Hui-neng: sich zu sich selbst bekennen


HSich im eigenen Geist zur Reinheit bekennen, bedeutet, dass, auch wenn im eigenen Wesen alle Begierden und verirrten Gedanken vorhanden sind, das eigene Wesen nicht davon befleckt wird. Dies wird das Edelste in einer Vereinigung genannt. Auf diese Weise handeln, bedeutet sich zu sich selbst bekennen.

Unwissende Menschen erkennen das nicht und unterziehen sich von morgens bis abends den Zeremonien der Drei Bekenntnisse zu Buddha. Wenn sie sagen, dass sie sich zu Buddha bekennen, wissen sie denn, wo Buddha ist? Wenn sie Buddha nicht sehen, zu was können sie sich dann bekennen? Ihre Worte sind nichts als eine Lüge.

Verehrte Zuhörer, jeder untersuche und betrachte sich selbst. Seid vorsichtig und hütet euch vor falschen Gedanken! In den Sutras steht deutlich, dass wir uns zum Buddha in uns selbst bekennen. Es heißt nicht, dass wir uns zu anderen Buddhas bekennen. Es gibt keinen Ort, wo wir Zuflucht nehmen können, außer in unserem eigenen Wesen.

aus: Hui-neng, „Das Sutra des sechsten Patriarchen.


Die drei Bekenntnisse zu Buddha:

Buddham Sharanam Gachchami (Ich nehme Zuflucht zum Erwachten) – Sangham Sharanam Gachchami (Ich nehme Zuflucht zur Gemeinschaft des Erwachten) – Dhammam Sharanam Gachchami (Ich nehme Zuflucht zur höchsten Lehre des Erwachten)
RMacht euch im ersten Schritt euren Körper bewusst. Betrachtet ihn, als bedecke er euch wie Kleider: Er ist um euch herum, aber ihr seid nicht er. Das ist der erste Schritt: euch nicht mehr mit dem Körper zu identifizieren.
Der zweite Schritt ist, euch nicht mehr mit eurem Geist zu identifizieren. Ihr seid nicht eure Gedanken. Da ist ständig Verkehr. Auf dem Bildschirm des Geistes sind unzählige Gedanken unterwegs – aber du bist keiner davon. Du bist ein Zeuge, du bist außerhalb; du siehst diese Gedanken vorbei ziehen. Alles, was du sehen kannst, bist du nicht. Das sollte der Prüfstein sein: Das, wovon du Zeuge sein kannst, ist nicht du. Du bist der Zeuge. Und der dritte Schritt ist, Zeuge deiner Gefühle, deiner Stimmungen zu werden, sie zu beobachten.

Diese drei Schritte, und schon bist du zu Hause. Danach gibt es nur noch den Zeugen – und nichts zu beobachten. Dann bist du da, leuchtend in deiner ganzen Herrlichkeit, und rings um dich her ist reines Nichts. Dies ist der Zustand des Erwachten, des Erleuchteten. Wenn ihr also eure Gachchamis macht und sagt: „Ich gehe zu Füßen des Erwachten, seiner Kommune, seiner Wahrheit“, ist das nicht etwa ein Gebet, sondern erinnert ihr euch einfach nur selber. Und ihr geht auch nicht zu Füßen von irgendwem sonst, sondern von eurem eigenen erwachten Selbst. Wenn dein Meister erwacht ist, repräsentiert er dich einfach nur, ist er nur ein Spiegel, in dem du dich selbst sehen kannst. Doch jetzt geht ihr auf die Entdeckung des Erwachten in eurem eigenen Innern zu. Und wenn der Schüler den Meister in sich selber findet, ist die Reise beendet.

aus: Osho, „Die Wissenschaft der Meditation“

Hui-neng: „Sich im eigenen Geist zur Reinheit bekennen bedeutet, dass, auch wenn im eigenen Wesen alle Begierden und verirrten Gedanken vorhanden sind, das eigene Wesen nicht davon befleckt wird.“ Ist das nicht ein Oberklassesatz! Das heißt auf gut Deutsch: Wann immer du deine Begierden und verirrten Gedanken versteckst oder verleugnest, hast du nichts von der absoluten Reinheit deines eigenen Wesens begriffen. Alles worum es geht, ist sich zu sich selbst bekennen. Wenn du einen Buckel hast, musst du dich wohl oder übel zu dir selbst bekennen. Oder wenn du richtig doll krank bist. Oder wenn du mal wieder ganz offensichtlich nicht bis drei zählen und es nicht verbergen kannst. Ja, man kann eine Menge Energie da hinein stecken, zu versuchen es doch irgendwie zu verbergen.
GIch denke gerade an die Geschichte vom russischen Großfürsten, die ich hier mal erzählt habe. Ein zu kurzes Bein, ein Buckel und ein fehlendes Auge sind ja wirklich nicht zu verstecken. Aber anstatt sich dazu zu bekennen, sann dieser Großfürst Tag und Nacht darüber nach, wie er es doch hinkriegen könnte.  Dieser Großfürst war ein wandelndes zu kurzes Bein, ein Buckel und ein fehlendes Auge. Er war völlig mit diesem angeblichen Makel identifiziert. Alles als eine Manifestation der Quelle zu sehen, die er ist, ist ihm sicher nicht in den Sinn gekommen. „Nur die Wahrheit wird dich frei machen“, hat Jesus gesagt und auch: „Ehe der Hahn kräht, wirst du dich dreimal verleugnen.“ (Ich bitte, mir die kleine Abänderung zu verzeihen.)

G

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2 Antworten zu Hui-neng: sich zu sich selbst bekennen

  1. Georg Alois schreibt:

    Wenn man sich nur mal diese Zahl betrachtet: ca. 60000 Gedanken pro Tag………….
    wer kann denn daran glauben, dass man sich die willentlich macht?

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    • Alexandra schreibt:

      Also ich glaub nicht dran, dass ich die willentlich mache! Aber wer hat seine Gedanken denn mal gezählt? Bei meinem Gedankensalat wäre das völlig unmöglich!

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