Steven Harrison: was als Nächstes kommt

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Wir haben das Ich hinter uns gelassen und sind in einen Zustand der Einheit eingetaucht. Jetzt hat uns auch der Zustand der Einheit verlassen. Jedweder Zustand hat uns verlassen. Das ist der Preis, den wir zahlen, um der Ko-Kreation des Lebens Ausdruck zu geben. Es kostet uns das Gefühl von Ich, von Sinnhaftigkeit, von Zeit, von Sicherheit. Es lässt uns in einer wertfreien Welt zurück, in der es auf unsere Vorlieben und Abneigungen nicht ankommt. Keine Moral wird uns jetzt noch helfen. In der Welt, die wir nun bewohnen, lässt sich nichts Vorhersagbares mehr ausmachen. Angst ist kein Hemmnis mehr, im Gegenteil – wir nutzen die Energie, um selbst im Angesicht des sicheren Todes neue Dinge zu erschaffen. Wir sind die schöpferische Kraft, die Quelle, genauso wie die Vielzahl der Formen, die aus dieser Quelle kommen.

Ko-Kreation ist das, was bleibt, wenn alles andere wegfällt. Und was als Nächstes kommt, ist die Schöpfung, die daraus hervorgeht.

aus: Steven Harrison, „Was kommt“

Hier kommt man mit einem Entweder-Oder wirklich nicht mehr weiter. Alles taucht auf, alles verschwindet. Jedweder Zustand, Einheit, Zerrissenheit, Zärtlichkeit, Wut, … was immer es auch sein mag. „Es kostet uns das Gefühl von Ich, von Sinnhaftigkeit, von Zeit, von Sicherheit.“ sagt Steven Harrison. Auch das muss nichts Endgültiges sein und kann genauso wieder auftauchen, wie es verschwunden ist. Ja, nichts ist mehr vorhersagbar, jeder Augenblick eine Überraschung. Wer sich in dieser absoluten Freiheit nicht zu Hause fühlen kann, hat schlechte Karten und bekommt vermutlich Panik. Und Panik treibt die seltsamsten Blüten. Was ist die Jagd auf Ungläubige anderes als Ausdruck dieser Panik! Das geht ja schon bei den Andersgläubigen los. Wie beim Highlander kann es nur einen geben.
HWie immer man seinen Gott nennen mag, ein zweiter Gott würde die Existenz des einen Gottes radikal in Frage stellen und damit den Gläubigen gnadenlos dem ausliefern, wovor er anscheinend am meisten Angst hat: Der Heimatlosigkeit, die absolute Freiheit bedeutet. „In God we trust“ beten die Amis und drucken das sogar auf ihre Dollarnoten drauf. Das „Eli, Eli, lama asabtani“ steht ihnen noch bevor, und sie tun seit vielen Jahren alles, um das zu verhindern. Wer ahnt schon, welche Freiheit dahinter auf ihn wartet, eine Freiheit, die das Ende aller Ängste bedeutet?

Steven Harrison sagt da etwas sehr Tiefes: „Wir sind die schöpferische Kraft, die Quelle, genauso wie die Vielzahl der Formen, die aus dieser Quelle kommen.“ Wir sind formlose Quelle und die Fülle der Formen. Da ist kein Schöpfer und keine Schöpfung, kein Täter, kein Opfer.

Steven schließt diesen Abschnitt mit den Worten: „Ko-Kreation ist das, was bleibt, wenn alles andere wegfällt. Und was als Nächstes kommt, ist die Schöpfung, die daraus hervorgeht.“ Was als Nächstes kommt – nicht etwa der mehr oder weniger kümmerliche Versuch, ein Kunstwerk zu erschaffen. Ko-Kreation geschieht ununterbrochen und es wäre ratsam, das nicht als einen persönlichen Akt zu begreifen, sondern als ein völlig unpersönliches Geschehen.
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11 Antworten zu Steven Harrison: was als Nächstes kommt

