Nan-yüeh Huai-jan: es ist unmöglich, es zu verunreinigen


CNan-yüeh Huai-jan besuchte Hui-neng. Dieser fragte ihn, woher er komme. Nan-yüeh Haui-jan antwortete: „Vom Berge Sung.“ Hui-neng fuhr fort: „Was ist das, was gekommen ist?“ Nan-yüeh Huai-jang antwortete: „Könnte ich es durch irgendein Bild oder Namen definieren, wäre es nicht das, wonach Sie fragen.“ Hui-neng fragte: „Kann es durch Training erlangt werden?“ Nan-yüeh Huai-jan antwortete: „Es ist nicht unmöglich, es durch Training zu erlangen, aber es ist ganz sicher unmöglich, es zu verunreinigen.“ Hui-neng sagte:  „Eben dieses nicht zu Verunreinigende haben alle Buddhas sorgfältig behütet. Es ist dasselbe für dich und für mich.“

Salman Rushdie fällt mir ein und seine satanischen Verse. Khomeini ließ ihn mittels einer Fatwa zum Tode verurteilen, weil dieses Werk gegen den Islam, den Propheten und den Koran gerichtet sei, weil dieses Werk den Heiligen Islam verunreinigt hätte. Es wurde ein Kopfgeld von zunächst einer Million US-Dollar für die Vollstreckung des Urteils ausgesetzt. Und Bodhidharma fällt mir ein mit seinem Hinweis „Offene Weite, nichts von Heilig“, womit er sich ja noch sehr vornehm ausgedrückt hat. Linji war da schon deftiger: „So wie ich es sehe, ist Buddha nur ein Latrinegraben.“ Die Ch’an-Meister wussten, dass das Höchste unmöglich zu verunreinigen ist. Die abrahamitischen Religionen mit ihrem persönlichen Gott tun sich da schwer. Ihre persönlichen Projektionen auf ihren Gott und seine Gesandten lassen sie agieren, als ob sie es mit einem ständig beleidigten Gott à la Recep Tayyip Erdoğan zu tun hätten. Für sie dürfte eine Geschichte wie die folgende von Osho völlig außerhalb ihres Vorstellungsvermögens liegen:

SDer Zen-Meister Hakuin ist einer von den ganz seltenen Blumen. Einst kam ein Krieger zu ihm, ein Samurai, ein großer Soldat; der fragte: „Gibt es eine Hölle?.. Gibt es einen Himmel?.. und wenn es Himmel und Hölle gibt, wo sind die Tore? Von wo aus betrete ich sie?…“ Er war ein einfacher Krieger. Krieger sind immer einfach, ohne Hintergedanken, ohne Berechnung. Für sie gibt es nur zwei Dinge: Leben oder Tod. Er war nicht gekommen, um irgendeine Ideologie zu hören; er wollte wissen, wo das Tor war, um die Hölle meiden und den Himmel betreten zu können. Und Hakuin antwortete auf seine Art und Weise, die nur ein Krieger verstehen konnte. Hakuin sagte: „Wer bist Du?“ Der Krieger antwortete: „Ich bin ein Samurai.“ In Japan ist es eine sehr stolze Sache, ein Samurai zu sein. Es bedeutet, dass man ein perfekter Krieger ist, ein Mensch, der nicht einen Augenblick zögert, sein Leben zu opfern. Er sagte: „Ich bin ein Samurai, ich bin ein Anführer von Samurais. Sogar der Kaiser erweist mir Respekt.“ Hakuin lachte und sagte: „Du, ein Samurai? Du siehst aus wie ein Bettler!“… Sein Stolz war verletzt. Der Samurai vergaß, weshalb er gekommen war. Er zog sein Schwert und wollte Hakuin auf der Stelle umbringen.

Da lachte Hakuin und sagte: „Dies ist das Tor zur Hölle.

Mit diesem Schwert, dieser Wut, diesem Ego, öffnet sich hier das Tor. Dies kann ein Krieger verstehen. Der Samurai verstand unmittelbar. Er steckte das Schwert zurück in die Scheide…

und Hakuin sagte: „Hier öffnet sich das Tor zum Himmel.“

Osho

Der Samurai verstand unmittelbar. Das ist das, was man auch plötzliche Erleuchtung nennt.
E

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Nan-yüeh Huai-jan: es ist unmöglich, es zu verunreinigen

  1. alexandra schreibt:

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s