Glücklich-Sein ist der Weg

GEs gibt keinen Weg zum Glück, soll Buddha gesagt haben, was ihm jedoch niemand zu glauben scheint. „Ja, renn nur nach dem Glück, doch renne nicht zu sehr, denn alle rennen nach dem Glück, das Glück rennt hinterher“, schrieb einst Bert Brecht. Es gibt kaum jemanden, der nicht auf der Suche nach dem Glück ist. Und da sind sie alle ungeheuer erfinderisch. Aber der ganze Erfindungsreichtum hat noch nie zum erhofften Ziel geführt.

DFjodor Michailowitsch Dostojewski hat es mal so ausgedrückt: „Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.“ Da waren sich offensichtlich zwei sehr einig: Du bist bereits glücklich; das Problem ist nur, dass das keine Sau sieht und nicht glaubt, wenn es ihm jemand sagt. „Be happy!“ ist ja was völlig anderes. Da muss sich niemand wundern, wenn Eno sich dagegen auflehnt und das Gegenteil daraus zu machen versucht. Wer will sich schon gern seine seelische Verfassung vorschreiben lassen. Buddha, Dostojewski und manche andere wollen niemandem etwas vorschreiben; es geht gar nicht darum, etwas sein zu sollen was man nicht ist. Nicht „sei gefälligst glücklich“, sondern „sieh, dass dein innerstes Wesen schon immer glücklich ist!“ Der Avadhuta drückte es so aus: „Mein Wesen ist Glückseligkeit und Makellosigkeit.“ Und so verwundert es nicht, wenn Buddha sagt: „Glücklich-Sein ist der Weg.“ Auch er sagt nicht „Kneif die Arschbacken zusammen und gib dir ein bisschen Mühe! Du schaffst es schon noch mit dem Glücklich-Sein.“ Eine Flut von sog. Sachbüchern überschwemmt uns mit Rat-Schlägen, die uns zeigen wollen, wie wir glücklich werden können, und viele davon beziehen sich auf dieses gründlich missverstandene Buddha-Zitat.

 

Wenn wir mal davon ausgehen, dass das richtig ist, was Buddha da sagt und Dostojewski und und und …. dann scheint es nicht darum zu gehen, glücklich zu werden, sondern vielmehr darum, damit aufzuhören, irgendetwas zu tun, was uns scheinbar unglücklich macht. Dazu gehört vor allem, dass wir oder die anderen in irgendeiner Weise anders sein sollten, als wir oder sie sind – z.B. glücklich, wenn wir uns gerade ganz beschissen fühlen. Oder ein Sportsfreund, wenn wir das genaue Gegenteil davon sind. Oder tiefsinnig, wenn wir oberflächlich sind. Oder politisch interessiert und aktiv, wenn uns der ganze Kram einfach nur ankotzt. Es ist natürlich völlig idiotisch, ein Dauergrinsen aufzusetzen und aller Welt so kund zu tun, wie abgefahren wir doch sind, wie das Eno gestern zu recht monierte. Und doch würde ich die andere Seite deshalb nicht unter den Teppich kehren wollen: Glück ist deine innerste Natur. Diesen scheinbaren Widerspruch zu akzeptieren, wäre schon mal eine feine Sache. Buddhas anderer Dauerbrenner gehört einfach mit dazu: „Liebe dich selbst und sei achtsam.“ Liebe dich selbst, wie du in diesem Augenblick zu sein scheinst. In dem Moment, wo du an dir (oder einem anderen) rummäkelst oder gar über eine Änderung nachdenkst, liebst du dich (oder einen anderen) nicht für ein Fünferl. Das ist vermutlich die sicherste Methode, dass es dir beschissen geht, obwohl du doch in deinem innersten Wesen nur eines kennst: Glück. Und weil es hier nicht fehlen darf, noch einmal Rumis „Gasthaus“:

R

Dieses „Ein-Mensch-Sein“
ist ein Gasthaus.
Jeden Morgen ein neuer Gast.

