Johannes von Jerusalem: nach den Kriegen und Feuersbrünsten


J

Wenn das Jahrtausend, das nach dem Jahrtausend kommt, zu Ende geht
Wird es für den Menschen eine zweite Geburt geben
Der Geist wird sich der Masse der Menschen bemächtigen
Die eins sind in der Brüderlichkeit
Dann wird das Ende der Zeiten der Barbarei verkündet.

Es wird die Zeit einer neuen Stärke im Glauben sein
Nach den schwarzen Tagen am Beginn des Jahrtausends, das nach dem Jahrtausend kommt
werden die glücklichen Tage beginnen
Der Mensch wird den Weg der Menschen wiederfinden
Und die Erde wird ihre Ordnung wiederhaben.

aus: Johannes von Jerusalem, „Das Buch der Prophezeiungen

R

Jehan de Vezelay, genannt Johannes von Jerusalem, soll ein französischer Tempelritter und einer der neun Gründer des Templerordens des 12. Jahrhunderts gewesen sein. Als ehemaliger Kapitelmeister eines der zwölf deutschen Kapitel des De-Molay-Ordens in jungen Jahren – was tut man nicht alles, wenn der Tag lang ist – habe ich ja immer noch eine gewisse Affinität zum historischen Templer-Orden, der am 22. März 1312 durch den Papst für aufgelöst erklärt wurde. Zwei Jahre später wurde de Molay, der letzte Großmeister des Ordens, am 18. März 1314 auf Befehl Philipps IV. in Paris auf dem Scheiterhaufen langsam (!) verbrannt. Robert Don Canaro hat mich kürzlich freundlicherweise auf die Prophezeiungen des Johannes von Jerusalem aufmerksam gemacht.

Gestern, am Tag des Brexit, freute sich Georg Alois noch mit den Worten: „Der Raubtier-Kapitalismus des homo rapax, die Rücksichtslosigkeit der freien Märkte, die Arroganz der Politiker, hat heute einen Dämpfer erhalten. ‚Small is beautiful: Die Rückkehr zum menschlichen Maß'“. Fredo dämpfte die aufkeimenden Hoffnungen von Georg Alois ja schon gewaltig. Johannes von Jerusalem hat jedoch allen Hoffnungen mit seinen Prophezeiungen einen vernichtenden Schlag versetzt. Das, was viele ahnungsvoll in der heutigen Zeit befürchten – was immer es ist, es wird noch viel, viel schlimmer sein, was da auf uns zukommt. Ich habe nur den einen Vers aus dem erträglichen Teil der Prophezeiung zitiert, in dem eine neue Morgenröte angekündigt wird, die schon wieder zu den kühnsten Hoffnungen berechtigen könnte. Wer den ganzen Text liest, wird jedoch seinen schlimmsten Albträumen begegnen.

S

Es gab schon viele Weltuntergangspropheten. Meist riefen sie zu einer radikalen Umkehr auf, um so das Schlimmste abzuwenden nach dem Motto: „Wenn ihr jetzt ganz brav seid, wird Papa vielleicht noch einmal Gnade vor Recht ergehen lassen.“ Das werdet ihr bei diesem Johannes von Jerusalem nicht finden können. Johannes schreibt: „Der Mensch wird starrköpfig sein, denn er ist vom Stolz besessen. Er wird die Warnung nicht hören, die ihm die Erde immer wieder zuruft.“ Gewarnt wurde lange genug. Jeder, der seine Augen halbwegs aufmacht, kann sehen, dass die Menschheit den Ast absägt, auf dem sie sitzt. Die Saat ist gesät, nun geht das auf, was gesät wurde. Unabwendbar, wenn wir diesem Johannes glauben wollen. Hat er denn je wirklich existiert, werden manche fragen. Spielt denn das irgendeine Rolle? Hat Lao-tse den je nachweislich existiert? Wer den Text liest, wird sehen können, inwieweit sich die darin enthaltenen Aussagen bereits erfüllt haben.

Die ersten dreißig Verse prophezeien unseren fast vollständigen Untergang. Die letzten neun Verse sind dann eine einzige Glücksverheißung: „Wenn das Jahrtausend, das nach dem Jahrtausend kommt, zu Ende geht, wird es für den Menschen eine zweite Geburt geben“ prophezeit Johannes. Ob dies jemals so sein wird, können wir nur glauben. 2999 werden wir alle vermutlich nicht mehr erleben können.

