Osho: Menschen, die wahnsinnig werden, sind die besten


ODas ganze Leben ist etwas so Rätselhaftes, dass es sehr schwierig werden wird, sehr schwierig, bei Verstand zu bleiben, wenn du tiefer blicken kannst. Man bleibt nur deshalb bei Verstand, weil man nicht sehen kann: Ihr seht nur zwei Prozent des Lebens, und achtundneunzig Prozent, sagen die Psychologen, werden verschlossen, denn könntet ihr sie sehen, wäre das eine solche Flut, dass ihr sie nicht ertragen könntet – ihr würdet wahnsinnig, Amokläufer.

Heute stoßen einige wenige Psychologen, solche, die den Wahnsinn tief studiert haben wie R. D. Laing und andere, auf ganz bestimmte Fakten. Einer dieser Fakten ist, dass Menschen, die wahnsinnig werden, die besten sind, dass Menschen, die kriminell werden, die rebellischsten sind. Sie können zu großen Weisen werden und es überrascht nicht, wenn ein Valmiki zu einem Weisen wird.

[Ich mach’s kurz: Valmiki begegnet einem Erleuchteten und will ihn ausrauben. Der sagt: Okay, okay, aber geh erst nach Hause und frag deine Frau, dein Mutter, deine Kinder, ob sie bereit sind, auch die Strafe mit dir zu teilen, die du bekommen wirst, wenn man dich erwischt. Valmiki fragt seine Familienmitglieder, für die er das alles tut, aber keiner will mit ihm die Verantwortung für seine Taten mit ihm teilen. Da erkennt Valmiki, dass er völlig allein ist. Er kehrt zurück zu dem Erleuchteten und sagt:]

„Lass mich jetzt ein Räuber des Inneren werden, denn ich habe verstanden, dass ich allein bin und dass alles, was ich tue, meine Verantwortung ist, niemand wird sie mit mir teilen. Ich werde allein geboren, ich werde allein sterben, und alles, was ich tue, ist meine individuelle, persönliche Verantwortung. Niemand wird sie mittragen. Also muss ich jetzt nach innen sehen und herausfinden, wer ich bin. Schluss! Ich will mit der ganzen Sache Schluss machen!“ – dieser Mann kehrte in einer Sekunde um.

aus: Osho, „Die verbotene Wahrheit – über das ‚Ketzerevangelium‘ des Thomas“

TIch erinnere mich dumpf: Als ich in einem meiner letzten Leben noch Lehrer war, waren mir die Rabauken immer die Liebsten, während ich mit den Braven immer so meine Probleme hatte. Ich musste nur an meine eigene Schulzeit denken, als mir mal der Klassenstreber während einer Schulaufgabe im Religionsunterricht die Seite aus meinem Katechismus riss, von der ich gerade meine Weisheiten bezog. Das muss derart traumatisierend auf mich gewirkt haben, dass ich die Braven zeitlebens mit meinem Argwohn verfolgt habe. Ich kann Osho nur zustimmen, ohne eine gehörige Portion Wahnsinn, wird das schwierig mit dem Aufwachen. Und ich erlebe es immer wieder, könnten die Normalos die 98 Prozent des Lebens sehen, die sie sich ständig zu sehen weigern,  wäre das eine solche Flut, dass sie sie nicht ertragen könnten – sie würden wahnsinnig werden, ja, vielleicht würden sie Amok laufen.

Ich frage mich gerade, ob es einen Unterschied gibt zwischen dem Wahnsinn der Wahnsinnigen und dem Wahnsinn, in den die Normalos verfallen, wenn sie sehen, was sie nicht sehen wollen. Das ist natürlich nur eine rhetorische Frage, klar gibt’s den Unterschied. Wer ihn nicht sieht, möge sich etwa bei Arno Gruen schlau machen, der einmal gesagt hat: „Nachdem wir gleichzeitig unser Selbst verloren und die Illusion entwickelt haben, wir seien autonome Egos, erwartet man von uns, dass wir uns in innerem Konsensus äußeren Zwängen fügen bis zu einem fast unglaublichen Ausmaß.“ Ich verweise auf sein Buch „Der Wahnsinn der Normalität – Realismus als Krankheit: eine grundlegende Theorie zur menschlichen Destruktivität“ oder auf die beiden folgenden Videos:


Der Wahnsinn der Normalität kreiert weder die besten noch die rebellischsten Menschen und schon gar keine Weisen. Von Heraklit ist der bekannte Hinweis überliefert: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge und der König aller. Die einen macht er zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien.“ Der Wahnsinn der Normalität bringt Menschen hervor, keine Götter, bringt Sklaven hervor, keine Freien, da sie sich dem Krieg verweigern, der der Vater aller Dinge und der König aller ist. Krieg ist das Spannungsgefüge zwischen „Tag und Nacht, Winter und Sommer, Krieg und Frieden, Überfluss und Mangel“, das für Heraklit Gott ist. Der Wahnsinn der Normalität bringt letztlich nur eines hervor: Den eigenen Untergang. Wir alle sind mal wieder Zeugen davon.

