Linji: … der keine künstlichen Sorgen mehr kennt


EÜbende des Weges, selbst wenn ihr einhundert Sutren  und ihre Kommentare klar versteht, könnt ihr einen gewöhnlichen Mönch nicht übertreffen, der keine künstlichen Sorgen mehr kennt. Wenn ihr die Schriften meistert, schaut ihr auf andere mit Verachtung nieder, werdet ihr zu streitenden Meistern, die sich in Gewinn und Verlust verstricken, weilt in ichbezogener Unwissenheit und erzeugt Höllen-Karma. Der Mönch Shanxing
[Einer von Shakyamunis Söhnen, der aber dessen Lehre ablehnte.] fiel in die Hölle, obwohl er die zwölf Abschnitte der Lehre verstand – die große Erde hatte keinen Platz für ihn. Es ist besser, frei zu sein und von all diesem die Finger zu lassen.

„Hungrig – esse. Schläfrig – schlafe. Narren lachen mich aus, Weise verstehen.“
SSchüler des Weges, sucht nicht in Worten und Buchstaben. Wenn der Geist erregt wird, folgt Erschöpfung. Selbst das Einatmen kalter Luft wird euch dann nicht helfen. Es ist besser für euch, wenn ihr mit einem Gedanken erkennt, dass die Welt kausaler Beziehungen geburtlos ist, und wenn ihr sogar den Bodhisattva hinter euch lasst, der die drei Fahrzeuge übertrifft.

aus: Linji Yixuan, „Linji Yulu“
MVon Meher Baba stammt die Aufforderung „Don’t worry, be happy!“, die Bobby McFerrin zu seinem bekannten Song inspirierten:


Linji sagt: Selbst wenn ihr einhundert Sutren  und ihre Kommentare klar versteht, könnt ihr einen gewöhnlichen Mönch nicht übertreffen, der keine künstlichen Sorgen mehr kennt.“ Von Osho kommt der Ausspruch „Easy is right“, wofür man ihn postwendend bei der Enneagramm-Sieben eingeordnet hat und damit einen oberflächlichen Verdrängungskünstler im Sinn hatte. Die Spiris tun sich schwer mit dieser Leichtigkeit. Sie streben zwar auch das Paradies an, aber sie meinen, bis zum Paradies sei es ein langer, beschwerlicher Weg. Mein Gott, wenn ich da an die Pflichtgottesdienste in meiner Jugend denke, an die langen Gesichter … keiner hätte vermutlich sagen können, wofür diese trübsinnige Fresse gut sein soll und hätte wohl irgendwas von der Würde des Ortes gemurmelt.
SWas meint Linji mit den „künstlichen Sorgen“. Nun, das sind all die Sorgen, die wir uns über Dinge machen, die im Augenblick gar nicht existieren bzw. die völlig irrelevant sind. Wenn ich hinfalle und mir mein Bein breche, werde ich schauen, wie ich mich aus der misslichen Lage befreien kann. Ich könnte natürlich auch einfach liegen bleiben und mir Sorgen machen, was jetzt alles passieren könnte.

Buddha sagte: „Es gibt keinen Weg zum Glück – glücklich sein ist der Weg. Obwohl die Bauls keine Buddhisten sind, ist genau das ihr Weg, einfach glücklich zu sein, zu singen und zu tanzen und jeden Augenblick zu feiern. Für die Bauls ist das ihr Gottesdienst.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Linji: … der keine künstlichen Sorgen mehr kennt

  1. Georg Alois schreibt:

    Gestern telefonierte ich, nach langer Zeit, mit einem alten Freund. Und wie es dann so in unserem Alter ist, der Tod kommt immer näher….., und als ich dann meinen alten „Schüttelreim“ brachte: „Alle wollen sie in den Himmel, aber niemand will sterben.“ , da sagte er: Aber niemals wolle er in dem Himmel! Mit all den bigotten Arschlöcher zusammen sein zu müssen, nee, die Hölle, mit all den interessanten Menschen sei sein Ziel! Es war ein lustiges Gespräch, aber wenn man sich das mal so naiv vorstellt, das ist wirklich lustig, „Ein Münchner im Himmel“ fällt mir dann gleich ein. Und eine grausamere Vorstellung, als mit solchen Paradies-Suchern, eine Ewigkeit zusammen sein zu müssen……….
    “……..an die langen Gesichter … keiner hätte vermutlich sagen können, wofür diese trübsinnige Fresse gut sein soll und hätte wohl irgendwas von der Würde des Ortes gemurmelt.“
    Allein so eine Vorstellung lässt einen doch wieder mit Freude im „Hier und Jetzt“ sein, ooderr?