Der Text ist erfreulich amoralisch und deshalb so gnadenlos. Er will in keiner Weise pädagogisch manipulieren. Er stellt nur fest: Ich sehe, und ich weiß, was sein wird. Ich bin der Schreiber.“ Mein Internist sagte: Bewegung oder Siechtum.“ Ich alter Sesselfurzer hörte nicht auf ihn. Jetzt fahre ich die Ernte ein. So einfach ist das. Halleluja.

T

 

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17 Antworten zu Johannes von Jerusalem: nach den Kriegen und Feuersbrünsten

  1. Georg Alois schreibt:

    Lieber Nitya, es macht einfach Spaß Deine Web-Seite zu lesen. Du weißt ja auch um was es geht:
    „Unterhaltung, nichts, als Unterhaltung.“
    Und klar, ist es ne Scheiß Unterhaltung, wenn man z.B. erfährt, dass in Deutschland schon 70 bis 80% der Insekten verschwunden sind.
    Mein „Guru“ sagten bei solchen Bemerkungen immer: „Die armen Dinosaurier….“
    Wenn man sich „spaßeshalber“ mal so die vergangenen Jahrhunderte anguckt, heidinei……. Mord und Totschlag war ihr Hobby!
    Ein römischer Dichter hat damals über die Iberische-Halbinsel geschrieben, dass diese so bewaldet war, dass ein Eichhörnchen, ohne den Boden zu berühren, von Ost nach West von Baum zu Baum springen konnte.
    Das Ganze, weniger als ein Fliegenschiss in der Geschichte des Universums.
    Und trotzdem träumt man von einer gerechten Welt……… (die dann wahrscheinlich sterbenslangweilig wäre, wie Du so schön geschrieben hast)
    Also genießen wir weiterhin all das was wir um uns herum erleben dürfen.

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  2. Swami Prem Punito schreibt:

    Lieber Nitya ,
    danke für dieses visionäre Kleinod , das du heute ins Netz gestellt hast .
    Klug und weise , war er schon , dieser Johannis – ein Kind seiner Zeit .
    Seine knallharte gesellschaftspolitische Analyse , sowie der sich daraus ergebende visionären
    Zukunftsprognose – für mich ein Handeln in Notwehr . Ein Fanal zur Umkehr , nicht mehr und nicht weniger .
    Die grausamen Zukunftsbeschreibungen dieses Mannes , waren Damals alltäglich usus , so wie auch noch heute geschieht ,
    Hier , im Moment ,erscheint mir Deutschland noch als `ne Insel der Glückseligen . Zur Zeit mal wieder ein „bissi “ dekadent , ein wenig politikerverdrossen die einen , die anderen ein wenig
    auf nationalistisch- wertekonservativ krawallmachend gebürstet . Irgendwie läuft es ja noch gut für über 52 % des Michelvolkes – irgendwie , so wie die Befürworter des Brexitergebnis in GB .
    52 %tige geballte Häme gegen jene , die es nicht wollen – das Abgekoppelt-Sein aus der EU .
    Nicht vergessen , die 30 % Nicht-Abstimmer .
    So auch in etwa in diesem , unseren Lande . Na , ja dreissig Prozent sind es ja noch nicht , die desillussioniert-abgehängt k.o. in den Seilen hängen . Aber das wird schon , noch – doch ! …
    Spätestens im nächsten Krieg , obwohl der letzte “ Große Krieg “ noch immer unter anderen Namen und anderen unlauten Mitteln unvollendet fortgesetzt wird , so wie damals .
    So , jetzt lese ich erstmal in der Schrift
    Bis denne
    Punito

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    • Nitya schreibt:

      „Ein Fanal zur Umkehr , nicht mehr und nicht weniger .“

      Lieber Punito,

      ich fürchte, genau das war es für diesen Johannes nicht. Es wird geschehen, da könnt ich euch auf den Kopf stellen und mit den Beinen „Hurra“ schreien. Es ist bereits geschehen. Es nähert sich euch mit Riesenmeilenstiefeln und ihr wollt es nicht wahrhaben. Ich denke, so wollte er es verstanden haben.