K


 

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10 Antworten zu Osho: Menschen, die wahnsinnig werden, sind die besten

  1. Swami Prem Punito schreibt:

    …. Der Wahnsinn der Normalität bringt letztlich nur eines hervor: Den eigenen Untergang. Wir alle sind mal wieder Zeugen davon…..
    wären wir doch nur Zeugen , lieber Nitya ! Mit jedem “ Tasten- Klick “ am PC , sind wir Teil
    des Wahnsinn wirtschafts- neoliberaler Verteilungskämpfe , über die Herrschaft der Ressourcen dieser Erde
    Die “ Ich-bin`s nicht – es sind die Anderen-Philosophie “ ist ebenfalls nicht “ mein Ding “ .
    Mir geht `s vermutlich so wie Eno – ihn zieht`s ins Grüne , ryokangetröstet ,
    bei mir bringt es die Katz `, dem Weltendesinformationswahn mit ironisch eingefärbten Gleichmut zu begegnen .
    Einen schönen Sonntag
    wünscht
    Punito

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Punito,

      bist du nicht Zeuge jedes deiner Tastenklicks, mit dem du „Teil
      des Wahnsinn wirtschafts- neoliberaler Verteilungskämpfe , über die Herrschaft der Ressourcen dieser Erde“ bist?

      Bist du nicht auch Anhänger der “ Ich-bin`s nicht – es sind die Anderen-Philosophie “, wenn es dich ryokangetröstet ins Grüne zieht?

      „Bei dir bringt es die Katz …“ was bringt denn die Katz? Gibt es irgendetwas, was sie bringt?

      Einen feinen Sonntag im Grünen!
      Nitya

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      • Swami Prem Punito schreibt:

        Der Katz `kümmert es nicht – dieser gewöhnliche Gesellschaftswahnsinn .
        Ich hindessen – leg mich immer wieder selbst auf`Kreuz , mit meinen
        Aufgeregtheiten , obwohl ich weiß : “ So wie es ist , ist es , ob `s gut oder Nicht-gut ist vermag ich nicht zu überblicken ! “
        Hab ` ich meine Sach `zwar auf Nichts gestellt ,
        Das 1000de Menschen in der Welt in Not und Elend leben, lässt mch nicht kalt .
        . Da ich aus gesundheitlichen Gründen meine beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen nicht mehr einbringen kann , spende Ich seit einigen Jahren für NGO`s ,
        die sich um Kranke und Behinderte in Asien und Afrika kümmern .
        Wird es besser , für jene Menschen in Afrika , wenn die Regierung Chinas auf diesem Kontinent mittels “ Entwicklungshilfe “ Landerweiterung betreibt , um ausschlieslich ihre Bevölkerung mit Nahrungsmtteln zu versorgen ? Leider nein !
        So , jetzt halte ich den Schnabel – und brumele mich aus .
        Die Katz , ` Meisterin der gelassenheit ,lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen –
        schaue ich zu , werde auch ich gaaaanz entspannt .
        L.G.
        Punito

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  2. Eno Silla schreibt:

    Als Wahnsinniger in einer Welt der Wahnsinnigen weiß ich den ironischen Gleichmut sehr zu schätzen. Wenn ich draußen umherfahre mit wachen Sinnen genießend und angewidert riesigen, irgendetwas Stinkendes versprühende Maschinen ausweichend, dann geht mir das Herz auf vor lauter Wunderbarem, das durch diese vernutzte Kulturlandschaft immer noch hindurchschimmert. Auch der Wahnsinn des „Normalen“, nur ein flüchtiges Erscheinen!

    Vor ca. zwei Wochen habe ich, nur wenige Meter von einem Radweg entfernt, einen Bussardhorst entdeckt. Gestern begleitete mich ein Freund dorthin und hat dieses Foto mit seinem Teleobjektiv gemacht:

    Und dieses ist mir gestern gelungen, mich knallt diese Farbe des Mohns sowas von an:

    pure erotik

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  3. Eno Silla schreibt:

    durch diese welt geweht
    wie ein blatt im wind
    bin ich nur ich selbst

    Foto: von meinem Freund T. P. am 18.06.16

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