Jiddu Krishnamurti: Die Welt ist, was Sie sind


KDie Welt ist, was Sie sind. Ihr Problem ist also das Problem der Welt. Das ist eine einfache und grundlegende Tatsache, nicht wahr? In unserer Beziehung zum Einzelnen oder zu Vielen scheinen wir diesen Punkt ständig zu übersehen. Wir wollen Veränderungen durch ein System bewirken oder durch eine Revolutionierung von Ideen oder Werten, die auf einem System basieren, aber wir vergessen dabei, dass Sie und ich diejenigen sind, die unsere Gesellschaft erschaffen, die durch ihre Lebensweise Verwirrung oder Ordnung schaffen. Wir müssen also direkt bei uns selbst beginnen, sozusagen in unmittelbarer Nähe, das heißt, wir müssen uns mit unserem täglichen Leben auseinandersetzen, unseren täglichen Gedanken, Gefühlen und Handlungen, die sich in unserer Art, unseren Lebensunterhalt zu verdienen, und in unserer Beziehung zu Ideen oder Glaubenssystemen widerspiegeln.

aus: Jiddu Krishnamurti, „Wie willst du leben?“

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Wenn ich mich beispielsweise auf Facebook oder auf dem russischen Vk umschaue – geht es sehr oft um Unzufriedenheit mit dem, was ist, was dann in der Folge ganz schnell zu einer Anklage an das politische System oder ganz allgemein zu einer Anklage an die anderen führt.

Jeschuah sagte im Thomasevangelium: „Den Splitter im Auge deines Bruders siehst du, den Balken in deinem Auge siehst du nicht. Wenn du den Balken aus deinem Auge ziehst, wirst du genug sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen zu können.“ Es ist also ganz sicher keine neue Erkenntnis, die Krishnamurti da verkündet, doch bleibt sie weiterhin offenbar in der Breite ohne jede erkennbare Wirkung.

Man kann über die Aussage der beiden diskutieren und seine Schlüsse ziehen: Ist es richtig, dass die Welt ist, was wir sind? Und ich höre schon diejenigen, die jetzt eifrig nicken und laut oder leise denken: Das habe ich doch schon immer gesagt. Die Menschheit ist schuld am Desaster der Welt – in Klammern: Wenn alle so wären wie ich, dann sähe es anders auf der Welt aus. Jeschuah weist genau auf diese Illusion hin: „Wenn du den Balken aus deinem Auge ziehst, wirst du genug sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen zu können.“ Immer schön der Reihe nach also: Erst ist dein eigener Balken dran, bevor du vielleicht davon ausgehen kannst, dass du sehen kannst, ob sich da im Auge deines Bruders ein Splitter befindet. Aber den eigenen Balken sehen und weiter auf die Idioten da draußen schimpfen, wäre schon ziemlich gaga.

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt!“ sagte Gandhi. Jetzt wird’s haarig und du kannst sehen, womit du identifiziert bist. Das klingt so harmlos, aber wenn du mal so richtig fett mit deinen Identifikationen konfrontiert wirst, findest du das plötzlich gar nicht mehr so harmlos. Vor vielen Jahren wurden wir als Teilnehmer eines Workshops einmal aufgefordert, Personen des anderen Geschlechts sexuell anzutanzen. Junge, Junge, war mir das unangenehm. Ich hätte kotzen können, so unangenehm war mir das. Evangelisch puritanisch erzogen tut man so was einfach nicht. Das ist entehrend für die Frauen und erniedrigend für die Männer und außerdem nähert man sich einander nicht als Geschlechtswesen, sondern als Menschen. Wir sind doch keine Tiere! Hihi. Es soll ja Menschen geben, die das ganz anders erleben, hab ich mal gehört. Hoho.

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt!“ Was hatte ich jetzt von meinen tiefschürfenden Workshop-Erkenntnissen? Sollte ich jetzt allen Frauen gleich an die Wäsche gehen, um die Veränderung zu sein, die ich mir von der Welt wünschte? Wünschte ich mir denn überhaupt so eine Welt oder eine Welt, in der mir die Frauen gleich an die Wäsche gehen? Grusel. Aber sag ich das jetzt aufgrund meiner Programmierungen und Identifikationen oder – da könnt ich jetzt den Rest aller Zeiten drüber nachgrübeln. Ich wollte ja auch nur deutlich machen, dass das so eine Sache ist mit den guten Ratschlägen von Jeshua bis Krishnamurti. Alle Ideale sind im Grunde für den Müll. Verändere dich und du veränderst die Welt – ist es nicht gerade dieser Wunsch, sich oder die Welt zum angeblich Besseren hin verändern zu wollen, der sowohl uns wie die Welt in dieses Desaster gestürzt hat? Wären wir nicht vielleicht besser beraten mit Buddhas „Liebe dich selbst und sei achtsam“? Jede Vorstellung vom Paradies führt schnurstracks in die Hölle, brabbele ich gerade mal so vor mich hin.

