Liä Dsï: Schattenspiel


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 Guan Yin redete mit Meister Liä Dsï und sprach: Sind die Worte schön, ist auch das Echo schön; sind die Worte hässlich, ist auch das Echo hässlich. Ist der Leib lang, so ist auch der Schatten lang; ist der Leib kurz, so ist auch der Schatten kurz. Der Name (der uns zuteilwird) ist wie ein Echo (unserer Reden). Unser Ergehen ist der Schatten (unserer Taten). So heißt es: Achte auf deine Worte, so wirst du Übereinstimmung finden! Achte auf deine Taten, so wirst du Nachfolger finden! Darum sieht der Berufene auf das, was von einem Menschen ausgeht, und erkennt daraus das, was ihm zuteilwird; er betrachtet das Vergangene und erkennt daraus das Kommende. Das ist der Grund seines Vorherwissens. Das Maß liegt im eigenen Selbst; das Richten liegt bei den Menschen. Wenn die Menschen mich lieben, so habe ich sie sicher (erst) geliebt; wenn die Menschen mich hassen, so habe ich sie sicher (erst) gehasst. Tang und Wu haben die Welt geliebt, darum wurden sie Könige. Giä und Dschou Sin haben die Welt gehasst, darum gingen sie zugrunde. So wurden sie gerichtet.

aus: Liä Dsï, „Das wahre Buch vom quellenden Urgrund“

Mein erster Gedanke beim Lesen war: So etwas ist heutzutage in einer Buchhandlung unter dem Stichwort „Ratgeber“ zu finden. Die Taoisten waren ja ziemlich praktische Leute. „Ist der Leib lang, so ist auch der Schatten lang; ist der Leib kurz, so ist auch der Schatten kurz.“ Das kann sogar ich verstehen, auch wenn ich nicht so recht weiß, wie mir das in meinem Alltag weiterhelfen könnte. Aber Liä Dsï bleibt ja nicht bei seinem schlichten Beispiel stehen. Er sagt da zum Beispiel: „Das Richten liegt bei den Menschen.“ Also das meint, wenn ich das richtig verstehe, auf gut Deutsch so was wie „selbst schuld“. Meister Eckhart hatte etwas Ähnliches anzubieten: „Wir selbst sind die Ursache aller unserer Hindernisse.“ W„Ooch nöö!“ hör ich jetzt schon wieder manche schimpfen, „Nicht schon wieder! Mit Schuld darf mir nu wirklich keener mehr kommen. Det hab ick schon lange abjehakt.“ Na ja, vergessen wir mal den ganzen biblischen Kram mit der Erbsünde und unserer Schuld, die wir da durch das Essen der für uns verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen für alle Zeit auf uns geladen haben sollen, und erinnern uns an die drei Nornen (Vorsicht Nazi!) Urs, Verdandi und Skuld. Wikipedia: „Der Name Skulds drückt aus, dass sie für die Zukunft steht. Das bedeutet offenbar innerhalb der nordischen Schicksalsvorstellungen das der Vergangenheit Geschuldete. Das ist das Geschehen, das noch zu geschehen hat, weil es auf Grund des Vergangenen nicht anders geschehen kann.“ So, jetzt sind wir ganz bei dem, auf was uns Liä Dsï aufmerksam machen möchte und natürlich beim Thema Karma. Wer Weizen sät, wird keinen Roggen ernten. Hat nix mit Moral zu tun und nix mit Schuld im christlichen Sinn, sondern einfach mit Ursache und Wirkung.

Liä Dsï: „Tang und Wu haben die Welt geliebt, darum wurden sie Könige. Giä und Dschou Sin haben die Welt gehasst, darum gingen sie zugrunde. So wurden sie gerichtet.“ Ursache und Wirkung – oder ist das einfach Quatsch? Bevor sich jetzt jemand allzu sehr echauffiert, empfehle ich mal wieder unser schönes Tetralemma.

