Max Stirner: Mir geht nichts über mich!


BIn der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.

Egon Bahr

Nur in der internationalen Politik? Geht es etwa in unserem Staat um Demokratie und Menschenrechte? In unseren Parteien? In den Kirchen? In unserem Bundesland, in unserem Regierungsbezirk, in unseren Kommunen ob groß oder klein, in unserem Kleingärtnerverein, in unseren Familien, in unseren ganz privaten Beziehungen? Oder geht es nicht auch hier schlicht und einfach um die Interessen des Einzelnen – egal mit was sie einem von allen Seiten die Ohren vollquatschen? Das beinhaltet jetzt keinerlei Aufforderung und soll auch keine Ideologie sein, sondern ist eine simple Feststellung, die jeder jederzeit überprüfen kann. Am besten fängt man bei sich selbst an. Der Hinweis auf Max Stirner und sein Werk „Der Einzelne und sein Eigentum“ scheint mir an dieser Stelle geboten.

Max Stirners Ausruf „Mir geht nichts über Mich!“ löst in aller Regel heftige Ablehnungsreaktionen aus, dabei ist Stirner einfach nur hemmungslos aufrichtig und all seine Kritiker sind nichts als hemmungslose Heuchler oder dumpfe Schäfchen, die diesen Heuchlern nur zu gerne immer wieder auf den Leim gehen.

So, da haben wir nu den Salat, denke ich und denke dabei etwa an Ramesh Balsekar und seine Aussage: „Wie kann irgendein ‚Ich‘ oder ‚Du‘ oder ‚Er‘ oder ‚Sie‘ existieren, auf der Suche nach irgendetwas?“ Ich existiere also nicht. Mich gibt’s gar nicht. Ich bin kein dies und kein das, sondern vielleicht irgend so ein Gespenst ohne Eigenschaften? Nicht beschreibbar, grenzenlos, absolut anonym?

XNa, die neoliberalen Kapitalisten werden sich die Hände reiben. Globalisierung, Auflösung aller Nationalitäten, Auflösung von jeder Zugehörigkeit zu irgendeiner Familie, ja sogar zu irgendeinem Geschlecht, wie uns das der Genderismus verkaufen will. Disidentifikation auf der ganzen Linie. Und jeder, dem das nicht schmeckt, ist natürlich ein Nazi. Klar, dass es da immer zahlreichere Gegenströmungen gibt wie etwa die sog. Identitäre Bewegung, die selbstredend flugs als rechtsextrem eingestuft wurde. Bei all den Lügen kann man ja ganz schön konfus werden. Ist Ramesh vielleicht ein Neoliberaler im Dienste der FED? Vielleicht einer von diesen Soziopathen, die das Blaue vom Himmel herunter versprechen und doch nur in die eigene Tasche wirtschaften ohne jede Rücksicht auf Mitmenschen, Tiere, Pflanzen, die ganze Natur? Handlungen geschehen – es gibt keine Handelnden – schon gar nicht irgendwelche finsteren Mächte im Hintergrund?


„Mir geht nichts über Mich!“ vs. „Wie kann irgendein ‚Ich‘ existieren?“ Wollen die mich jetzt alle völlig verrückt machen? Auch Buddha sagt „Liebe dich selbst!“ Max Stirner würde bei diesen Worten freundlich nicken. In Mt 12,16 sagt Jesus: „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“ Sei klug wie die Schlangen, wenn man dir ein X für ein V vormachen und dich zum Frühstück verspeisen will. UND gleichzeitig ohne Falsch wie die Tauben. Das Kōan, zu sein und gleichzeitig nicht zu sein, muss jeder Einzelne ganz allein für sich lösen. Wenn ein Panzer auf dich zurollt, ist es jedenfalls ziemlich idiotisch, sich die Augen zuzuhalten und sich gebetsmühlenartig vorzusagen: „Ich existiere gar nicht.“ Dieses Ich hat Form und Farbe und kann locker von jedem Panzer einfach platt gemacht werden. Ohne Ideologie würde jeder, der nicht völlig beknackt ist, dem Stärkeren aus dem Weg gehen. Wenn es sich bei diesem Menschen um Ramesh gehandelt hätte, ich glaube nicht, dass er sich die Augen zugehalten hätte und stehen geblieben wäre.
ERamesh: „Wie kann irgendein ‚Ich‘ oder ‚Du‘ oder ‚Er‘ oder ‚Sie‘ existieren, auf der Suche nach irgendetwas?“ Ja, so, ähemm….