  1. Osheewan schreibt:

    Ko-Kreation taucht auf, für niemanden…das gefällt mir…und sogar für den, der diese Ko-Kreation beurteilt…wie heißt es in diesem Blog oft so schön: „offene Weite, nix von heilig“…einfach freier Fall…wunderbar und auch wieder nicht…

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  2. Georg Alois schreibt:

    ……….wenn ich das mal so sagen darf……. irgendwie gehen mir diese, in ihre Ratio verliebten Advaita-Buben auf den Sack! Da bleibe ich lieber bei meinen Mädels: „ Die innere Welt ist so schön; es gibt nichts was damit mithalten kann. – Ich habe eine Freude in mir gefunden, die nie mehr verschwunden ist, nicht für einen einzigen Augenblick. Diese Freude ist in uns allen, immer!“

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    • Nitya schreibt:

      Dann muss ich dir ja auch ganz schön auf den Sack gehen.

      Ich liieeebe mein bisschen Ratio über die Maßen, was mich kein bisschen daran hindert, auch die Freude in mir zu feiern.

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      • Georg Alois schreibt:

        …wie heißt es doch so schön: ein Tag ohne Ärger ist ein verlorener Tag.
        Also, janz im Gegenteil, das ist doch Leben, oder?
        Und, heidinei, darf gar nicht daran denken, wenn ich mal auf „nit möööglich!“ klicke und da ist nichts mehr……. Das ist einfach nicht möglich!

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  3. punitozen schreibt:

    …..Wir sind die schöpferische Kraft, die Quelle, genauso wie die Vielzahl der
    Formen, die aus dieser Quelle kommen.“ …..

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  4. punitozen schreibt:

    ….Wir haben das Ich hinter uns gelassen …
    Bei mir kam`s wieder zurück . Gänzlichst verschwinden wird `s , wenn sich dieser Ich-Zustand
    auf dem Wege der Verwandlung auflöst . Sicher dat – Wer weiß es ?

    Bis dahin
    Tag um Tag – guter Tag !
    Punito

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    • Brigitte schreibt:

      Ein Phantom kehrt zurück😉 Und machts was?

      „Das Ego des Weisen erhebt sich wieder und wieder und wieder, aber er erkennt es als das, was es ist, und es schadet ihm nicht.“ (Ramana Maharshi)

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  5. Elwood schreibt:

    Werden
    ist wie es ist
    In 10.000 Richtungen
    Immer nach vorn
    Werden wo nichts getan wird
    wo getan werden auftaucht
    In 10.000 Richtungen
    wo Müssen auftaucht
    In 10.000 Richtungen
    wo Glauben auftaucht
    in 10.000 Richtungen
    wo das Meinige auftaucht
    als Objekt der Spiegelung
    im Spiel der Formen
    ohne Besitz
    ohne Anfang ohne Ende
    kein Wissen wohin
    nicht Wissen von richtig und falsch
    tun was zu tun ist
    es geschieht wie es geschieht
    immer nach vorn
    in alle Richtungen

    Aufmerksamkeit…….

    Eines Tages sagte ein Mann aus dem Volk zu Zen-Meister Ikkyû:
    „Meister, wollt Ihr mir bitte einige Grundregeln der höchsten Weisheit aufschreiben?“
    Ikkyû griff sofort zum Pinsel und schrieb: «Aufmerksamkeit.»
    „Ist das alles?“ fragte der Mann. „Wollt ihr nicht noch etwas hinzufügen?“
    Ikkyû schrieb daraufhin zweimal hintereinander: „Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit.“
    „Nun“, meinte der Mann ziemlich gereizt, „ich sehe wirklich nicht viel Tiefes und Geistreiches in dem, was Ihr gerade geschrieben habt.“
    Daraufhin schrieb Ikkyû das gleiche Wort dreimal hintereinander: „Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit.“
    Halb verärgert begehrte der Mann zu wissen: „Was bedeutet dieses Wort „Aufmerksamkeit“ überhaupt?“
    Und Ikkyû antwortete sanft: „Aufmerksamkeit bedeutet Aufmerksamkeit.“

    Aus Philip Kapleau, Die drei Pfeiler des Zen

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