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21 Antworten zu Liä Dsï: Schattenspiel

  1. fredo0 schreibt:

    a little gift for happy cadaver day …

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  2. Eno Silla schreibt:

    licht- und schattenspiel:

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  3. fredo0 schreibt:

    hmmmm … ich mag herrn renz ja auch …..
    jedoch
    mir scheint , dass sich viele seiner zuhörer gar kommod in ihrem gelache eingerichtet haben …

    auch „schutt und asche“ ist noch konzept mit hypnotischer potenz …
    sogar erstaunlich starker hypnotischer potenz …

    damit geraten seine treffen in den habitus von betriebsfesten , bei denen man sich auch schnell an einem „ich gehör dazu“ berauschen kann …

    ich habe nix „besseres“ anzubieten , oder könnte sagen , da ist es …

    ich kann lediglich beobachtetes berichten …
    von menschen , die irgendwann in den „endlosen fall“ gerieten , und deren „vorher“ ich bemerken konnte .
    da war keinesfalls „schutt und asche“ im vorher …
    ja … das was da war , zerfiel in „schutt und asche“ in dem moment , wo der „endlose fall“ begann … aber erst dann ! und vorher bereits demonstrativ ( und wie ich finde reichlich eitel ) „zelebriert“ war das nie …

    ein wenig kommt mir das gelache und der damit zelebrierte „schutt und asche – status“ bei herrn renzens besuchern vor , wie eine höchst unfruchtbare scheinschwangerschaft , in der auch mit hochstolzem habitus der kissengeformte scheinbauch vor sich hergetragen wird.

    nur mal so … erwähnt ….

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    • Nitya schreibt:

      Ha, das hat meiner schwarzen Seele mal wieder gut getan!

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    • Eno Silla schreibt:

      Lieber FredoO,
      für mich war der Karl Renz sowas, wie für dich vielleicht der R. Balsekar. Seinen Talks zu lauschen, hat mich mal so richtig vom Hocker geblasen, dass war im Dezember 2004. Da bleibt einfach eine Sympathie, auch wenn es keine weitere Verbindung gibt und für mich auch kein hinterher Reisen oder anderer Unsinn.
      Was für Bäuche seine Besucher vor sich hertragen, ist mir ziemlich latte. Ich hab mit denen nichts zu tun. Ich kann mich immer noch, immer wieder mal, vor lachen bepissen, wenn ich dem Karl lausche, vor allem, wenn er so richtig loslegt. Er ist einfach ein genialer Wortakrobat und Unterhalter. Mehr nicht, es ist für mich gute Unterhaltung, Spirisatire, sowas wie die Anstalt für die Spiriszene, mit einem gewissen fassungslosen Staunen, einer verblüffenden Tiefe. Lachen tut gut, mit oder ohne Scheinbauch!

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    • Brigitte schreibt:

      So kann man es auch sehen, Fredo. Jede Betrachtungsweise ist begrenzt und in meinen Augen wertvoll, insofern sie unterschiedliche Blickwinkel hervorbringt, auf die man sich durchaus einlassen kann. Und klar, wenn das Zerschmettern von Vorstellungen zum Selbstzweck verkommt, ist das fragwürdig. Diesen Eindruck habe ich bei den Renz-Talks nicht. Über die Beweggründe seiner Besucher kann ich nichts sagen. Die werden unterschiedlich sein. Ich kann nur über mein Erleben sprechen in diesem Augenblick. So ein Talk ist für mich eine Momentaufnahme, die eine unmittelbare Wirkung erzeugt. Und wenn sich dabei (so wie bei Karl Renz) Luftschlösser und feste Vorstellungen in befreites Lachen auflösen, na wunderbar. Freude pur, danke dafür. Mehr ist da nicht, aber auch nicht weniger.

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    • Nitya schreibt:

      Also wenn ich das mal so sagen darf: Wenn ich den Fredo richtig verstanden habe, dann geht es ihm nicht um den Karl, sondern um die, die dir, lieber Eno, ziemlich latte sind, also um die, die um den Karl herumwuseln. Nun kann man sagen: Was jucken mich die Herumwusler? Den Fredo jucken sie halt. Mich übrigens auch. Ich hab mit Jesus kein Problem, aber ich hab ein Problem mit denen, die bis heute um ihn herumwuseln. Ich bin in einem Herumwuslerland aufgewachsen, war in einer Herumwuslerschule, in einem Herumwuslerinternat, war viel zu lange beruflich unterwegs in Herumwulsereinrichtungen. Mir sind die Herumwusler deshalb alles andere als latte. Ich finde den Karl auch super, liebe Brigitte, und den Ramesh und den Ramana und Osho und den Jesus und den Ikkyû und den Linji und den Huang-po und und und … so viele leuchtende Sterne. Und ich wäre froh, wenn jeder Mensch auf der Welt so ein leuchtender Stern wäre und nicht nur ein um einen Stern Herumwusler. Deshalb gab es immer Typen, die alles in Schutt und Asche legten – nicht als Konzept, sondern einfach, weil alle Konzepte in Schutt und Asche gelegt werden müssen.

