbe, und vergiss, dass es keinen freien Willen gibt!“ (Paradoxe Intervention – ich erinnere an die wundervolle Geschichte mit Judith Malina und dem „Living Theatre“) Peter Orban hat mal gesagt: Es ist völlig wurscht, was du tust. Hauptsache ist, du tust es bewusst. Hoffentlich war er das, der das gesagt hat. Ich weiß es nicht mehr sicher. Aber das ist jetzt auch schon wurscht.
W„Vergiss, tu so, erinnere dich, …“ ganz schön schwierig für jemanden, der keinen freien Willen hat, eigentlich für jemanden, der weder ein jemand noch ein niemand ist. Gelle?

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30 Antworten zu Werner Ablass: Vergiss, tu so, erinnere dich, …

  1. Elwood schreibt:

    „Tu so, als ob es keinen freien Willen gäbe, und vergiss, dass es keinen freien Willen gibt!“
    in Kombination mit :“ „Tu so, als ob ich nicht und auch sonst niemand weiss, und vergiss, dass es kein eigenes und auch kein anderes Wissen gibt!“
    Denn nur so zu tun, als ob es keinen freien Willen gäbe, mit dem angeblichen Wissen was Gott will, ist das mörderische Spiel der Religionen, mit welchem der Gotteskrieger den ungläubigen Kindern den Kopf abschneidet.
    Oder glaub ich jetzt wieder zu viel zu wissen?

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Elwood,

      woher soll ich wissen, ob du glaubst, zuviel zu wissen?

      Sagt irgendein Religiot, dass er keinen freien Willen hat? Das wäre mir neu. Dann könnten sie ja nicht mehr mit der Schuld hausieren gehen. Schuldig kann ich doch nur werden, wenn ich mich für das Falsche entscheide, was einen freien Willen voraussetzen würde – oder steh ich grad mal wieder auf der Leitung?

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      • alexandra schreibt:

        Lieber Nitya, genau so ist es! Das weiß ich aus Erfahrung. Sag mal in der Kirche, dass du keinen eigenen Willen hast… Juhu, dann mischt man den Laden ganz gewaltig auf!

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      • Elwood schreibt:

        Ja dann hab ich „Dein Wille geschehe“ wohl nicht verstanden. Für mich ist es die Ausage: Ich habe keinen freihen Willen und keinen blassen Schimmer von irgendwas.
        Wenn ich jetzt aber im Konflikt über meine Unzulänglichkeit, mir von meinen Eltern, Lehrern, Priestern, Esoterikern, Zenmeistern und nicht zuletzt meinem eigenen Richter im Hirnkarton erzählen lasse, sie wüssten, was Unzulänglichkeit ist, können diese Götzen mit mir machen was SIE WOLLEN.
        Wenn aber bemerkt wird, dass kein Götze in mir und außerhalb überhaupt wissen kann, dann löst sich die Relgion mit allen Götzen von allein auf.
        Du hast natürlich recht, die Relidioten sagen nicht damit, es gibt keinen Willen, sondern „Du musst den richtigen Willen haben!“
        Ida kommt halt mal was durchanner….
        bin halt so gewachsen…
        kommt nicht wieder vor…..
        Man, nun steh doch mal zu deinem Mist…
        Der Meister hat doch auch keinen blassen Schimmer..
        ja,ja, diese Götzen..

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  2. fredoo schreibt:

    Die Religioten ( feines Vokabulum ) haben ihr eigenes „DEIN Wille geschehe“ nicht verstanden .
    Denn es hätte mit einem „stets“ formuliert werden müssen .
    Was wiederum auch mit „nur DEIN Wille geschieht im Geschehen“ formuliert werden kann .
    Was natürlich jede eventuelle Schuld dem mit „DEIN“ gemeinten zuschieben würde.

