Steven Harrison: Dies ist der Moment der Wandlung


HBeständig bringen wir Beschreibungen und Erklärungen hervor, nach denen wir dann zu leben versuchen. Wir wissen, dass das Leben in diesem Reich der Gedanken nicht enthalten ist und dass es sich durch Ideen und Vorstellungen nicht hinreichend beschreiben lässt. Trotzdem leben wir weiterhin in Beziehung zu diesen Beschreibungen und Erklärungen.

Wir stehen vor der Herausforderung, das Unbekannte zu beschreiben – eine nicht zu bewältigende Herausforderung. Alles, was wir darüber wissen, ist, was es nicht ist. Was es ist, darüber wissen wir nichts. Nie wird es die Möglichkeit geben, vorab etwas darüber zu wissen, wie das Unbekannte sich ausdrücken wird. Aus der Sicht des Verstandes, der die Dinge verstehen will, erscheint dies alles beängstigend und sinnlos.

Dies ist der Moment der Wandlung. Noch haben wir die Möglichkeit, in den abgesicherten Raum des Bekannten zurückzukehren. Und wir haben die Möglichkeit, den gegenwärtigen Moment hinter uns zu lassen und in das Unbekannte einzutauchen, in das, was als Nächstes kommt.

aus: Steven Harrison, „Was kommt“

SDies ist der Moment der Wandlung. Welches ist der Moment der Wandlung? Na klar, dieser Moment. Jeder Moment. Wir haben – theoretisch – immer die Wahl, in den abgesicherten Raum des Bekannten zurückzukehren oder den gegenwärtigen Moment hinter uns zu lassen und in das Unbekannte einzutauchen, in das, was als Nächstes kommt. Wie gesagt, theoretisch, und es taucht vielleicht die Frage auf, was ist es, dass die „Entscheidung“ einmal in die eine und einmal in die andere Richtung geht? Und weiter: Was ist es, dass bei den meisten Menschen die Entscheidung fast ausschließlich in die eine Richtung und bei nur einigen wenigen Menschen die Entscheidung fast ausschließlich in die andere Richtung geht?

Das hat jetzt nicht unbedingt etwas mit dem zu tun, was man „konservativ“ bzw. „progressiv“ nennt. Ein „Taoist“ scheint mir ausgesprochen konservativ zu sein, während er gleichzeitig den gegenwärtigen Moment hinter sich lässt und in das Unbekannte eintaucht, in das, was als Nächstes kommt. Ich denke da gerade an Tschuang-tses Bauern, dem ein Reisender einen Ziehbrunnen schmackhaft machen will und der dies mit der Begründung ablehnt, kein Maschinenherz bekommen zu wollen. Und ein moderner linker Gewerkschaftsführer, kann sehr progressiv in seinen Ansichten und Methoden sein, während er doch in Wahrheit ständig in den abgesicherten Raum des ihm Bekannten zurückzukehrt und den gegenwärtigen Augenblick verpasst.

Es mag sein, dass das Bewusstsein darüber fehlt, dass wir beständig Beschreibungen und Erklärungen hervorbringen, nach denen wir dann zu leben versuchen, und dass es für uns nicht wirklich klar ist, dass das Leben im Reich der Gedanken nicht enthalten ist und dass es sich durch Ideen und Vorstellungen nicht hinreichend beschreiben lässt. Und weil uns dieses Bewusstsein weitgehend fehlt, leben wir weiterhin in Beziehung zu diesen Beschreibungen und Erklärungen. Wie könnten wir da noch offen dafür sein, dass wir nicht wissen können, wie das Unbekannte sich im nächsten Augenblick ausdrücken wird.

Osho sagte einmal: „Worauf immer du auch dein gesamtes Bewusstsein zu richten vermagst – es wird sich als transformierende Kraft entpuppen. Die Transformation setzt in dem Moment ein, wo du ganz und gar bei der Sache bist – egal was es ist.“ Ja, Bewusstsein hat zweifellos eine transformierende Kraft. Welcher Art das Ergebnis diese Transformation sein wird, steht allerdings auch in den Sternen:

S

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2 Antworten zu Steven Harrison: Dies ist der Moment der Wandlung

  1. Eno Silla schreibt:

    Wenn ich am Morgen aufwache, dann bin ich überhaupt nicht scharf drauf, wieder anwesend zu sein, in diesem verwirrendschrecklichschönen Leben. Nach und nach gibt es sich aber und die Lust an der Teilnahme entsteht. Das Unbekannte ruft und alles gibt sich einfach dem Fluß des Geschehens hin…

    Heute zog es mich mal wieder in die Gegend, in der ich im letzten Jahr Fischadler bei der Jagd beobachten konnte. Es ist die Landschaft um einen Kanal herum, dem Elbe-Seiten-Kanal, kurz vor der Einmündung in die Elbe. Ich schaute aus nach den Fischadlern und bemerkte dann aufgeregte Rufe von Bussarden am nahegelegenen Rand eines Wäldchens. Die Bussarde flogen rufend auf eine große alte Schwarzpappel zu. Stiegen auf und stießen wieder hinab durch Geäst und Blätter des Baumes. Ein paar Minuten ging es so, als plötzlich ein riesiger Vogel von dem Baum sich löste, ein Stück auf mich zuflog, von den Bussarden verfolgt, die ziemlich klein neben diesem Vogel wirkten. Ich erkannte den Adler, keinen Fischadler, aber – oh Freude – einen Seeadler, hatte leider keine Zeit, mein Fernglas hervorzukramen und ihn in Ruhe zu betrachten, denn er flog tief über den Deich des Kanals auf die andere Seite. Ich sprang aufs Rad und fuhr zum nächsten Weg, der auf den Kanaldeich führte, aber leider war der Adler nirgends mehr zu sehen. Die Bussarde kreisten noch eine Weile über der Landschaft und verschwanden dann wieder in dem Wäldchen.

    Diese Raupe eines Tagpfauenauges konnte nicht so schnell davonlaufen (solch fantastische Wesen überall um uns herum):

    Dieser Storch hat auf einer frisch gemähten Wiese ein sehr großes Tier erwischt, das ich nicht erkennen konnte, aber der Storch brauchte ziemlich lange, um den Brocken herunter zu schlucken:


    Nach der Mahlzeit, fett gefüllter Kropf:

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    • Nitya schreibt:

      Meine Güte, der „sehr große Brocken“ ist ja dicker als der Hals von Meister Adebar! Wie er das nur geschafft hat?

      Lieber Eno, danke für die wunderbaren Erzählungen von Meister Eno! „Das Unbekannte ruft und alles gibt sich einfach dem Fluß des Geschehens hin…“ Möge es so auch an diesem Tage sein!

      Herzlichst
      Nitya

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