      Hier nochmal der Linji in seiner Rede an die Herumwusler:

      Übende,
      macht Buddha nicht zum Letztlichen. So wie ich es sehe, ist er nur ein Latrinegraben. Bodhisattvas und Arhats sind Halseisen und Ketten – etwas, das die Menschen fesselt.

      Übende,
      es gibt keinen Buddha, den man erlangen könnte. Die Drei Fahrzeuge, die Fünf Wesen und die Erleuchtung sind alles nur temporäre Arzneien für die jeweilige Krankheit. Sie sind alle keine wirklichen Dharmas. …

      Übende,
      es gibt Glatzköpfe, die ihre Anstrengungen nach innen richten und einen Dharma suchen, der die Welt überschreitet. Das ist ein Fehler! Wenn jemand nach Buddha sucht, dann verliert er Buddha. Wenn jemand nach dem Weg sucht, so verliert er den Weg. Wenn jemand nach den Patriarchen sucht, dann verliert er die Patriarchen.

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      • Osheewan schreibt:

        Ich war fast immer nur ein „im -Kopf-Herumwusler“ (außer Byron Katie und Tony Parsons) hab halt gelesen und mir so meinen Reim auf manches gemacht…und das tu ich auch jetzt noch gerne, bevorzugt ohne „Herumwusler“, lieber alleine oder mit ganz normale Leut und ab und zu quäl ich meine „Familie“ mit meiner „Herumwuslerei“…

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      • Brigitte schreibt:

        Was für ein Gewusel🙂 Leuchtende Sterne, Herumwusler, Scheinschwangere, endlose Fallerei etc.pp. Mir ist das viel zu anstrengend. Ich habe es längst aufgegeben, irgendwen oder irgendwas verstehen zu wollen. Mich eingeschlossen. Mein Eindruck ist, jeder redet am anderen vorbei. Jeder Fuzzi hört ohne Ausnahme unentwegt nur sein eigenes Geschwätz von der Wiege bis zur Bahre. Der Ball wird angestoßen und er rollt. Und keiner hat eine Ahnung wohin. Aber jeder weiß Bescheid, wie das Spiel geht. Vielleicht hast ja du ein bisschen Verständnis für meine Doofheit, lieber Nitya.

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      • Nitya schreibt:

        „Aber jeder weiß Bescheid, wie das Spiel geht.“

        Guck mal, liebe Brigitte, wenn Buddha sagt „Glaubt mir kein Wort, aber wenn ihr Lust habt, probiert doch einfach mal dies oder das aus“, dann ist er für mich nicht einer dieser schwer erträglichen Bescheidwisser, die den anderen sagen, wo es lang geht. Er lädt einfach dazu ein,selbst zu gucken.

        Du schreibst: „Mein Eindruck ist, jeder redet am anderen vorbei. Jeder Fuzzi hört ohne Ausnahme unentwegt nur sein eigenes Geschwätz von der Wiege bis zur Bahre.“ Wenn ich dein „ohne Ausnahme“ mal weglasse, würde ich dir sofort zustimmen. Aber es gibt einen Unterschied zwischen dem, was man Kommunikation zu nennen pflegt und dem, was man Kommunion nennen könnte, wenn man es widerstrebend überhaupt benennen will.

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  4. fredo0 schreibt:

    danke für euer feed-back zu meinem kleinen provokations-erguss

    die drumrum-wusler wollte ich durchaus gutieren , doch vielleicht mal ein weiterer gedanke …
    etwas was mal einer fragte , zu den diversen lehrern …
    er ( ich glaube es war jedmckenna) fragte einfach : wieviele derjenigen , die da besuchen kommen , sind denn dann später in den „endlosen fall“ geraten ?
    ja … ich weiß … hört sich „unspirituell“ an … aber hat mir schon damals gefallen …
    und es gibt da überraschende zusammenhänge … viele sehr prominente „berichter“ haben da eine erstaunlich dürftige quote … und andere ….. nun ja …
    denn diese ganze guru-schüler-nummer macht wenig sinn , wenn sie denn nicht irgendwie doch , zumindest bei dem ein oder anderen das „bein zu stellen vermag“ … und damit meine ich nicht das befreiende lachen , dass ich ja auch bei renz sehr schätze … was mir aber trotz oder wegen ( ? ) des genusses eher „die geschichte des ich“ zu entlassten scheint , als das es tatsächlich in richtung „ein bein gestellt zu bekommen “ treiben könnte …
    denn , ich habe noch nicht von einem einzigen gehört , der da bei/durch/mit renzi , dieses „stolpern ins endlose“ berichten könnte … entlastung , entertainment , freude , genuss, ja … aber … ?
    ( ich weiß , dies lässt vermuten , es ginge um etwas zu erreichendes … dem ja … so … nicht ist … jedoch wird herrn buddha bei seiner blümchen-aktion der eine „verstehende“ doch sehr erfreut haben )