Ein freudiger Moment,
ein bisschen deprimiert,
ein Schuss Gemeinheit,
ein plötzlicher Moment der Wachheit
kommt als unerwarteter Gast.

Heiße sie willkommen und bewirte sie alle!
Selbst wenn es eine ganze Schar von Trauergästen ist,
die gewaltsam dein Haus durchfegen
bis kein Möbelstück mehr bleibt –
sogar dann:
behandle jeden Gast mit Respekt.
Es könnte ja sein,
dass er Platz schafft für neue Wonnen.

Den düsteren Gedanken,
Scham, Gemeinheit –
geh und empfange sie an deiner Schwelle,
lachend,
und lass sie ein.

Sei dankbar für jeden,
der da kommt.
Denn jeder wurde zu dir gesandt von dorther,
um dich zu leiten.

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10 Antworten zu Glücklich-Sein ist der Weg

    • Alexandra schreibt:

      Es ist schon bezeichnend, dass die Amis sich in keinster Weise verantwortlich oder schuldig fühlen für den Genozid an über 14 Millionen Ureinwohnern. Es wird Zeit, sie in ihre Grenzen zu weisen!

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      • Alexandra schreibt:

        Sorry, die Zahl stimmt nicht mal annähernd. Es waren auf dem gesamten amerikanischen Kontinent so um die 60 bis 70 Millionen „Indianer“. Über diesen Völkermord spricht kein Schwein mehr, am wenigsten die Amerikaner. Und diesen Nachkommen von Eroberern und Wirtschaftsflüchtlingen vertrauen wir uns an. Wie Schafe, die zur Schlachtbank geführt werden.

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      • Nitya schreibt:

        Und die Hereros? Über diesen Völkermord spricht kein Schwein mehr, Es wird Zeit, die Deutschen in ihre Grenzen zu weisen.

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  1. Eno Silla schreibt:

    Lieber Nitya,

    ich bekenne:
    ich bin
    glücklich
    im ewigen
    auf und ab
    des lebens
    und wenn ich
    nicht glücklich bin
    dann vielleicht
    etwas anderes
    im ewigen
    hin und her
    irgendein passendes wort
    wird sich schon finden
    oder es wird passend gemacht
    irgendein gedanke wird es formulieren
    was nicht zu formulieren ist
    aber der versuch macht klug
    was solls
    was machts
    wen kümmerts
    ich bin
    unter schmerzen gekrümmt
    oder selig in der badewanne plantschend
    gekreuzigt oder verehrt
    ein verstümmelter körper
    oder stark und schön
    reich durchs leben protzend
    oder arm wie eine kirchenmaus
    mit einem wisch ist alles weg

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  2. Eno Silla schreibt:

    Ich fuhr so auf dem Waldweg dahin, die Sonne warm, die Luft so duftend frisch. Da vorne plötzlich mitten auf dem Weg:

    Ausgebüchst bist du wohl, suchtest vielleicht Freiheit. Ich folgte dir, du liefst vor mir her und dann ab in den Wald, als ich dir zu nahe kam… Ich hielt an und wartete und da kamst du wieder auf den Weg geschritten und blicktest mir nach…

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  3. Elwood schreibt:


    „Wer will sich schon gern seine seelische Verfassung vorschreiben lassen.“

    Warum rollt die Kugel in die Unterwerfung, in die Korruption?
    Keine Ahnung warum, aber wenn ich in mich schaue, sehe ich dort den Anfang in der Vernebelung meines Wesensgrundes:

    „Mein Wesen ist Glückseligkeit und Makellosigkeit.“

    Unsere Schamkultur schaffte es irgendwie den erhobenen Zeigefinger in mir wachsen zu lassen.
    Als „Ich(Meins)“ Glaube entstand, wurde der Zeigefinger zu „meinem“ Gefühl: „Ich bin nicht richtig“
    Somit stand das neue “ICH“ im Konflikt mit dem Wesensgrund der Makellosigkeit.
    Der Konflikt besteht im dualem Ich: entweder-oder; richtig- falsch, anders formuliert:
    es kann nicht sein, was nicht sein darf.
    Diesen Konflikt „muss“ „Ich“ jetzt lösen, da es ja „mein“ Gefühl der Fehlbarkeit ist und die Scham schwer auszuhalten ist.
    Womit?
    In meinem Fall mit Anpassung, was Korruption bedeutet, welcher immer neue Köpfe oben draufsetzt, da der Konflikt immer nur verlagert wird und ich selbst schließlich mit dem erhobenen Zeigefinger rumlaufe, weil ich ja wissen „muss“.

    Rumis „Gasthaus“ find ich wunderschön, denn es bedeutet für mich die Lösung dieses Konfliktes.
    Es löst die Kopfgeburten( wie auch diese hier)
    Es sagt mir: das Gefühl des verkehrt zu sein, ist nicht falsch, denn der Konflikt ist in mir.
    Es sagt lediglich: Nicht „ICH“ bin falsch sondern – es fühlt sich falsch an und die Identifizierung „meins“ fällt weg. Dann kann das Gefühl kommen und auch wieder gehen. Nicht nur diese Kopfgeburt, alle Kopfgeburten können kommen und gehen und auch „Ich“ bin falsch – ist nur noch reine Kopfgeburt. Kopf für Kopf fällt.
    „Meins“ und die Korruption können den Wesensgrund nicht mehr verdecken:

    „behandle jeden Gast mit Respekt.
    Es könnte ja sein, dass er Platz schafft für neue Wonnen.“

    Ich kann nur brabbeln, was sich in mir brabbelt, wissen tu ich gar nichts.
    Meine Kinder mussten Mein Wissen“ auch ertragen, doch dann kam der Zweifel und ich wusste immer weniger.

    Vielleicht wissen es andere ja besser:
    http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/matinee/bloss-nicht-schamlos-sein-erziehung-zur-scham/-/id=660804/did=17280750/nid=660804/os1a1p/index.html

    Eins noch: Meine Frau bekommt seit frühester Kindheit bis heute einen roten Kopf wenn einer/e ihr mit dem Zeigefinger kommt, nicht aus Scham, sondern aus Wut.
    Und:
    Die Amis sollten sich in Grund und Boden schämen und wir auch, wenn wir uns das gefallen lassen.

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  4. Eno Silla schreibt:

    hatte gerade viel spass mit karl:

    einfach genial, ich könnte es glatt für die wahrheit halten (ich könnte so blöd sein), wenn karl es nicht immer wieder zerschlagen würde…
    nicht-wahrheit, die als wahrheit erscheint

    tja, wenns keine wahrheit gibt, dann auch keine nicht-wahrheit… (so frei nach k. r.)

    da klimmpern die tassen in meinem oberstübchen gewaltig durcheinander!

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  5. Giri schreibt:

    Nur Sonnenschein haben zu wollen, aber keinen Regen erschien mir immer schon ein wenig dümmlich. Oder wie sagt die Bibel: Jegliches hat seine Zeit. Und es gibt sogar die These, das zu einseitige Glückshormonausschüttung zu burnout führt. Also zutiefst ungesund ist.

    „Wenn ich mir was wünschen dürfte, möcht ich etwas glücklich sein, denn sobald ich gar zu glücklich wär, hätt ich Heimweh nach dem Traurigsein.“

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  6. fredoo schreibt:

    Gurdjieff sagte einst … „ein wirkliches Glück kann der Mensch erst erleben und als solches empfinden , wenn er zuvor bereits ein ebenso wirkliches Unglück erlebt hatte “
    Erst beide Aspekte gefühlsintensiver Befindlichkeit zusammen bringen sie „ins erlebte Leben“ .

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