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      • Swami Prem Punito schreibt:

        Lieber Nitya ,
        auf apokalyptische Visionen reagiert der “ olle Punito “ seit , ach wat weeß ick , allergisch . Da kriegt er friemeln am Allerwertesten . Warum ? Meine Großmutter ,
        die sorbische , erkannte eines Tages das eine Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft
        der Zeugen Jehovas , das Beste und Größte für Jedermann Seelenheil sei .
        Sitze du mal als “ im vollen Saft “ stehender Teenager unter den in Ernsthaftigkeit
        bibelforschenden Oldies . Das ist so eine Sache das – mit der Apokalypse .
        Die letzte Harmageddonprohezeihung – auch wieder so `n Schuß im Ofen , neulich .
        Wenn dem so ist , das sich die Menschheit mit Stumpf und Stiel ausrotten wird , bis auf so ein paar “ Gute “ , na bitte sehr . Heute jedoch ohne mich . Und was morgen kommt ,
        so schau`n ma mal .
        Wenn nun die Briten aus der EU ausscheiden werden , in London wird es noch trotz allem die guten , alten Wettbüros geben . Sollte das Pfund noch ein bisschen mehr
        in den Devisenkeller fallen , so wär`s `ne gute Gelegenheit um nach GB zu reisen .
        Da kann der närrische Punito im Wettbüro auf den ziemlich genauenZeitpunkt des
        Big-Bam ein paar Kröten verwetten . Den Gewinn – selbstverständlich wird der närrische
        Punito an den ehrenwerten Nitya überweisen lassen . Mein Ehrenwort – ohne Badenwannenhinbarscheleien .
        Noch bin ich weder lebenssatt noch lebensmüde . Heute ist ein guter Tag –
        Blitz und Donner , Sturmgebraus am frühen morgen , abgelöst durch eine frische Brise , die friedfertig durch `s Haus wehte . Und nun – ein schöner Augenblick mit Amselruf
        und leichter Frühnachmittagsschwüle . Gleich mach ich die Tür zu – und die Welt
        kann mich mal – für ein paar Heiabubuminütchen , ganz ohne mein Zutun ihren gewöhnlichen Gesellschaftswahn fortsetzen .

        Punito *

        * mal eben aussen Hinterkopf hervorgekramt :
        Unter den Unglücklichen, die von den Zuständen des gegenwärtigen Lebens hingeopfert werden, begehen die einen Direkt-selbstmord, während die anderen es vorziehen, sich vorher an jenen zu rächen, denen sie die Schuld an ihrem Elend zuschreiben. Der Anarchismus kann solche Akte weder verhindern noch hervorrufen. Es ist nicht der Anarchismus, der das Elend und die Unterdrückung hervoruft.
        (les temps nouveax 1895)

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  3. Eno Silla schreibt:

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    • Eno Silla schreibt:

      Zu all dem Wahnsinn dieser Menschenwelt habe ich noch einen tollen Karl Renz:

      „Keine Macht über irgendetwas haben, das ist Frieden!“
      K. R.

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      • Georg Alois schreibt:

        Besser kann man es nicht sagen. Mein Freund Karlchen, der alte Labersack!, das muss der Neid ihm lassen, das ist absolut auf den Punkt gebracht, da gibt’s kein wenn und aber………..
        tja……. und die Sehnsucht nach dem „weltunabhängigen Herzensfrieden“……… wenn alle Hoffnungen begraben sind??? !

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    • Alexandra schreibt:

      Jaaaa. ich schau sie mir auch jeden Tag an!!!

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  4. Alexandra schreibt:

    Lieber Nitya,
    wie immer: ja und nein. Ja, die Zeichen stehen ganz schlecht. Es kann das passieren, was Johannes von Jerusalem uns verkündet. Und doch wissen wir gar nichts. Prophezeiungen sind immer irgendwie eingetreten oder auch nicht. (Siehe die Mayas, 2011 bzw. 2012). Es gibt immer noch Komponenten, die wirken ohne dass irgendein Mensch sie vorher berechnen oder vorhersehen kann. (Z.B. Erdbeben in Fukushima). Was wäre, wenn morgen ein ähnliches Erdbeben in der Sankt-Andreas-Spalte in Kalifornien passiert, wo auch Atomkraftwerke stehen? Ein Bürgerkrieg in Amerika wäre vielleicht auch nicht auszuschließen. Fest steht, so gut wie es uns jetzt noch in Old Germany geht, und wir damit absolut zu den Priviligiertesten der Erde gehören (Wenn auch vielleicht nicht zu den 30 Oberreichsten) das wird bald ein Ende haben. So kann es nicht weitergehen. Also doch… Tja, was kann man machen? Eigentlich gar nichts außer hier und da Kommentare lesen, schreiben, unterschreiben, protestieren oder in den Untergrund gehen… Sein Leben leben… Also, der Hund muss raus, das Fohlen hat noch keinen Namen, das Geschirr steht noch in der Küche herum. All die (un)wichtigen Kleinigkeiten des Alltags wollen erledigt werden.
    Ich denke, wenn es wirklich anfängt, brisant zu werden, werden die meisten Menschen erst mal 20% von dem, was sie heute noch für furchtbar wichtig finden, gar nicht mehr beachten. Wenn es dann noch lustiger wird, schrumpft das, was noch wichtig war auf ganz wenige Prozent zusammen. Das erlebt mein Mann ständig durch seine vielen Beerdigungen…
    Herzliche Grüße
    Alexandra

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    • Nitya schreibt:

      „Also, der Hund muss raus, das Fohlen hat noch keinen Namen, das Geschirr steht noch in der Küche herum. All die (un)wichtigen Kleinigkeiten des Alltags wollen erledigt werden.“

      Liebe Alexandra, das ist es.

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  5. Alexandra schreibt:

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  6. Brigitte schreibt:

    Das Fohlen könnte Lea heißen, vielleicht… vielleicht auch nicht…

    Mit Weltuntergangszenarien hab ich genauso wenig am Hut wie mit schönen Utopien.

    Wir sind immer mitten drin, so oder so. C’est la vie!

    Ich schmore hier in meinem eigenen Saft. Rechner aus und finito.

    Schönes Wochenende allerseits!

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  7. Alexandra schreibt:

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    • Swami Prem Punito schreibt:

      Liebe Alexandra ,
      es war sicherlich nicht von dir beabsichtigt , dem Punito auf die Sprünge zu helfen .
      Nachdem ich “ die Pyramden-Lüge “ geschaut habe , begreife ich endlich ,
      warum ein guter Freund von mir , so seltsam anmutend – zumindest für mich ;
      in jüngster Zeit durch`s Leben läuft .
      Seit Orson Welles Hörspiel “ Krieg der Welten „geistern Ausserirdische immer wieder
      mal als Götterboten oder außerirdische Agressionsbolzen verkleidet , die die Menschheit entweder vor etwas warnen oder mit deren Vernichtung bedrohen .
      Letztlich – alles nur Kopf-Kino , zumindest für mich .
      Liebe Grüße
      Punito
      P.S. Ein paar Infos 4 You : http://www.focus.de/kultur/diverses/prozesse-luegen-ueber-die-alten-aegypter-prozess-in-kairo_id_3907168.html

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      • Alexandra schreibt:

        Auf jeden Fall nur Kopfkino. Einfach eine Möglichkeit von vielen. Ich fand es einfach interessant, wieder etwas mehr, was man nicht weiß…

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  8. fredoo schreibt:

    dazu ist zu sagen … wer einmal auf dem plateau von gizeh war … und sich die gegebenheiten des unvorstellbar fruchtbaren niltags direkt vor ort betrachtet und an seine damaligen monatelangen überflutungen denkt … und dann die über-ragende topografie der wüstenränder sieht … und daran denkt dass viele menschen mit extremer geduld und ausdauer unvorstellbares leisten können … dem erscheinen diese gewaltigen pyramiden trotz ihrer monstrosität trotzdem seltsam menschlich (möglich , ja sogar wahrscheinlich) … dazu bedarf es keiner aliens … nur widmung und bereitschaft und gemeinschaftliches zielstrebiges handeln … etwas , was uns in der moderne zwar seltsam fremd erscheint , was sich aber in vielfältiger weise in früheren zeiten des homo sapiens finden lässt … ja , was diesen sapiens geradezu auszumachen scheint ….

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