    Stattdessen wird ein Wille des Individuums gesehen , der sich dem ( eigentlich impotenten ) Willen der Allmächtigkeit anzupassen hat … Seltsam das … aber höchst profitabel …

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  3. fredoo schreibt:

    eines muss ich dem Werner aber doch noch „hinzufügen“ ….
    (ich hab jedoch sein Buch nicht gelesen , hab es auch nicht vor , und mich stattdessen mit ihm per FB über Machbarkeiten eines „Mindcrashs“ gefetzt …😀 )

    Der Prozess des Erkennens wird mir in seinen „anweisenden“ Formulierungen recht irritierend angedeutet .
    Es erscheint mir immer noch eine Art „handelnde Instanz“ angedeutet zu werden …

    Ich hingegen sehe eher einen Prozess der Zu-Mutung …
    eher ein entgegen jedes „eigenen Willens“ aufgesaugt werdens in Unmittelbarkeit , die das zuvor vermutete „selber Erkennen“ schlicht zum Absurdum werden lässt …

    aber ich bin ja auch … den Göttern sei es gedankt … kein „spiritueller Lehrer“ , der mit seinen Be-Lehrereien seine Brötchen verdienen muss …
    und so ein reiner Verkünder dürfte da selten gebucht werden …😀

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    • Nitya schreibt:

      „ein entgegen jedes ‚eigenen Willens‘ aufgesaugt Werdens in Unmittelbarkeit“

      Was könnte es denn auch sonst sein? Ich stimmer dir völlig zu, werter Herr Fredo. Und ja, was für ein Glück, damit nicht seine Brötchen zu verdienen.

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  4. Eno Silla schreibt:

    Also ich prüfe eine Stromleitung immer mehrfach, wenn ich schon mal an elektrischen Leitungen hantiere. Ich bleibe da immer mistrauisch, denn ich weiß aus Erfahrung, dass es seltsame Phänomene gibt und die Sinne spielen mir manchmal Streiche… Aber irgendwann hantiere ich an der Leitung ganz unbekümmert, vor allem, wenn ich zusätzlich noch die Sicherung gedrückt habe. Das alles entsteht so mit der Erfahrung, die ein Mensch so durchmacht im Laufe eines langen Lebens. Ich muss auch immer wieder diese Geschichte mit dem freien Willen und dem nicht freien Willen überprüfen. Ich weiß nämlich überhaupt nicht, was das eigentlich sein soll: freier Wille, oder nicht freier Wille. Ich muss also erst solche Gedanken und Vorstellungen und Konzepte in mir bewegen, vorher ist da überhaupt keine Idee von einem freien Willen bzw. nicht freiem Willen. Und es ist nicht das geringste Bedürfnis mich mit derartigem zu befassen (naja, spielerisch, wie gerade, schon). Alles geschieht einfach. Und der Gedankenapparat setzt immer erst später ein, er ist ein Wiederkäuer. Also ist das alles höchst zweifelhaft und ich trinke meinen Tee, der schmeckt mir – jetzt gerade – sehr gut. Und freier Wille oder nicht freier Wille kann mich mal.

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    • Nitya schreibt:

      „Und der Gedankenapparat setzt immer erst später ein, er ist ein Wiederkäuer.“

      Leider, lieber Eno, wenn er doch bisweilen dem Geschehen vorauseilen würde! Ich bringe es nämlich fertig völlig gedankenleer ein ganz und gar nicht totes Stromkabel mit der Schere durchzuschneiden.

      Dann – plötzliches Erwachen!

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      • Eno Silla schreibt:

        sozusagen ein heilsamer schock!

        da hast du aber glück, dass überhaupt noch was einsetzt, nach einer solchen aktion!
        äh, obwohl, glück oder nicht glück, auch wieder etwas, worüber ich nicht wirklich was weiß!

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      • Nitya schreibt:

        Lieber Eno,

        das war schon der x. Elektroschock für mich. Irgendwie hat’s mir bisher nie geschadet. Aber vielleicht haben die Elektroschocks mein Gehirn derart geschädigt, dass ich’s nicht mehr mitkriege. Selig sind die Elektrogeschockten!

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      • Eno Silla schreibt:

        „Selig sind die Elektrogeschockten!“

        Ah, jetzt verstehe ich, warum die Psychiatrien voll davon sind!

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      • Nitya schreibt:

        Also Eno, nix wie hinnnn….

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      • Eno Silla schreibt:

        Ach nee, du meinst doch, es reicht, wenn ich die Finger in die Steckdose stecke!
        Aber warum, ich bin doch schon selig, mit oder ohne Elektroschocks🙂 !