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8 Antworten zu Jiddu Krishnamurti: Die Welt ist, was Sie sind

  1. Alexandra schreibt:

    Guten Morgen. lieber Nitya, „Liebe dich selbst und sei achtsam“ Wie einfach und schön! Danke! Hab einen wundervollen Tag!

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Alexandra. guten Morgen!

      Hört sich einfach an, ja, Warum beherzigt es dann kaum jemand? Scheint irgendwie für die meisten Menschen komischerweise doch nicht so einfach zu sein.

      Einen herzlichen Gruß
      Nitya

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      • alexandra schreibt:

        Irgendwie scheint es in der Natur des Menschen zu liegen, alles kompliziert zu machen. Deshalb muss man ja immer wieder diese einfache Wahrheit hören! Aber so geht das Spiel mit allem was dazu gehört, oder?

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  2. Marianne schreibt:

    Jede Vorstellung vom Paradies führt schnurstracks in die Hölle …

    Auch das ist natürlich nur eine Vorstellung, Meinung – eben ein Konzept.
    Ich hinterfrage so etwas auch lieber, als dass ich es blind glaube.

    Und dennoch: Konzepte sind halt Konzepte, manchmal können sie nützlich sein, manchmal führen sie in die Irre.
    Das Konzept, dass es so etwas wie dauerhafte „Erlösung“ gibt, ist uralt, sonst hätte der Ablass-Handel im Mittelalter ja gar nicht funktionieren können. Offensichtlich funktioniert er auch heute noch ein bisschen …😉
    Die Menschen glauben halt allzugerne, dass jemand anders den Schlüssel zu ihrem „Heil“ hat und ihnen den WEG zeigen kann …

    Oder wie Angelus Silesius so schön sagte:

    Halt an, wo läufst du hin? Der Himmel ist in dir.
    Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Marianne,

      wie kommst du nur auf die witzige Idee, dass du irgendetwas glauben sollst? Ein Konzept ist einfach ein Spielzeug oder für ernsthafte Leute ein Werkzeug. Glaubst du an deinen Schraubenzieher?

      Ich glaube nicht einmal, dass mein Vater mein Vater ist. Mein Vater hat sich zwar immer als mein Vater ausgegeben und mein Mutter hat es bestätigt und es gibt natürlich Geburtsurkunden, aber das ist alles kein Beweis. Einen Gentest hätte ich machen müssen, das hätte viellicht ein Beweis sein können.

      Ich habe mal einen machen lassen. Ein Vetter von mir und ich wollten herausfinden, ob wir denselben Stammvater hatten. Laut Stammbaum und allen möglichen Urkunden hätten wir einen gemeinsamen Stammvater haben müssen, hatten wir aber nicht. Was sagt uns das? Ich lass mal die getreuen Ehefrauen aus dem Spiel – es sagt uns: Wir haben von nichts eine Ahnung.

      Einen herzlichen Gruß vom ungläubigen Thomas

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      • fredo0 schreibt:

        bei einem anonymisierten test in kanada kaum raus … mehr als 30 % (!) der kinder sind kukuckskinder … tja … wer weiß wieviele von mir da rumlaufen …

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      • Marianne schreibt:

        Mir sind auch eines Tages heftige Zweifel gekommen, ob ich auch wirklich genetisch von meinem Großvater abstamme. Als ich den Beweis antreten wollte, stieß das auf erheblichen Widerstand in der Familie. Ich weiß es also bis heute nicht wirklich … Investigative Aufdeckung von Illusionen scheint nicht jedermanns Sache zu sein …😉
        Manchmal funktioniert das ja auch mit dem Glauben – sonst würde ja wohl der Placebo-Effekt nicht so große Erfolge feiern …

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    • Nitya schreibt:

      Ich wandle ja gern den Seng-ts’an-Spruch etwas ab. Statt „Suche nicht nach dem Wahren, enthalte dich nur deiner Meinungen!“ in: „Suche nicht nach dem Wahren, glaub nur nicht deinen Meinungen, Konzepten, Vorstellungen, ….!“

      Meinungen, Konzepte, Vorstellungen, … erscheinen einfach oder auch nicht. Na ja, das Glauben naürlich auch oder auch nicht.

      Aber man muss es ja mal gesagt haben. Oder auch nicht.

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