    seltsam ist , dass ich ja , wie ihr wisst , den ramesh sehr schätze , mich aber seine bücher oder briefe an mich und andere ( er war begeisterter briefschreiber ) weder zum lachen ( wie es herr renz vermag ) noch zum intelektuellen staunen brachten ( wie zum beispiel es ein wei-wu-wei vermag ) .
    und doch weiß ich von mehreren dutzenden seiner besucher , dass sie dann irgendwann dieses „bein stellen“ erlebten.
    hmmmm … die frage scheint mir mitlerweile durchaus auch berechtigt , wie effektiv denn da so ein „guru“ mit seiner art ( ! ) zu wirken scheint … ist er „ich“schmeichler ( und sei es durch intensivste ent-täuschung ) oder „kollaps-dünger“ ???……
    mag sein , es geht eher um eine raffinierte überlastung als um eine entlastung ?
    keine ahnung … es kommt nur so aus dieser gedankenwelt zu mir …

    es bedarf anfangs eines intelektuellen verstehens ( betonte ramesh immer ) …
    mag sein , dies ist diese raffinierte überlastung …

    ach … was weiß denn ich …

    ( jetzt werde ich mir erst mal mit viel freude und lachen herrn renz pfingsten nummer 4 bis weitere anschauen … 3 hab ich schon intus …😉 )

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    • punitozen schreibt:

      .
      … die frage scheint mir mitlerweile durchaus auch berechtigt , wie effektiv denn da so ein „guru“ mit seiner art ( ! ) zu wirken scheint … ist er „ich“schmeichler ( und sei es durch intensivste ent-täuschung ) oder „kollaps-dünger“ ???……

      Verstehen befreit. Wenn du also eine bestimmte Tatsache wahrnimmst, dann ist es nicht nötig, dass du sie verurteilst und dir Sorgen darüber machst. Du brauchst nur einen guten Blick darauf werfen und sie verstehen.

      ..Wenn ich etwas sage, was dich trifft… und genau das ist meine Absicht: Es soll dich
      treffen, und dann sollst du nachschauen, warum es dich so getroffen hat und wo es dich getroffen hat und was das Problem ist. Du musst es dir gründlich anschauen. Bei genauem Hinsehen, wenn du es dir von allen Seiten anschaust… Wenn du eine Sache verurteilst, kannst du sie nicht sehen, kannst du sie nicht aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, denn du hast bereits entschieden, dass sie schlecht ist. Ohne ihr eine Chance zu geben, hast du sie bereits verurteilt.

      Höre auf die Tatsache, gehe tiefer, kontempliere darüber, schlafe darüber und je besser du alles beobachten kannst, desto leichter wirst du da herauskommen. Die Fähigkeit zu verstehen und die Fähigkeit herauszukommen sind lediglich zwei Seiten des gleichen Phänomens.
      OSHO
      ( This Is It ! )

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  5. Elwood schreibt:

    Voller Ungeduld warte ich auf das Erscheinen auch nur eines einzigen
    Schwachkopfes von Mönch (oder auch nur der Hälfte davon), der,
    reichlich ausgestattet mit einem natürlichen Vorrat an spiritueller Kraft
    und innerlich entflammt von einem wilden religiösen Feuer,
    sich ohne Zögern mitten in dieses Gift hineinstürzt
    und augenblicklich im Großen Tod zugrunde geht.
    Wenn er sich dann aus diesem Tod wieder erhebt, wird er sich mit einer Kalebasse von riesigen Ausmaßen bewaffnen und auf der Suche nach wahren und echten Mönchen die ganze große Erde durchwandern.
    Wo immer er einen trifft, wird er in seine Fäuste spucken,
    seine Muskeln spielen lassen, seine Kalebasse mit tödlichem Gift füllen
    und einen Schöpflöffel voll davon auf diesen Mönch schleudern.
    Durchnässt, durchtränkt von Kopf bis Fuß,
    wird dieser Mönch nicht umhin können, sein Leben hinzugeben.
    Was für ein herrlicher Anblick, sich daran zu ergötzen!

    Hakuin Ekaku

    Zum Glück kann mich das Gift als Herumwusler nicht treffen…..

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