    Gefällt mir

    • Elwood schreibt:

      Ein überzeugter Atheist, der gerade gestorben ist, findet sich selbst auf einmal in einem dunklen Gang wieder. Er entdeckt ein Schild: „Zur Hölle“. Er hat keine andere Wahl als den Gang zur Hölle zu folgen.
      Er trifft nach geraumer Zeit an eine Türe, die nicht verschlossen ist. Der Atheist betritt die Hölle und traute seinen Augen nicht. Heller Sonnenschein, angenehme Temperaturen, Palmen, Meeresstrand, alle 100 Meter eine Strandbar, fröhliche Menschen tummeln sich, kurzum paradiesische Verhältnisse.

      Der gerade verstorbene Atheist geht am Strand entlang, bis er plötzlich eine Gestalt mit einem Pferdefuß und einem Schwanz in einem Strandkorb sitzen sieht. Er geht auf die Gestalt zu und fragte diese, ob er denn der Teufel sei.

      Dieser bejaht dies und begrüßt den Neuankömmling in der Hölle äußerst herzlich. Er schickt den Atheisten nach dem Geplauder an eine der Strandbars, um sich dort einen Drink zu besorgen. Der Atheist holte sich einen Drink und schlendert am Strand entlang um die Hölle weiter zu erkunden.

      Zwischen Dünen entdeckt er ein großes, tiefes Loch. Neugierig blickte er in die Tiefe und erschrickt sich fürchterlich. Er sieht am tiefen Grund von diesem Loch wimmernde, unbekleidete Menschen. Es lodert ein heißes Feuer und wilde Bestien schlagen auf die Körper der Menschen ein.

      Sogleich rennt der Atheist verwirrt zum Teufel und fragte aufgelöst, was denn das für ein Loch sei? Der Teufel versteht die Frage nicht und so fragte der Atheist nochmals nach dem tiefen Loch mit dem Feuer, den Bestien und den Menschen dort hinten bei den Dünen.
      „Ach“, meint der Teufel, „A;Das ist für die Katholiken, die wollen das so…“

      Gefällt mir

  2. Marianne schreibt:

    Das eigentlich Unangenehme ist ja nicht die „Hölle“, sondern das „Fegefeuer“, dem reinigende Wirkung nachgesagt wird …

    Oder anders ausgedrückt: Wenn wir all die feinen Advaita-Sprüche zwar verstehen (Kopf) aber nicht ins Leben und in den Körper bringen können – was immer ein schmerzhafter Prozess ist – dann bleibt’s halt einseitig, bzw. erzeugt sogar „Höllen-Karma“, wie Linji so schön schreibt …

    Gefällt mir

  3. Eno Silla schreibt:

    Der keine künstlichen Sorgen mehr kennt, jedenfalls nicht mehr in diesem vergangenen Moment:

    Don´t happy, be worry!

    Gefällt mir

    • Georg Alois schreibt:

      „Don´t happy, be worry!“
      das ist doch endlich mal ein guter Spruch!!!
      Erst mal musste ich kräftig lachen, lieber Eno Silla, und jetzt sag ich Dir, den Spruch klau ich Dir!
      Wer zum Teufel kam denn auf diese blöde Idee, dass wir immer „happy“ sein müssen?
      Ich bin schon gespannt auf all die dummen Gesichter, wenn ich mich jetzt immer mit diesem Spruch verabschiede.

      Gefällt mir

      • Nitya schreibt:

        „Nicht glücklich, seien Sie kümmern!“ – Hää?

        Gefällt mir

      • Nitya schreibt:

        Ich schlage Karls Buchtitel vor:

        „Worry And Be Happy“

        Gefällt mir

      • Eno Silla schreibt:

        Lieber Georg Alois,
        ich bin einfach wie ich bin und das ist mal glücklich, mal sorgenvoll, mal stumpfsinnig, mal genervt etc. Ich kann dagegen auch überhaupt nichts machen, und ich habe auch nicht das geringste Bedürfnis, und es ist immer was es ist, wobei ich garnicht weiß was es ist. Mir hat auch FredoO´s „shit on all advices“ sehr gut gefallen, ja, scheiß drauf!
        Außerdem, wie K. R. gerne immer wieder mal hinweist, wenn du glücklich sein willst, dann bist dus nicht, basta! Die Umkehrung dieses Satzes von M. Baba weist auch darauf hin, dass andauerndes happy sein megaanstrengend wäre, jedenfalls für mich, das Happy-Sein kann mich mal (vor allem die zwanghafte Variante), ich liebe die Melancholie, ist viel viel schöner! Und diese vielen aufgesetzt grinsenden Gesichter der Eso- und Spiriszene erzeugen in mir einen Brechreiz.
        Herzliche Grüße
        Eno

        PS: „Worry And Be Happy“ trifft es auch sehr gut!

        Gefällt mir

  4. fredo0 schreibt:

    sit on all advices … äh … shit on all advices

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s