„Maude führte ihn zu einem Büschel Gänseblümchen. ‚Siehst du? Einige sind kleiner, einige sind dicker, einige wachsen nach links, einige nach rechts, einigen fehlen sogar Blütenblätter – alles schon äußerlich sichtbare Unterschiede, und wir haben die Biochemie noch ganz außer Acht gelassen. Siehst du, Harold, sie sind wie die Japaner. Zuerst denkt man, dass sie alle gleich aussehen, aber wenn man sie kennen lernt, merkt man, dass keiner dem anderen gleicht. Wie hier bei diesem Gänseblümchen. Jeder Mensch ist anders, hat nie vorher existiert und wird nicht noch einmal existieren.‘ Sie pflückte es. ‚Ein Individuum.'“

G

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10 Antworten zu Max Stirner: Mir geht nichts über mich!

  1. Georg Alois schreibt:

    …das ist echt geil geschrieben vom Stirner: „….Nun, es ist klar, Gott bekümmert sich nur um’s Seine, beschäftigt sich nur mit sich, denkt nur an sich und hat sich im Auge; wehe allem, was ihm nicht wohlgefällig ist. Er dient keinem Höheren und befriedigt nur sich. Seine Sache ist eine – rein egoistische Sache. ….“
    und es ist doch auch ne geile Sache, Worte zu kombinieren, so viele Aussagen, wie Kreaturen am Wegesrand…… so eine Unendlichkeit

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  2. Swami Prem Punito schreibt:

    Lieber Nitya

    Auch im Neofeudalismus ist es tröstlich zu wissen :
    “ ICH habe MEINE Sache auf NICHTS gestellt ! “
    Ganz simpel , egoistisch-klassenlos . *
    HIER-JETZT !

    Herzlichst
    Punito

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  3. Alexandra schreibt:

    Ich hab mal was bei Wikipedia geklaut, was mir dazu eingefallen ist:
    Homo-Mensura-Satz
    Die bekannteste sophistische Lehraussage überhaupt ist ein von Protagoras überlieferter Satz, der sogenannte Homo-Mensura-Satz. Er lautet: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge, der seienden, dass sie sind, der nichtseienden, dass sie nicht sind.“[7] Sowohl die genaue Übersetzung wie die Interpretation dieses Satzes sind umstritten. Platon ordnet den Satz der verlorenen Schrift Alḗtheia (Wahrheit) zu, Sextus Empiricus der ebenfalls verlorenen Schrift Katabállontes (Niederwerfende Reden); möglicherweise sind die beiden identisch.

    Platon, bei dem der Satz überliefert ist, interpretiert: „Nicht wahr, er meint dies so: Wie ein jedes Ding mir erscheint, ein solches ist es auch mir, und wie es dir erscheint, ein solches ist es wiederum dir.“[8] Es wäre dann aber schwer, auch nur die Behauptung aufzustellen, dass es sich bei einem Wind um einen kalten handle, da er dem einen möglicherweise kalt erscheine, der andere ihn als warm wahrnehme. Und auch eine allgemein gültige Definition, was Gerechtigkeit sei, wäre schwer zu geben: „Wie einer jeden Stadt Gerechtes und Gutes scheint, so ist es für sie, solange sie davon überzeugt ist.“[9] Eine ganz andere Interpretation geht beispielsweise davon aus, dass der Mensch gemeint sei. Nicht die einzelne Person, sondern „der Mensch allgemein“ wäre dann das Maß aller Dinge. Die Dinge wären so, wie sie „dem Menschen“ erscheinen; eine Position, die an die Erkenntnistheorie Kants erinnert.
    Ich kann mich nur jetzt wahrnehmen… Was aber sind dann „meine Gedanken“, di mich ständig in die Vergangenheit und in die Zukunft führen, mir alles mögliche über das Leben erzählen wollen, was kurz davor stattgefunden hat und mich an genau dem „Erleben“ des Moments hindern?

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    • Nitya schreibt:

      „Ich kann mich nur jetzt wahrnehmen… Was aber sind dann ‚meine Gedanken‘, die mich ständig in die Vergangenheit und in die Zukunft führen, mir alles mögliche über das Leben erzählen wollen, was kurz davor stattgefunden hat und mich an genau dem ‚Erleben des Moments hindern?“

      Punito hatte kürzlich Oshos Antwort reingestellt:

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