Huang-po: Wie viele Arten Geist hast du?

FF: Nach allem, was ihr eben gesagt habt, ist der Geist Buddha; aber es ist nicht klar, welcher Geist gemeint ist mit diesem „Geist“, der Buddha ist“.

A: Wie viele Arten Geist hast du?

F: Aber ist Buddha der gewöhnliche Geist oder der erleuchtete Geist?

A: Wo in aller Welt bewahrst du deinen „gewöhnlichen“ und deinen „erleuchteten Geist“ auf?

F: In der „Lehre der Drei Fahrzeuge“ heißt es, dass es beide gibt. Warum leugnet Ihr dies, ehrwürdiger Meister?

A: In der „Lehre der Drei Fahrzeuge“ wird deutlich erklärt, dass der gewöhnliche wie der erleuchtete Geist Täuschung sind. Du verstehst dies nicht. Alles Anhaften an Gedanken von der Existenz der Dinge ist ein Verwechseln des Nichtvorhandenen mit der Wahrheit. Wie sollten solche Begriffe nicht Täuschung sein? Da sie dies sind, verbergen sie dir den Geist. Würdest du dich nur von Begriffen wie „gewöhnlich“ und „erleuchtet“ frei machen, dann würdest du sehen, dass es keinen anderen Buddha als jenen in deinem eigenen Geist gibt. Als Bodhidharma aus dem Westen kann, wies er nur darauf hin, dass die Substanz, aus der die Menschen gebildet sind, Buddha ist. Du aber missverstehst dies noch immer.

aus: Huang-po, „Der Geist des Ch’an“

Das „Gespräch“ geht noch eine ganze Weile so weiter. Als ich es las, rutschte ich schon ganz nervös mit meinem Hintern hin und her auf dem Stuhl. Es war von vornherein klar, dass das immer so weiter gehen würde. Der angebliche Suchende war in Wirklichkeit ein Besserwisser, der diesem aufgeblasenen „ehrwürdigen Meister“ zeigen wollte, dass er wusste, und sein Gegenüber nur ein kleines Kirchenlicht war. Er hatte die „Lehre der Drei Fahrzeuge“ in der Tasche und wusste Bescheid, während Huang-po keine Ahnung hatte. „Warum leugnet Ihr dies, ehrwürdiger Meister?“ Hier verhört ein Wissender einen Unwissenden, der sich die Rolle des Wissenden anmaßt. Sollte niemand glauben, das gäbe es nur zwischen Meister und Schüler:

F: „Entschuldigen Sie, wieviel Uhr ist es bitte?“
A: „Es ist auf meiner Uhr Fünf vor Drei.“
F: „Sind Sie auch sicher? Ich darf nämlich meinen Zug nicht verpassen.“
A: „Sicher ist nur der Tod.“
F: „Ist das überhaupt eine Markenuhr, die sie da haben?“
A: „Sie können mich mal …!“
BIn seinem sehr empfehlenswerten Buch „Spiele der Erwachsenen“ hat der Transaktionsanalytiker Eric Berne diese Spielchen wunderbar beschrieben. Suchende bzw. Fragende (und die meisten Befragten) spielen fast in aller Regel mit Begeisterung diese Spielchen. Im Grunde könnte der Befragte, wenn er sich dessen bewusst wäre, sich gleich so verhalten:

F: „Entschuldigen Sie, wieviel Uhr ist es bitte?“
A: „Sie können mich mal …!“

F: „Meister, wie erlange ich Erleuchtung?“
A: „Du kannst mich mal …!“

Das würde sehr viel Zeit und Kraft sparen. Huang-po war da offensichtlich sehr viel gesitteter als mein fiktiver Befragter. Nicht nur Psychiater, auch Meister müssen zwangsläufig Spielverderber sein. Denn diese Spielchen führen allesamt nur nach Absurdistan. Eigentlich geht’s die ganze Zeit nur darum, dem anderen zu zeigen, dass er ein doofes Arschloch ist. Dann muss man sich selbst wenigstens nicht mehr ganz so erbärmlich fühlen. Aber wer ist schon „man selbst?“

Z

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9 Antworten zu Huang-po: Wie viele Arten Geist hast du?

  1. Brigitte schreibt:

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  2. Swami Prem Punito schreibt:

    Schüler : “ Meister , was geschieht nachdem ich in die Verwandlung gehe ? “
    Meister : “ Woher soll ich das denn wissen ? “
    Schüler : “ Aber Sie sind doch der Meister ?
    Meister : “ Aber kein toter ! “

    Lieber Nitya ,
    Meister – Schüler ,
    Schüler- Meister
    Alles EINS !
    Gate , gate Paragate ….

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  3. fredoo schreibt:

    für mich das beeindruckenste Kompositum der Menschheit .
    ( zugegeben kenn ich noch nicht alle😀 )

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  4. Nitya schreibt:

    Unbedingt hörenswert: Shakuhachi. 1 stimmig.🙂

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  5. Brigitte schreibt:

    „Was ist mein Geist? Der die Töne hört und die Farben sieht, und die Glieder meines Körpers bewegt. Der farblos ist, kein Geschlecht und keine Unterscheidungen hat. Ungeboren und todlos ist, und dennoch die unzählungen Töne und Farben wie ein Spiegel wiedergibt.“

    Bassui

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    • Eno Silla schreibt:

      voller fragen
      voller antworten
      bin ich
      der
      der ich nicht bin

      daher bin ich
      und weil ich bin
      bin ich
      nicht*

      *diese worte schreiben sich, und ich, der schreiberling – hier, habe keine ahnung was sie bedeuten. sie machen spass, fühlen sich gut an, fließen von selbst…
      draußen laute freude. wir haben gewonnen. ich schaue, höre – bin ich wir?
      nein. ich bin noch nichteinmal ich.
      verdammt, leute
      ich bin
      bin
      .

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