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      • alexandra schreibt:

        Ach so geht das! Strom scheint manche zum erwachen zu bring e. Oder zumindest zu veränderten Erkenntnissen. Siehe Luther und sein Blitz. Naja, das ist jetzt natürlich nicht ernst gemeint…

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      • Elwood schreibt:

        Und ich dachte Luther hatte seine Erleuchtung auf den Klo bekommen, na so kann man sich täuschen…

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  5. fredoo schreibt:

    weils gerade passt …
    der Herr Werner Ablass schreibt in FB von einer „Befreiung aus der Diktatur des Verstandes“ … die er wohl in Aussicht stellt …
    hmmm …
    was diktiert da ? und vor allem wen ?
    und , was kann da , wen von was befreien ?

    hmmm …
    immer diese subversiven Fragen , die da dem Herrn fredoo erscheinen …

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    • Eno Silla schreibt:

      alles ein gutes geschäftsmodell, lieber fredoo, warum auch nicht, wir haben da alle so unsere gewollten undodersowohlalsauch nicht gewollten strategien!

      ps: ich finde w. a. zumindest sehr unterhaltsam, wie auch k. r.. das ist es mir schon wert, gelegentlich ein paar euronen in etwas geschriebenes dieser herren zu investieren!

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      • Eno Silla schreibt:

        kann es eigentlich etwas anderes als unterhaltung oder nicht-unterhaltung geben, denn das gegenteil denkt sich ja sofort immer mit? und ist nicht jede unterhaltung, die mit einem wahrheitsanspruch daherkommt, auch und vor allem eine untenhaltung? etwas, das mir erst ein problem einredet/erklärt, das ich vorher noch nicht hatte, das ich dann aber bewältigen kann? da kommen so fragen auf, dabei steht noch ein lecker tee neben mir!

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      • Nitya schreibt:

        Ein Stomschlag ist auch nur Unterhaltung!

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      • Eno Silla schreibt:

        …und sogar eine ziemlich energie geladene!

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      • fredoo schreibt:

        also ich mag den herrn werner ja auch … obwohl er mir manchmal wie ein von eigenem wissen berauschter hyperaktiver jüngling erscheint in seinen formulierungen … die eher abgeklärten , bis massiv frustrierend ent-täuschenden formulierungen des herrn karl aus dem benachbarten weserbergland entsprechen da eher dem „meinen“ … womöglich ja ne landschaftliche verbundenheit …😀

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      • Eno Silla schreibt:

        ja, so sind da vorlieben und abneigungen.
        der alte quatschkopf karl ist mir auch der nächste,
        aber viele haben lichte momente!
        so ist es eben:
        handlungen geschehen, aber da ist kein handelnder…
        nur so zur untenhaltung.
        alles unsinn!

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    • Nitya schreibt:

      „immer diese subversiven Fragen , die da dem Herrn fredoo erscheinen …“

      Ohne subversive Fragen wär das Leben ganz schön fad.

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  6. Gabi schreibt:

    Die Schwimmgeschichte kenne ich. Wollte angeben, mit 7 einer 10 jährigen gegenüber, dass ich selbstredend schwimmen kann. Wir im Schwimmbad über den Zaun geklettert, ich Kopfsprung vom Einer ins Wasser und mit Mühe an den Beckenrand gepaddelt. Hurra, es hat geklappt! Nur die Wiederholung des Schwimmlerntricks mit einer anderen 7 jährigen ist ziemlich gescheitert. Au weia. Die wollte halt nicht angeben wie ich, sondern konnte sich nicht meines Motivationscoachings erwehren..

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  7. Brigitte schreibt:

    Jungs, Ihr habt’s wirklich drauf. Ich häng an jedem Wort von euch. Sensationell wie ihr als Nicht-Bescheidwisser die Bescheidwisser aufs Korn nehmt und ihnen zeigt, wo’s lang geht. Man(n) gönnt sich ja sonst nichts. Selbstverständlich immer mit einem Augenzwinkern. Nichts geht über Humor und Unsinn macht einfach Spaß. Hauptsache mitmischen beim ko(s)mischen Spiel der Superlative. Ihr seid ein würdiges Gespann der Ahnungslosen. Zum Niederknien. Gurdjieff wäre sicher stolz auf euch gewesen. Ach, was red ich. Ihr seid einfach die Besten!

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